EXTRABREIT
Vier Jahre nach dem letzten Konzert von EXTRABREIT in der Hagener Berlethalle, kommt der Livemitschnitt in die Plattenläden. Gut 100 Minuten aus dem längsten Konzert was die Band jemals bestritten hat, wurden auf diese Doppel-CD gebannt. Ausgestrahlt wurde dieses legendäre Konzert damals vom Sender Radio Hagen und genau dieser steuerte nun die Aufnahmen zu dieser CD bei. Dadurch hat das Ganze noch mehr Live-Charakter, denn ab und zu ist auch die Stimme des Moderators zu vernehmen. Pünktlich zum Release haben sich EXTRABREIT auch aufgemacht, um einige Konzerte zu absolvieren, obwohl sie doch eigentlich nie mehr auftreten wollten. Aber das kommt einem sehr bekannt vor, denn dies passierte im Laufe ihrer über 20-jährigen Karriere des Öfteren. So machten EXTRABREIT auch in Bochum Station. Kurz vor dem Konzert hatte ich zusammen mit Kai Hawaii die Möglichkeit ein wenig über das Album und anderen Sachen zu reden.
Warum habt ihr, vier Jahre nach eurer Trennung, dieses Livealbum veröffentlicht. War dies ein Wunsch der Fans oder lag euch das am Herzen?
– Es war eigentlich schon damals unser Plan gewesen, kurz nach dem Konzert ein Livemitschnitt zu veröffentlichen. Leider hatten wir einige Probleme. So waren zwei der Bänder, auf denen wir selber aufgenommen hatten, nicht mehr zu gebrauchen. So war es uns natürlich nicht möglich gewesen, das Konzert auch nur annähernd nachzuvollziehen. So mussten wir unser Vorhaben notgedrungen erst einmal auf Eis legen. Eine geraume Zeit später hat sich dann Radio Hagen, die ja das Konzert übertragen haben, bei uns gemeldet und uns ihre Bänder angeboten. Wir haben uns über dieses Angebot sehr gefreut und hatten somit zwei Quellen, unsere eigenen Achtspurbänder und die vom Radio. Nun hatten wir die Möglichkeit unsere Lücken, die wir durch den Verlust der Zwei Acht-Spurbänder hatten, mit dem Material zu vervollständigen. Das Problem bei den Radiobändern war, dass man auch die Reporter hört, aber es waren so viele Leute am damaligen Konzert beteiligt, dass der Wunsch der Dokumentation größer war. SPV ist dann an uns herangetreten und sie machten uns das Angebot dieses Album zu vertreiben. Ich weiß gar nicht wie sie davon Wind bekommen haben. Wir gaben dann unser OK und haben dann angefangen das Material aufzuarbeiten. Da nichts an dem Material geändert wurde, ist es an manchen Stellen schon ziemlich schonungslos, aber das hatten wir schon im Vorfeld angekündigt. Es ist eben ein richtiges Live-Bootleg ohne besondere Effekte.
Also wirklich nur für Fans und keine HiFi-Fetischisten.
– Genau so war es angedacht und sie hat ja auch einen speziellen Preis. Dadurch fallen wir natürlich wieder automatisch aus der Chartwertung heraus. Ein Zufall ist auch, dass wir parallel zur Veröffentlichung auch wieder anfangen zu spielen. Diese Pläne hatten wir aber auch schon, bevor wir an dieser Live-Sache gearbeitet haben.
Habt ihr es nicht mehr ausgehalten, so untätig zu Hause „rumzusitzen“?
– So kann man es ausdrücken. Wir hatten uns das damals ein wenig anders vorgestellt. Wir waren wirklich der Meinung, dass wir wirklich genug von allem hatten. Dann sind aber einige Jahre ins Land gegangen und irgendwie verändert sich auch die Position zu der ganzen Sache. Wir haben ja auch nicht untätig zu Hause herumgesessen. Ich habe mich ein wenig in der Fernsehbranche betätigt und Stefan hat eine Soloplatte gemacht. Wir haben uns aber in der Zwischenzeit immer wieder mal getroffen. Irgendwann rückte einer mit der Sprache heraus, wollen wir nicht mal wieder? Man hatte auch wieder richtig Bock gehabt, denn der Abstand zu allem hat uns sehr gut getan. Wir werden auch jetzt bis zum Ende des Jahres noch einige Shows spielen und es sieht ganz danach aus, dass es im nächsten Jahr weitergeht.
Die Pausen zwischendurch ist ja nichts Neues bei euch, denn diese habt ihr euch immer gegönnt.
– Das passt doch zu uns. Ist doch wieder typisch EXTRABREIT.
In der Zeit, wo ihr Abstand vom Business genommen habt, ist ja auch einiges andere passiert. So hat das Schicksal bei zwei von euren Gesangspartnern erbarmungslos zugeschlagen. Hildegard Knef ist mittlerweile verstorben und Harald Juhnke ist im Altenheim. Inwieweit habt ihr da mitgefühlt?
– Im Fall zu Hilde muss ich sagen, dass wir zu ihr einen wirklich guten Draht hatten. Das ging manches Mal über das Professionelle hinaus. Wir waren ja auch einige Tage zusammen unterwegs und sind zusammen in einigen Fernsehshows aufgetreten. Somit hatten wir dann auch nach den Aufzeichnungen auch Kontakt im Hotel. Wir haben denn auch lange erzählt und ich kann nur sagen, dass es eine gute und sehr spannende Sache mit ihr war. Ich kannte auch ihre Platten, denn meine Eltern hatten alle zu Hause. Zudem habe ich auch ihre Bücher gelesen. Sie war eine sehr beeindruckende Frau und schon nach kurzer Zeit des Kennenlernens war das Eis zwischen uns gebrochen. Es hat uns ziemlich stark bewegt als sie verstarb, aber schon 1993, als wir das Lied zusammen mit ihr aufgenommen haben, ging es ihr gesundheitlich auch schon nicht mehr ganz so gut. Es kam für uns nicht ganz so überraschend, aber sie war mit einem überdurchschnittlichen Willen ausgestattet. Trotz allem ist es sehr traurig, wenn solche Menschen sterben. Mit Harald ist ja auch ziemlich heftig, obwohl die Zusammenarbeit sich auf einem ganz anderen Level bewegte. Juhnke war damals, als wir die Aufnahmen und das Video zusammen gemacht haben, zwar bei der Sache und trocken, aber er hat schon damals sehr in seiner eigenen Welt gelebt. Ein richtiger Austausch ist mit ihm eigentlich nicht so recht zustande gekommen. Trotz allem war es eine gute Sachen, die Aufnahmen und den Videodreh absolviert zu haben. Mir persönlich gefällt das Video heute noch. Für mich hat dieses Video, vielleicht durch die Wende, die es in seinem Leben nun gegeben hat, eine spezielle Melancholie.
Ihr wart ja jetzt auch im Studio und habt, neben dem neuen Song ´Nimm mich mit (Ins weiße Licht)´ auch ´Annemarie´ in einer Country-Version aufgenommen. Ziemlich verrückt!
– Diese Idee kam nach einer Überlegung zustande, denn wir wollen, dass unser Backkatalog ein wenig aufgeräumt wird. Das Label Universal ist an uns herangetreten und meinte, dass die ganzen Compilations alle so lieblos wäre und es überhaupt keine CD von den „Fantastischen Fünf“. Sie wollen nun die ersten beiden Scheiben, welche ja wirklich die größten Klassiker beinhalten, neu veröffentlichen. Das soll aber alles sehr edel geschehen, mit einem tollen Booklet und ähnlichem. Zusätzlich wird es auch eine neue Best-Of geben, die dann aber alle anderen ablöst. Dann haben wir natürlich Überlegungen gestartet, dass wir den Leuten nicht nur die alten Songs präsentieren wollen. Wir sind mittlerweile auch auf der Suche nach interessanten Demotracks aus Proberaumarbeiten. So ist auch angedacht, dass wir die Ein oder Andere Nummer neu interpretieren werden. Bei ´Annemarie´ war es ja so, dass dieses Lied schon einmal eine Bearbeitung erfahren hat. Das Stück wurde schon einmal als klassische Version mit einem Kinderchor aufgenommen. Mir persönlich gefällt ´Annemarie´ in der Country-Version ziemlich gut, aber es ist eben nur eine Zugabe auf dem Album.
Hört sich ja ziemlich interessant und auch sehr lustig an.
– Das ist es auch, denn wir haben gestern erst den Mix bekommen.
Apropos gestern! Da habt ihr in Gronau, im „Museum für Rock und Pop“, gespielt und seid in die „Hall Of Fame“ aufgenommen worden. Was hat es damit auf sich?
– Wir werden in diesem Museum verewigt mit einem Artefakt aus unserer Vergangenheit. Wir hatten in den 80iger Jahren diese großen Leuchtkästen mit den Buchstaben von EXTRABREIT, die immer abwechselnd geschaltet wurden. Diese zwei riesigen Dinger stehen nun auch schon fast zwanzig Jahre bei uns herum und da es ja für diese Zeit ziemlich üblich war, haben wir es dem Museum überlassen. Wir haben dann auch noch einen Granitstein bekommen, wo unser Name eingemeißelt wurde. War eine ziemlich lustige Geschichte.
Warum wurdet ihr erst jetzt in diesem Museum verewigt. Ich habe zudem von diesem Museum noch nie etwas gehört.
– Das Museum wird auch erst im nächsten Jahr im September eröffnen und sie sammeln nun die ganzen Sachen. Es muss sich ja auch lohnen für Leute, die dem Museum einen Besuch abstatten. jetzt in Kürze erst eröffnet. Sie haben auch schon das Auto von den FANTASTISCHEN VIER, welches damals mal in einem Video und auch zu privaten Zwecken von der Band benutzt wurde.
Ihr habt ja schon einem neuen Song geschrieben. Wie sieht es denn mit weiteren aus?
– Wir haben vorsichtig begonnen über Ideen zu sprechen und der Song, der auf dem Album nun vertreten ist, wurde im Sommer geschrieben und auch aufgenommen. In der nächsten Zeit werden wir auch einige Ideen in eine Demoform bringen. Dann wird sich herausstellen, ob wir eine Platte machen können, die etwas mehr bewegt, als nur den „normalen Fan“ anzusprechen. Das dauert alles seine Zeit und ich gehe nicht davon aus, dass es ein neues Album vor Ende nächsten Jahres geben wird. Wir wollen uns nicht unter Druck setzen, denn dies führt dazu, dass man zwar ein paar gute Nummern hatte, aber der Rest war nicht so gut. Das wollen wir auf keinen Fall wiederholen. Wir haben zudem auch keinen Deal und wollen in der nächsten Zeit abchecken, was wir selber machen können. Vielleicht werden wir auch ein eigenes Label gründen. Dann müssten wir aber auch einen guten vertrieb finden. Das sind also unsere Aktivitäten für die nächste Zeit.
Dann wollen wir abwarten, was uns das neue Jahr so bringt. Livetechnisch waren EXTRABREIT bei dem anschließenden Gig wirklich voll auf der Höhe. So spielfreudig habe ich sie schon seit langem mehr gesehen. Mit solch einer packenden Liveshow werden sie selbst die Fans erreichen, die sich mittlerweile in den Winterschlaf zurückgezogen haben.
Story: Gisela
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