CORVUS CORAX
CORVUS CORAX – die Könige der Spielleute überraschen uns mit einem Album, was nicht so ganz alltäglich ist. Ein kleines Experiment haben sie mit ´In Electronica – Zona Extrema´ gewagt. So gibt es auf diesem Album Remixe von Songs der beiden letzten Alben ´Viator´ und ´Mille Anni Passi Sunt´, die von DJs und verschiedenen Bands elektronisch überarbeitet wurden. Mit Castus Rabensang versuchte ich ein wenig Licht in das elektronische Geschehen zu bringen.
Ziemlich mutig, was CORVUS CORAX mit ´In Electronica – Zona Extrema´ veröffentlicht haben, aber irgendwie auch ziemlich interessant. Wie seid ihr eigentlich auf eine solche Idee gekommen?
– Es wurden 1995 schon Remixe von unseren Songs gemacht. Dieses Album kam dann auch 1996 in die Platenläden. Diese wurden damals von Techno-Leuten hergestellt. Das war auch ein ziemlich großer Erfolg. Das war also unser erster Kontakt zu den Remixen. Danach wurden wir ständig von Freunden, Gruppen oder DJs gefragt, ob wir denen nicht einfach mal Songs rüberreichen könnten, was aber so einfach gar nicht ist. Man würde ja im Grunde seine eigene Musik verschenken. Im Nachhinein haben wir uns denn doch gesagt, weil wir ja auch sehr experimentierfreudig sind, warum nicht? Wir suchten also von unseren letzten beiden Alben einige Songs aus und als wir diese zurückbekamen, wussten wir, dass wir richtig gehandelt hatten. Die Songs waren so unterschiedlich und vielfältig, dass ein richtiger bunter Strauß an Melodien entstanden ist.
Also entnehme ich deinen Worten, dass ihr vollkommen mit dem Ergebnis zufrieden seid?
– Dass auf jeden Fall, denn es hat uns selber wohl am meisten überrascht.
Man hört die mittelalterlichen Klänge immer noch sehr stark heraus. Wollt ihr jetzt auf diese Weise, eure Musik auch einem anderen Publikum näher bringen oder war diese Idee ´Just For Fun´?
– Zuerst ist diese Idee wirklich ´Just For Fun´ gewesen. Gabi Delgado, ein DJ, den wir schon sehr lange kennen, meinte auch, dass solch ein Sound sehr viele Leute interessieren wird. So wird neben der CD parallel eine Vinyl-Scheibe gepresst. Diese wird aber nicht in den Handel gebracht, sondern an interessierte DJs weitergeleitet wird. Zu bekommen ist diese über unsere Internetseite. Zurück zur Frage. Es ging uns zu Anfang um den Spaß, aber ein Hintergedanke war schon dabei. Mit dieser Platte haben wir jetzt die Chance, in Clubs gespielt zu werden, wo wir vorher keine Möglichkeit gehabt hätten. Dafür sprechen wir doch mit unseren Songs ein ganz anderes Publikum an. Bei vielen Leuten ist es so, dass wenn sie hören, wir machen mittelalterliche Musik, verschließen diese sich sofort. Obwohl CORVUS CORAX ja nicht so ganz dem Klischee des Mittelalters entspricht, denn dazu sind wir doch schon ein wenig extrem. Ob wir durch dieses Album andere Leute erreichen, wird sich zeigen. Trotz allem ist es uns wichtig, dass wir nun auch in Clubs gespielt werden können.
Ich war auch sehr überrascht, als ich CORVUS CORAX zum ersten Mal gesehen habe, denn diese Power, die von der Band ausgeht ist einfach unbeschreiblich. Eine Sache ist für mich aber trotzdem ein wenig erklärungsbedürftig. CORVUS CORAX haben mit TANZWUT ja auch eine andere Band am Start, die wesentlich härtere Songs hervorbringen. Warum habt ihr diese Scheibe jetzt unter CORVUS CORX laufen lassen?
– Es sind ja Songs von CORVUS CORAX, die nur von anderen geremixt wurden. Wichtig war für uns, wie schon gesagt, dass wir nun die Möglichkeit haben auch in Clubs gespielt zu werden. Gelaufen sind unsere Songs schon, aber höchstens zu Anfang oder am Ende eines Abends, weil eben das elektronische gefehlt hat. Wir haben dies nun gemacht und eines ist sicher, wir werden damit niemals auf die Bühne gehen und das möchte ich an dieser Stelle sehr deutlich betonen. TANZWUT ist eine Gruppe, die macht Musik und spielt es auch genau so. Bei CORVUS CORAX ist das fast genau so, aber es gibt nun eine Scheibe, die ein wenig anders klingt und damit wollen wir unsere Experimentierfreudigkeit unterstreichen.
Also auch offen für andere Sachen.
– Das auf jeden Fall, denn wir sind eben die Verrückten und es geht darum, das man es nicht nur ausspricht, sondern auch macht.
Gutes Statement, man sollte wirklich die verrückten Sachen ausleben. Nach welchen Kriterien habt ihr denn die Bands, wie z.B. Umbra Et Imago oder Blind Passengers ausgesucht?
– Als wir anfingen über eine solche Sache nachzudenken, haben wir erst einmal Leute aus unserem Bekanntenkreis zu fragen. Da wir zu diesem Zeitpunkt schon zusammen mit Umbra Et Imago die Single ´Feure und Licht´ zusammen gemacht haben, haben wir die Band gefragt, ob bei ihnen nicht auch Interesse an einem Remix besteht. Sie waren sofort einverstanden und meinten, wenn es uns gefallen würden, sollten wir es doch mit auf die CD packen. Blind Passengers sind wie wir aus Berlin und gute Freunde von uns und wir waren auch schon zusammen in Mexiko. Sie waren auch sofort von der Idee angetan. Gabi Delgado, der ja aus Spanien stammt, kennen wir schon eine halbe Ewigkeit. Er brachte denn auch diese galizischen Klänge mit in den Remix. Hauptsächlich wurden wir aber von den Leuten kontaktet und wir brauchten eigentlich fast gar nicht groß zu suchen.
Das Booklet wurde auch sehr edel in einem silbernen Gewand gehalten.
– Das ist ganz bewusst so von uns ausgewählt worden, denn Silber wirkt ja regelrecht kühl. Es passt auch wunderbar zur Musik. Für den Titel ´In Electronica´ haben wir uns deswegen entschieden, weil den meisten Fans von uns sofort auffallen musste, dass mit der CD irgendetwas nicht stimmt. Wir haben lange darüber nachgedacht, wie wir das Album nennen sollten. Zuerst stand der Name ´Remixe´ im Raum, aber wir entschieden uns für ´In Electronica´, denn somit war jedem klar, dass es sich um etwas computermäßiges handeln würde. Den Zusatz ´Zona Extrema´ ist eine Bezeichnung, die wir aus Mexiko mitgebracht haben, denn bei einem Festival dort hieß dort ein bereich so, wo die extremsten Sachen passierten. Da flogen Leute auf einer 30 Meter hohen Schaukel durch die Luft und wenn jemand herunterfiel, geschah dies weich, denn darunter standen die Leute. Das war schon richtig gefährlich. Es ist aber auch für CORVUS CORAX eine sehr extreme Zone.
Ihr habt ja im vergangenen Jahr einige Auftritte mit CORVUS CORAX in einer Kirche absolviert. Wie sind diese denn aufgenommen worden?
– Die Konzerte waren brechend voll und es war eine sehr interessante Akustik. Wir haben auf unserer Internetseite nur überwältigende Kritiken erhalten. Die Konzerte fanden in Bochum, Rostock und Dresden statt. Die Leute interessierten die Konzerte wohl auch deswegen, denn sie waren auf die Reaktionen vom Pfarrer auf unserem Sänger Teufel gespannt. Die Reaktionen der Pfarrer waren auch bis auf einer Ausnahme, hervorragend und die Leute empfanden es auch nicht als Blasphemie. Es waren aber auch Kirchen gewesen, wo des Öfteren Konzerte stattfinden. Es war eine verschärfte Sache für die Leute und auch für uns. Wir haben solche Konzerte aber auch wieder für die Zukunft geplant.
Dann haltet mal nach einem solchen Konzert Ausschau, denn auch ich wollte zu einem solchen Konzert gegangen sein, aber irgendwie ist mir wieder etwas dazwischen gekommen. In der nächsten Zeit ist CORVUS CORAX aber wieder verstärkt auf Tour und diejenigen, die sie noch nie live gesehen haben, sollten sich dies nicht entgehen lassen.
Story: Gisela
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