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OSIRIS TAURUS August 2004

Die erste Begegnung mit der Band OSIRIS TAURUS hatte ich auf dem Castle-Rock Festival in Mülheim. Am Anfang ihres Sets war ich ein wenig skeptisch, aber je länger ich ihnen zuhörte umso mehr begeisterten sie mich. Grund genug noch mehr von der Band zu erfahren. Gelegenheit dazu hatte ich zwei Wochen nach dem Festival, denn mit Sängerin Amira Hani hatte ich eine sehr kompetente Gesprächspartnerin, die mich in die Geheimnisse von OSIRIS TAURUS einweihte. Im Hintergrund am Telefon saßen noch Tassos OZ und Raaboo von der Band.

Osiris Taurus starteten ihr Projekt vor gut 10 Jahren als Osiris Traumzeit.
- Wir hatten zur damaligen Zeit eine große Didgeridoo-Besetzung gehabt. Das hat natürlich sehr stark eingeschränkt. Nachdem dann der Didgeridoo-Spieler die Band verließ, war nach gut 5 Jahren der Name Osiris Traumzeit für uns beendet. Der Name Traumzeit war aus der Geschichte der Aborigines abgeleitet, denn sie leben ja bekanntlich in dieser besagten Traumzeit. Danach gingen wir auf die Suche nach einer neuen Energie und neuen Musikern, die wir dann auch fanden. Die neue Energie war dann der Taurus, den wir dann zum Namen zufügten.

Die Bedeutung des Namens wird ja auch sehr gut auf eurer Homepage erklärt. Ich habe ich ja sehr stark mit eurem Info befasst und ich sehe Osiris Taurus mehr als Kunstobjekt als eine Band.
- Für Tassos und mich ist es im weitesten Sinne so, denn wir kommen beide von der bildenden Kunst. Wenn wir Musik machen, sind auch immer die dazu passenden Bilder dabei. Es sind immer Gefühle, die in eine Landschaft gebracht werden und so entsteht auch unsere Musik. Ich bin ja auch ausgebildete Tänzerin in Ballett und Bauchtanz schon seit 16 Jahren und dadurch können wir dies auch sehr gut auf der Bühne darbieten. Schön wäre es, wenn wir dies auch mit der passenden Lightshow auf der Bühne untermalen könnten, aber das ist ja auch nicht gerade billig.

Dann gehe ich davon aus, dass wenn ihr Songs schreibt auch die dazu passenden Bilder habt.
- Meistens entstehen die Bilder aus dem Innern heraus, wie z.B. die Pferde eine große Rolle beim zweiten Album gespielt haben. Mit diesem Projekt wollte ich eine Wiedergutmachung für die Pferde erreichen, denn sie sind ja seit jeher sehr oft missbraucht worden. Man kann eigentlich sagen, dass es für jedes Lied eine innere Situation oder Begegnung gibt.

Dazu gab es ja auch 1999 das Cavallo-Projekt zur Grünen Woche in Berlin. Im Jahre 2000 wurde zum Jahrtausendübergang in Braunschweig "Im Zeichen des Feuers", mit einem ungewöhnlichen Open Air Konzert aufgeführt.
- Das Konzert zum Millennium war ein großes Feuer-Spektakel. Mit involviert waren Pyrotechniker Ingo Elvishausen und Feuerkünstler Kain Karawahn aus Berlin, die dort die großen Herrenhäuser-Feuerwerke machen. Das war schon ein großes Ereignis. Wir haben dann, in feuerfesten Anzügen unsere Performance dargeboten.

Wenn ich dich so erzählen höre, glaube ich, dass eine Performance zum damaligen Zeitpunkt mehr als die Musik im Mittelpunkt. Das glaube ich hat sich aber in den letzten Jahren in die andere Richtung verändert.
- Das ist vollkommen richtig. Damals war der Tanz für mich wichtig und die Musik diente der Untermalung und die Musiker haben meine Ideen musikalisch umgesetzt. Das hat sich aber sehr geändert, weil heute die Musik im Vordergrund steht. Meinen Körper und die Bewegungen nehme ich heute als Verstärkung in die Performance.

Ich glaube auch, dass genau dieser Punkt den Zuschauern Probleme bereitet, denn auch ich habe eine solche Performance noch nie gesehen. Die meisten Leute befassen sich heute einfach nicht mehr so intensiv mit einem Auftritt, denn sie wollen nur schnell verzehrbare Kost.
- Ich bin der Meinung, dass man sich mit unserer Musik beschäftigen muss. In der heutigen Zeit gehen die meisten Zuschauer doch nur auf ein Open Air um Highlights zu sehen. Als Vorband hast du es da schon sehr schwer und bekommst sehr schnell schlechte Kritiken. Ein weiteres Problem ist, unsere Musik ist sehr tiefgründig und man muss sich regelrecht für diese Musik öffnen.

Und genau das wollen die meisten nicht, sie wollen einfach nur berieselt werden und Althergebrachtes und Bekanntes hören und sehen.
- Ich denke auch, dass unsere Musik zeitlos ist, denn jeder kann aus den Liedern etwas für sich herausziehen.

Das bezieht sich vor allem auf dem Sound. Ich möchte jetzt noch mal auf deine Antwort kommen, dass die Musik jetzt bei euch im Vordergrund steht. Kommt das vielleicht auch daher, dass ihr seit gut 2 Jahren zwei neue Musiker in der Band habt?
- Runa und Raaboo sind schon länger dabei, aber es dauert ja doch eine längere Zeit, bis man sich eingespielt hat. Unseren ersten Auftritt haben wir dann 2002 absolviert.

Wer schreibt eigentlich die Songs bei euch?
- Ich habe meistens die Ideen und die mache auch die meisten der Kompositionen. Diese Ideen bringe ich dann mit in die Band und wir versuchen dann gemeinsam sie umzusetzen. Ich habe zwar die Ideen, aber ohne die anderen wären wir gar nichts.

Ihr bezeichnet euren Sound als "Shamanic Pop-Rock". Ich finde die Bezeichnung sehr treffend. Was mich aber an dieser Stelle interessiert, woher kommen denn eure musikalischen Einflüsse?
- Unsere Einflüsse beziehen wir eigentlich von der ganzen Welt. Wir mögen eigentlich alles was gut ist und da kennen wir auch keine Grenzen. Vor Jahren hatten wir Probleme, ob wir überhaupt orientalischen Sound mit schottischen Dudelsack zu verbinden. Wir haben es gemacht, denn wir waren von dieser Sache überzeugt.

Man muss ja auch selber hinter dem Sound stehen, denn sonst bräuchte man es ja nicht zu machen. Was ich aber jetzt nicht so richtig verstehen kann ist, ihr habt gar keinen Plattenvertrag und ihr vertreibt die CD´s selber.
- Das ist richtig und wir haben schon sehr viele Absagen erhalten. Ich gehe davon aus, dass wir in keine der Schubladen passen, die man so kennt. Den "Shamanic Pop-Rock", wie wir unseren Sound bezeichnen erklärt sich so, dass man in die Bezeichnung "Shamanic" alles hineinpacken kann, was tiefgründig ist und mit verborgenen und mystischen Welten zusammen hängt. "Pop" bezieht sich auf populär und das möchten wir auch sein, denn unsere Kompositionen sind doch eigentlich sehr traditionell.

Trotz allem finde ich die Songs sehr anspruchsvoll.
- Das sind sie und wir haben schon des Öfteren gehört, ob wir nicht ein wenig einfacher werden können. Aber das sind nun mal wir.

Jetzt möchte ich von Tassos OZ noch kurz was fragen, denn er hat bis jetzt, zusammen mit Raaboo, ruhig im Hintergrund gesessen.
- Das macht aber nichts, denn ich habe euch gerne zugehört und war auch richtig aufmerksam.

Wie bist du eigentlich zum Didgeridoo gekommen?
- Ich habe damals damit angefangen, als die Welle aus Australien herüber kam. Das spielen habe ich mir alleine beigebracht. Ich habe zwar auch Unterricht bei jemandem genommen, der bei uns ein Didgeridoo-Seminar abgehalten hat, aber die Feinheiten habe ich alleine ausgearbeitet.

Ich habe auch gehört, dass ihr eine Kunstschule habt.
- Das ist richtig. Wir leben hier auf dem Land und haben vor gut 10 Jahren eine alte Gaststätte gekauft. Dort halten wir dann auch Seminare für Musik und auch für Schamanen. Diese Schamanenkurse werden von einem früheren Geistlichen abgehalten, der bei Michael Hahner in die Lehre gegangen ist.

Dies alles kann man denn auch wunderbar musikalisch umsetzen.
- Das ist richtig und das Didgeridoo ist ja im Grunde ein schamanisches Instrument. Durch die Atemtechnik und die verschiedenen Rhythmen den Zugang bekommt. Die Grundbedingung ein Didgeridoo zu spielen ist die Zirkularatmung. Durch diese kommt man in einen Kreislauf hinein. Ich erlebe es immer so, wenn ich mein Gegenüber, also die Zuschauer sehe, fällt dann am Ende die Musik aus. Man driftet richtig in die Menge hinein. Das Spielen eines Didgeridoos ist für mich das Größte.
Dann kann ich euch nur für die Zukunft noch alles Gute wünschen und hoffentlich sehen wir euch bald mal wieder in unserer Nähe, damit ihr uns auf eurer Reise mitnehmen könnt.
www.osiris-taurus.de
Story: Gisela