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JESTER'S TEARS aus dem Bayernland, gibt es eigentlich schon seit 1994. Sie setzen sich wie folgt zusammen: Dimitrios Tsiktês (lead vocals), Tobias Dorner (guitars, vocals), Willi Schneider
(keyboards, vocals), Bernd Huber (bass, vocals) und Mike Sauter (drums). JESTER'S TEARS sind musikalisch im Bereich des melodischen Progressiv-Metal's zu finden. Nachdem sie vor einigen Jahren ihre erste Maxi CD
"Reflections" auf den Markt gebracht haben, haben sie nun ihre erste LP CD "Illusion" fertig gestellt. Warum es so lange gedauert hat dieses Album zu produzieren, versuchte ich von Tobias zu erfahren?
Wie seid ihr zusammen gekommen? - Oh, dass ist gar nicht so einfach. Kurz gesagt, wir haben uns über unseren Bekanntenkreis in München gefunden. Ich bin eigentlich der Gründer und nach einigen
Besetzungsveränderungen ist so JESTER'S TEARS entstanden. Wir haben zusammengepasst und das ist jetzt seit sieben Jahren so geblieben.
Warum ist erst jetzt euer erstes LP-Album auf den Markt gekommen?
- Das ist eine berechtigte Frage! Es hat mehrere Gründe: Zum einen lassen wir uns relativ viel Zeit um unsere Songs entstehen zu lassen. Ein eigenes Tonstudio bietet uns eben auch diese Möglichkeit. Zum anderen haben
wir alle durch private Dinge zeitweise wenig Zeit gehabt, so dass der Endstehungsprozess unseres Albums "Illusion" sich lange herausgezögert hat. Wir leben nicht von der Musik und haben jeder unseren Job oder
unser Studium und z.T. auch Familie. Durch die so vorprogrammierten Fehlzeiten haben wir beinahe drei Jahre verloren.
Ihr produziert in eurem eigenen Studio? - Ja, genau. Es ist nicht direkt unser
eigenes Studio, sondern das eines guten Freundes. Wir haben dadurch die Möglichkeit erheblich kostengünstiger zu produzieren.
Euer Cover zeigt venezianische Masken. Wie seid ihr darauf gekommen? -
Durch den Namen JESTER'S TEARS. Das war auch auf unserem ersten Album schon so. Wir sind sehr große Venedig Fans. Und außerdem ist Venedig sicher eine der schönsten Städte, die sehr geheimnisvoll und melancholisch ist.
Der Name JESTER'S TEARS bot sich für uns dann an, weil es für uns aussagt: Die Tränen des Clowns oder der Harlekins. Das verdeutlicht einerseits den venezianischen Karneval und andererseits: Das hinter der Fassade eines
Clowns, der immer lustig ist und einem etwas vorgaukelt, ein anderes Wesen steckt als er zu sein scheint. Das macht das Ganze geheimnisvoll. Wir erheben jetzt nicht den Anspruch geheimnisvoll sein zu wollen. Es ist
einfach ein sehr schöne Wortkombination und die, wie ich denke, viel mit dem Leben zu tun hat.
Obwohl euer Booklet nur minimal an Venedig erinnert, eigentlich nur die erste Seite! - Stimmt. Es ist nicht
für jedermann verständlich. Es drückt viel vom dem aus, was mit uns passiert ist - auch private Dinge. Unser Booklet ist eigentlich eine Band-Zeitgeschichte der letzten fünf Jahre.
Wer ist verantwortlich für die Musik und wer schreibt die Texte? - Bis auf zwei Songs sind alle Texte von Dimitrios und die Musik entsteht durch uns alle. Unsere Songs entwickeln sich meistens dadurch, dass
wir Phrasen aufnehmen - das wir ein Gerüst für einen neuen Song bauen. Die Grundidee stammt meistens von einem immer wieder wechselnden Bandmitglied, die wir dann alle gemeinsam ausarbeiten.
Einige Songs sind
ziemlich hart und unromantisch, wie z.B. "Close to you", "Assassino" oder "Speed of pain". Was hat euch zu diesen Texten inspiriert? - Die Texte basieren auf die schon angesprochene
Zeitgeschichte oder auch Vergangenheitsbewältigung unserer Band. In den Texten mischt sich teilweise auch unser Frust mit unter. Es sind auch Gedanken und Überlegungen enthalten. Zum Beispiel bei "Close to
you". Es ist aus der Sicht eines Insekts entstanden. Das Insekt darf der Betrachter aber nicht wörtlich nehmen. Im übertragenen Sinne stellt der Song die Frage: Wie bewege ich mich durch mein Leben. Ist es so wie
ich leben will. Es spricht auch das Trugbild unseres Lebens an. In "Assassino" versuchen wir uns in die Lage eines Mörders hineinzuversetzen. Es war für uns faszinierend sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Unsere Texte entstehen durch beobachten, durch unser Leben und natürlich aus unserer Phantasie.
Ihr arbeitet sehr oft mit Effekten, z.B. die Geräusche eines Bootes oder in dem Song "Letter" eine Schreibmaschine ... - Es mag vielleicht altmodisch klingen, aber ich finde es zum Beispiel wahnsinnig
interessant wie Pink Floyd mit Klängen gearbeitet hat. Sie haben immer versucht natürliche Geräusche in die Musik einzubringen, um damit Stimmungen aufzubauen. Ich finde das einfach interessant, wenn in der Intro das
Geräusch einer Gondel zu hören ist. Es war für uns sehr passend. Oder in "Letter" halt die Schreibmaschine.
Ihr habt eine gewisse Verspieltheit, die sich konsequent durch alle eure Songs bewegt.
Setzt ihr diese Art vor allem dafür ein, um eine Leichtigkeit in eure Stücke zu bringen? - Genau. Wenn ein neuer Song steht, dann beginnen wir ihn zu bearbeiten, überlegen uns Parts, in die wir noch einige
Effekte einbringen können. Genau gesagt: Wir staffieren unsere Songs aus. Ich kann z.B. eine harte Gitarre unter meinen Song legen, und versuche dann mit einigen Effekten dem eventuell wuchtigen oder sperrig wirkenden
Sound eine Leichtigkeit zu geben.
Außergewöhnlich finde ich euren Einstieg "Inside" und euren Ausstieg "And Out". (beides sind Instrumental Stücke), obwohl euer Album ja kein Konzeptalbum
oder eine abgeschlossene Geschichte ist! - Das hat sich halt so entwickelt. Plötzlich kommt einer auf die Idee: Oh ja, das ist gut. Der Zuhörer sollte sich bei unserem Album auf eine kleine Reise begeben. Unsere
Idee war, dass "Illusion" ein Gang durch viele Räume sein sollte. Das kann die Seele sein oder das reale Leben. Ein Gang durch verschiedene Erlebnisse. Und dann verlässt er die Räume wieder. Das der Song
"Inside" ein Gondelgeräusch beinhaltet kam natürlich ganz klar von Venedig und das Schlussstück "And Out" - das sphärische - ist recht spontan entstanden und es passte für uns. JESTER'S TEARS
arbeiten an neuen Songs um schnellst möglichst ein weiteres Album produzieren zu können. Und sie planen in der Zukunft auch Konzerte ein, leider noch vorwiegend im bayrischen Raum ... aber wer weiß, vielleicht treibt es
die Jungs ja auch mal in die nördlichen Gefilde. www.jesterstears.com Story: Gabi Peiter |