18 Summers
10 Fragen an Felix Flaucher von 18 SUMMERS
Beim Hören eures neuen Albums „VIRGIN MARY³ habe ich den Eindruck, dass es alles im allen sehr entspannt wirkt. Hat es vielleicht damit zu tun, dass Ihr das Kapitel „Silke Bischoff³ mit all dem Rechtsstreit nun endgültig geschlossen habt?
– Der Rechtsstreit hat mit dem neuen Album eigentlich nichts zu tun. Wenn man davon absieht, dass wir unseren Namen geändert haben. Solche Sachen muss man trennen. Gerichtsladungen und Anwaltsschreiben sind zwar lästig und es ist immer anstrengend, wenn jemand an dir klebt wie eine Ex-Freundin. Aber es bedeutet nicht, dass sich mein ganzes Leben nur noch darum dreht.
Ihr habt wieder, wie auch beim letzten Album „PHOENIX FROM THE FLAMES³, mit dem Produzententeam Roman Schönsee und John Fryer zusammengearbeitet, was zeichnet die Zusammenarbeit mit den beiden für euch aus?
– Die letzten beiden Alben sind das Beste, was wir je gemacht haben. Roman macht einen sehr guten Job im Studio und John sorgt anschließend sozusagen für den Feinschliff.
Ihr habt einige Streicherarrangements auf „VIRGIN MARY³ eingebaut, wurden diese durch ein Orchester eingespielt, wenn ja durch welches und wie kam der Kontakt zustande?
– Andreas T. Fuchs hat die Arrangements zu einigen unserer Songs geschrieben. Wir haben ihm eine CD und ein paar kluge Sprüche zu einzelnen Songs mit auf den Weg gegeben und er konnte völlig eigenständig arbeiten. Seine Noten wurden dann innerhalb von zwei Tagen unter seiner Leitung vom MATMOS Streichquartett bei Roman aufgenommen. Es war unsere erste, aber sicher nicht unsere letzte Zusammenarbeit mit ihm.
Die Bilder von „18 SUMMERS³ gehören ja zum festen Bestandteil der Band, plant Ihr diese zu veröffentlichen, vielleicht auf eurer Homepage, oder sogar als Buch?
– Veröffentlicht sind sie ja schon im Booklet. Und auch auf unserer Homepage sind einige der Aufnahmen zu sehen. Ich mache zwar ständig Fotos, aber es wird noch dauern, bis mal ein Buch daraus wird. Wir machen Flyer, Poster, Postkarten in kleinen Auflagen, Bilder für Magazine, aber ich habe noch kein Angebot vom Taschen-Verlag. Fürs Zillo mache ich gerade ein Jahr lang die Fotos zur Infothek-Seite, im Buch Gothic II, das demnächst erscheint, werden 16 Seiten zu sehen sein.
Ich habe noch von früher eine schöne Erinnerung, als ich The Cure damals in Frankreich / Orange in einem sehr schönen alten römischen Theater hab spielen sehen, da habe ich immer gedacht, dass das doch das Größte für eine Band sein muss, an so einen Wahnsinns-Ort dieser Welt ein Konzert zu spielen. Habt Ihr solche Träume für so ein Event, oder wo und wie würde euer Event aussehen?
– Wir ziehen demnächst um in eine Kirche. Also es ist nur eine kleine Kirche und sie muss auch erst noch umgebaut werden. Aber wenn es so weit ist, wäre mir das der liebste Ort für ein solches Event. Wir sind eher kirchlich-häuslich unterwegs.
Gibt es Bands oder Künstler, mit denen Ihr gerne einmal etwas zusammen machen würdet?
– Ach, eine ganze Menge. Es hat sich bisher nur nie ergeben.
Welche Musik oder welche Bands interessieren „18 SUMMERS³, oder welche haben euch vielleicht sogar beeinflusst?
– Ich kann jetzt höchstens sagen, was ich vor langer Zeit gehört habe oder was ich noch immer cool finde. Glaube aber nicht unbedingt, dass man da einen direkten Bezug heraus hören kann… Es gibt andere Dinge, die sicher einen viel größeren Einfluss auf das haben, was ich mache… Aus dem Folk-Bereich CSN&Y, James Taylor, Joni Mitchell, Simon & Garfunkel, Bob Dylan, Carol King, America, aber auch SixComm, Death in June, überhaupt alles von Mother Destruction. Ausserdem Type-O-Negative, Rammstein, AC/DC, die Sex Pistols und Death. Jethro Tull, King Crimson, Genesis, Pink Floyd, Yes. Led Zeppelin und natürlich die Beatles. DAF, Klinik, Anne Clark, DM, DCD, This Mortal Coil, Magenta, Sol Invictus und Joachim Witt. Und Joy Division waren die Könige. Ich habe Fotos von Shock Therapy, Klinik, And also the Trees, Gitane Demone, Lacrimosa, Moonchild, Totenmond, Christian Death, David Bowie, Madonna und vielen anderen Bands gemacht. Und ich liebe Missy Eliott und Busta Rhymes.
Ich bin der Meinung, das Bands aus der s. g. „schwarzen Musikszene³ bisher eigentlich größtenteils über Musikzeitschriften wie z. B. Zillo oder Orkus bekannt wurden oder dadurch einem größeren Publikum bekannt wurden. Leider unterstützt das deutsche Musikfernsehen solche Musikrichtungen nicht, was ich sehr schade finde. Wie steht Ihr dazu?
– Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Es gibt zwar genügend Beispiele für Bands, denen es gelungen ist, ein größeres Publikum zu erreichen (wofür sie von den alten Fans sofort gehasst werden), aber TV und Radio orientieren sich an den Charts. Wenn da nichts geht, geht gar nichts. 10000000000000000000000000000, diese Zahl hat gerade unsere kleine Schildkröte geschrieben, als sie quer über die Tastatur lief. Kein Witz!
Wie seht Ihr die „schwarze Musikszene³ in der Zukunft, es gibt ja derzeit auch eine Menge Reunions ?
– Ich sehe schwarz für die schwarze Musikszene. Es mag naiv klingen, aber ich mache noch immer Songs, schreibe Texte, weil ich gar nicht anders kann, weil ich damit eine Möglichkeit gefunden habe, mein Leben zu ertragen. Weil ich auf der Suche bin und etwas ausdrücken möchte, das über den fröhlich-flachen Mainstream-Einheitsbrei hinausgeht. Und solange es Leute gibt, die Musik aus diesen Beweggründen machen, wird es eine schwarze Szene geben. Das Wort „Reunion³ hat so einen verzweifelten Beigeschmack … Klingt wie alte Säcke, die ihren einen großen Wurf niemals toppen konnten und sich reumütig wieder zusammen finden. Das macht mich melancholisch. Und Jonny Rotten würde ich heute lieber in einem Anzug, als in einem Hippie-Punk-Shirt sehen.
Was ist für die Zukunft an Aktivitäten von „18 SUMMERS³ geplant?
– Es wird langsam Zeit, sich wieder auf das Eigentliche zu besinnen. Fotos machen, Songs entwickeln, Texte schreiben…
The Church of 18 Summers
Felix Flaucher
Story: Bernd Dahmen
Kommentar hinterlassen