POTENTIA ANIMI
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Gegründet wurde die Bruderschaft POTENTIA ANIMI zum größten Teil vom früheren The Inchtabokatables Drummer Titus Jany. Nun kann man mit dem neuen Album „Psalm II“ die Rückkehr der Mönche verzeichnen. Die Bruderschaft ist wieder mit einem neuen Album bereit die Zahl ihrer Schäfchen weiter zu vergrößern. Ein wenig unterscheidet sich „Psalm II“ schon vom Debutalbum „Das erste Gebet“. Aber davon kann uns Titus oder besser bekannt unter Bruder Liebe mehr berichten.
Ich hoffe, dass ich euch jetzt nicht beim Abendgebet unterbrochen habe.
– Nein, das findet erst später statt. Wir haben da noch etwas Zeit.
Dann bin ich ja beruhigt. Verglichen mit dem ersten Album „Das erste Gebet“ kommt „Psalm II“ wesentlich druckvoller rüber. Es klingt eigentlich so, wie ihr auch live die Leute überzeugen konntet.
– Das ist richtig, denn die Stücke sind allesamt rockiger angelegt worden. Man entwickelt sich ja auch mit der Zeit.
Wer hat denn die Songs geschrieben? Habt ihr sie in Zusammenarbeit gemacht?
– Bei diesem Album hat die meisten Songs Bruder Nachtfrass gemacht. Er kümmert sich zudem auch noch um die Texte.
Und genau darauf möchte ich mal zu sprechen kommen. Die sind ja doch sehr deftig. Was denkst du, was der Papst dazu sagen würde?
– Der würde sich freuen und er würde mit Sicherheit sagen: „Das wollte ich doch schon lange mal hören“: Die Texte sind ja meistens aus der Carmina Burana und ist die Handschrift des Mittelalters. Da muss ein Papst schon hinter stehen, denn seine Mönche haben ja diese Texte aufgeschrieben. Da sind zwar auch Trink- und Liebes-Lieder vertreten und das wird ihn wohl nicht so stören. Was er jetzt zu einem Herrn Schiller sagt, kann ich nicht so genau beantworten, aber da es ja ein deutscher Papst ist, wird er wohl auch dazu nichts einzuwenden haben. Es ist ja auch nur ein Text von uns, damit man uns in keinem Fall Blasphemie vorwerfen kann.
Es grenzt ja schon an Schizophrenie, wie man unter anderem Bands wie z.B. Oomph! jetzt von einer Veranstaltung wieder ausgeladen hat.
– Diese Schizophrenie war ja auch einer der Gründe, warum wir eine solche Band ins Leben gerufen haben. Deswegen auch eine solche Live-Performance, denn wir wollen den Humor wieder auf deutsche Bühnen bringen. Hinzu kommt natürlich auch die Geschichte und man soll nicht alles so bierernst nehmen. Bei uns bekommt jeder sein Fett weg. Es geht im Grunde um Intoleranz und Borniertheit. Diese Ausladung war schon heftig aber trotz allem interessant, dass so etwas überhaupt noch passiert, denn die Jahre der Zensuren sind doch eigentlich vorbei.
Jetzt aber wieder zurück zu euch. Auf dem Song „Ave Maria“ habt ihr auf die Hilfe einer Schwester zurückgegriffen. Wer ist das überhaupt?
– Das ist eine befreundete Schwester, die aber leider nicht in unser Kloster eintreten wollte. Sie wird zwar in Berlin, bei der Record Release Party mit uns auftreten, aber ansonsten muss Bruder Schlaf ihren Part übernehmen. Sie ist aber eine gute Freundin aus der Mittelalterszene von uns.
Ich finde, dass gerade diese Backingvocals die ganzen Songs auflockern. Es ist der richtige Gegenpart.
– Das finde ich auch und nachdem wir uns nun langsam aneinander gewöhnt haben geht alles viel einfacher. Man hat ja mittlerweile auch ein wenig Erfahrung sammeln können und wir wissen nun auch, wie ein Song klingen soll.
Ihr hattet ja eure Record Releaseparty am Abend. Wie passt das überhaupt mit eurer Klausur zusammen und vor allem mit dem Abendgebet?
– Wir sind vor der Party zu Geißelung gegangen und nachher sofort wieder. Das Gebet haben wir verschoben. Die Geißelung nachher brauchten wir dann auch wieder, um uns zu reinigen. Das tut richtig gut, musst du auch mal probieren.
Ich weiß nicht, das ist wohl nicht so ganz mein Ding. Da fällt mir ein, dass du davon gesprochen hast, dass ihr für eine Zeit ins Kloster gehen wollt. Habt ihr das mittlerweile getan?
– Bis jetzt haben wir kein Kloster gefunden, das uns aufgenommen hätte. Ich weiß nicht, irgendwie sind die alle komisch. Wir wollten dort gleichzeitig auch proben, aber sie haben alle abgelehnt.
Dann müsst ihr eben selber ein Kloster eröffnen.
– Das haben wir doch schon. Wir haben selber eins aufgemacht, weil uns keiner wollte. Die Aufnahmebedingungen sind viel zu streng. Wir wollten das aber unbedingt mal machen, weil wir den Erfahrungsaustausch suchten. Unsere Instrumente wollten wir aber mitnehmen.
Das war den Mönchen wohl zu laut.
– Wir haben ihnen denn gesagt: „Wenn es laut ist, dann ist das auch schon wieder Ruhe“. Das haben sie uns aber nicht geglaubt.
Sie sind nun mal konservativ und das hat sich ja gegenüber früher geändert. Ich möchte aber noch kurz auf das Cover eingehen. Auf diesem ist eine schwangere Nonne zu sehen. Sehr provokativ.
– Das ist ja auch eine unbefleckte Empfängnis. Deswegen ist es ja auch ein Wunder, was man auf dem Cover sieht.
Ein Wunder? Hat denn diese unbefleckte Empfängnis was mit den Texten vom Album zu tun?
– Nein überhaupt nicht. Der Titel hat aber sehr viel mit dem Album zu tun, denn der „Psalm II“ ist ja der Psalm, wo der Herr sagt. „Dies ist mein Sohn.“ Das könnte man dann schon eher in Zusammenhang bringen.
Habt ihr denn auf das Cover noch keine negativen Reaktionen bekommen, denn es könnte ja falsch ausgelegt werden?
– Nein, die Kirche legt doch nichts falsch aus.
Das glaube ich jetzt aber nicht so ganz.
– Dann bist du aber ungläubig und nun ab zur Geißelung.
Gut werde ich das mal machen. Ach ihr könnt demnächst wieder in den Bann der Bruderschaft gezogen werden, denn sie sind im Moment verstärkt im Namen des Herrn unterwegs.
Story: Gisela
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