OOMPH!
Nachdem OOMPH! endlich die verdiente Anerkennung für jahrelanges arbeiten im Underground erhielt, war man natürlich sehr gespannt auf das neue Album. Nach dem letzten Album „Wahrheit oder Pflicht“, welches mittlerweile kurz vor Platin steht waren die Erwartungen natürlich sehr groß. OOMPH! übertreffen sich auf dem neuen Album selbst, denn durch Vielseitigkeit und Mut zu neueren Soundfragmenten haben sie ein wahrlich tolles Album mit dem Titel „GlaubeLiebeTod“ veröffentlicht. Mit brannten einige Fragen unter den Nägeln, die mir Flux zu meiner vollsten Zufriedenheit beantwortete.
Vielseitigkeit ist auf dem neuen Album Trumpf. Harte Songs wechseln sich mit Balladen ab und dazu kommen noch Pianoeinsätze auf dem Stück „Eine Frau spricht im Schlaf“, wo auch Deros Stimme toll zur Geltung kommt.
– Mir hat man schon gesagt, dass es das erste HipHop-Stück wäre, was wir je gemacht haben.
War es eigentlich nicht schwierig nach dem letzten sehr erfolgreichen Album wieder neu Songs zu schreiben und war der Druck nicht zu groß?
– Es war überhaupt nicht schwierig und wir haben uns auch gar nicht unter Druck gesetzt. Wir haben beim letzten Album nichts anderes gemacht, als das, was wir schon über die ganzen Jahre hinweg schon durchgezogen haben. Wir haben ja nicht mit einer Coverversion Erfolg gehabt, sondern mit der Musik, die uns Spaß macht. Da es beim letzten Mal den Leuten gefallen, warum sollten wir daran etwas ändern. Wir haben dann versucht die Energie mit ins Studio zu nehmen und haben dann angefangen neue Songs zu schreiben. Auch von der Plattenfirma hatten wir keinen Druck. Sie haben uns einfach machen lassen. „Augen Auf“ war eben ein Phänomen, was so im Rockbusiness nicht mehr wiederholt werden kann. 5 Wochen auf Platz 1 und 13 Wochen in den Top 10 ist schon wirklich enorm und eigentlich nicht mehr zu toppen.
Obwohl ich finde, dass „Gott ist ein Popstar“ auch ein Stück ist, der mir persönlich nicht mehr aus dem Ohr geht.
– Wir versuchen immer gute Refrains zu machen die einem im Ohr haften bleiben. Zusätzlich stehen wir auch sehr auf hymnenhafte Refrains und dann wählt man auch nach diesen Kriterien eine Single aus. „Gott ist ein Popstar“ ist einer von vielen Titeln der sich für eine Single anbot. Letztendlich hat sich dann das Label für diesen Song entschieden. Uns war aber von Anfang an klar, dass dieses Lied nicht so erfolgreich wird wie „Augen auf“, denn dazu ist er viel zu kritisch. Das wir mit diesem Lied einen Radioboykott bekommen würden war uns eigentlich auch schon klar.
Diese Engstirnigkeit verstehe ich hier in Deutschland sowieso nicht. Aber diese wurde ja ganz deutlich durch die Ausladung für euch bei der Echo-Verleihung.
– Für uns war das schon schlimm, denn wir sind nun mal eine Rockband und hätten wirklich gerne bei dieser Veranstaltung gespielt und es dann vielleicht geschafft, dass den RTL-Zuschauern dann die Kinnlade runter fällt. Leider hatten wir diese Chance nicht, obwohl schon alles eingeplant war vom Bühnenbild angefangen bis zu Tänzerinnen, die von uns schon gecastet waren. Es war ja auch schon alles mit RTL durchgesprochen und sie hatten uns ja auch wegen des Songs eingeladen. Deswegen kann man uns jetzt auch nicht vorwerfen, dass wir sie mit diesem Song überraschen wollten. Die Planung für unseren Auftritt lief über 4 Wochen alles war perfekt eben bis zur Ausladung. Die Gründe sind für uns nicht nachvollziehbar, denn die Moral, die vorgeschoben wird, ist unerklärlich.
Ich kenne nur die Erklärung wegen der Mohammed-Karikaturen. Aber sind wir doch mal ehrlich, der Papst ist doch damals beim Weltjugendtag wie ein Popstar gefeiert worden.
– Genau und deswegen sollten wir gerade diese Toleranz in unserer Medienlandschaft beweisen. Selbst RTL hat sich mehr oder weniger lustig gemacht wie mit den Mohammed-Karikaturen von den Moslems verfahren wurde. Sie haben ja auch selber diese Karikaturen im Fernsehen gezeigt. Wir sagen ja auch nichts was unwahr ist, der Papst wurde und wird nach wie vor wie ein Popstar gefeiert und ich glaube der Herr Ratzinger hatte sogar ein Poster in der Bravo gehabt, das muss man erst noch schaffen. Der Song ist auch im letzten Jahr entstanden, als dieser Weltjugendtag hier stattfand. Wenn man katholisch erzogen wurde, kommt man um dieses Thema überhaupt nicht herum. Der Papst wie ein Popstar vermarktet, denn im Vatikan wird mit dem Konterfei vom Papst von Taschen über Tassen bis zu einem Kreuz mit einem 3D-Bildchen, wo er einem zuzwinkert.
Also ein richtiges Merchandise vom Papst.
– Richtig eine Vermarktung vom Papst. Und wenn man sich diese Wiese beim Weltjugendtag angesehen hat, dann kamen einem schon Erinnerungen an einem Rockkonzert oder besser gesagt an Woodstock. Es gab auch sehr viele Mitläufer die sich das einfach mal anschauen wollten, obwohl sie keine gläubigen Christen sind.
Nicht nur mit diesem Song hattet ihr einige Schwierigkeiten sondern auch mit „Die Schlinge“, welches ja eigentlich „Spiel mir das Lied vom Tod heißen sollte und genau auch dieses besagte Stück ist.
– Es waren keine großen Schwierigkeiten, denn es ist ja das gute Recht von Herrn Morricono, da er ja die ursprüngliche Komposition des Stückes gemacht hat, es auch anzuhören und uns seine Bedenken äußern konnte. Bedenken gab es aber von seiner Seite nur vom Titel und von den Samples her. Deswegen haben wir auch die Mundharmonika neu eingespielt. Wir haben auch verstanden, dass seine Version die Einzige ist, die unter diesem Titel läuft. Ihm gefiel auch unsere Version des Songes sehr gut und hat sich ihn auch mit den Texten angehört. Durch die Änderungen der Samples hatten wir ein paar Probleme, weil diese eigentlich schon fertig waren, aber dann haben wir sie eben noch mal neu eingespielt.
Das hielt sich ja alles im Rahmen
– Eigentlich doch und somit gibt es wegen des Liedes eben keinerlei Probleme mehr.
Ich möchte noch mal auf den Song „Eine Frau spricht im Schlaf“ zurückkommen. Der Text stammt ja von Erich Kästner und wie seid ihr auf die Idee gekommen von ihm einen Text zu nehmen?
– Wir fanden das sehr interessant, da man Erich Kästner ja eigentlich nur von lustigen Kinderromanen her kennt. Jeder kennt ja „Das fliegende Klassenzimmer“, aber er hat auch andere Sachen gemacht. Dero ist, da er ja sehr gerne Lyrik liest, irgendwann mal darauf gestoßen und fand die Idee diesen Text zu vertonen sehr faszinierend. Wir haben ja auf den Vorgängeralben immer mal wieder zur Auflockerung Instrumentalsongs mit eingebunden und dieses Mal eben einen Text von Erich Kästner. Eigentlich ist es ja fast ein Instrumentalsong, den der Text wurde ja in der Manier von „Spoken Words“ mit eingebunden. Ich glaube er hat diesen Text geschrieben einen Tag nachdem er von seiner Frau verlassen wurde. Wir fanden diese Idee sehr gut und deswegen musste dieses Stück auch auf das Album.
Vor allem weckt er die Emotionen in einem. Ein anderes Stück mit einem ausdrucksstarken Text ist „Mein Schatz“, der in Bezug auf Tolkiens Werk „Herr der Ringe“ das Thema Macht zum Inhalt hat.
– Wir haben alle drei die Bücher und die Filme von „Herr der Ringe“ gerne gelesen und gesehen. Hinter „Mein Schatz“ stehen einfach nur Leute, die bis heute nicht von der Macht loslassen. Das beste Beispiel dafür war ja wohl Gerhard Schröder, der ja in der Elefantenrunde nach der Wahl von dem Ring der Macht nicht loslassen wollte. Auch kann man sehr gut sehen wie er in den Jahren der Macht gealtert ist. Hätte er noch ein paar Jahre weiter gemacht, dann hätte er am Ende vielleicht auch wie Gollom ausgesehen.
Der Titel „GlaubeLiebeTod“ erklärt sich ja fast von selbst und ist ja erst ganz zum Schluss entstanden.
– Wir haben lange nach einem Titel für das Album gesucht. Da es dieses Mal kein Konzeptalbum war, gestaltete sich dieses natürlich etwas schwieriger. Nach dem Durchlesen von den Texten ist Dero aufgefallen, dass sich alle Songs um diese drei Themen drehen und dann lag es auf der Hand das Album auch so zu nennen. Es ist auch ein Sinnbild dafür, woher kommen wir, wohin gehen wir und was machen wir in der Zwischenzeit. Es betrifft in gewisser Weise unser ganzes Leben.
Woher ihr kommt steht ja ohne Zweifel fest, denn der Erfolg ist ja doch nicht ganz unerwartet für euch gekommen. Nach all dem was ihr schon erlebt habt konntet ihr auch sehr gut mit dem Erfolg umgehen.
– Das ist natürlich unser Vorteil, denn wenn man uns mit Bands wie Tokio Hotel vergleicht, die ja von ihrem eigenen Erfolg überrannt werden, sind wir in der Lage, dass wir gefestigte Persönlichkeiten sind. Uns ist es heute immer noch wichtig, den Bezug zu den Fans zu halten. Deswegen treten wir auch immer mit ihnen in Kontakt.
Diesen Kontakt können sie wieder im Mai auffrischen, denn dann sind OOMPH! auf Tour und auch ich freue mich auf eine Energiegeladene Show von einer tollen Band, die schon durch sämtliche Höhen und Tiefen gegangen ist. Für mehr Infos schaut doch auch auf der Homepage von OOMPH! nach. Ihr erreicht sie unter:
Story: Gisela
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