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DAYS IN GRIEF

Nachdem mich das neue Album der 5 Kölner wahrlich überzeugt hat, war ich natürlich gespannt wie das Material auch in live und in Farbe rüber kommt. Um meine Neugier zu befriedigen machte ich mich eines Samstages auf den Weg nach Duisburg, um der Band Löcher in den Bauch zu fragen und meine kleinen Öhrchen verwöhnen zu lassen. Das letztere stellte sich jedoch etwas schwieriger dar, zu mal bei dem Festival die anderen Bands kurzfristig absagten. Es blieb somit genug Zeit um meine Neugier zu stillen.

Nun zuerst möchte ich mal wieder eine der beliebtesten Fragen an Euch stellen. Wie habt Ihr zusammengefunden?
Sebastian:
Wir haben alle vorher in anderen Bands gespielt und sind irgendwie in Kontakt gekommen. Als sich dann das Ende dieser Bands abzeichnete haben Flo, Jörg und ich zusammengefunden. Max stieß etwas später hinzu.

Hat sich schon lange vorher abgezeichnet, dass Ihr Musiker werdet? Habt ihr als Kind etwa mir dem Holzlöffel auf Töpfe geschlagen oder so ne kleine Tischorgel gehabt?
Max:
Das mit den Töpfen kommt fast hin bei mir. Ich fand das schon immer toll eine Band zu haben. Zudem macht mein Vater auch Musik
Sebastian: Ich habe mit Klavier angefangen und irgendwann keine Lust mehr darauf gehabt. So habe ich dann die Wandergitarre von meiner Mutter aus dem Keller geholt und habe mir selbst ein paar Sachen beigebracht.
Jörg. Ich habe auch ganz klassisch angefangen. Mit 9 Jahren habe ich klassische Gitarre gespielt, nebenbei habe ich mir dann eine E-Gitarre zugelegt. Im Laufe der Zeit stieg ich auf Bass um , ohne es wirklich gelernt zu haben. Da wir noch einen Bass brauchten, habe ich mich dazu entschieden.
Flo: Mich hat mein Vater gezwungen (großes Gelächter bricht aus) Er hat halt früher viel Akkustik-Gitarre gespielt und so bin ich auf dem Wege dahin gekommen.

Wie ich das so versteh, haben Eure Eltern nichts dagegen, dass Ihr eine Musikerkarriere ansteuert?
DIG( im Chor):
Nein, überhaupt nicht. So lange man nebenbei noch was Handfestes macht.

Neben der Musik studiert ihr noch bzw. macht Zivildienst und eine Ausbildung. Wie bekommt ihr alles unter einen Hut? Ihr tourt momentan auch. Die Gigs sind zum Teil unter der Woche.
Sebastian:
An der Uni und der FH ist das nicht so kompliziert.
Jörg. So sieht es halt aus. Wenn man nicht kann, muss man eben die Bücher lesen.

Also habt ihr immer die Studienbücher mit?
Jörg.
Ich habe sie teilweise mit.
Sebastian: Wenn es auf Klausuren zugeht, dann lernt man auch mal im Tourbus.
Flo: Ich muss halt Urlaub nehmen. Mein Chef ist da sehr großzügig.

Ihr habt gerade Euer Debüt herausgebracht. Beim Lesen der Lyrics ist mir aufgefallen, dass diese sehr politisch sind. Seid ihr politisch engagiert oder wie kommt das?
Jörg:
Ich bin politisch interessiert und schreibe halt darüber was mich interessiert und schockiert.

Du meist also, dass die Musik ein gutes Medium ist, um die Leute ein bisschen wachzurütteln?
Jörg:
Ja, genau das ist es eben. Man kann nicht die Welt verändern, aber vielleicht rüttelt es ein paar Leute auf, die dann die Zeitung lesen und sich informieren.

Habt  Ihr noch Hoffnung, dass die heutige Spaßgesellschaft noch umzukrempeln ist? Ich habe das Gefühl, dass heutzutage die meisten Jugendlichen nicht an Politik interessiert sind.
Jörg.
Im Underground in der Szene merkt man, dass die Leute noch aktiv sind. Da gibt es viele kluge Köpfe, die sich Gedanken machen und sich in der Musik oder politisch engagieren. Auf so Leute setzt man halt.

Wie entstehen Eure Songs?
Max:
Es ist sehr unterschiedlich. Mal kommt der Flo mit Sachen an, die er zu Hause gemacht hat. Sie werden dann weiterentwickelt. Manchmal entstehen aber auch die kompletten Lieder im Proberaum. Die Texte werden nachher geschrieben.

Da seid Ihr auch immer einig?
(Gelächter bricht aus) Max:
Ne.

Und wie fällt dann die Entscheidung? Wird es ausgeknobelt?
DIG (im Chor):
Es wird demokratisch abgestimmt.

Ihr hattet das Glück mit dem Label und dem Plattenvertrag. Wenn es nun nicht geklappt hätte, könntet Ihr Euch vorstellen bei so einer Casting-show  mitmachen?
Max:
Absolut nicht. Auf gar keinen Fall.
Flo: Erstens machen wir überhaupt nicht die Mucke dafür. Zweitens  käme es keinen von uns in den Sinn. Unser Ziel ist es nicht auf Teufel komm raus vermarktet zu werden und damit Kohle zu machen.. Sondern es ist der Spaß an der Musik.
Max: Meiner Meinung nach werden die Leute da total ausgenutzt. Sie werden in irgendeine Talkshow gesteckt und müssen den Musiker spielen und wissen halt nicht, wie sie damit umgehen sollen. Mir tun die Leute nur leid.

Ihr würdet also nicht sagen, wenn es mit der Metalschiene nicht klappt, mache ich eine andere Art von Musik. Vielleicht Country oder Folk? ( Grins)
Max:
Ne, das geht nicht. Wir machen schon selber die Musik, die wir hören und cool finden. Eine andere Art von Musik könnten wir auch nicht so gut machen, da wir nicht dahinten stehen würden. Von daher kommt das nicht in Frage.
Flo: Ich habe auch nur die Musik gespielt. Mir würde es auch schwer fallen irgendwie 30 Countryriffs aus dem Ärmel zu schütteln.
Jörg(lacht laut): Banjoriffs

Wenn ich zu Euch nach Hause kommen würde und ins CD-Regal greifen würde, fände ich keine CD von Britney Spears?
DIG im Chor:
Ne!
Jörg: Vielleicht REM oder so was.

Wie haltet Ihr es in Zukunft mit dem Studium oder der Ausbildung, wenn es weiter bergauf geht. Abschluß machen oder verschieben?
Sebastian:
Erst mal Studium durchziehen.
Flo: Bis auf Max haben wir eh nicht mehr so lange.
Max: Für mich ist es etwas schwierig, weil ich momentan Zivildienst machen und erst mit dem Studium beginne. So muß ich es mir gut überlegen wie ich beides parallel machen will.

Habt Ihr Euch ein Ziel gesetzt, was Ihr in den nächsten 5 Jahren erreichen wollt?
Jörg:
Nein, gar nicht. Wir lassen es einfach auf uns zu kommen. Wir machen einfach Musik und alles was drum herum passiert erfreut uns, aber letztendlich bewegt es sich unabhängig von uns.
Da kann ich nichts mehr hinzufügen. Ich wünsche Euch alles Gute und hoffe, dass die Tournee ein voller Erfolg wird.
Kerstin Ziganke