Es ist schon seit einiger Zeit kein großes
Geheimnis mehr dass das Underground Open Air "Death Feast" ein Mekka geworden ist für alle Fans des gepflegten Krachs und des Geschwindigkeitsrausches. Auf diesem Festival ist die Bandauswahl so auf Geknüppel
und Gebolze ausgerichtet wie kaum auf einem anderen Festival in Deutschland. Aus verschiedenen Ländern haben die Veranstalter bekannte Acts und die die es werden wollen gebucht und somit eine bunte Mischung zusammen
gestellt aus dem Bereich Death Metal und Grindcore. 2010 ist mittlerweile schon die 4. Auflage dieses Events und ca. 3000-3500 Anhänger und Fans ließen sich diese Steilvorlage nicht entgehen und pilgerten nach Hünxe zur
"Schwarze Heide" um sich drei Tage lang die Birne frei ballern zu lassen. Für mich war es das erste Mal das ich dabei sein durfte und für meinen "Brother in Crime" Jan, der mich
unterstützen sollte, war es bereits das zweite Mal das er den heiligen Acker betreten durfte. Eine Neuerung gab es das dieses Jahr in Form eines Dusch- und Toiletten-Containers auf dem Campinggelände, wo man sich auch
gleich eine Flatrate besorgen konnte. Die entsprechenden Bändchen hatten auch eine schöne auffällige Miss Piggy rosa Farbe und das passte optisch so gar nicht zum Festival. Zudem wurde kräftig in eine bessere PA Anlage
investiert sodass der Sound auf der Bühne noch brachialer rüberkommen sollte. Als weiteren Service an alle Fussball-Freunde wurden im Partyzelt die WM Spiele übertragen. Insgesamt macht das Festival einen sehr relaxten
Eindruck und auch das Festival- Gelände bot reichlich Platz um die Bands anzuschauen. Großes Gedränge am Eingang oder vor der Bühne gab es so gut wie gar nicht und auch etliche Circle Pits im Verlaufe des Festivals
waren stressfrei und sogar richtig freundlich angelegt. Hier konnte also jeder Spaß haben an seinem Ausdruckstanz und im Propeller-Bangen ohne jemanden empfindlich zu stören. Das Gelände hätte auch noch locker 1 bis 2
tausend Fans mehr aufnehmen können ohne dass es ungemütlich wurde.
Nur das Wetter spielte nicht immer so ganz mit. Zwar gab es reichlich Sonne aber den ein oder anderen Regenguss musste man sich doch gefallen lassen
und auch eine Sturmwarnung am Freitag brachte das Death Feast Team und Fans ins rotieren. Dazu aber später mehr. Nur soviel sei schon mal gesagt: besagter Sturm brachte den Zeitplan am Freitag ganz schön durcheinander
und die Crew musste einiges improvisieren. Aber wie jeder weiß auf einem Open Air kann man sich das Wetter leider nicht im Katalog bestellen, mit Wetterumschwüngen muss man immer rechnen.
Am Mittwoch war unser
Anreise- Tag und als wir dort mittags aufschlugen war das Campinggelände gerade mal mit einem knappen dutzend Fans belegt. Das änderte sich natürlich gegen Abend und die Einweisungen durch die Ordner lief etwas
chaotisch ab, obwohl sie bemüht waren bei dem Ansturm etwas Ordnung rein zubringen. Letztlich haben dann auch alle ein Platz gefunden und der erste Abend konnte im Partyzelt begossen werden.
Donnerstag 10.06.2010
Donnerstag ging es los mit den Isländern BENEATH
die zum warm werden mit ordentlichem Brutal Death Metal um die Ecke kamen. Sie haben bisher nur eine Mini-CD "Hollow Empty Void" veröffentlicht die sie auch natürlich spielten und die Tracks "Oblivious" und "Wartorn" wussten besonders zu gefallen.

THE SICKENING
aus Norwegen schlugen eine ähnliche Richtung ein und überzeugten mit einer energischen Performance. Wo besonders der
blonde Sänger auffiel der wirklich alles aus sich und seiner tiefen Stimme heraus holte. Nicht selten bekam er eine rote Rübe bei seinem
Geschrei und man hatte schon Angst um seine Gesundheit. Der Mann stand auch zur keiner Sekunde still und gab ordentlich Kilometergeld auf
der Bühne. Das übertrug sich auch auf die Fans vor der Bühne die schnell immer mehr wurden.

VOMITOUS
liefen gleich mit 2 Shoutern auf die Bühne und die Schweden konnten den Stimmungspegel halten und auch sie legten aggressives
Stageacting aufs Parkett. Zwar waren die Reihen vor der Bühne noch etwas spärlich besetzt aber erste Akrobaten machten sich schon mal warm
für den Circle Pit und andere ölten ihre Nackenmuskeln schon mal vor. Einige mit Gerstensaft andere mit Kopfbewegungen.

Eine sehr junge Band die Old School Death Metal mit modernem Death kreuzten, so ungefähr kann man AS YOU DROWN aus Schweden
beschreiben. Oder knapp gesagt Cannibal Corpse treffen auf Job For A Cowboy. Wobei die Old School Einflüsse überwiegen und das ist auch gut
so. Die Band ließ auch nichts anbrennen und legte sich auch, wie alle anderen Bans die wir schon gesehen hatten, ordentlich ins Zeug. Man sah
ihnen an das sie sichtlich stolz waren hier zuspielen und sie steigerten sich noch im Verlaufe des Auftritts. Im Publikum tat sich auch was und ein kleiner Circle Pit wurde losgetreten.

So richtig rund ging es, und damit meine ich nicht nur den Circle Pit ober besser gesagt die Stampfparade, sondern auch musikalisch mit den Italienern ABYSMAL TORMENT
von der Sonneninsel Malta weiter. Die vier kamen besonders gut an und vor der Bühne versammelten sich
deutlich mehr Leute als bei den anderen Bands zuvor. Ihr technischer Brutal Death Metal ballerte so richtig schön rein in die Gehirnwindungen so
das es kaum mehr ein halten gab. Sänger Nicky Farrugia begeisterte mit einer extrem tiefen Stimme und lockerte sein Gegrunze immer wieder
mit Pig-Screams auf. Auch seine Hintermannschaft zockte leidenschaftlich Songs runter wie "Relapse Into Sickness" vom Debüt Album Epoch O
Methodic Carnage oder "Supreme Tyrant In Putrscence" von ihrem 2. Scheibe „Omnicide“. Super Sound, wildes Stageacting, besonders vom
Gitarristen, kombiniert mit Super Stimmung und schon haben wir das erste Highlight des Tages. Leider mussten die Jungs ohne ihren 2. Sänger
den Set durch ziehen aber das störte eigentlich niemanden, um es auf den Punkt zu bringen, es war ein verdammt starker Auftritt. Die Aktion
T-Shirt in die Zuschauer zu schmeißen sollte eigentlich jede Band einführen finde ich!
Die Finnen INFERIA
sind auch schon seit 1990 am Start und haben von 3 Demos mal abgesehen, 6 Alben veröffentlicht (inklusive ein
Live-Album). Aber trotzdem habe ich noch nie etwas von ihnen gehört. Ja, man kann im Extrem Bereich halt nicht alles und jeden kennen. Die
vier boten soliden Death Grind der aber etwas unspektakulär rüberkam. Das alles war nicht schlecht was sie boten aber ich fand das ich sowas
schon tausendmal gehört habe und so richtig im Kopf kleben bleiben wollte auch nicht viel von ihnen.

Bei DERANGED
aus Schweden waren die ersten Reihen deutlich lichter geworden. Was der Band aber nicht den Spaß nahm ordentlich
abzugehen auf der Bühne. Auf die Frage vom Sänger "Ob man denn Bock hätte auf schwedischen Death Metal" wurde nur von einigen Lauthals
mit "Jaaa" beantwortet. Auch wenn jetzt nicht mehr so viel los war machte der Aufritt Spaß, schon allein die Energie und Spielfreude die die
Schweden ausstrahlten war ansteckend. Diesmal gab es keinen Circle Pit dafür aber gepflegtes mitnicken und Rübeschütteln.
Unsere Nachbarn aus den Niederlanden PROSTITUTE DISFIGUREMENT
brachten definitiv wieder mehr Leute vor die Bühne und das alt bekannte Bild war wieder hergestellt. Die ersten Reihen bangten und dahinter wurde munter im Kreis gelaufen.(Warum eigentlich immer nur in die
selbe Richtung?) Wir wurden mit Brutal Death Metal verarztet der auch technisch ausgelegt war. Schön gemeine Blast-Parts kombiniert mit Fast
Forward Geschrote und ordentlichen Groove-Mosh-Passagen so kann man leicht das Publikum mitreißen. Man konnte auch kleine Melodien
wahrnehmen im Song"The Sadist King And The Generallissmo Of Pain" von ihrer 2008 veröffentlichten Scheibe „Descendants Of Depravity". Dazu
noch tiefstes Gegurgel und Gekotze und schon haben wir das Wohlfühl-Packet für extrem Metal Fans. Starker Auftritt der dazu noch richtig
Spass machte. Das Acting stimmte und der Sound war auch schön gemein und dafür beide Daumen hoch!!!

Die aus Belgien stammenden LENG TCH´E brachten zur Abwechslung etwas mehr Hardcore Sound mit in ihren Death/Grind und insgesamt
wurde es jetzt etwas grooviger und melodiöser. Das soll jetzt aber nicht bedeuten das bei Leng Tch`E nicht ordentlich geballert wird. Grind-Parts
klopfen sie genauso raus wie auch derbes Double-Bass-Geboller vermischt mit Hardcore und Trash Riffs. Neu- Sänger Serge Kasongo war auch
sofort Blickfang wegen seiner schicken Maske und in Sachen Stage-Performance ging bei dem Mann auch so einiges. Leider war der Sänger der
einzige Aktivposten und der überzeugte auch mit seiner aggressiven Stimme, doch dem Auftritt hätte meiner Meinung nach mehr Bewegung
seitens der anderen Musiker gut getan. Trotzdem kamen Leng Tch´E gut an und wurden mit viel Applaus von der Bühne entlassen.
Die deutschen DEFEATED SANITY
legten mit ihrem Brütal Death Metal der nahe angelegt ist an Dying Fetus, Brodequin und Cannibal Corpse,
wieder einiges an Brachialität drauf. Schwindeleregendes High-Speed Geballer aufgelockert mit kurzen Groove-Parts und komplexe
Songstrukturen das ist ihre Formel um wieder im Publikum für viel Bewegung zu sorgen. Beeindruckend war die Schlagzeugarbeit die schon ins
unmenschliche reichte und Grunzer Konni von Despondency klingt auch wie ein verreckendes Alien und klingt wirklich wie nicht von dieser Welt.
Original Sänger Aj konnte diesen Auftritt nicht wahrnehmen weil er in den USA ein Gerichtstermin hatte. Trotzdem super brutaler Soundtrack den
Defeated Sanity boten und man konnte sich schon mal auf den Headliner dieses Abends einstellen. Jetzt heisst es erstmal Knochen einsammeln und sich mit leckerem Nass auf den Co.-Headliner vorbereiten.

HAIL OF BULLETS
drosselten mit ihrem Panzer-Groove-Death Metal erstmal die Geschwindigkeit um einiges runter, was auch mal ganz gut tat
und für Abwechslung sorgte. Ab jetzt kreisten überwiegend die Matten und die Band legte sofort hoch motiviert los. Wenn der tonnenschwere
Panzer Hail of Bullets einmal losgelassen wird bleib eh kein Stein mehr auf dem anderen. Frontgrunzer Martin hatte die Massen sofort im Griff
und seine Mannschaft bildete den Soundtrack der Weltzerstörung (ok, ich neige ein wenig zu Übertreibung). Arsch- Brutal walzten die Holländer
ihren Set runter der sich leider nicht sonderlich unterschied von ihren Auftritten in der Vergangenheit. Fast das gesamte Material von ihrem klasse
Album "Of Frost And War" donnerten sie runter und man hatte das Gefühl sie wollten das Gelände glatt planieren.Van Drunen lockerte die
Stimmung auf mit sympathischen deutschen Ansagen und kündigte eine neue Platte an. Band und Zuschauer gingen steil und die Stimmung
kochte. Hail Of Bullets boten zwar altbewärtes aber trotzdem finde ich sie live immer wieder absolut sehenswert. Sehr guter Co-Headliner kann man da nur sagen!

Jetzt war die Meute bereit für den letzten Blast-Abschuss an diesem Abend. DYING FETUS kamen, knüppelten, kotz-brüllten und siegten.
Extrem präzise spielte die Band auf und man konnte nur Mitleid mit dem Drummer haben bei den Extremen-Blast Attacken die Dying Fetus ins
Publikum knallten. Der Bassist Sean Beasley und Gitarrist John Gallagher röhrten und grunzten wie eine 100 Köpfige Elchherde (ja,ja wieder
übertrieben) und schrotteten Death-Blast Hymnen wie "Your Teachery Will Die With You", "Praise The Lord" und "Grotesque Impalement" in die
ausflippenden Fangemeinde. Als Höhepunkt kamen auch noch "Eviscerated Offspring" vom ersten Album und "Bring Back The Glory". Aber egal
was sie uns entgegen hauten, alles war eine Offenbarung des Ultra Brutalen Death Metals. Drumsalven schneller als ein Maschinengewehr,
Rasiermesser-Riffs im Sekunden-Takt und Mega fette Groove Parts zum Luft holen. Also, wir waren restlos begeistert und ich denke die meisten
Leute auch auf dem Festival-Gelände auch. Dying Fetus verabschiedeten sich als Tagessieger!
Wer jetzt noch Energie hatte konnte im Patyzelt weiter zur Mucke aus der Dose im Kreis laufen und auf dem Holzboden stampfen bis früh in den Morgen oder gepflegt lustige Getränke reinhauen. Mahlzeit!