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Plagiat oder Reanimation des Mittelalter-Metal? Für ihr Debutalbum „Ihr sollt brennen“ hagelte es aus den Reihen der Fachpresse hohes Lob und scharfe Kritik. Ingrimm scheinen sich den
Wahlkampfslogan der SPD von 1998 zueigen gemacht zu haben: Wir werden nicht alles anders machen – aber vieles besser.
Mit „Ihr sollt brennen“ habt ihr ein feines Stück Mittelalter-Metal in den Startlöchern, bei
dem die Betonung auf „Metal“ liegt. Habt ihr bewusst darauf geachtet, dass das Material nicht zu soft klingt oder ergab sich das einfach so? - Für uns war es von Anfang an klar, dass wir eine Metal-Band sind. Wir
hatten nur die Idee, die Melodieparts statt von der Lead-Gitarre von Dudelsack oder Drehleier spielen zu lassen. Dabei war uns ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Instrumenten wichtig. Den Härtegrad haben wir nicht
mit aller Gewalt nach oben gedreht. Wir lieben nun mal Doublebass und brettharte Gitarrenwände in Verbindung mit mittelalterlichen Instrumenten. Als wir bei „Sag mir nicht“ zum ersten Mal mit Doublebass gearbeitet
hatten, waren wir vollauf begeistert. Somit war der INGRIMM-Sound geboren.
Ihr spielt noch nicht allzu lange als Band zusammen. Gab es nie Differenzen über die genaue stilistische Ausrichtung? - Wir
sind allesamt Metalheads mit einer Leidenschaft fürs Mittelalter. Für uns zählte immer nur eins: Es muß rocken, gnadenlos nach vorn gehen und einfach Spaß machen. Als Hardy, Alex und ich zusammenkamen, war die
Marschrichtung unausgesprochen schon abgemacht. Blindes Verständnis, kann man sagen.
Läuft das Songwriting streng demokratisch ab oder hat jemand die Federführung? - Unser Alex ist der Mann für
Komposition und Arrangements, wobei er aber jederzeit für Ideen und Änderungsvorschläge offen ist. Die Melodien stammen zum größten Teil von Hardy und mein Gebiet sind die Texte. Es läuft aber keineswegs immer nach dem
gleichen Schema ab. Mal hab ich eine Melodie im Kopf, mal kommt Hardy mit einer etwas ausgefallenen Rhythmik…. Jeder Song hat seine eigene Entstehungsgeschichte, wenn sie manchmal auch recht chaotisch ist, haha.
Geht es bei euch ausschließlich um die Musik oder steckt dahinter auch ein besonderes Interesse an mittelalterlicher Thematik? - Ich interessiere mich seit Kindesbeinen an für das Thema Mittelalter. An
Lesestoff verschlinge ich alles was ich dazu in die Finger kriege und an einer Burg oder Burgruine komm ich sowieso nicht vorbei, ohne sie besichtigt zu haben und etwas über deren Geschichte zu erfahren.
„Ingrimm“ war ja nicht der ursprüngliche Name des Projekts. Wie kam es dazu, dass ihr euch letztlich Ingrimm genannt habt? - Die Odyssee der Namenssuche. Anfangs heißen wir Igni et ferro, zu deutsch Feuer und
Eisen. Das konnte sich erstens keiner merken und passte zweitens überhaupt nicht zu uns, weil wir bis auf ein paar lateinische Einwürfe nur auf deutsch singen. Es folgten zahllose Diskussionen und Vorschläge, bis wir
uns schließlich auf Grimm einigten. Unter diesem Namen produzierten wir unsere Promo-CD „Feuertaufe“, nur um kurz nach der Veröffentlichung zu erfahren, dass eine niederländische Band namens Grimm ein Album über
Mailorder hervorgebracht hat. Uns gefiel aber Grimm so gut, so dass wir kurzerhand nur noch ein In davor gesetzt haben. Die Bedeutung des Wortes wurde dadurch nur noch verstärkt. INGRIMM ist ein mittlerweile nicht mehr
so häufig vorkommendes Wort für inneren Zorn, also die Wut im Bauch. Fanden wir sehr passend.
Das Prinzip „Metal meets Medieval“ ist ja nicht gerade neu. Beim Hören von „Ihr sollt brennen“ meine ich immer wieder das
Bemühen zu erkennen, keiner der etablierten Bands in diesem Genre zu ähneln. Andererseits wirkt eure Eigenständigkeit keineswegs gezwungen. Spielt Angst vor dem Plagiatsvorwurf für euch überhaupt eine Rolle?
- Es war uns klar, dass wir mit unserer Musik mit den Szenegrößen verglichen werden. Wir haben auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass
wir gerne unter anderem Bands wie In Extremo oder Subway to Sally hören. Aber diese Gruppen haben das Recht auf Verwendung von
Dudelsack und Drehleier nicht gepachtet. Wir haben unseren eigenen Stil entwickelt, dem wir treu bleiben. Wir haben es überhaupt nicht nötig, irgendjemanden zu kopieren.
Gibt es außerhalb des Genres Mittelalter-Metal Bands, die als Einflüsse auf Ingrimm zu nennen wären?
- Unsere Einflüsse sind die Helden unserer Jugend. Bands wie Metallica, AC/DC, Slayer, Pantera usw. sind schuld daran, daß wir überhaupt Musiker wurden.
E
ure Musik schreit geradezu danach, auf einer größeren Bühne mit astreinem Sound, einer adäquaten Show mit Pyros etc. gebührend inszeniert zu werden. Wie stehen die Chancen, das in absehbarer Zeit zu verwirklichen?
- Konkrete Gigs dieser Größenordnung können wir momentan noch nicht bieten, aber wir arbeiten dran. Aber aus den zahlreichen meist
positiven Reaktionen schließe ich, dass für uns durchaus die Möglichkeit besteht, auch große Bühnen zu entern. We are ready to rock!!!
Friedrich I Barbarossa ist von den Toten auferstanden und besucht ein Ingrimm-Konzert. Gefällt’s ihm?
- Barbarossa wird bangend vor der Bühne stehen, Haare samt Bart kreisen lassen, nach dem Gig seine alten Knochen sortieren und sich
aufmachen sein Kaiserreich neu zu errichten. Er wird sodann ein Gesetz erlassen, nachdem INGRIMM jedes Jahr ein neues Album zu
produzieren haben um das Volk mit Metal von Kaisers Gnaden zu beglücken (erinnert mich sehr stark an unseren Labelboss). Es sei
fürderhin in jeder Schänke und Taverne zu spielen, auf dass der Metal im Reich gesichert seye. Genug gesponnen, ich denk, der Gute wäre
sehr erstaunt darüber, was man mittlerweile mit Dudelsack und Drehleier alles anstellen kann. Danke im Voraus für die Antworten und viel Erfolg für euer neues Album.
Ebenso vielen Dank fürs Interview „Rock on“ - Stephan „Fenris“ von INGRIMM Story: Dominik |