CORVUS CORAX
CORVUS CORAX veröffentlichten im letzten Jahr ihr Album „Seikilos“. Dieses bestach einmal mehr dadurch, dass CORVUS CORAX eine Band ist, welche immer mit Superlativen aufweisen kann. So gibt es auf dem Album mit „“ das älteste Lied überhaupt. Zusammen mit Castus und Sänger Teufel unterhielt ich mich ein wenig, denn kurz vor den Ritterspielen in Kaltenberg und dem Burgfolk in Mülheim gab es mit Sicherheit noch einige interessante Neuigkeiten zu erfahren.
Auf eurem letzten Album „Mille Anni Passi Sunt“ hattet ihr ja ein spezielles Thema, nämlich die Geschichte von Graf Draculea. Dies ist aber bei eurem neuen Album vollkommen anders, denn „Seikilos“ spiegelt doch einige Geschichten wider.
Castus: Es gibt eigentlich auch auf „Seikilos“ ein Thema, denn wir haben uns als Spielleute vorgestellt und wir bei den olympischen Spielen sind. Zu dieser Veranstaltung kamen dann auch die Spielleute aus allen Ländern. Diese spielten dann ihre landeseigenen Hymnen. Unser Grundgedanke war es, dass wir diese ganzen Stücke einfach nachspielen.
Also kann ich es wie eine kleine Reise durch die verschiedensten Länder betrachten. Ich stelle mir das doch sehr schwierig vor, wenn man nach den verschiedensten Liedern in aller Welt sucht.
Teufel: Es macht schon sehr viel Arbeit, die passenden Lieder zu finden, aber wir können ja nicht bei CORVUS CORAX klauen. Deswegen sind wir immer auf der Suche nach alten Texten und Liedern.
Das Stück „Chou Chou Sheng“ ist ja eigentlich ein chinesischer Kaisermarsch, den ihr, nach eurer Aussage, in einen chinesischen Teccno-Tempel verwandelt habt.
Teufel: Das ist schon richtig, aber wir von CORVUS CORAX betrachten uns schon als modern. Wir sind keine Typen, die mit sackleinenen Unterhosen herum laufen. Obwohl wir mittelalterliche Musik machen, sind wir doch sehr modern eingestellt. Die Leute sollen, wenn sie die Augen schließen, in eine andere Welt versetzt werden, aber wenn sie diese wieder öffnen sollen sie uns so sehen, wie wir wirklich sind, nämlich sehr modern. Wir wollen eigentlich Mittelalter jetzt vermitteln. CORVUS CORAX ist ja jetzt nun nicht eine Band, wie es sie vielleicht im Mittelalter gegeben hat, denn ich würde unseren Stil als sehr eigen bezeichnen. Der Sound steht für sich alleine.
Castus: Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, als wir begannen, war es ein richtiger Schock für die Leute, die uns zu gesehen haben. Als wir Lieder von Walther von der Vogelweide zum Besten vortrugen, geschah dies nicht mit einer Harfe und einer Fidel, sondern mit Pauken. Das war schon sehr gewöhnungsbedürftig.
Trotz allem ist eure Fangemeinde ja immer größer geworden.
Castus: Deswegen betrachten wir uns doch schon irgendwie als Vorreiter dieser Musik, welche jetzt auf diesen Mittelaltermärkten gespielt wird. Es sind teilweise die gleichen Stücke, aber auch solche, die ganz neu instrumentiert werden. Bevor wir angefangen haben, gab es so etwas ja gar nicht. Eine lustige Sache am Rande, in Österreich gibt es Veranstaltungen, die Corvus Corax heißen. Wir finden es auch sehr gut, dass so viele Bands diesen Stil von Musik spielen. Wenn man sich die Entwicklung dieser Musikrichtung ansieht, merkt man doch sehr stark, dass sie immer innovativer wird. In Deutschland ist das sehr gut nachvollziehbar.
Vielleicht ist man zum Beginn eines solchen Stils doch etwas vorsichtiger?
Teufel: Teilsweise schon, aber wir haben uns immer als Spielleute gesehen. Wir haben früher, von der „Gage“, welche wir von den Leuten bekommen haben, regelrecht gelebt. Um aber auf der Strasse zu überleben, muss man sich schon etwas einfallen lassen. Es war auch damals sehr gefährlich auf der Strasse zu spielen, denn wir mussten immer auspassen, dass wir nicht in den Knast gesteckt wurden.
Dann wären wir ja nicht in den Genuss von euch gekommen. Jetzt aber wieder zurück zum Album. Ihr habt auf „Seikilos“ über 50 Instrumente verwendet unter anderem auch ein Instrument, namens Kin.
Castus: Dieses Instrument hat uns ein guter Freund geliehen, aber wir haben es selber eingespielt. Es hat zwar eine ganze Weile gedauert bis wir es Studioreif einsetzen konnten, denn erforderte doch einiges an Übung. Das war uns sehr wichtig, denn wir hätten es uns ja auch einfach machen können, indem wir uns jemanden gesucht hätten, der das Instrument spielen kann. Da ich ja der Saiteninstrument-Spezialist bei CORVUS CORAX bin, war es natürlich auch sehr interessant wieder ein neues Instrument kennen zu lernen. Wir gehen auch an einer solchen Sache wie ein Spielmann heran, denn im Mittelalter war ein Spielmann erst geachtet, wenn er 5 Instrumente spielen konnte.
Mittlerweile musste uns Teufel verlassen, weil sich noch andere Journalisten für ein Interview einfanden. Jetzt aber weiter im Thema. Es ist ja doch schon der reine Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass ihr fast 50 Instrumente im Einsatz hattet.
– Es ist jetzt zwar nicht so, dass wir alle Instrumente so perfekt spielen können wie einen Dudelsack, aber es ist immer der Reiz für uns neue Instrumente auszuprobieren und somit auch den Klang eines Liedes anders zu gestalte. Das Kin können wir auch nur zu einer Studioproduktion einsetzen, denn auf der Bühne wäre es einfach viel zu leise und auch zu empfindlich. Ein Windhauch von der Seite und schon ist das Instrument verstimmt.
Mir ist auch sehr stark bei der neuen Scheibe aufgefallen, dass die Songs zwar „alt“ sind, aber trotzdem sehr modern klingen.
– Das ist uns auch persönlich sehr stark aufgefallen, als wir den Song „Seikilos“ versucht haben umzusetzen. In den 70iger Jahren hat es schon mal eine spanische Band versucht, aber es hat nicht funktioniert. Es ist zwar sehr frei, aber irgendwie hat das Lied keinen Rhythmus. Wir haben sehr lange daran gearbeitet, bis das Stück als klingendes Lied uns gefallen hat. Da steckte eigentlich die meiste Arbeit drin. Die Zeit müssen wir uns auch nehmen, denn wir wollen, da wir uns ja im Grunde hier als Vorreiter sehen, den Liedern unseren eigenen Stil verleihen. Bei anderen Bands wird es mit Sicherheit ganz anders klingen.
Viele der Texte handeln vom Leben ohne Kompromisse. Das hört sich ja eigentlich, im Gegensatz zu den Instrumentierungen sehr modern an. Such ihr bewusst solche Texte aus?
– Man wird auf den neueren CORVUS CORAX-Stücken keinen Text mehr finden, womit wir uns persönlich nicht identifizieren können. Wir sind liebe Menschen, das merkt man ja auch bei unserer TANZWUT-Scheibe „Ihr Wollt Spaß“. Wenn wir einen Song, wie z.B. die Villon-Ballade spielen, geht es darum, dass wir selber auch schon im Kerker waren. Wir hatten mit Politikern unangenehme Erfahrungen gemacht, aber wir sind keine Punks, aber wir sind Leute, die sich von anderen nichts sagen lassen. Wenn wir mit etwas umgehen können ist das in Ordnung, denn für Vernunft sind wir immer zu haben. Selbst wenn es uns gegen den Strich geht, aber es sollte mit guter Laune verbunden sein. Das Wichtigste für uns ist aber, dass die Leute die uns sehen, gute Laune haben und wir vermeiden es sie herunter zu ziehen und ihnen den obligatorischen Zeigefinger zeigen. Die Leute sollen einfach Spaß haben, aber trotz allem vielleicht für sich selber einmal nachdenken, ob es nicht besser ist, ab und zu seine Meinung laut zu sagen.
Da dieses Interview während der TANZWUT-Tour geführt wurde, konnte ich es mir nicht verkneifen nach den Resonanzen zu fragen.
– Die Tour ist sehr gut angelaufen. Zusätzlich zu unserem TANZWUT-Programm werden wir am Ende der Show noch einen neuen CORVUS CORAX-Song spielen, den wir für Prinz Luitpold geschrieben haben. Das Lied wird dann zur Eröffnung der Ritterspiele in Kaltenberg veröffentlicht. Die Single beinhaltet den Song in einer CORVUS CORAX- und einer TANZWUT-Version. Die Fans gestern Abend standen mit offenem Mund vor der Bühne. Prinz Luitpold ist auch sehr angetan von diesem Song.
Was sind denn eure weiteren Pläne für dieses Jahr?
– Es gibt viel zu tun, denn in diesem Jahr wird es auch noch eine Live-DVD von CORVUS CORAX geben. Auf dieser wird einiges vertreten sein, u.a. Livemitschnitte und unveröffentlichtes Material wie „Geteert und gefedert in Hamburg“. Die wissen schon genau, warum wir das damals gemacht haben. Wir sind auch dazu in der Lage, wenn uns etwas nicht passt.
Dann kann ich nur sagen, warten wir bis Oktober, denn zu diesem Zeitpunkt wird die DVD veröffentlicht. Vorher gibt es aber noch einige Gelegenheiten, entweder CORVUS CORAX oder TANZWUT live zu erleben. Schaut sie euch an, denn es ist bei beiden Bands immer ein wahres Erlebnis.
Story: Gisela
Kommentar hinterlassen