HARDLINE
Eigentlich gibt es sie schon sehr lange – die Hardrock Band HARDLINE. Im Jahr 1992 veröffentlichten sie ihr erstes Album „Double Eclipse“, ein erfolgreiches Album einer erfolgversprechenden Newcomerband, gegründet von den beiden Brüdern Johnny (vocals) und Joey Gioeli (guitar). Aber irgendwie kam danach nichts mehr, kein Album und auch kein Lebenszeichen. Jetzt, beinahe zehn Jahre später sind sie wieder da. Mit von der Partie sind Josh Ramos (lead guitars), Christopher Maloney (bass) Michael T. Ross (Keys) und Rob Rock (drums). Ihr neues Album „Hardline II“ ist ein großartiges Werk geworden. Mit Johnny konnte ich ein wenig über ihr neuestes Album plaudern.
Wann habt ihr HARDLINE gegründet?
– Als Band formierten wir uns um 1990 herum und brachten unter HARDLINE I 1992 das Album „Double Eclipse“ heraus. Wir spielten bis ungefähr 1995 und dann war es aus und vorbei.
Genau, dann kam die große Pause. Warum, besonders nach einen so erfolgreichen Album?
– Nun, wir verloren unser Label und die Band zersplitterte sich. Wir hatten kein Geld mehr und daher zerfiel auch unsere Band. Hart! Joey und ich versuchten HARDLINE neu zu gründen, aber ohne Glück. Irgendwie passten die Musiker und auch das Umfeld nicht zusammen … und schließlich beschlossen wir, die Band HARDLINE sterben zu lassen. Es war genug. Wir machten andere Dinge … wir begannen zusammen hier in Kalifornien eine Firma aufzubauen. Vor ungefähr vierzehn Monaten erhielt ich eine E-Mail mit dem Wunsch, eine neues HARDLINE – Album zu produzieren. Ich sagte sofort nein und andere sagten ja und ich wieder nein … das ging eine Weile hin und her. Als meine Frau schließlich auch nein sagte mit der Begründung: ich hätte zu viel zu tun da sagte ich zu. Sie war nicht sehr glücklich darüber aber ich fand die Idee, ein neues Album zu machen, für mich einfach wichtig.
So entstand auch der Album-Titel „Hardline II“.
– Genau. Aus dem Wunsch heraus ein zweites Album zu produzieren. Das führte zu der Bezeichnung II.
Wie fandet ihr wieder zusammen?
– Nach dem Prinzip „hand picked“. Die Musiker sind Freunde von mir und alle hatten Interesse ein zweites HARDLINE Album zu produzieren. Irgendwie hatten wir immer die Vision, das HARDLINE irgendwann wieder „auferstehen“ würde. Dieses Album unterscheidet sich sehr stark von unserem ersten. Unser erstes Album wurde unter einem enormen Stress produziert. Wir haben geglaubt, dass wir die ultimative Band werden würden. Das wir richtig viel Geld verdienen würden. Ich weiß eigentlich nicht genau, warum das so war, ich verstehe es nicht wirklich. Und heute? Ich habe eine wunderbare Position. Ich habe eine gut laufende Firma, bin also finanziell von der Musik nicht abhängig. Ich kann Musik machen ohne diesen enormen Druck. Denn ich muss keinen Erfolg haben um davon leben zu können. Ich kann Musik machen weil es mir Spaß macht, es ist mein Hobby. Ich versuche es gut und präzise zu machen, aber ich muss es nicht tun. Das ist exakt meine Position. Und das ist cool!
Was machst du Hauptberuflich?
– Ich arbeite im Bereich der Computertechnik. Computer und Keyboards usw.
Also irgendwie doch noch mit der Musikschiene verbunden?
– Genau!
Wie kamt ihr auf den Bandnamen HARDLINE?
– Der Name basiert auf einer Idee von Jeen Castronovo der bei HARDLINE I dabei war. Wir waren gerade mit dem Album fertig und Jeen las die Zeitung. Wir hatten noch keinen Bandnamen. Er erzählte uns etwas über „hartlinings“ das in Zusammenhang mit unserem Präsidenten erwähnt wurde. Und er ließ sich richtig darüber aus … ob es gerechtfertigt sei oder nicht … diese Art von Kontrolle oder auch Zensur. Und dabei kamen wir auf die Idee, das HARTLINE der geeignete Name für unsere Formation wäre … einen harte Linie oder auch: keine Kompromisse eingehen. Auf der gleichen Seite der Zeitung war auch ein Thema das über die Mondfinsternis handelte mit der Überschrift „Double Eclipse“. Eine besondere Art, die wohl nur alle tausend Jahre zu beobachten ist oder so ähnlich. Für uns war es genial. So hatten wir nicht nur einen Bandnamen sondern auch den Titel für unser erstes Album gefunden.
Habe ihr „Hardline II“ selbst produziert?
– Nein, es wurde von Bob Burch produziert. Er ist ein Produzent mit einer sehr strengen Linie und achtet sehr stark auf die Qualität. Das zeichnet ihn für uns auch besonders aus.
Wer war verantwortlich für die Musik und wer für die Lyrik?
– Ich, ich, ich!!!
Du bist also ein Arbeitstier?
– Genau. Danke schön! – Ich habe die Songs getextet, habe die Musik gemacht und das Ganze arrangiert.
Du magst harte Gitarrenriffs!
– Ja, genau. Ich spiele einen Menge Instrumente – Piano, Keyboard, Schlagzeug etc. – aber mein erstes Instrument war die Gitarre. Ich spiele sie leidenschaftlich gerne. Auf unserem neuesten Album ist die Musikbasis einen ganz andere als vor zehn Jahren. Ich wollte keine Musik machen die unbedingt in den Radiostationen gespielt werden muss, oder auf die alle abfahren. Ich wollte das umsetzen was ich in diesem Moment fühlte. Vor vierzehn Monaten durchlebte ich ganz unterschiedliche, zum Teil schwierige Phasen. Und vieles von diesen Eindrücken und Erlebnissen kam aus meinem Innern heraus. Ich setzte es z. B in Form dieser teilweisen harten Gitarrenriffs um.
Einige eurer Songs sind sehr heavy, wie z.B. „Hold me down“ oder „Do or die“. Was hat dich inspiriert?
– Jaaaaa. Hmmmmm – sehr viel! Mein Problem ist: Ich bin ein „Controlfreak“, will sagen: Ich muss viele Sachen unter meiner ganz persönlichen Kontrolle haben. Die Dinge müssen nach meiner Vorstellung laufen. Ich mag es überhaupt nicht, wenn irgendjemand mir etwas vorschreiben will. Basierend auf diesem Hintergrund ist „Hold me down“ entstanden: Menschen versuchen mich zurück zu halten. Außerdem bin ich ein Mensch der sehr viele Dinge auf einmal machen will – Musik, unser Geschäft, fliegen etc. Und alles will ich eigentlich zur gleichen Zeit machen. Und es kann mich auch niemand zurück halten.
Neben den aggressiven Songs arbeitest du auch mit gefühlvollen Klängen und Inhalten. Wo findest du die Inspiration dafür?
– Während des Entstehungsprozesses kommen in mir Gefühle und Emotionen vieler Art hoch. Ich versuche sie alle in irgendeiner Form in meinen Liedern einfließen zu lassen. Zum Beispiel der Song „Weight“, in dem ich eine Menge Stress verarbeitet habe. Ich arbeite auch gerne mit chorischen Einlagen um die Emotionen besser zur Geltung bringen zu können. Inspiriert werde ich durch das Auto fahren und wenn ich auf der Toilette sitze. Da bin ich allein und kann mich ungestört den Gefühlen hingeben, und andererseits arbeite ich in diesem Moment unter Umständen hart … zumindest auf der Toilette.
Die Melodieführung ist in euren Songs sehr stark ausgeprägt. Wie wichtig ist das für dich?
– Sehr wichtig. Die Melodie bringt mehr Spannung in die Songs. Ich liebe Stücke mit einer stark ausgeprägten Melodie und einen aggressiven Musikbett. Allerdings mag ich harte, aggressive Musik lieber als softe.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass einige Momente sehr verspielt sind und mitunter eine Tiefe oder auch „spaceige“ Resonanz entsteht?
– Stimmt, aber das entsteht eigentlich eher zufällig, und unterstützt die Verschiedenheit unserer Stücke. Das ist nicht so einfach zu erklären … es kommt einfach aus mir heraus.
Wie war die Arbeit mit den anderen Musikern?
– Großartig. Wir kennen uns gut, und können uns aufeinander verlassen. Wir haben hart arbeiten können, ohne Schwierigkeiten und hatten unseren Spaß dabei. Wir verfolgten alle das gleiche Ziel: Wir wollten ein gutes, hörenswertes Album produzieren. Und wir hoffen, dass wir in 2003 auch eine Tournee machen können. Ich habe ca. ein Jahr an den Songs gearbeitet und in ungefähr zwei Monaten haben wir unser Album eingespielt. Es war wirklich eine super Zusammenarbeit.
HARDLINE ist wieder da. Und das einem überzeugenden Album „Hardline II“. Und Johnny arbeitet bereits an neuen Songs für weitere Alben. Das heißt, dieses Mal wird es nicht wieder zehn Jahre dauern, sondern nur bis 2003. Und das ist gut so.
Story: Gabi Peiter
Kommentar hinterlassen