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LACUNA COIL

Sie sind einfach nicht zu stoppen. Die Rede ist von der Mailänder Metal-Formation LACUNA COIL, bestehend aus Cristina Scabbia (vocals), Andrea Ferro (vocals), Cristiano Migliore (guitars), Marco Biazzi (guitars), Marco Coti Zelati (bass) und Cristiano Mozzati (drums). Mit dem Album „Comalies“ haben sie bereits ihre dritte Scheibe veröffentlicht. Mit Cristina konnte ich über ihr letztes Werk plaudern.

Wann habt ihr euch formiert?

– Ich kam 1997 dazu. Ich war mit den Bandmitgliedern befreundet. Sie spielten schon zusammen und wollten ein Demoband mit einigen Songs einspielen um ein Label in Europa zu finden. Sie fragten mich, ob ich Interesse hätte, sie mit meinem Gesang zu unterstützen. Das Resultat der eingespielten Stücke war für die anderen Bandmitglieder so gut, dass sie mich fragten, ob ich mit ihnen zusammen eine Band gründen wollte. Deshalb entschied ich mich, neben Andrea  als Sängerin zu agieren.

Wie seid ihr auf den Bandnamen LACUNA COIL gekommen?

– Genau genommen haben wir diesen Namen kreiert. Unser Problem war, das es schon eine Band mit unserem alten Bandnamen gab. Und daher mussten wir unseren Namen ändern. Wir sammelten Ideen und verbanden schließlich die Namen LACUNA und COIL. Übersetzt heißt es ungefähr: „Empty style“.

Habt ihr euer Album selbst produziert?

– Nein. Unser Album wurde in den Woodhouse Studios in Hagen produziert.

Wann habt ihr mit der Produktion von „Comalies“ begonnen?

– Wir haben genau genommen 20 Tage Fulltime im Studio investiert, die Wochenenden nicht mit berechnet, da das Studio dann geschlossen war. Der Schreibprozess hat im April begonnen.

Wie war die Arbeit für „Comalies“?

– Sehr harmonisch und einfach. Im Studio hatten die Techniker alles im Griff – und wir hatten dadurch recht viel Zeit zu unserer Verfügung.

Wer war verantwortlich für die Musik und wer für die Lyrik?

– Die Musik hat unser Bassist Marco arrangiert, später haben wir uns an einen Tisch gesetzt und an den Songs gefeilt, Änderungen vorgenommen. Jeder hat an dem endgültigen Resultat einen Anteil.

Wie kamt ihr auf die Idee, euer Album „Comalies“ zu nennen?

– Als wir unsere Songs entwickelt haben, befanden wir uns in einer ganz besonderen Stimmung. Wir waren äußerst konzentriert – ich würde Intensität schon beinahe als eine Art von Koma betiteln. Es war so schlimm – für die anderen – dass keiner den Raum betreten durfte, beziehungsweise uns in irgendeiner Form stören durfte. Als wir dann begannen, mit dem Koma Wortspielereien zu machten kamen wir auf die Idee, unser Album auch genauso zu benennen – „Comalies“ – also: Koma. Aber es ist natürlich nicht negativ gemeint, sondern in diesem Falle völlig positiv (lacht).

Also eurer Arbeitstitel!

(lacht) Genau genommen ja!

Auf eurem Cover prangt eine Sonnenblume! Warum?

– Die Sache war die, dass wir keine konkret Idee hatten für unser Cover hatten. Wir hatten ganz verschiedene Vorstellungen für das Cover, jeder von uns hat eine ganz eigene Art von künstlerischer Gestaltung. Da wir uns nicht einigen konnten, haben wir uns überlegt, was uns und unsere Arbeit ausmacht. Wir sind sehr optimistisch eingestellt und kamen auf die Idee, das unser Cover unsere positive Einstellung auch präsentieren sollte – und da fiel uns die Sonnenblume ein. Das leuchtende gelb der Sonne auf schwarzem Untergrund, das die Düsterheit in unseren Songs widerspiegeln sollte. Es ist eine interessante Mischung … die Dunkelheit und Glanz.

Ich habe aber auch das Gefühl, das mich aus dem Innersten der Sonnenblume ein großes Auge ansieht.

(lacht) Genau. Das ist der Punkt. Es fiel uns auch sofort auf. Man kann sagen: „Der Betrachter soll eingefangen werden.“ Es wirkt sehr intensiv.

In euren Songs gibt es denn auch einen starken Touch von Düsterheit.

– Wir mögen düstere Musik,  aber auch positive Songs. Wir setzen oftmals düstere Texte ein, allerdings nicht immer. Wir verarbeiten das was wir fühlen … und wollen auf keinen Fall den Zuhörer klischeehaft bedienen oder klischeemäßig sein.

Eure Stücke basieren auf Klassik. 

– Genau. Wir lieben es verschiedene Musikeinflüsse miteinander zu verbinden – dass sowohl die Power geladene als auch die melancholische Musik nebeneinander existieren können. Ich denke, das es bei unseren Stücken gerade diese Mischung ist, die den Songs eine gewissen Balance gibt. Es entsteht eine Atmosphäre, die unseren Songs eine interessante Spannung verleiht.

Habt ihr Idole im klassischen Bereich?

– Wir haben keine eigentlichen Idole. Wir mögen eine große Anzahl verschiedener Bands oder Orchester unterschiedlicher Musikrichtungen.

Euer Musikbett besteht zumeist aus harten, aggressiven Gitarrenriffs die deine und Andrea’s Stimme trägt. Eure Stimmen fallen durch eine Klarheit auf. Wie war eure Inspiration?

– Wir mögen die harten Gitarrenklänge neben dem Keyboard, und daneben klare Stimmen. Das gibt eine interessante Art der Reibung.  Daher haben wir versucht Andrea’s Stimme klarer darzustellen. Es ist für einen Sänger nicht schwer, hart, aggressiv und krächzend zu singen. Aber einer männlichen Stimme eine deutliche Klarheit zu verleihen ist nicht so einfach, aber interessant. Wir haben es ausprobiert. Uns hat dieses Material auf Anhieb gefallen und so haben wir uns entschieden es für unser Album „Comalies“ zu verwenden.

Eine gute Idee, denn mir gefällt der Kontrast sehr.

– Stimmt. Dieser Kontrast macht unsere Songs interessant.

In euren Songs fällt mir auf, dass sie sehr mystisch angehaucht sind. Warum?

– Stimmt. Dinge die du nicht verstehst – Situationen die nicht nachvollziehbar sind – Wege die ein ungenaues nicht durchschaubares Ziel haben … Mystik ist ein geeignetes Mittel, Gefühle aufzuzeigen in Form von Metamorphosen. Wir glauben weniger an mystische Bewegungen, aber wir mögen den Ausdruck von eingesetzter  Mystik.

Durch was werdet ihr inspiriert?

– Wir werden eigentlich durch alles inspiriert. Meistens durch das Leben … was widerfährt Menschen im alltäglichen Leben … wie ist unser Gefühl in bestimmten Situationen. Aber auch durch die Medien: Sozialkonflikte, Kriminalfälle, Mörder usw.

Euer Album als Gesamtwerk hat für mich beinahe den Charakter einer dramatischen Komposition. Was ist dein Eindruck?

– Es ist eins der vielen Gesichtern von LACUNA COIL. Wir wollen nicht nur ein bestimmtes Gleis befahren, also nur aggressiv, oder nur melancholisch. Wir versuchen viele unterschiedliche Gefühle in unseren Stücken zu verarbeiten, indem wir auch unsere innersten, ganz eigenen Emotionen nicht außer Acht lassen. Ich denke, das daher diese Art von Dramatik auf unserem Album „Comalies“ zu hören ist.

LACUNA COIL wird in der nächsten Zeit mit „Comalies“ auf Europa Tournee gehen, gefolgt von einer Amerika Tour, die Anfang 2003 starten wird. Und natürlich werden LACUNA COIL wieder an einem neuen Album arbeiten.

www.lacunacoil.it

Story: Gabi Peiter

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