GÄSTEBUCH

HM BREAKDOWN
CD-Kritik
Konzerte
Tourdates
Archiv
Kontakt
Interviews
Pub-Führer
Studio-Report
Partnerseiten
Disclaimer
Special

THE GATE oder …als die Spaghetti „al dente“ waren öffnete sich das Tor!

 

 

„We….will…walk!“ Das Mikrofon im Aufnahmeraum des Big Easy Studios bekommt die volle Ladung. „You …will…jump!“ Neben mir brüllt THE GATE Frontmann Guido Krämer erbarmungslos auf das wehrlose Equipment ein. Ich gebe nun auch Vollgas. Wenn ich schon die Backings mit shouten darf und so mein Gesangstalent einer breiten Öffentlichkeit unter Beweis stellen kann, dann aber richtig.
 

Aus den Kopfhörern knallt eine treibend schnelle Heavy Metal Nummer, wie gemacht für einen Opener. Unschwer erkennt man den geistigen Vater dieser Riffattacke. Die Gitarrenarbeit von „Into the Pit“ stammt aus der Feder des Mannes, die auch schon in der Vergangenheit  für  solche Heavy Metal Klassiker wie „Prisoner of our Time“ oder „Victim of States Power“ gesorgt hat.
„Ich habe Preacher beim letztjährigen SWORD BROTHERS FESTIVAL  in meiner Heimatstadt Andernach wieder getroffen.“   erzählt mir Guido später.  „Zuvor hatten wir uns einige Jahre nicht gesehen. Persönlich kannten wir  uns aus meiner Zeit bei THE COMPANY. Preacher war des Öfteren auf unseren Konzerten in Köln gewesen. In Andernach hatte ist er dann aber gezielt auf mich zugekommen.
In seiner Band SNAKE RIDE RODEO lief es wohl zu dieser Zeit in eine andere Richtung als er sich das vorgestellt hatte. Mir ging es da ähnlich. Ich war mit der musikalischen Entwicklung bei SYSTEM FAILED ebenfalls nicht mehr so glücklich. Als ich seinerzeit bei THE COMPANY ausgestiegen bin, wollte ich zunächst mal nichts mehr vom Musikgeschäft  wissen. Ich war vom Business absolut enttäuscht gewesen, empfand es damals hinter den Kulissen teilweise zu unehrlich und zu kopflastig. Das passte zu dieser Zeit nicht mehr zu mir. Irgendwann wurde es dann aber in mir drin wieder wach. Als dann noch der Film „School of Rock“ kam, ich dabei  eine Träne wegdrücken musste, war klar, dass ich wieder ans Mikro musste. System Failed war dann zunächst ein guter Schritt!“
 

Wie haben Preacher und Du die Sache dann in trockene Tücher gebracht?
„Auf dem SWORD BROTHER haben wir dann erst mal unsere Nummern ausgetauscht. Kurz darauf kam Preacher dann zu mir nach Hause. Er hatte seine Klampfe und einen kleinen Verstärker dabei um mir seine Ideen vorzustellen. Das Material gefiel mir sofort. Ich hatte schon immer eine Schwäche für die frühen RUNNING WILD  gehabt. Irgendwann bekamen wir Hunger, gingen in die Küche und als ich das Nudelwasser aufgesetzt hatte, war klar, dass wir die Band gründen wollten. Als die Spaghetti dann „al dente“ waren, stand schon der Bandname!“
 

Später kamen dann Tino am Bass, den Guido aus der Konkursmasse von SYSTEM FAILED mitbrachte und Peter „Unruh“ an den Drums dazu.
„Beides ganz versierte, fantastische Musiker. Wir haben da unglaubliches Glück gehabt, denn menschlich wie musikalisch passt alles zusammen!“
 

Guido deutet auf die Studioboxen aus denen das flotte „Shout for Metal“ mit coolem, entspanntem  Ohrwurmrefrain und jeder Menge Melodie rollt.
„Achte mal darauf, wie der Bass treibt. Ich finde man hört es richtig, dass Tino kein Plektrum benutzt sondern mit den Fingern spielt. Das klingt viel organischer. Pech nur für die Sammler der kleinen Plastikteilchen.“

 

Etwas gehässig grinst mich der Sänger an, wohl wissend dass ich zu der Garde dieser Sammler gehöre.
„Magst Du vielleicht einen seiner Fingernägel haben?“

 

Ich verzichte….
„Peter kann alles spielen! Eigentlich hatte ich immer Glück mit meinen Drummern.  Alex bei SYSTEM FAILED  war richtig gut und durch Lala (THE COMPANY) war ich sowieso  total verwöhnt, aber Peter hat dafür gesorgt, dass ich mich auch diesmal nicht qualitativ umstellen muss. Im Gegenteil, er gibt der Sache den richtigen Drive…“

 

Stimmt! Es hämmert gewaltig und ist vor allen Dingen sehr abwechslungsreich. Inzwischen rappelt es wieder!  „Face your Fear“ ist eine thrashige Nummer, die mit einem absolut interessanten groovigen Part im  17/8tel Takt (!) eingeleitet wird. Hier zeigt sich der hohe musikalische Backround der Musiker. Bisher meine Lieblingsnummer! Der Gesang von Guido hat sich verändert; ist melodischer und abwechslungsreicher geworden.
„Naja, bei THE COMPANY war ich alleine schon durch den Stil etwas eingeschränkter. Außerdem bin ich älter und störrischer geworden (lacht), da macht man was man will!….Nein im Ernst, bei THE GATE gibt es für niemanden irgendwelche Vorgaben und ich kann wirklich so singen, wie ich es gerne möchte und gerade fühle!“

 

Auch Produzent und Studiobesitzer Freio scheint an der Produktion Freude zu haben, pfeift munter die Melodien mit und wirkt locker und souverän. Mit dem Herrn der Knöpfe schließt sich der Kreis für eine wirklich gute Produktion.
„Unser Ziel war es unsere musikalischen Einflüsse, und die liegen ganz einfach in der NWOBHM und ganz allgemein dem Metal der 8Oiger, ausleben zu dürfen. Fern von irgendwelchen Trends und möglichst auch von der Einflussnahme von außen. Dies kombiniert mit den Dingen, die uns in den Folgejahren des Weiteren geprägt haben sollte in ein modernes, aber adäquates Soundgewand gewebt werden. Freio ist dafür genau die richtige Wahl. Peter kannte ihn bereits von früheren Produktionen mit ONE SIGN OF METAL. Der Mann versteht genau, was wir wollen und obwohl dies eine Auftragsproduktion ist, hängt er sich so rein, als wären ihm die Songs genauso wichtig wie uns. Dabei bietet er eine völlig relaxte Stimmung an und macht den Studionamen BIG EASY zum Programm.“

 

Freio sieht seinen Job auch als echten Glücksfall an, hat generell mit Metalmusikern super Erfahrungen gemacht und liebt seinen Beruf. Ca. 150 Aufnahmen hat er bereits in seinem ländlich gelegenen Studio in der Nähe von Hennef im Rhein-Sieg Kreis produziert. Dabei schätzt er handgemachte Musik, wobei Freio aber auch für alle Richtungen offen ist. Den größten Teil seiner Kunden stellt aber eindeutig die Rockfraktion und vorneweg der Metal. Trotzdem stellt sich die Frage, ob die Umstellung auf eine Old-School orientierte Band sehr groß ist.
„Nee, nee…ich komm ja aus der Ecke!“ lacht da der Meister. „Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste und komm ja aus dieser Zeit. Solche alten Sachen lassen einen nicht mehr los. Damals, um zwei Uhr nachts auf jeder Party lief pünktlich RUNNING WILD! Aus diesem Grund ist diese Geschichte , und hier gerade die Organizität zuzulassen, eine echte Herausforderung.“

 

Mit „Earth Cathedral“ haben THE GATE dann auch eine Hymne im Programm. Der Refrain wurde  durch ein Lied aus dem Jahr 385 von Ambrosius von Mailand inspiriert. Hier kommen Freunde von Chören, die auch gerne mal bei einem Livegig mitsingen, voll auf ihre Kosten. Insgesamt hört man dem Songwriting den Spaß der Musiker an. Schnell wird klar, dass es sich bei THE GATE um eine Band handelt, in der sich  jeder Einzelne musikalisch voll einbringen kann. Der Sänger nickt…
„Bei THE GATE darf man so sein, wie man ist. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir die Möglichkeit  gemeinsam gefunden haben, unsere Kreativität auszuleben. Bei uns gibt es keine Hierarchie. Wir sind alle erwachsen und respektieren uns gegenseitig sehr.“

 

Als Guido und Freio später an einem sehr atmosphärischen Intro basteln, kommt mir doch das darin verwendete Riff spontan bekannt vor. Bestiehlt sich der Preacher hier etwa selber? Guido lacht!
 „Das ist volle Absicht! „Prisoner of our Time“ ist mein Fave von RUNNING WILD. Als ich das Intro so vor mich her summte, kamen mir die Chorpassagen des Intros in den Sinn. Die wiederum gefielen mir so gut, dass ich sie in den Proberaum mitnahm und später wurde daraus der Refrain von „Shout for Metal“. Nun fanden wir die Idee ganz passend das alte „Prisoners –Introriff“ mit diesem neuen Refrain als Opening für diese EP zu nehmen. So in Richtung „Vergangenheit trifft Neuzeit“!

 

Zum Abschluss stellt sich mir die Frage, was denn mit den Aufnahmen nun geschieht. Steht da schon ein Label in den Startlöchern?
„Wir sind mit mehreren Firmen in lockeren Gesprächen. Natürlich sind die daran interessiert, wenn ein Mann wie Preacher wieder zur Axt greift. Andererseits kaufen die auch nicht die Katze im Sack, also werden wir mit den vier Songs plus Intro jetzt zunächst einmal Verhandlungen angehen. Wenn etwas Passendes dabei ist, wäre das toll…wenn nicht, bringen wir es selber raus. Das wäre auch kein Problem! Du hörst doch, dass das Teil gut wird, oder? Da mach ich mir keine Sorgen drum!“
Braucht er auch wirklich nicht!!!

www.myspace.com/thegatetometal 

Story: Byrt