|
Die bereits 1985 unter dem Namen BLACKOUT in Ostberlin gegründete Band, konnte nach dramatischen Ereignissen, die ihnen wiederfuhren, 1989 endlich in Westberlin, mit neuem Namen DEPRESSIV AGE,
einen Neuanfang starten. Nach nunmehr zwei Alben stehen die Melancholic-Trasher mit neuem Output, den sie ´Symbols For The Blue Times´ betitelten wieder in den Startlöchern. Bei einem Interview mit Sänger Jan Lubitzki,
konnte ich auch noch einiges an Information bekommen. Los geht´s.
Was bedeutet eigentlich der Titel Eures neuen Albums ´Symbol For The Blue Times? - Das Album ist zu 80% ein Konzeptalbum geworden und die
einzelnen Songs haben jeder für sich eigentlich einen Symbolcharakter, womit im Großen und Ganzen die Texte gemeint sind.
Seht Ihr denn aus Eurer Sicht eine Weiterentwicklung, von ´First Depression´ über ´Living In Wait´ zum jetzigen Album? - Irgenwie schon, aber ich selber würde es nicht gerade behaupten, denn irgendwie ist es ein
Zeitzeichen oder gerade erlebtes, welches in Musik umgesetzt wurde.
DEPRESSIVE AGE verbreiten in ihren Songs eine depressive und melancholische Stimmung. Habt Ihr in den früheren Jahren schlechte Erfahrungen
gemacht, weil Ihr heute solche Songs schreibt? - Sicher schon. Ich sehe es jetzt mal aus meiner Sicht. Seit diesem Jahre stehe ich vollkommen alleine da, weil meine Familie auf den unmöglichsten Arten ums Leben
gekommen ist und das hat sicher seine Narben gebildet. Es ging mir auch in meiner Pubertät sehr schlecht, was aber zum Glück heute nicht mehr der Fall ist. Im Nachhinein kann ich die Sachen so auch viel besser
verarbeiten.
Also so eine Art Vergangenheitsbewältigung. - Genau und auch vor allem wie man die Welt sieht und welches Weltbild man hat. Wir wollen auch eine Gegenfront zu den sehr verbreiteten
Fun-Bands sein.
Ihr habt ja auch sehr viele Erfolge vorzuweisen, wie z.B. in Amerika und Japan. Ihr seid aber in einem kommunistischen Staat groß geworden. Wie kommt Ihr denn mit dem Erfolg klar? - Der
Kern der Band ist ja jetzt auch schon seit 10 Jahren zusammen und zum Glück kam der Erfolg ganz allmählich bei uns. Wir freuen uns natürlich sehr über den Erfolg,, aber ich glaube, daß wir erst Erfolg haben, wenn wir
von unseren verkauften Platten auch leben können.
Kommen wir doch noch einmal zu Euren Songs zurück. Warum habt Ihr nicht wieder ein Song mit Brutus gemacht, denn ein Erfolg wie bei ´Eternal Twins´ wäre doch
sicher garantiert gewesen. - Ich finde so etwas kann man einmal nur machen und wir wollten auch nicht an unserem alten Album anknüpfen. Wir wollten uns auch nicht bei irgendwelchen Fans einschleimen, denn so
etwas liegt uns nicht. Wir wollen vielleicht noch einmal eine EP machen, bei welcher aber nur Brutus singt. Ich finde auch, daß wenn wir noch einmal so einen Song zusammen machen würden, alles viel zu aufgesetzt klingen
würde.
Das Album wurde ja von Euch selber produziert. Seid Ihr mit dem Ergebns zufrieden? - Sicherlich, denn wenn wir diese Platte mit den anderen vergleichen, kommen uns die ersten beiden Produktionen
ziemlich steril vor. Sie klingt eigentlich so, wie wir auch im Proberaum klingen, also sehr natürlich.
Zwei Songs gibt es auf dem Album, die mich total begeistern und zwar ´World In Veins´ und ´Hut´. Spiel
doch mal ´In Own Words´ und erzähl uns was zu den Songs. - Gehen wir doch mal von den Texten aus. Die Lyrics zu ´World In Veins´ sind mir eigentlich gekommen als ich bei einem Arzt im Wartezimmer saß. Da gab es
so viele Kinder, die regelrechte Augenränder, blutige Augen und eine Stimme, die schon ziemlich kaputt ist. Ja und wenn man denn die Eltern dazu sieht, dann merkt man sofort, daß da irgendetwas nicht stimmt. Entweder
stehen die Eltern unter Drogen oder es zeugt einfach nur von schlechten Familienverhältnissen. Es ist einfach ein Spiegel der Gesellschaft. In dem Song geht es eigentlich darum, daß der Mann ein Alkoholiker ist und
seine Frau ist die Prinzessin, die sich gerne die Spritze in den Arm reinschießt. Ja und die Kinder sehen das alles und leiden darunter. Ich finde das einfach unfähr den Kindern gegenüber die damit schon sehr schlechte
Karten für das weitere Leben haben. Ja und zum Song ´Hut´. Er spiegelt eigentlich den Musikstil der Zeit wieder. Das kam so, weil auch meine Mutter in diesem Jahr verstorben ist und ich sehr viel in ihrer Wohnung war.
Ich habe den Haushalt von ihr aufgelöst und dann die Erinnerungen in den Händen gehalten. Das ist alles davon abgeleitet worden. Der Song ist ein bißchen umschmückt worden. Er hört sich fast wie ein Märchen an. Es ist
so, als wenn ich in die Hütte, die im Wald liegt, gehen würde, wo die Mutter eben gelebt hat. Ich finde aber, daß sich jeder die Texte einmal selbst übersetzen sollte, denn man kann sich noch soviel dazu denken. Ich
möchte der ganzen Sache auch nicht den Reiz nehmen. Der Song geht in jedem Fall auch um die Neider, die bei einem Tod eines Verwandten sich sofort die Perlenkette reißen.
Wie es ja in vielen Fällen normal ist.
Jetzt aber zu etwas anderem. Was würdet Ihr eigentlich von einer US-Tour erwarten, wenn eine solche stattfindet? - Es wird in erster Linie eine große Erfahrung für uns werden, weil wir auf diesem Gebiet noch
nicht allzusehr bewandert sind. Der andere Aspekt ist der, das wir damit vielleicht Gelegenheit haben Kontakte zu knüpfen, weil Amerika ja doch sehr kurzlebig ist. Man muß in jedem Fall den Managern und den
Plattenfirmen was sagen können. Wir werden jetzt erst einmal warten, was so in Amerika passiert. Obwohl die Reaktionen ja sehr gut waren, denn ´Living In Wait´ war ja doch mehrere Wochen lang im oberen Drittel der
College-Radio Metal-Charts gewesen. Wir hätten vielleicht direkt zum damaligen Zeitpunkt rüber gemußt und hätten sofort interviewtechnisch am Ball bleiben müssen. Wir sind jetzt jedenfalls schlauer geworden.
Wollt Ihr denn jetzt eine Europa-Tour machen? - Das ist leider im Moment noch alles Chaos, aber unser Management versucht für uns da einiges aufzureißen. Wir werden aber sicher Anfang nächsten Jahres eine Tour
machen, auch wenn es nur in kleinen Clubs ist. Wir finden es auch besser eine eigene Tour zu absolvieren, denn die Leute, die uns jetzt schon als Vorband gesehen haben, sollen uns auch einmal über eine volle Spielzeit
sehen können. Dann müssen wir leider noch bis ins neue Jahr warten, um uns DEPRESSIVE AGE einmal in voller Länge zu Gemüte führen zu können. Aber auch diese Zeit geht vorbei. Story: Volker Raabe |