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Ursprünglich sollte dieses Interview in Dallas, der Heimatstadt von UGLY MUSTARD, stattfinden. Ich wurde jedoch das ungute Gefühl nicht los, daß dort bereits die Zielferngläser, samt
dranhängender Flinte, für meinen Empfang geputzt werden und so ließen wir 50% der Band (Sänger Kelly Barker und Gitarrist Eric Trent) nach Germany einfliegen. Hier sprach ich in aller Ruhe mit dem quirligen Kelly über
Senf, Obdachlose und deutsches Bier.
Nachdem man uns 2 dieser deutschen Biere organisiert hatte (kein Bier, sondern Kölsch) mußte ich Kelly als erstes nach dem ungewöhnlichem Bandnamen fragen. Hat er etwas mit
dem zu tun, was man sich für gewöhnlich auf ein Steak oder eine Bratwurst schmiert? - Nein, unser Gitarrist Eric ist darauf gekommen. Er schwirrte ihm schon lange im Kopf herum und wir fanden ihn alle witzig. Mit
Senf hat er nichts zu tun, es ist nur ein Name.
Aha, dann wäre das schon mal geklärt. Wie aber könnte man den Musikstil von euch beschreiben? - Ich sehe unsere Musik als aggressiven, powervollen und
emotionellen Industrial-Crossover mit Einflüssen des alten Rock'n'Roll. Das Ganze mit einer Menge Power und Grooves.
Ihr seid ja als Best Industrial Rock Act 1994 in Dallas nominiert worden. - Ja
stimmt, bei uns ist nur nicht viel los mit Industrial, es waren aber eine Menge Bands aus ganz Texas da. In Texas gibt es eine Menge guter Musiker und sie haben alle einen anderen Stil. Wir haben den Texas Twang (Kelly
lacht als er die Fragezeichen über meinem Kopf sieht und gibt mir sogleich ein Beispiel dieser näselnden Aussprache)
Ist UGLY MUS-TARD eure 1. Band? - Eric und ich machen Musik seit wir 15 Jahre sind
und auf der Highschool waren. Wir haben vor UGLY MUS-TARD in einer Menge verschiedener Bands gespielt. Seit ich ein Kind bin ist mein Traum Musik zu machen, ich habe Saxophon, Piano und Gitarre gespielt. Jetzt singe ich
nur noch.
Worüber singst du denn? - Viele meiner Lyrics handeln von Stories über dritte Personen. Ich versuche mir vorzustellen was und wie diese Personen denken und beschreibe das auf meine Art und
Weise. Viele Einflüsse für meine Texte erhalte ich wenn ich auf einem Flughafen oder auf der Straße einen Obdachlosen spiele. Ich setze mich einfach hin und beobachte stundenlang die Leute, schaue ihnen in die Augen,
achte auf den Gesichtsausdruck und versuche zu erraten was sie denken.
Gibt es in Dallas außer dir auch echte Obdachlose? - Ja an jeder Straßenecke und unter jeder Brücke.
Die hat man aber in
dieser Fernseh-Endlos-Serie (wie hieß sie doch gleich) gar nicht gesehen, da waren doch nur glänzende Hochhäuser und dicke Geldsäcke. - Oh nein, das ist ein falsches Abbild von Dallas. Die Wirklichkeit sieht
etwas anders aus. Dallas ist eine schöne Stadt und es gibt eine Menge Reicher, aber es gibt noch viel mehr arme und auch obdachlose Menschen. Ich spreche auch mit vielen dieser Obdachlosen, die meisten sind total
verrückt und fertig. Sie liegen da auf einer Pappe, zwischen glänzenden Fassaden und sind froh wenn sie am Abend satt sind.
Kelly im Song 'Hate' sagst du "I hate people, who hate people, it makes me want
to kill them" und in 'High' "I feel like killing everything i believe in... stop". Könnte ein fröhlicher Mensch wie du jemanden töten? - Nein, es ist ein Wortspiel aus der Sicht einer dritten
Person. Ich hasse Menschen, die Menschen hassen, das heißt das Ganze ist ein immer wiederkehrender böser Kreislauf. Immer wieder Haß. In 'High' geht es auch um eine dritte Person. Das ganze ist als Telegramm gedacht,
deswegen auch das Stop am Ende und es wird mehrmals wiederholt. Hier geht es darum alles Negative an das diese Person glaubt zu töten. Es geht um jemanden der jeden Morgen sein Gesicht im Spiegel sieht und mit dem was
er da sieht nicht zufrieden ist. Er möchte Teile seines Lebens auslöschen, geht abends wieder unzufrieden ins Bett und am nächsten Tag beginnt der Kreislauf aufs neue. Das ganze haben wir auch als Video umgesetzt.
(Wobei diese Umsetzung ganz gut gelungen ist)
Kelly ihr sollt eine verrückte Live Performance haben, besonders du sollst das Publikum stets aufs neue überraschen. Wann sehen wir das in Deutschland?
- Gut, daß du danach fragst. In der 2. Januarwoche startet unsere Deutschlandtournee mit GODHEAD. Ich weiß noch nicht in welchen Städten wir spielen, aber ich freue mich jetzt schon drauf. Und auf das gute Bier bei
euch. Die anschließende Kurzeinführung in die Welt der deutschen Biersorten würde hier den Rahmen sprengen, ich betrachte es jedoch als Pflicht einen Amerikaner, der zum ersten Mal hier ist und ordentliches Bier
trinken kann, ein paar gute Tips zu geben. Schließlich ist das Leben viel zu kurz für schlechtes Bier. Story: Steffen Keßler |