KINGDOM COME
Ich war ziemlich überrascht, als ich KINGDOM COME im Vorprogramm von GOTTHARD zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder live anschauen konnte. Eine regelrechte Wandlung hat die Band in soundtechnischer Hinsicht vollzogen. Nicht das sie jetzt vollkommen die Richtung geändert hätten, nein eher wurden die Trademarks, welche KINGDOM COME immer ausgezeichnet haben, sehr gut mit neueren Sounds vermischt. Somit entstand ein Sound, der frisch, modern und trotzdem immer noch nach KINGDOM COME sich anhörte. Vor dem Konzert in Oberhausen hatte ich denn auch noch kurz vor dem Auftritt von KINGDOM COME die Gelegenheit, kurz mit Lenny Wolf über das Album und über einige andere Sachen zu reden. Wie immer war er natürlich nicht zu bremsen und somit hier das doch etwas gekürzte Interview.
Dein neues Album heißt „Independent“. Ich habe auf dem Album keinen Song mit diesem Titel gefunden. Es heißt ja auch übersetzt Unabhängigkeit. Warum genau dieser Titel?
– In einem Song gibt es die Textzeile „Independent But Mine“, wo ich über ein Mädel singe. Ich mag dieses ganze Besitzanspruchsdenken nicht, denn es ist ziemlich destruktiv und nicht gesund. Meine Frau in Anführungsstriche, ich habe zwar noch keine und auch keine feste Freundin, sollte selbstständig, klug sein, ihr eigenes Ding machen und unabhängig von mir sein. Trotz allem sollte sie mein sein. Das ganze eifersüchtige Gehabe ist überhaupt nicht mein Ding, denn ein Typ der eifersüchtig ist hat überhaupt kein Selbstbewusstsein.
Und vor allem kein Vertrauen.
– Richtig, denn dies ist doch das Wichtigste in der Beziehung. Jetzt aber genug von dieser Beziehungskiste. Ich habe in der letzten Zeit gemerkt, dass der Markt sich im Moment auf dieser „Deutschland sucht den Superstar“-Schiene oder der Techno-Ebene bewegt. Der Sound, den KINGDOME COME im Moment anbietet ist nicht gerade trendy, aber ich ziehe das Ding so durch, denn ich kann nur das machen, was ich glaube, wer ich bin und bewege mich deswegen in einer neutralen Zone. Ich bin Gott sei Dank noch unabhängig genug um das alles machen zu können. Trotzdem hat das Wort „Independent“ unheimlich viele Bedeutungen.
Du sprachst gerade von dem Sound. Ich habe mich richtig gewundert über den Druck und die Power der neuen Songs. Kam mir das jetzt nur so vor, weil du erstklassige Musiker mit auf Tour hast, oder liegt es am Songmaterial?
– Das liegt eindeutig an den Songs. Obwohl die Stücke immer noch diesen roten Faden besitzen, welche KINGDOM COME-Songs immer besessen haben. Wir kopieren jetzt aber nicht irgendeine Band, aber wir sind nicht blind und verschließen uns vor neuen Einflüssen. Nimm nur Stücke wie „Didn´t Understand“ mit den traditionellen KINGDOM COME Sound, der aber mit modernen Loops versehen wurde. Bei „Mother“ kamen meine ganzen Depeche Mode Einflüsse zum Tragen, aber trotzdem hört man Rammstein-Gitarren.
Du verschließt dich also auch nicht vor neuen Sounds?
– Überhaupt nicht, denn das wäre tödlich. Ich kann meinen Fans nicht das 13. Album mit denselben Songs wie „Do You Like It“ oder ähnliches anbieten. Wenn meine Fans enttäuscht sind, kann ich nur sagen, dass ich keinen Bock habe, mich selbst einzuschläfern. Ich bin in allererster Linie Musiker und Künstler und möchte mich weiter entwickeln. Zusätzlich möchte ich meine Fans auch auf anderen Ebenen bringen. Bei den Beatles war das doch genau dasselbe. Sie haben immer fast den gleichen Sound gehabt, aber irgendwann haben sie „Strawberry Fields“ und „Revolution“ veröffentlicht. Mir macht es auch Spaß, dass ich mich immer weiter entwickele und bei der nächsten Scheibe wird das noch extremer. Der Sound wird wohl von ultrakosmisch „Twilight Cruiser“ bis hammerhart. Ich freue mich schon auf das nächste Album.
Aber noch sind wir bei dem jetzigen Album, welches ihr ja gerade auf Tour mit GOTTHARD promotet.
– Diese Tour ist auch Spaß pur, denn die Jungs von GOTTHARD sind wirklich super. Toll ist auch, dass Leo Leoni und Drummer Hena richtige Fans von uns sind. Es ist wirklich kein geschäftliches Blabla, denn die Jungs haben wirklich Bock auf uns.
Das merkt man auch sofort, denn sonst wäre Leo am Dienstag wohl kaum zum Song „Do You Like It“ spontan auf die Bühne gekommen, um mit euch zusammen zu spielen. Richtig toll und sehr spontan.
– Das war wirklich sehr spontan und ich habe mich auch sehr darüber gefreut. Aber das Problem ist natürlich, man muss als Band touren, denn man hat eben kein Airplay in den Radios, geschweige denn im Fernsehen.
Mit dem Problem kämpft GOTTHARD ja ebenfalls.
– Das ist ein großes Problem, aber durch GOTTHARD, welche ja regelrechte Superstars in der Schweiz sind, haben wir jetzt die Möglichkeit auch dort mehr Popularität zu erlangen. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich diese Tour unbedingt machen wollte. Es ist normalerweise nicht sehr spaßig als Vorband zu spielen, aber es macht wirklich Sinn.
Habt ihr denn noch etwas für dieses Jahr geplant?
– Wir müssen mal sehen, ob es noch die Möglichkeit für uns gibt, im Herbst als Headliner auf Tour zu gehen. Vielleicht bereiten wir uns aber auch auf die neue Scheibe vor.
Für wann ist denn das neue Album geplant?
– Für Anfang nächsten Jahres hatten wir geplant das neue Album zu veröffentlichen.
Eine Frage noch zum Abschluss. Das Lied „Amerika“ ist dies als ein Dankeschön für deine amerikanischen Fans zu sehen?
– Genau das ist die richtige Beschreibung, denn ohne Amerika würde ich jetzt nicht die Tour zusammen mit GOTTHARD bestreiten können. Wir hoffen zwar heute immer noch, dass in den Staaten wieder irgendetwas passieren wird, aber der Markt ist dermaßen verwirrt und krank, dass Bands, die das dreifache verkauft haben wie wir keinen Plattenvertrag mehr. Es ist ganz merkwürdig. Aber trotzdem sind wir in Gesprächen, um auch dort vielleicht wieder Fuß zu fassen.
Dann kann ich Lenny nur eines wünschen, dass er wieder dort anknüpfen kann, wo er Ende der 80iger Jahre in Amerika aufgehört hat und dass er demzufolge, ebenso wie der Hardrock, auch in Deutschland wieder einen besseren Stand bekommt.
Story: Gisela
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