|
Der Release der Live-CD ´Spellbinder´ liegt ja nun doch schon etwas zurück. Aber nichts desto trotz ist die neueste Veröffentlichung von URIAH HEEP immer noch ein aktuelles Thema. Zusammen mit
Sänger Bernie Shaw, der ja nun auch schon eine Ewigkeit am Mikro von URIAH HEEP steht, konnte ich einiges wirklich interessantes erörtern. Seid ihr jetzt neugierig geworden, dann lest einfach weiter.
´Spellbinder´, die erste Live-CD nach vielen Jahren, kommt wirklich sehr gut rüber, denn von der Produktion her ist sie einfach spitze. Wie kam es denn dazu, daß ihr ein Live-Teil veröffentlicht habt und keine neue
Studioaufnahme. - Der WDR trat an uns heran, ob wir nicht an einem Live-Recording interessiert wären. Wir sagten uns, warum nicht. Als wir dann zur Show kamen, waren wir so sehr beeindruckt, denn das mobile
Studio war dermaßen groß, daß wir fast unseren Augen nicht getraut hätten. Uns kamen die Gedanken, daß nur die STONES mit einem so großen mobilen Studio recordet haben. Mick kam denn auf die Idee, daß wir doch die
komplette Show, vom Anfang bis zum Ende aufnehmen sollten. Der Hintergedanke war der, daß wir mit diesen Tapes einen Sound mixen konnten, wie wir ihn wollten.
Wurde diese Show an nur einem Ort recordet?
- Ja an einem Abend und zwar in der Live Music Hall in Köln. Bei den meisten Live-Alben wird ja doch noch immer getrickst. So z.B., wenn der Bass oder die Harmonien nicht richtig sind, werden sie im Studio noch einmal
aufgenommen. Ich kann aber versichern, daß ´Spellbinder´ ein komplettes Live-Album ist, wo in keinster Weise gemogelt wurde. Wir hatten auch sehr viel Glück, daß wir mit einem solch großen und vor allem optimal
ausgerüsteten mobilen Studio zusammen arbeiten konnte.
Das ist es ja auch, der Sound der 70er Jahre, kombiniert mit der Technik von heute ist einfach nicht zu übertreffen. Kommen wir aber doch jetzt zu einem
anderen Thema. Was mir bei den letzten URIAH HEEP-Konzerten verstärkt auffiel war die Tatsache, daß immer mehr jüngere Leute Konzerte dieser Band besuchen. - Das ist uns auch schon aufgefallen. So z. B. heute
nach unserem Soundcheck. Wir verließen die Halle und draußen stand eine Gruppe von Kids, ich schätze die waren gerade mal 15 Jahre alt. Auf einmal kamen sie auf mich zu und riefen richtig enthusiastisch: ´Hello Bernie´.
Uns fiel sehr stark auf, daß nicht nur älteres Publikum bei unseren Konzerten zugegen ist, sondern auch in letzter Zeit verstärkt Jüngere Leute, die uns auch vor der Show nach Songs fragen, die sie normalerweise
überhaupt noch nicht kennen können, denn zu dieser Zeit waren sie noch nicht geboren. Das ist schon ein tolles Gefühl, wenn solch eine Altersgruppe auch das ältere Material kennt.
Ihr spielt ja auch in der letzten Zeit sehr viel in ´Clubs´. Warum eigentlich? - Das Feeling ist viel besser als in größeren Hallen. Mein Favorit in Köln ist die Live Music Hall, denn dort kommen die Leute hin um
eine große Party feiern zu können. Der Alkohol ist zweitrangig, denn die Leute treffen auf Freunde, die sie schon länger kennen und das wirkt sich auch auf eine Show aus. In größeren Hallen ist alles viel steriler, denn
die Leute kommen nur wegen der Musik dorthin und nicht um Bekannte zu treffen.
URIAH HEEP spielte letztes Jahr auch in Rußland. Was habt ihr denn dort alles erlebt? - Es war schon ein wenig merkwürdig,
denn eine Menge Security war immer hinter uns gewesen. Die Leute sind seid unserem letzten Besuch etwas glücklicher und fröhlicher geworden. Es war schon lustig wie wir von Schweden nach Rußland gekommen sind. Unser
Promoter in Rußland hatte eine Privatjet für uns aufgetrieben. Er sagte nur, daß der Pilot ein großer Fan von uns wäre und es ihm eine Ehre wäre uns nach Rußland zu befördern. Wir flogen dann in 6 Stunden ins Herz von
Rußland und zwar nach Samara, wo das russische Spaceshuttle gebaut wird. In Samara ist auch das größte Stadion was ich je gesehen habe. Zudem gibt es auch noch die größte Schokoladenfabrik in diesem Ort. Wir wußten das
und als wir dort ankamen, bekamen wir zur Begrüßung Wodka und eine 1,5kg schwere Box, voll mit Schokolade gefüllt. Wir fuhren denn zum Stadion, das von außen zugänglich war, um unseren Soundcheck zu absolvieren. Uns
sahen ca. 3000 Leute zu, die einfach nur spazieren gingen. Als wir abends wieder ins Stadion kamen trauten wir unseren Augen nicht, denn 80.000 Leute hatten den Weg dorthin gefunden. Es war einfach grandios, wir konnten
es einfach nicht glauben. Am nächsten Tag begaben wir uns dann, mit dem Zug für zwei Tage, zur Mündung von der Wolga. Es kam uns vor, als wären wir am Mississippi. Dort absolvierten wir ebenfalls ein Konzert. Danach
fuhren wir für zwei Auftritte nach Moskau. Dazu fällt mir noch eine Story ein. Wir wohnten im Hotel Russia, welches mit 5000 Betten das Größte in der Welt ist. Das Hotel verfügt auch über einen eigenen Konzertsaal mit
ca. 3500 Plätzen. David Bowie sollte einen Monat nach uns im selben Konzertsaal für einen Auftritt gastieren. Wir hatten schon ein wenig Angst, aber wir absolvierten zwei ausverkaufte Shows und David Bowie nur eine. Wir
waren so stolz gewesen, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich glaube auch, daß wir uns so etwas nicht vorstellen können, aber ich finde es toll, daß eine solche Band auch noch nach so vielen Jahren im
Musikbusiness, so viel Erfolg hat. Daran merkt man, wie zeitlos Hardrock ist. Story: Gisela |