ANNIHILATOR
Endlich ist es da, das neue Album von ANNIHILATOR. Die kanadische Band um Bandleader Jeff Waters hat sich mit „All For You“ mal wieder selbst übertroffen. Nach dem ersten Anhören fiel mir sofort auf, irgendetwas ist anders. Richtig, denn es ist ein neuer Sänger in der Band. Dave Padden heißt der Gute. Mehr dazu und noch einige andere interessante Statements konnte ich Jeff Waters im nachfolgenden Gespräch entlocken.
Der neue Sänger von ANNIHILATOR ist einfach nur fantastisch. Wo hast du ihn eigentlich „gefunden“?
– Nachdem uns Joe verlassen hatte, stand ich mal wieder vor der Frage: „Singst du das nächste Album wieder selber ein?“ Die Antwort war schlicht: „Nein das werde ich in keinem Fall mehr machen.“ Dann kam die Überlegung ANNIHILATOR einfach zu den Akten zu legen, aber das gefiel mir überhaupt nicht. So startete ich einen Aufruf für einen neuen Sänger. Darunter war auch Dave. Als er bei den Proben den Song „Set The World On Fire“ sang, schüttelte ich nur den Kopf und dachte: „Oh mein Gott, das ich das noch erleben darf.“ Dave war so gut und dabei ist er noch nicht mal ein professioneller Sänger sondern war bis zu diesem Zeitpunkt nur Gitarrist in einer kleinen Band aus Vancouver.
Das wäre aber eine Schande gewesen, wenn wir nie in den Genuss dieses Sängers gekommen wären.
– Da gebe ich dir voll Recht und ich bin froh, dass ich ihn gefunden habe. Er war am Anfang aber nicht so sehr davon überzeugt, dass seine Stimme gut ist, aber nachdem ich ihm dann bescheinigt hatte, dass er eine tolle Stimme hat, glaubte er es auch. Ich sagte dann zu ihm: „Wenn du keine Probleme mit Alkohol und Drogen hast und mich auch nicht nach 1 Million Dollar Gage fragst, dann hast du den Job.“ Nachdem ich das zu ihm gesagt hatte, war4 er regelrecht geschockt, denn mit einer solchen Reaktion hatte er nicht gerechnet.
Er besitzt auch in seiner Stimme ein wahnsinniges Charisma, was man nur selten findet.
– Das ist richtig und ich bin froh, dass ich nach einer langen Karriere noch einmal einen solchen Sänger gefunden habe. Viele haben nach dem Ausstieg von Joe Comeau auch gesagt, das war es mit ANNIHILATOR. Nun haben wir aber einen tollen Sänger und zusätzlich ist auch noch Mike Mangini in der Band, der für mich einer der besten Drummer der Welt ist. Es war auch mein größter Wunsch gewesen, dass Mike für den Rest meiner Karriere in der Band ist.
Die Konstellation nun von ANNIHILATOR ist auch sehr frisch, was man dem Album vollkommen anmerkt.
– Ich liebe auch was ich mache, denn Musik ist nun mal mein Leben. Es macht mich einfach glücklich, dass ich schon seit einer solch langen Zeit Musik machen kann.
Hast du die Songs wieder alleine geschrieben?
– Ja, denn ich hatte dieses Mal so viel zu sagen und „All For You“ ist das bis heute persönlichste Album geworden, welches ich je geschrieben habe. Ich hatte in der Vergangenheit sehr viele Probleme, auch auf persönlicher Ebene und das Songwriting war für mich wie eine Therapie. Es war wie gute Medizin die ich in mir aufnahm und nach dem Songwriting ging es mir richtig gut.
Das habe ich schon oft gehört, dass es wirklich wie eine Selbsttherapie ist, wenn man über Probleme schreibt und sie in einem Song verarbeitet.
– Das praktizieren sehr viele Songwriter und es ist wirklich so, dass man so seine Probleme selber wieder in den Griff bekommt, oder besser gesagt, man kann besser mit ihnen umgehen. Hinzu kam dann auch noch, dass ich in der Zwischenzeit die Band zusammenstellen konnte, die auch sehr positiv auf mich gewirkt haben. Mittlerweile habe ich die beste Konstellation in der Band, wie es sie seit dem „Never Neverland“-Album nicht mehr gab. Ich bin richtig zufrieden.
Das freut einem doch zu hören. Was mir aber auffiel, als ich das Line-up auf dem Cover der CD sah, du hast gar keinen Bassisten.
– Zu der Zeit der Recordings hatten wir noch keinen Bassisten und ich spielte die Bass-Parts selber ein. Mittlerweile haben wir in Sandor de Bretan einen blutjungen und sehr hungrigen Bassisten gefunden. Er ist ein fantastischer Bassist und passt wunderbar zur Band.
Und verfügt noch über einen sehr klangvollen Namen. Jetzt aber ein wenig zu den Songs. Ich habe eine Menge an Stücken, die mir außerordentlich gut gefallen. So z.B. das 8-minütige „Both Of Me“. Ein solch langer Song ist ja auch nicht gerade üblich für ANNIHILATOR. Hinzu kommt auch noch ein Sound der auch nicht üblich ist.
– Es ist schon ein verrückter Song. Trotz allem ist es ein Stück, was ich nicht erklären kann, denn es ist einfach so entstanden. Mir gefällt es und ich höre dir auch.
Es ist ein neuer Weg, den ihr damit beschreitet und mir gefällt er.
– Der Song wurde auch nicht geplant er ist einfach entstanden. Es war ein kleines Experiment. Er kommt so richtig aus meinem Innern und deswegen macht mich dieser Song auch sehr glücklich. Ich mag es auch mit den verschiedensten Richtungen zu spielen. Es muss nicht immer nur Thrash sein. Ich mache die Songs ja auch im Grunde nur für mich und wenn es den Fans gefällt, macht es mich noch glücklicher.
Die Abwechslung tut ja auch richtig gut, denn ein Album nur mit Thrash-Stücken würde für mich auf die Dauer etwas eintönig werden.
– Ich mag auch die unterschiedlichsten Richtungen. Ich war auch zufrieden mit dem Ergebnis, als es noch keiner gehört hatte. Für mich ist nur eines wichtig, ich muss Songs schreiben, so gut wie ich kann.
Und das ist Jeff wirklich gelungen, obwohl es auch in der heutigen Zeit sehr schwer ist, auch für Bands wie ANNIHILATOR.
– Das ist vollkommen richtig und dessen bin ich mir auch bewusst. Uns gibt es zwar schon seit 1989, denn da kam unser Debut auf den Markt. In der ganzen Zeit hatten wir aber auch mit Wechsel innerhalb der Band zu kämpfen.
Und das waren ja nicht gerade wenig.
– Es gab zu jeder Veröffentlichung einen Line-up-Wechsel. Trotz allem ist es für mich schon eine gigantische Sache, dass es ANNIHILATOR auch 15 Jahren nach der Veröffentlichung des ersten Albums, noch immer mit dabei ist, rotz der ganzen Wechsel, vor allem am Mikrofon. Mich machte auch vor kurzem ein Anruf des Managements von Judas Priest sehr stolz, denn sie wollten uns auf der Europatour als Opener mitnehmen. Das ist ein Punkt, der mich wahnsinnig glücklich macht, denn auch die Fans von Judas Priest und die Band selber mag uns. Sie respektieren auch das, was wir machen.
Obwohl ihr ja auch sehr treue Fans besitzt.
– Das ist richtig und sie akzeptieren auch das, was wir machen. Sie haben uns immer große Unterstützung zuteilwerden lassen und das wissen wir auch zu würdigen.
Nach der Tour mit Judas Priest ist dann noch eine Tour, vielleicht im Herbst geplant?
– Das auf jeden Fall, denn die Dates mit Priest sind ja doch nicht gerade viel. Geplant ist für den Herbst eine ausgiebige Tour durch die Clubs von Europa.
Dann freue ich mich schon heute auf die Shows von ANNIHILATOR, denn dann bekommen wir endlich mal wieder richtigen Metal geboten, der zusätzlich auch noch von Herzen kommt.
Story: Gisela
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