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Als ich hörte, dass KNORKATOR eine neue Scheibe auf den Markt bringt, und ich das Vergnügen hätte mit einem der 3 Mannen aus Berlin einen Plausch zu halten, so durchflutete mich eine
unbeschreibliche Freude. Natürlich wollte ich den Herren ein bißchen auf den Zahn fühlen und herausquetschen, was sie so erlebt hatten in den 2 Jahren der Bühnenabstinenz. Alf Ator gab sich mir die Ehre und stellte sich
meinen bohrenden Fragen. Er sparte wahrlich nicht mit Worten und so wurde das Interview zu einen unvergesslichen Ergebnis, nicht wahr Alf.
Ihr hattet jetzt eine 2jährige Schaffenspause, in der Ihr Euch der
Volksmusik zugewendet habt. Wie kam es dazu? Habt ihr zu viele Heimatfilme auf den öffentlich rechtlichen geschaut? - Die Heimatlieder sind Songs, die einfach da waren. Songs die im Laufe der Jahre aus
Quatschgründen entstanden sind. Wir hatten in diesen 2 Jahren das Bedürfnis nicht ganz still zu halten. Eigentlich waren diese 2 Jahre da, um neue Songs zu schreiben .So hatten wir eben Stoff gehabt für eine Platte und
ein Buch, das mußte halt raus.
Was habt Ihr denn sonst noch in den 2 Jahren so getrieben? - Wir haben die Welt bereist um die Kulturschätze der ganzen Welt in unsere neue CD einfließen zu lassen. Zudem
sind wir inzwischen alle Väter geworden. Das war auch notwendig, da uns der Alltag die Themen für unsere Lieder frei Haus brachte, als wir noch jugendlich waren. Mit der Familie kam nun ein bißchen normales Leben in den
Alltag und ich zerre davon auch ganz viel und bekomme so Ideen für die Lieder.
So wie bei den Song „Schmutzfink“ etwa? (lach) Ihr hattet auf dem vorigen Album schon so ein kleines nettes Lied „Ich verachte
Jugendliche „ gehabt. Wie sieht das aus mit dem Song „Schmutzfink“? War es eine Alltagssituation oder vielleicht aus dem Erfahrungsschatz? - Wir karikieren unsere eigene Situation in der Rockmusik. Wir sind
Menschen, die Hardrock machen, bei dem ordentlich laut gebrettert und herum geflucht wird. Dies drückt natürlich eine bestimmte Stimmung aus, eine gewisse Aggression. Und irgendwann bist du dann knapp 40 und
merkst, dass eigentlich die einzigen mit denen man noch herumschreit die eigenen Kinder sind. Aus dieser Weise ist das Lied entstanden. Natürlich rede ich nicht mit meinem Kind so, er würde es auch mit seinen 2 Jahren
noch nicht richtig verstehen.
Welches Lied ich auch recht gelungen finde, ist der Opener „Der ultimative Mann“. Der Song ist ein bißchen auf die Position des Mannes in der Gesellschaft bezogen. - Ja, so
könnte man es sagen. Eigentlich ist es ein Lied für die Frauen. Es ist die Rache aller Frauenversteher, die wegen irgendeines Idioten sitzengelassen worden sind.
Bei dem Song“Ich hasse Musik“ könnte man hinein interpretieren, dass Ihr auf dem Kriegsfuß mit Euren Beruf steht. - Der Song lebt von der Absurdität der Formulierung, die völlig ohne Sinn ist.
Ihr habt
auch drei Cover-Versionen auf dem neuen Album drauf. Ich finde Eure Interpretation von „Ma Baker“ von Boney M sehr witzig. Aber auch das Cover „Try again„ von Aalyah. Wie kam es dazu? - Es wird da eigentlich
keine Aufarbeitung von Vorbildern betrieben. Die Auswahl der Lieder, die gecovert werden findet danach statt, ob sie sich ganz speziell in diesem Falle dafür eignen. So wird geschaut, ob es sich anbietet, sie von einem
anderen Standpunkt zu betrachten. Bei Aalyah ist es so, dass es diese Basslinie gibt, die von ihrer Harmonie her die gleichen Töne hat wie ein Hardrock Gitarrenriff .Die Baßlinie kann man so auf Gitarre übernehmen. Die
Melodie in diesem Lied hat eine klare Linie, ein bißchen melancholisch. Es erinnert ein bißchen an barocke Musik im Ansatz. Beim Refrain wurde wohl die Hauptstimme eingesungen und es kam zu einem Ansatz von versetztem
Gesang. Was jedoch nicht weiter ausgeführt wurde. Man hört das so als Musiker und sagt sich, das könnte man doch eigentlich so konsequent fortführen. Warum nicht konsequent die Strophe als barockartige Gesangslinie und
der Refrain dazu noch als richtiger Kanon bis zum Ende durch komponiert. In großen und ganzen mit Pathos überhäuft. Das hat wirklich wunderbar geklappt. Der Song hat eine Facette dazu gewonnen. Damals haben wir von Ace
of Base „ All that she wants“ gecovert und bekamen eine gute Reaktion der Band zurück, sie haben den Song auf ihre Homepage gestellt.
Wie komponierst Du die Lieder? - Es entstehen im Alltag Text- oder
Melodiefragmente, die kurz am Klavier ausgearbeitet werden, aber keine weitere Bedeutung haben.. Irgendwann ergibt es sich, dass eine Textidee mit einer Melodie-Idee im Einklang zu bringen ist. An diesen Punkt entsteht
der Rest der Texte und der Musik.
Stumpen bringt mit seinem Gesang alles im Einklang. Seid ihr Euch bei der Vertonung des Textes immer einig? - Wir sind uns fast immer einig. Ich habe es noch nie
erlebt, dass wir was eingesungen haben und uns am Schluß nicht einig waren, welche Variante wir nehmen.
Stumpen singt auch zum Teil sehr hohe Passagen. Hat er ein Geheimrezept, auch gerade für die anstehende
Tour, seine Stimme fit zu halten? - Wir haben das Glück, dass die Tourneedaten nicht so eng beisammen liegen. Es sind immer mal 3-4 Tage frei.
Habt Ihr schon ein bißchen Vorfreude hinsichtlich der Tour?
- Wie haben momentan noch so viel zu tun, dass für solche Gefühle gar keine Zeit ist. Wir konzipieren die Tour im Moment noch. Noch nicht alles, was wir umsetzen wollen, ist schon bis in Detail geplant. Die
Anspannung überdeckt zurzeit alles.
Die letzte Tor war 2000. In dem Jahr habt Ihr auch bei der Vorentscheidung des Grand Prix teilgenommen. Hat sich Euer Bekanntheitsgrad explosionsartig vergrößert? Werden die
Hallen voller sein? - Wir haben keine sprunghafte Vergrößerung des Publikums festgestellt. Der Anstieg der Kurve ist genauso wie in den Jahren davor. Der Grand Prix ist natürlich eine riesige Plattform, aber die
Leute, auf denen man als Musiker bauen möchte, sind das eigentlich nicht.
Zum Thema Karriere. Ihr macht nicht gerade chartsstürmenden Mainstream, sondern seid eher was für Freunde der abstrakten, schrägen
Musikkünste. Wenn Ihr jetzt nicht in Berlin ansässig gewesen wärt sondern in Ludwigshafen. Hättet Ihr genauso einen Erfolg? - Das ist nicht schwer zu sagen. Wäre dies mein Wohnort gewesen, so wäre ich irgendwann
nach Berlin gezogen. Wenn wir zufällig alle drei zu dem Zeitpunkt in Ludwigshafen gewohnt hätten, so hätte es Knorkator vielleicht nie gegeben, weil ich eigentlich Schlosser war. In der Rockmusik ist es so, dass
gerade am Anfang der Trubel sein muß. Da kannste nicht irgendwo am Ende der Welt sitzen und Deine Lieder machen, und keiner kriegt es mit. Berlin ist eben eine große Stadt in der viel passiert. Wenn man was erreichen
will, sollte man in Berlin sein.
Nun gut, Köln liegt im Zentrum des Landes, und auch hier tut sich was. Sieh Dir nur all die Castingsshows an. Was würdet Ihr machen, wenn Ihr noch keinen Plattenvertrag hättet?
Versuchen in Berlin die Türen einzurennen oder bei einem Bandcasting in Köln dabei zu sein, und von Herrn Bohlen ordentlich gebügelt werden? - Ich hätte was Besseres vor als dies zu tun, da es auch eine ganz
andere Kiste ist. Dies ist ein Bereich der Musik, der seine volle Berechtigung hat Von Prinzip finde ich diese Sache eigentlich okay, und eigentlich in weitesten Sinne läuft es bei uns auch so. Wir haben einen, der
macht halt die Songs, das bin ich. Und wir haben einen der kann singen, das ist eben Stumpen. Aber bei den Casting ist es angelegt, dass alles austauschbar ist. Die Superstars müssen so gecastet werden, dass jeder im
Stoff stehende Komponist für sie komponieren kann. Auf der anderen Seite brauchen die Komponisten Sänger, die alles was man ihnen anbietet trendy und chartverträglich interpretieren können. Ich könnte solche
Lieder niemals schreiben. Wir haben uns aufeinander spezialisiert, das heißt ich schreibe den Stumpen die Songs entsprechend seiner Stimme. Wenn ich nun für jemand anders wie für den Alexander einen Song schreiben
müßte, so wäre dies kein Hit. Da wir nicht die Garantie haben, daß die Lieder, die wir heute schreiben schon morgen auf Platte herauskommen, müssen wir Lieder für die Ewigkeit schreiben.
Du sagtest gerade, daß
ihr nicht wißt, wann die Lieder auf Platte kommen. Heißt dies, daß Ihr Vorgaben von der Plattenfirma habt? - Nein, so ist es nicht. Natürlich würden wir uns freuen, wenn wir es schaffen würden alle 1,5 Jahre eine
Platte heraus zu bringen, obwohl wir gerne etwas länger an den Scheiben sitzen und an den Songs herumbasteln. Ein Lied, was ich heute schreibe, kommt in etwa 1,5 Jahre auf dem Markt, aus diesem Grund sollte der Text
auch zeitgemäß sein.
Nun kommen wir zum Abschluß. Hat Eure Plattenfirma Einfluß auf die Texte? Gibt es bei besonders krassen Texten eventuell Einschränkungen? - Ne, das gibt es nicht. Wir haben einen
neuen Plattenvertrag unterschrieben, bei dem das jetzige Album schon fertig war. Sie haben es so genommen. Aber auch bei unserer alten Plattenfirma war die künstlerische Freiheit ein sehr wichtiger Bestandteil.
Natürlich sperren wir uns auch nicht gegen gute Vorschläge seitens der Plattenfirma. Da können wir nur hoffen, dass die Plattenfirma nicht auf die Idee kommt, Alf ins Handwerk zu pfuschen und er uns weiterhin mit
seinen geistigen Ergüssen erfreuen kann. Story: Kerstin Ziganke |