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LANFEAR

Ich war ziemlich positiv überrascht, als ich das neue Album von LANFEAR, die im Großraum Heilbronn beheimatet sind, in den Player schob. Ich bin ja kein allzu großer Fan von Progressiv-Metal, aber die Songs, welche LANFEAR auf ihrem Album ´The Art Effect´ darbieten, sind mehr als hörenswert. Keiner der Musiker versucht sich in den Vordergrund zu spielen. Herausgekommen ist ein homogenes und sehr melodisches Powermetal-Album. Zusammen mit Gitarrist Markus Ullrich versuchte ich ein wenig Licht in die Geschichte von LANFEAR zu bringen.

Ihr habt euch ja mit einem neuen Album sehr viel Zeit gelassen, denn es lagen zwischen den Veröffentlichungen fast 4 Jahre.

– Das ist wirklich eine lange Zeit. Auch zwischen dem ersten und dem zweiten Album lagen fast dreieinhalb Jahre. Man muss sich ja steigern. Aber Spaß beiseite. Das Problem war einfach, dass wir einen Sänger- und Keyboardwechsel innerhalb der Band hatten. Unser letzter Sänger, der beide Posten innehatte, ist nach der Veröffentlichung des letzten Albums ausgestiegen. Es hat dann auch fast ein Jahr gedauert, bis wir einen neuen Sänger gefunden hatten. Somit gingen gut 18 Monate ins Land. Dann mussten wir natürlich noch unser Album promoten, sprich Auftritte absolvieren. Was ich aber auch noch an dieser Stelle sagen muss, wir sind auch nicht die schnellsten, was das Songwriting angeht. Das muss ich ehrlicherweise zugeben.

Aber ihr gelobt doch wenigstens Besserung, denn noch einmal 4 Jahre warten ist doch wirklich unzumutbar. Jetzt aber zum Sound von LANFEAR. Aus dem Info konnte ich entnehmen, dass ihr in den Anfangstagen ziemlich progressiv ausgerichtet wart. Kam durch diesen Line-up Wechsel, der doch mehr Powermetal-orientierte Sound zustande?

– Ich persönlich empfinde es nicht unbedingt so. Ich würde es eher so definieren, dass ´The Art Effect´ härter oder besser gesagt straighter ausgefallen ist. Die Songs sind weniger verschachtelt ausgefallen als die früheren Songs. Ich kann es mir nur so erklären, dass unser letztes Album wesentlich vielschichtiger war. Es waren zwar auch auf diesem Album Songs gewesen, die zum Powermetal tendierten, aber im Gegenzug waren auch Stücke vertreten, die ganz klar in Richtung Prog-Rock gingen. Zusätzlich wurden die Keyboards sehr in den Vordergrund gestellt. Das ist bei ´The Art Effect´ nicht mehr der Fall. Hinzu kommt noch, dass Tobias ein ganz anderer Sänger ist, klingt das Material auch vollkommen anders. Ich sehe aber allein vom Songwriting her keine Veränderungen.

Ich persönlich finde es auch sehr angenehm, dass nicht so viele progressive Parts vorhanden sind. Ich finde aber auch, dass ´The Art Effect´ ein sehr eigenständiges Album geworden ist, welches eure Trademarks wie Gesang und die Gitarrenparts eindrucksvoll hervorhebt. Deswegen kann ich euren Sound auch in keine der herkömmlichen Schubladen stecken.

– Bei diesem Album ist es wesentlich einfacher geworden, denn beim letzten hatten die Leute ein wenig Probleme den Sound überhaupt einzuordnen. Beim neuen Album kann man zumindest sagen, dass es sich um Album handelt, welches Powermetal mit progressiven Sprenkeln beinhaltet. Ich persönlich bin aber ein Mensch, der teilweise in Schubladen denkt, denn im Endeffekt möchte doch auch ich wissen, wie eine Band klingt und dies kann ich nur mit den besagten Schubladen.

Das kann ich ziemlich gut nachvollziehen, denn eine bessere Erklärung wäre mir auch nicht eingefallen.

– Uns ist es sehr wichtig, dass wir abwechslungsreich sind. Ich persönlich sehe den Ausdruck progressiv auch nicht als komplex, kompakt oder verschachtelt, sondern eher als melodisch, eingängig und es darf nicht so schnell langweilig werden.

Diese Eingängigkeit ist doch das Wichtigste überhaupt an Songs. Bei manchen Bands kann ich Songs einfach nicht mehr nachvollziehen.

– Für die meisten Bands bedeutet progressiv komplex. Aber diese Bedeutung ist vollkommen falsch, denn es bedeutet einfach nur fortschrittlich. Es ist schon witzig, wenn Bands als progressiv bezeichnet werden, die es überhaupt nicht mehr sind. Was ist denn daran fortschrittlich, wenn man eine Band wie MARILLION kopiert. Den Sound hat die Band schon vor 20 Jahren kreiert und das hat mit Fortschritt nichts mehr zu tun.

Das sehe ich genau so, aber dies ist nicht nur in der progressiven Szene an der Tagesordnung. Dies zieht sich durch die verschiedensten Genres in der Musik. Kommen wir aber wieder zu Wichtigerem, nämlich eurem Album. Es gibt einen Song, der mir besonders gut gefällt und zwar ´The Artefact´. Er handelt ja von 5 Göttern, die es in ihrer Welt zu langweilig fanden und deswegen eine neue Welt erfanden. Hat dieser Text einen Bezug zu Realität?

– Der Text kam von Tobias und ist in gewisser Weise ein Anfang. Die Überlegung geht einfach dahin, dass wenn unsere Welt wirklich so entstanden wäre und irgendjemand eine neue Lebensweise sucht und sie auch findet und im Endeffekt aber vergisst, dass er es war, der dies kreiert hat. Als Konsens daraus ergibt sich, dass man sagen kann, wir alle Götter sind. Es war einfach eine Idee, welche man aber nach Belieben weiter spinnen kann. Es steckt also ein Konzept dahinter. Wir haben nun auch schon Überlegungen gestartet, dass wir zu diesem Thema bei der nächsten Platte ein Konzept erstellen, obwohl viele denken dass es Klischee ist.

Das wäre auch meine nächste Frage gewesen, ob ihr dieses Thema weiter verfolgen wollt.

– Wir versuchen jetzt erst einmal, wie sich dieses Thema ausarbeiten lässt, dass am Ende eine gute Story dabei herauskommt. Ich bin kein Freund von Konzeptalben, die einfach lieblos daherkommen. Es muss einfach stimmig sein und sollte Hand und Fuß haben.

Dieser Song ist aber textlich wirklich eine Ausnahme, denn in den anderen Stücken sind doch mehr alltägliche Themen zu finden.

– Das war uns auch sehr wichtig, denn wir sind keine Fantasyband. Wir legen auch sehr großen Wert auf aktuelle Themen und solche, die für uns sehr interessant sind.

Zwischen dem Albumtitel ´The Art Effect´ und dem Song ´The Artefact´ bestehen eine kleine Wortspielerei. Warum habt ihr euch dazu entschieden?

– Der Albumtitel stand schon im Vorfeld fest. Wir haben uns krampfhaft überlegt, wie nennen wir unser drittes Album. Das erste Album hatte ein Wort, das Zweite zwei und cool wäre es gewesen, wenn unser drittes nun drei Worte hat. Als wir eine Promo-CD zur Bemusterung der einzelnen Plattenfirmen zusammenstellten, haben sich Tobias und ich zusammengesetzt und uns Gedanken zum Titel gemacht. Irgendwann sagte jemand ´Art Effect´ und somit stand dieser Ausdruck schon mal im Raum. Um dies noch besser umsetzen zu können, wäre es natürlich besser gewesen, wenn wir noch einen Titel gehabt hätten, der ´The Art Effect´ geheißen hätte. Wir haben uns dann aber zum Song ´The Artefact´ entschieden, um klar zu demonstrieren, dass alles ein wenig unterschiedlicher ist. Aber im Grunde wussten wir schon vorher, wie das Album heißen sollte.

Das Cover passt sich ja dem Titel auch wunderbar an, welches sich vor allem in der Farbe orange auszeichnet.

– Da spalten sich auch die Meinungen, denn der True-Metal Fraktion ist es wohl nicht true genug, weil wir weitestgehend auf Burgen und Ritter verzichtet haben. Wir haben lang nach einem geeigneten Cover gesucht und haben wirklich tausende Bilder durchgeschaut. Nachdem wir dann endlich fündig wurden, haben wir uns nur noch für eine andere Farbe entschieden, denn im Original ist es nicht orange sondern grün. Wir haben uns dann auch mit dem Künstler in Verbindung gesetzt und haben ihm die Rechte für das Bild abgekauft. Tobias hat es denn so überarbeitet, dass der Schriftzug wesentlich leuchtender rüberkommt. Uns gefällt es ziemlich gut. Wir sind auf allen Linien zufrieden, sei es mit dem Cover, den Songs und dem Sound und das ist doch das Wichtigste überhaupt.

So sollte es doch sein. Ich hoffe jetzt nur, dass LANFEAR irgendwann einmal live auftreten werden und dass sie uns vor allem nicht mehr vier Jahre auf ein neues Album warten lassen.

Story: Gisela

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