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UNHEILIG – 15.05.2010, Oberhausen Turbinenhalle Die Wege des Grafen sind unergründlich. Zumindest was die derzeitige Medienpräsenz und der eingeschlagene Vermarktungsweg aufzeigt. Wo Licht ist, da ist auch Schatten, auf der
einen Seite freut man sich mit dem Grafen über seinen verdienten Erfolg (Gold in Österreich und Platin in Deutschland) aber auf der anderen nicht über das verbiegen der eigenen Ideale und Werte, die den Grafen so
außergewöhnlich gemacht haben. Es dürften auch genau diese Punkte sein, die auf den derzeitigen Kurs von Unheilig, einen tief schwarzen Schatten legen, denn in Szenekreisen brodelt die Stimmung gewaltig angesichts der
Auftritte in TV-Formaten wie The Dome, Big Brother und der Neuen deutschen Hitparade. Sei es beim täglichen Durchzappen der heimischen TV-Kanäle, wo man die volle Dosis UH verabreicht bekommt, der man sich nicht
entziehen kann, oder sogar beim Einkaufen, wo „Geboren um zu leben“ aus der Ladenbox schallt, während man mit seinem Einkaufswagen durch die Gänge manövriert. Grenzwertig für langjährige Unheilig Anhänger, deren Wurzeln
fest mit der schwarzen Szene verankert sind, eben jener Szene, mit der Unheilig in den nun rundgemachten 10 Jahren gewachsen und letztendlich groß geworden ist und die sich vom eigentlichen Mainstream immer schon
distanziert hat. Im Rahmen der „Grossen Freiheit“-Tournee sollte der Unheilige Dampfer an diesem Tag in der
ausverkauften Oberhausener Turbinenhalle ankern. Da wir die Warteschlange vom Tourauftakt in Bochum noch gut in Erinnerung hatten, machten wir uns an diesem Tag schon gegen 14.00Uhr auf Richtung Bus und Bahn. Recht
entspannt ging es dann auch noch bei unserem Eintreffen gegen 16.30 Uhr vor der Halle zu und man unterhielt sich mit der angereisten Fan-Community, die sich auf den Stufen zum Eingangsbereich gruppierte sowie mit
einigen neueren Fans, die voller Neugier, das Geschehen erst einmal aus sicherer Entfernung verfolgten, um sich dann vorsichtig an ersten Gesprächen zu beteiligen. Kurz vor Einlass warfen wir noch mal einen Blick über
die Schulter zum nun gut gefüllten Parkplatz und zu einer Besucherschlange, die offensichtlich kein Ende nahm und sich in Zickzack Form ums Gebäude schlängelte. Dabei bot der Anblick einen Querschnitt aus allen
Schichten der Gesellschaft, vom 5jährigen Kind, bis hin zum 70jährigen Musikfreak, vom Szenekenner bis hin zum angereisten Kegelverein und Discofox-Hörer, eine Mischung die sich an diesem bevorstehenden Abend als nicht
kompatibel erweisen sollte.Um ca. 18.35 Uhr öffnete sich die Tür zur Vorhalle und der Strom von Menschen, begann sich zu bewegen. Im Innenbereich teilte sich die Masse in drei Schlangen auf, wobei die
Linke, zum Durchgangsbereich für Familien und Gäste führte, in der auch wir uns einreihten. Nach dem verzweifelten Durchforsten der Gästeliste nach unseren Namen, durften auch wir letztendlich, unter Vorlage der
Mailbestätigung und einer Spende an Herzenswünsche e. V. passieren. Sofort wurde von zahlreichen Fans der Merchandising Stand von Unheilig in Beschlag genommen und ordentlich geplündert, während andere sich erstmal über
die erste Fuhre Flüssignahrung freute, die für annehmbare 2.50 Euro angeboten wurde, zur Überraschung aller diesmal ohne Pfand. Ebenso erschwinglich Bockwurst und Co, die zu vertretbaren Preisen angeboten wurden.
Angekommen in der Halle, viel uns die doch sehr tieffliegende Fläche für Rollstuhlfahrer auf, die inmitten der Bierhauptverkehrsstraße lag sowie der erhöhte Bereich für Familien, der die Sicht für Besucher die weiter
hinten an diesem Abend stehen mussten stark beeinträchtigte. Während der Einlass immer noch durchgeführt wurde und noch nicht alle
Besucher in der Halle angekommen waren, ertönte schon das Intro zu „Euphorie“ mit dem sich die Jungs von DOWN BELOW
schon mal in Startposition brachten. Der Sound wirkte an der Stelle, an der wir standen, recht gut abgemischt und schnell fand Neo Scope den Zugang zu den Fans, die erst noch verhalten mitfeierten. Man merkte jedoch schnell, dass einige Besucher um uns herum, nicht wirklich viel mit dem Namen der Band anfangen konnte, da dies offensichtlich ihr erstes Rockkonzert gewesen sein muss, selbst Bäume neigen sich geschickter im Wind und teilweise wurden textsichere Fans, die lauthals mitgesungen haben, stirnrunzelnd angestarrt.

DOWN BELOW
zogen alle Register, sie machten ordentlich Druck, bezogen das Publikum gekonnt mit ein, in dem sie zum Titelsong - Wildes
Herz- die Fans mit den Händen, Herzen formen ließen um ein Foto für ihre Myspace Seite schießen zu können. Auch die neue Download Single
-Sommer 2010- wurde zum Besten gegeben und lockerte die Atmosphäre in der Halle nochmals auf. Bis auf -Sand in meiner Hand- wurden natürlich nur Songs, aus dem aktuellen Album gespielt. Nach einer 20minütigen Umbaupause nahmen gegen 20.00 Uhr ZEROMANCER aus Norwegen die Bühne in Beschlag und bescherten, den nach
dunklen Klängen lechzenden Fans, Synth-Industrial Rock vom feinsten. Sänger und Frauenschwarm Alex Møklebust lies dabei seinen
skandinavischen Charm spielen und recht schnell feierte ein Großteil der Halle ausgiebig mit. 
Auch hier gab es am Sound nichts auszusetzen Songs wie „It Sounds Like Love (But it looks like sex)“, „Clone Your Lover“, „The Hate Alphabet“
oder der Titeltrack vom gleichnamigen neuen Album „The Death Of Romance“ verfehlten ihre Wirkung nicht und die kraftvollen Bässe, erreichten auch die letzten Windungen der Magenregion. Nach 45 Minuten Spielzeit wurden
ZEROMANCER dementsprechend gebührend verabschiedet, ein gelungener Auftritt der fünfköpfigen Kapelle.
Schon zu diesem Zeitpunkt schien die Halle maßlos überfüllt, die Luft wurde zunehmend stickiger, gefühlte 95 % Luftfeuchtigkeit wehten einem
entgegen, viele hatten mit Kreislaufproblemen zu kämpfen und bei einigen, die wie eine Boje im stürmischen Meer hin und her wippten, machte
sich der Alkoholpegel deutlich bemerkbar. Auch wir entschlossen uns dazu unseren erkämpften Platz für einige erfrischende Getränke zu opfern
und versuchten, die Vorhalle anzusteuern, um ein wenig frische Luft zu schnappen. Doch das sollte sich als äußerst schwierig erweisen, da ein
Durchkommen fast unmöglich erschien. Irgendwann gelang es uns, dem Ölsardinen-Dosen-Prinzip doch noch zu entfliehen und so wechselten 1 Liter Cola an der Theke im Foyer den Besitzer. 
Gegen 21.10 Uhr war es dann soweit und das dumpfe Nebelhorn des Unheiligen Dampfers dröhnte den wartenden Gästen entgegen, die vor
Begeisterung kaum noch zu halten waren. Mit dem Intro versuchten auch wir uns, aus dem Foyer wieder in Richtung Halle zu bewegen, doch zu
unserem Bedauern mussten wir feststellen, dass sämtliche Türen durch die Menschenmassen blockiert waren. Es gab keine Möglichkeit mehr in
die Halle zu gelangen sodass wir gemeinsam mit vielen weiteren Leidensgenossen, die ersten drei Songs in der Vorhalle verbringen mussten. 
Zum angestimmten Song „Feuerengel“ gelang es uns dann doch, eine entstandene Lücke zu nutzen, die uns aber wenig Sicht auf die Bühne bot,
man sah lediglich des Grafen Krawatte, die sich mal von links nach rechts bewegte, den dazugehörigen Kopf, musste man sich jedoch denken,
da wir direkt hinter dem erhöhten Familienbereich standen, dessen Stahlträger das obere Sichtfeld behinderte. Ein Meer aus Tausenden
schwenkenden Händen folgte jedem Ton, der von Richtung Bühne kam und ein Hit folgte dem Nächsten. Zu -Abwärts- forderte der Graf, wie schon
beim Tourauftakt, seine Fans auf in die Hocke zu gehen und mit ihm Hochzuspringen. 
Der Graf wirkte während der Show sehr selbstsicher, alles schien gut durchdacht, wie ein Drehbuch, nach dem man sich richtet, so folgten dann
auch wieder die bekannten Sätze, die man schon aus Bochum kannte „Oft frag ich mich, ob ich überhaupt gut genug bin vor so vielen Menschen
zu spielen“ eine Frage die der Graf sich, unter lautem Jubel seiner Fans, selbst beantwortete „Geht doch, was mach ich mir überhaupt sorgen“.
Das Unheilige Oberhaupt hatte seine Anhänger während des gesamten Abends gut im Griff und bot erneut, eine qualitativ hochwertige Show,
doch wer Vergleiche zwischen früheren Konzerten und dieser aktuellen Tour zieht und zwischen den Zeilen lesen kann, der muss sich eingestehen, dass der charismatische Frontmann deutlich an Authentizität verloren hat. Gegen 22.55 Uhr hieß es dann Abschied nehmen und die Massen drückten sich durch die Türen, die wie ein Nadelöhr wirkten. Zu diesem
Zeitpunkt traf man auch ZEROMANCER im Foyer an, die sich ohne Berührungsängste unters Folk mischten, um Autogramme zu schreiben.
Auch wir hatten Gelegenheit, ein kurzes Gespräch mit den sympathischen und sehr freundlichen Norwegern zu führen, da die meisten nicht
wussten wer da überhaupt stand und sich somit auch keine Menschentraube um die Jungs bildete. Für die meisten sollte der Abend an dieser
Stelle Enden, für uns ging es jedoch weiter, um mit der Fan-Community Unheiliges.de noch bis in die frühen Morgenstunden zu feiern.
Fazit: Ferne Welt ich komme …Unheilig ist in der neuen Welt angekommen, der Welt des Mainstreams, in der der Begriff „Gothic“
gerade wieder als neue Modeerscheinung gefeiert wird. Reibereien gab es an diesem Abend zu genüge zu sehen, da hier die
verschiedensten Menschen aufeinandertrafen. Auch war die Halle zu überfüllt sodass der Eindruck entstand, das hier im Vorfeld zu
viele Tickets verkauft wurden. Die Luft war zum schneiden und viele bekamen Probleme mit dem Kreislauf. Kinder sind teilweise
ohne Gehörschutz herumgelaufen und die Rollstuhlfahrer, konnten von dem zugewiesenen Platz so gut wie nichts von der Bühne
sehen. Lieber ausweichen auf Festivaltermine, da der anhaltende Hype, das genießen eines solchen Konzerts stark beeinträchtigt. Für euch Vorort: Andre Stasius (Bericht) Yvonne Stasius (Bericht)
Fotos: Gisela Schmitz |