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ROSEBUD 1994

Alex Conti, der in den 70er Jahren mit der Band LAKE und ATLANTIS für Furore sorgte, steht mit dem neuesten Werk seiner Band ROSEBUD in den Startlöchern. Auf Promotour hatte ich dann Gelegenheit, einen äußerst unkomplizierten und sympathischen Alex meine Fragen zu stellen.

Der Bandname ROSEBUD hat ja eine ganz spezielle Bedeutung. Kannst Du mir da eine Erklärung zu geben?
- Ja, der Name Rosebud stammt aus dem Film ´Citizen Kane´ und ist als ungelöster Begriff in die Filmgeschichte eingegangen. Zur Erklärung, Citizen Kane hauchte kurz vor seinem Tod das Wort Rosebud und in dem ganzen Film geht es eigentlich nur darum, warum er dieses Wort gesagt hat. Es ist bis heute ein ungelöster Begriff geblieben und das hat mich auch so an diesem Namen gereizt. Rosebud ist eine Sache, die mit Mystik behaftet ist und ich finde es ist kein schlechter Name für eine Rockband.

Du hast ja in den 70er Jahren mit Bands wie LAKE und ATLANTIS Erfolg gehabt. Wie bist Du auf die Idee gekommen ROSEBUD zu gründen?
- 1987, nach einer zweijährigen Zusammenarbeit mit Herwig Mitteregger, war gerade so eine Zeit, wo Musik fast ausschließlich nur aus dem Computer kam. Dem Bassist von Herwig und mir gefiel das gar nicht und gründeten deshalb ROSEBUD. Wir wollten was völlig anderes als Trio machen, nämlich ganz hart Rhythm´n Blues und das Ganze ohne Overdubs. Auf jeden Fall Musik pur. Das war eigentlich die Idee von ROSEBUD.
  
Ihr habt für ein Trio eine ungeheure Power. Warum arbeitet Ihr als Trio?
- Ich würde sagen, gerade als Trio, weil je weniger Musiker um so mehr Power ist vorhanden. Studiotechnisch kann man es so erklären: Je weniger Instrumente man nach vorne schieben muß, um so mehr kann man jedes einzelne Instrument fördern. Man kann einfach, wenn man nur einen Bass, eine Gitarre und ein Schlagzeug hat, die ganzen Instrumente mit Hilfe von Frequenzen so nach vorne holen, wie das anders gar nicht möglich ist. Bei uns kommt noch dazu, daß wir das ganze Equipment was wir auf der Bühne brauchen mit ins Studio nehmen und dann wird alles live eingespielt. Die meisten Solis wurden live eingespielt und das heißt, alles in der Natur der Sache. Wir produzieren alles als Trio und ohne Overdubs.

Auf ´Keep Smiling´ hast Du sehr viele Einflüsse verarbeitet. So z.B. Jazz oder ein Song mit Streichern. Wie bist Du auf diese Idee gekommen?
- Also, wenn ich ganz ehrlich bin und ich versuche das ja auch zu sein, hatte ich auch das Gefühl, daß ich nichts mehr zu verlieren hatte. Das, was mit unserer 2. CD passiert ist, hat mich so geärgert, daß ich mir gedacht habe, es gibt für mich nichts mehr zu verlieren und schlechter kann es sowieso nicht mehr laufen. Also habe ich auf dem neuen Album Sachen gebracht, welche mir schon immer auf der Seele gelegen haben. Aber ich glaubte auch vielen Leuten damit vor den Kopf zu stoßen. Es fängt ja schon bei den Texten an. Interessanterweise sieht es im Moment so aus, daß die Sache aufgeht. Vielleicht muß man wirklich ganz kompromißlos sein, um Leute zu erreichen.

Genau, ich denke auch, das es die Vielseitigkeit ist, welche die meisten Leute wollen. Aber kommen wir zu Deinen Texten, die sehr tiefgründig sind. Man nehme nur den ´Rambo Blues´ oder ´Kalashnikow´.
- Also das sind beides Geschichten, die vor einem sehr realen Hintergrund passieren. Der ´Rambo Blues´ spielt sich vor dem Hintergrund Jugoslawien ab, womit eigentlich schon alles gesagt ist. Ja und der Song ´Kalashnikow´ ist auch sehr real, aber bei uns im Westen noch nicht so bekannt. Ich wollte mit diesem Lied darauf hinweisen, daß sich Jugendliche im Osten des Landes immer mehr ziemlich extrem bewaffnen und das viel extremer als man es für möglich hält. Hier ist es vielleicht ein Revolver, den man sich schwarz besorgt, aber die im Osten sind darüber schon längst hinaus. Sie kaufen sich von der Roten Armee, die natürlich total verarmt ist, die modernsten Schußwaffen und das für wenig Geld. Dieser Song ist natürlich eine fiktive Geschichte und zum Glück noch nicht passiert. In dem Lied geht es darum, daß der Verrückte mitten auf einem großen, mit Menschen überfüllten Platz einfach abdrückt und nachher befreit aufatmet. Ja und genau an dieser Stelle haben wir provokant den Jazzteil eingebaut.

Also fast alles Problemsongs?
- Kann man sagen. Vor allem von der Gewalt und der Verrohung im Allgemeinen wie sie auf der Welt herrscht und die ja auch noch von Tag zu Tag zunimmt.

Produziert wurde ´Keep Smiling´ von Jim Voxx.
- Ja, Jim und ich kennen uns schon aus früheren Tagen. Wir sind uns in den letzten Jahren oder man kann schon sagen Jahrzehnten immer über den Weg gelaufen. Für mich war eigentlich klar, daß Jim abmischt, denn er war 1988 schon für sehr erdige und harte Produktionen bekannt.

Wollt Ihr jetzt in absehbarer Zeit mit dem Songmaterial auf Tour gehen?
- Auf jeden Fall. Die Veröffentlichung ist für Februar vorgesehen und die Tour ist geplant für Anfang Mai bis Mitte Juni. Das Ganze soll als Clubtour laufen, die wir als Headliner bestreiten. Wir hätten auch gerne eine größere Supporttour gemacht, aber bis jetzt haben wir nichts passendes gefunden. Wir haben uns jetzt entschlossen, mit Hilfe der Plattenfirma das Booking zu machen. Ab Juni geht ja auch die Festivalsaison los und einige größere Veranstalter haben an ROSEBUD schon Interesse gezeigt. Vielleicht ergibt sich auch für den Herbst noch eine Support-Tour, denn ich möchte definitiv in diesem Jahr keinen neuen Tonträger mehr produzieren. Höchstens mit einem anderen Projekt, bei dem ich noch mitarbeite. Dieses Projekt ist einen reine Bluessache. Es könnte schon sein, daß wir damit in diesem Jahr noch ein Album veröffentlichen.
Somit bleibt mir nur noch zu sagen, daß alle, die auf erdigen Rock stehen, diese Tour mit ROSEBUD auf keinem Fall versäumen sollten, denn das was ROSEBUD bringt ist Musik pur.
Story: Gisela