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L.A. GUNS

Vor knapp 10 Jahren zerfiel die Originalbesetzung der hoffnungsvollsten Sleaze-Rock-Band, den L.A. GUNS. Die veröffentlichten zwar, mit wechselnden Besetzungen, noch einige Alben, aber irgendwie wollte sie niemand mehr so recht haben. Dies änderte sich schlagartig, als Sänger Phil Lewis zum Album ´Man In The Moon´ 2001 wieder zurückkehrte. Auch Drummer Steve Riley kam wieder zurück an Bord. Zu dieser Zeit wurden die Sleazerock-Fans wieder von den Toten aufgeweckt. Mit ihrem neuesten Album ´Waking The Dead´ geht aber jetzt erst recht die Post ab. Dieses Hammeralbum war schon Grund genug, für mich ein wenig bei Sänger Phil nachzufragen, was sie so von allem denken.

´Waking The Dead´ ist ein Album, welches sich stark aus der Masse an Veröffentlichungen heraushebt. Diese Power und vor allem dieser Livesound sucht wirklich seinesgleichen.

– Wir sind auch sehr stolz auf dieses Album, denn es ist wirklich ein ehrliches Album geworden. Es ist ebenso ein Hardrock- wie ein Heavyalbum geworden. Ich würde es selbst meiner Tochter vorspielen. Ich hoffe nun, dass die Fans es ebenso aufnehmen werden.

War es denn wichtig gewesen, ein Album aufzunehmen, dass definitiv zurück zu euren Wurzeln ging?

– Für uns war dies eigentlich immer wichtig gewesen, aber irgendwie klappte es nie so richtig. Ein Glück für uns war, dass uns Andy Johns nun als Produzent zur Seite stand. Er konzentrierte sich auf den genialen Sound und wir auf das, was wir am besten können, nämlich mit der Unbefangenheit von früher ans Werk zu gehen.

War es euer erstes Mal, dass ihr mit Andy Johns, der schon für VAN HALEN, LED ZEPPELIN und den ROLLING STONES tätig war, zusammengearbeitet habt?

– Es war überhaupt das erste Mal, dass ich mit einem Produzenten zusammengearbeitet habe. Andy hat uns Wege gezeigt, die wir vorher nie erkannt hätten. Dies bestärkt mich in meiner jetzigen Aussage, dass der Job des Produzenten und der des Musikers total unterschiedlich sind.

Man merkt den Songs an, dass sie aus dem Innersten der Seele kommen.

– Oh ja, wir haben wirklich unser ganzes Herzblut ins Songwriting einfließen lassen. Nicht umsonst heißt das Album auch ´Waking The Dead´. Wir sind von den Toten aufgewacht, um Sängerinnen wie Jennifer Lopez und ähnliche, Paroli zu bieten. Es ist einfach langweilig immer solche Songs zu hören. Wir brauchen wieder frisches Blut. Ebenso ist die Musikindustrie im Bereich Metal und Hardrock tot und man muss auch diese wieder von den Toten aufwecken. Hier ist in Los Angeles ist es noch nicht einmal so schlimm und auch für uns, die L.A. GUNS lief es eigentlich immer recht gut hier, aber in der restlichen Welt fristet diese Musikrichtung ein Undergrounddasein und das wollen wir beenden.

Das ist mir auch schon des längeren ein Dorn im Auge, den es gibt in Deutschland oder in Europa fast gar keine Sender die Hardrock, geschweige denn Metal ausstrahlen.

– Das ist vollkommen richtig, denn es werden meistens nur Clips von Künstlern gesendet, die fast alle bei den gleichen Labels unter Vertrag stehen. Dies ist aber in anderen Bereichen, wie in der Werbung für Kaffee oder Spirituosen genau das Gleiche. Es gibt eben 4 oder 5 Firmen, die das Geschehen bestimmen und das ist wie ein Alptraum für mich.

Zurück zu eurem Album. Wenn ich mir den Titelsong anhöre, bemerke ich, dass einige moderne Passagen auf dem Stück vertreten sind. Seid ihr offen für neue Richtungen?

– Sicher, denn es gibt einige neue Bands, an denen ich sehr interessiert bin. Das soll aber jetzt nicht heißen, das wir demnächst rappen oder ähnliches.

Das habe ich auch nicht vermutet.

– Das sollte auch nur ein Scherz sein. Das soll aber heißen, dass die Fans immer das geboten bekommen, wofür L.A. GUNS stehen, aber trotz allem werden diese neuen Einflüsse mit ins Songwriting eingehen.

Es ist schwer für mich einige Highlights aus dem Füllhorn an Songs herauszupicken. Nach mehrmaligem Hören waren das letztendlich aber der punkige Song ´Psychopathic Eyes´ und das sleazige ´Ok, let´s Roll´. Wie verliefen denn die Arbeiten zum neuen Album, welches im Grunde klingt, als wärt ihr ins Studio gegangen und hättet sie live eingespielt.

– Wir haben die Songs Anfang des Sommers aufgenommen. Danach sind wir auf Tour gegangen. Und ich hatte somit Zeit 8 Wochen an den Lyrics zu arbeiten. Nach unserer Tour habe ich denn die Vocals eingesungen. Als ich zum ersten Mal die Songs ohne Texte gehört habe, war mir sofort klar, welche Texte der jeweilige Song beinhalten sollte. So habe ich beim Song ´Ok, Let´s Roll´ ein wenig die Eindrücke vom 11. September mit einfließen lassen. Die Texte erinnern mich manches Mal an solche von Phil Lynnot (THIN LIZZY), von dem ich persönlich ein großer Fan bin. Ich sehe diesen Song auch als einen kleinen Tribut an diese großartige Band. Für mich ist es aber auch wichtig, über Dinge zu schreiben, die einen gewissen Bezug zur Realität haben. Die Leute sollen erkennen, was in der Welt passiert. Das kann in politischer genauso wie in sozialer Hinsicht geschehen.

Wir leben im Moment ja auch in einer Welt, die sehr schwierig und teilweise auch schlecht ist.

– Ich denke nicht, dass die Menschen schlecht sind, denn es sind so viele Menschen bei den Anschlägen im Flugzeug oder in Bussen ums Leben gekommen. Trotzdem gibt es auch einige Menschen, die den anderen nichts gönnen und ich denke, wir sollten uns doch wieder darauf besinnen, was wirklich wichtig ist zum Leben.

Deswegen kommt ja auch ein Album wie ´Waking The Dead´, welches nur so vor Freude strotzt gerade richtig.

– Trotz allem war es textlich für mich sehr schwierig, die richtigen Worte zu finden. Aber in soundtechnischer Hinsicht muss ich dir Recht geben.

Wie waren denn die Reaktionen auf das neue Album?

– Die Reaktionen haben uns regelrecht verblüfft, denn mit solch einer Resonanz hätten wir nicht gerechnet. Die meisten Magazine haben geschrieben, dass dieses Album einfach Pflicht wäre zu Kaufen. Das hat uns bewiesen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Reaktionen waren auch aus Deutschland oder besser gesagt aus Europa sehr gut. Ich kenne ja auch den europäischen Markt, denn ich bin in London aufgewachsen und habe sehr viele Freunde in Europa. Meine Lieblingsband kommt auch aus Deutschland und dies alles gibt uns den Auftrieb, den wir benötigen.

Dann hoffen wir, dass sich die L.A. GUNS wieder an der oberen Spitze festsetzen und uns mit ihren sleazigen Songs weiter erfreuen werden. Eins habe ich jetzt aber vergessen, denn ich habe ganz vergessen nachzufragen, welche Band dies aus Deutschland ist. Ich denke, das kann ich euch noch nachreichen. Auf jeden Fall werden L.A. GUNS bald, zum zweiten Mal in ihrer Karriere aufbrechen, um Europa mit ihrer Show zu erfreuen. Ich kann mich noch genau an 1992 erinnern, wo sie als Support von SLID ROW unterwegs waren.

www.laguns.net

Story: Gisela

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