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SILKE BISCHOF August 2001

Nach ihrem Unplugged-Auftritt, während der PopKomm im Komed-Saal von VIVA bekam ich die Gelegenheit ein "kleines" Interview mit SILKE BISCHOFF zu machen. Frank und Felix waren so gesprächig, dass sie ein klein wenig den Rahmen eines "normalen" Interviews sprengten. Hier nun das Ergebnis.

Warum spielt Ihr nicht mehr Konzerte?
Felix:
Es ist größtenteils ein Zeitproblem, wir machen neben der Silke Bischoff - Geschichte auch noch andere Sachen, wir haben Jobs und deswegen ist es von der Zeit her schwierig. Wir waren kurz davor zu überlegen das doch an den Start zu  kriegen, und haben letztendlich gesagt wir fangen Anfang nächsten Jahres mit den Live-Vorbereitungen an, möchten gleichzeitig aber auch an neuen Songs weiterarbeiten. Ich habe keinen Bock, das es noch mal 3-5 Jahre dauert bis ein neues Album rauskommt. Das ist so ein bisschen der Konflikt indem man ist, der im Grunde ein Zeitproblem ist.
Frank: Im Grunde genommen macht das Schreiben neuer Songs viel mehr Spaß, es ist viel kreativer, interessanter als "Live zu spielen", wo du nur einen Monitor vor dir stehen hast , der schlecht abgemischt ist. Nicht unbedingt die Schuld von anderen Leuten, natürlich ist die Resonanz vom Publikum toll, aber im Endeffekt ist für einen selber diese ruhige stille Arbeit im Studio fast befriedigender.
Felix: Aber nur deswegen, weil Du dich fragen musst, was mache ich eigentlich , also wenn Du einen stressigen 10 Stunden Job hast, mit telefonieren, Termine, alles was mit Druckvorstufen, Prospekten, Anzeigen zu tun hat, da machst Du das praktisch nebenbei. Es fängt eh an als Hobby und Du spielst Songs für Dich, aber dann hat sich das weiterentwickelt - mit Tapes, mit Platte. Es war ja jetzt nicht so die Bilderbuch-Musiker-Karriere, wo Du Deinen Weg gehst und sagst das will ich machen, sondern es hat sich nebenbei stetig entwickelt, was vielleicht auch den Vorteil hat, das Du ein bisschen auf dem Boden bleibst, und das Du nicht irgendwie denkst, jetzt bin ich ein Megastar - das Gefühl habe ich Null - weil ich immer den Vergleich dazu hab, wenn ich bei mir im Job reingehe, gibt es natürlich ein paar Mädels die das supergut finden und auch die Songs prima finden. Aber es gibt auch genauso viele Leute die sagen: Sonic Seducer? - Kenn ich nicht! VIVA2? Kenn ich nicht! Und das relativiert so ein bisschen und man fühlt sich nicht so schnell als der Goth-Pop-Star. Wie auch immer, von daher ist es einerseits gut, weil es Dich auf dem Boden hält, auf der anderen Seite den Nachteil hat, das Du nicht alles in die Musik gibst, aber endest dadurch auch nicht in dem normalen Turnus, wo Du sagst: Studio, neues Album, Release- Promotion, dann die Tour zum Album, und da sind wir wirklich nicht so drin. Und da denke ich, das ist  auch ein Vorteil, denn Du bleibst frisch und machst es nicht so wie dein Job..
Frank: Also ein paar Jahre habe ich schon davon gelebt und es war auch alles schön und gut, aber im Endeffekt machst Du nicht viel mehr. Es ist nicht so, dass Du unbedingt viel kreativer bist. Ich muss sagen wir waren in der Zeit, wo wir jetzt das letzte Album gemacht haben viel effektiver und organisierter als sonst. Ich mußte mich neu orientieren - das hab ich jetzt geschafft. Ich hab jetzt einen guten Job, mehr oder weniger und ich hab auch keine Lust mich abhängig zu machen und irgendein Label Dir sagt, was zu machen ist..
Felix: Jetzt musst Du das machen, damit wieder Geld reinkommt. Da sind wir relativ unabhängig durch diese Jobs. Das ist schon ein Vorteil.

Ihr legt jetzt aber wieder relativ zeitnah ein neues Album nach?
Felix:
Relativ zeitnah ist relativ. Es sind immer so Phasen  wo man in dem Turnus drin ist, aber es gab ja diese Polaroid- Aktion, dass wir in neun verschiedenen Clubs waren und insgesamt 130 Bilder gemacht haben. Ich habe die erste Fotosession auch gemacht, muss aber jetzt, weil ich umziehe, den Kram erst mal ein bisschen rumschieben. Es war dann so, das wir gesagt haben, jetzt machen wir mal wieder eine Woche Studio und versuchen neue Songs zu machen, so schön das ist unterwegs zu sein, im Club zu stehen und abgefeiert zu werden, es hat eigentlich nichts mit dem zu tun wie wir eigentlich Songs machen. Frank ist öfter  am Wochenende bei mir und wir probieren neue Sachen. Es hat auch super funktioniert, ist zwar noch im Anfangsstadium, aber es ist zumindest der Anfang gemacht und man kann nur hoffen, das es jetzt nicht wieder drei Jahre oder wie lange dauert.
Frank: Vier Songs sind schon am Start, wir waren jetzt schon wieder eine Woche im Studio. Material haben wir genug. Wir könnten im Grunde genommen, wenn wir Zeit hätten, uns zwei bis drei Monate im Studio einschließen und dann wäre die neue Platte fertig. Da ist bei uns gar nicht das Problem Songs zu machen und die Ideen zu haben, für uns ist immer das schwierige die Organisation, das ganze Drumherum schlichtweg.
Felix: Wir brauchen ungefähr vier Wochen pro Song als Rohversion. Frank kommt mit irgendwelchen Akkorden ich mache dann dazu eine Gesangs- Melodie... das zieht sich dann ganz schön hin bis das so vorbereitet ist und erst dann gehen wir ins Studio.

Beginnt Ihr immer so bei neuen Songs mit Akustikgitarre und Gesang?
Frank:
Ja, wir sind im Grunde genommen eine absolut songorientierte Band. Die Sachen die man auf dem Album hört, sind bis auf zwei oder drei Songs, die aus dem Keyboard-Computer entstanden sind, reines Songwriting. Das ist immer so, klingt dann aber komplett anders. Es kann auch sein, das wir die entstandene Akustikversion anders haben wollen bzw. andere Leute haben Einflüsse, wie Roman Schönsee, oder dieser John Fryer, den wir beim letzten Album dabei hatten. Die haben dann schon sehr viele Einflüsse.

Das heißt Ihr ändert auch gerne mal älteres Material ab?
Felix:
Ja, wir haben jetzt z.B. AJ:NA wieder drauf, es ist ein super Titel, gefällt mir sehr gut und ich habe nie ein Problem damit, eben einen Song, den wir schon mal aufgenommen haben praktisch neu zu machen. Ich würde, wenn wir jetzt vielleicht nächstes Jahr richtige Live- Shows machen, jetzt auch unabhängig davon, das wir jetzt nicht mehr mit Axel Kretschmann zusammen sind und mit anderen Leuten zusammenarbeiten, mit Sicherheit so einen Song wie "Under Your Skin" , "On The Other Side" oder "I Don't Love You Anymore" neu machen. Der sollte nicht so neu sein das man ihn nicht erkennt, aber ich würde ihn neu beleuchten.
Frank: Als Musiker hast Du praktisch gar keine Wahl, als dich ständig zu verändern. Du musst sonst alles Alte irgendwie reproduzieren - Du musst ja praktisch alles neu machen - es geht ja gar nicht anders. Deshalb sind dann die "Vorwürfe", die ja von einzelnen nur kommen, aber die treffen Dich dann am meisten. Im großen und Ganzen ist das ja positiv, aber wir haben jetzt schon die fünfte Scheibe draußen , es heißt ja dann doch schon - wir haben uns verändert, wir sind nicht mehr so wie einst. Aber da musst Du drüberstehen.
Felix: Ich hätte eigentlich viel mehr erwartet, das Leute irgendwie sagen - ja früher und die ersten beiden Scheiben und der Rest ist eh nicht mehr das ... da fehlt das Feeling ... oder so ein Zeug. Es gibt ja immer konservative Leute. Die schwarze Szene ja nicht die innovativste der Welt - ich sag das jetzt mal so ganz leise. Der überwiegende Tenor war jedoch "Es ist noch Silke Bischoff - es hat noch diese Feeling, aber es hat sich ein Stück weit weiterentwickelt". Und ich denke das ist mir lieber, als wenn ich hören würde - im Grunde machen die einen Song, geben dem einhundert Namen und variieren den ein bisschen. Ich verändere mich auch im Leben. Ich bin heute auch anders als vor zehn Jahren, und deswegen ist die Musik auch nicht mehr dieselbe.
Frank: Wenn Du mit anderen Studios zusammenarbeitest, was wir auch schon immer gemacht haben, hat es bis jetzt auch immer anders geklungen. Beim nächsten Mal wird es auch wieder anders sein.

Könnt Ihr euch vorstellen wieder ein Album mit mehr Rohstücken / Akustischen Stücken zu machen?
Felix: Würde ich gerne machen.
Frank:
Das ist gerade wieder so ein Thema, weil wir doch jetzt relativ elektronisch geworden sind, obwohl die ganzen Sachen total akustisch entstanden sind. Wir hatten gesagt, wir machen jetzt nach der langen Zeit nichts rein akustisches, sondern wir wollten schon ein fett produziertes Album machen. Aber jetzt, wo wir das gemacht haben, ist praktisch wieder mehr der Trend da, ein  komplettes akustisches ruhigeres Album zu machen. Es ist definitiv offen.

Wäre es dann nicht ein Anreiz für eine kleine Unplugged- Tour, denn es kommt an und hat eine ganz besondere Atmosphäre?
Felix:
Tourmäßig sind wir eher etwas zurückhaltend. Doch ja es stimmt es funktioniert schon. Ich fand es jetzt sehr gut bei dem Gig heute, denn bis auf die ersten zwei Songs, war der Rest schon vom neuen Album.

Der Titel eure neuen Albums "Phoenix from the flames" hat das einen tieferen Sinn .. so jetzt ist sie endlich da?
Felix:
"Phoenix from the flame" oder "Phoenix aus der Asche, aus den Flammen" und eben dieser Vogel, der alle fünfhundert Jahre wiedergeboren wird usw., das ist nur die eine Sache. Im Grunde hab ich ein bisschen recherchiert zu diesem Thema, um das so vermitteln zu können, als wäre ich ein Ägyptologe oder hätte mich da jahrelang mit Studien intensiv beschäftigt. Die andere Seite ist ganz witzig, in den schwarzen Medien, waren wir schon tot. Es gab Gerüchte, die haben sich aufgelöst, die gibt es gar nicht mehr. Ich dachte in der ganzen Zeit, ich will jetzt keine Interviews geben zu irgendwelchen Rechtsanwaltsstreitigkeiten oder zu internen Querelen, oder das AM pleite ist, sondern ich will ein neues Album machen, und wenn das draußen ist, dann kann man ein Interview, so wie das jetzt machen. Deswegen ist der Titel natürlich auch ein bisschen witzig, sag ich mal, weil es diese Auferstehungsthema auch in der Richtung berührt.

Habt Ihr in der langen Zeit ohne eine Veröffentlichung irgendeinen Druck gespürt, war euch da bewusst, das die Fans auf etwas gewartet haben?
Felix:
Nein gar nicht, weil man bekommt das von außen auch gar nicht so mit, weil wir auch nicht nur in diesen Dingen leben.

Habt Ihr mal überlegt mit anderen Künstlern etwas zusammen zu machen?
Frank:
Also, was wir überlegt haben, war eine Orchestergeschichte zu machen, aber eher so ein Querschnitt von dem was wir bisher gemacht haben an akustischen Sachen. Das hat zwar auch schon fast jede Band gemacht, aber ich finde es trotzdem nicht so ausgereitzt, weil wir eigentlich akustisch unterwegs sind. Ich bin doch eher dieser akustische Gitarrist, der da auch im Studio seine Ideen verwirklichen will. Von daher kann ich so eine Orchester-Geschichte nur befürworten. Momentan sieht es halt so aus, das unser Label-Mann Bobby so ein Orchester aus Tschechien an der Hand hat, womit auch Rage gearbeitet hat. Du müsstest dem Orchester nur sagen, welche Songs, und danach müsstest du eine Woche ins Studio gehen und praktisch wäre die Scheibe fertig. Das ist natürlich eine verlockende Sache, da fragst Du Dich - sollst Du das machen? Ich stell es mir schon gut vor. Das ist so die nächste Idee, die passieren kann.
Dann kann ich euch nur noch alles Gute für eure weiteren Aktivitäten wünschen und hoffe euch bald einmal wieder live sehen zu können.
Story und Pic.: Bernd Dahmen