FAIR WARNING
Die Sensation ist perfekt, denn 5 Jahre nach der Auflösung von FAIR WARNING haben sich die vier Musiker entschlossen noch einmal anzugreifen. Sie galten für mich als eine der unterbewertetsten Bands in Deutschland, aber in Japan waren sie die Helden. Warum sie hier keine Akzeptanz fanden, bleibt mir bis heute eigentlich unverständlich, denn ihre Songs gingen einfach unter die Haut. Nahtlos knüpfen sie mit ihren neuen Songs an vergangene Tage an und schaffen es noch diese zu übertreffen, denn das neue Material ist wesentlich dynamischer und rougher ausgefallen. Von Sänger Tommy Heart erfuhr ich mehr über die neuen Songs und anderen interessanten Sachen.
Die neuen Songs sind lebendiger, rockiger und rougher ausgefallen. Ist das Album vielleicht auch deswegen so ausgefallen, weil ihr in den vergangenen Jahren andere Sachen gemacht habt?
– Mit Sicherheit, denn in den vergangenen 6 Jahren hat ja jedes Bandmitglied für sich seine eigenen Erfahrungen gesammelt. Zudem konnten wir alle darüber nachdenken, wo wir damals eigentlich mit FAIR WARNING hinwollten. Zur damaligen Zeit, im Jahr 1990 als alles anfing, wollten wir eigentlich unsere Musik weiter machen, die wir angestrebt hatten. Leider hat sich das aber alles geändert, was am Erfolg und vor allem an einigen Besetzungswechsel lag. Für mich persönlich heben diese 6 Jahre sehr viel gebracht. Ich sehe das genauso wie du, denn die Songs klingen frischer, ganz so wie unser erstes Album geklungen hat. Das lag wohl auch mit Sicherheit daran, dass wir uns gesagt haben, lasst uns eine Platte machen.
Es klingt auch alles sehr spontan.
– Das war auch alles sehr spontan, denn ich habe mit FAIR WARNING noch nie eine solch schnelle Platte gemacht. Ich war selber richtig überrascht, denn ich bin davon ausgegangen, dass wir wesentlich länger brauchen würden. Aber wenn man sich jetzt das Album anhört, merkt man, dass es wirklich Sinn gemacht hat.
Ich denke auch, dass eine gewisse Trennung manchmal richtige Wunder bewirken kann. Was hat euch denn nun dazu bewogen noch einmal durchzustarten?
– In den vergangenen Jahren kam sehr viel Post aus Japan mit der Frage, ob wir es nicht noch einmal probieren wollten. Ich habe das am Anfang auch einfach ignoriert, aber plötzlich gab es viele Angebote von Bands und auch Plattenfirmen, die mit mir ein Soloalbum machen wollten, bekommen. Die Voraussetzung war aber immer gewesen, dass es in Richtung FAIR WARNING ginge. Darauf habe ich nur gesagt, dass man sich für eine solche Sache besser direkt an die komplette Band wenden sollte. Der letzte der angefragt hat war so dreist, dass er direkt einige Songs von Helge mit beisteuern wollte. Da ist mir der Kargen geplatzt und da ich die ganze Zeit über mit Helge und Ule sowieso in Kontakt stand, weil die Freundschaft trotz Trennung nicht zerbrochen ist, haben wir darüber diskutiert eine neue Scheibe mit FAIR WARNING zu machen. Aufgrund der ganzen Nachfragen war ich sehr verwundert, dass es so viele FAIR WARNING-Fans gibt, denn in den Jahren 1992 bis 1997 so etwas von runtergemacht, dass ich vor allem die Presse es begrüßen würde ein neues Album zu bekommen. So kam es dann zu der Entscheidung uns erst einmal u beschnuppern, ob es überhaupt klappt mit neuen Songs und da alles wunderbar lief war die Entscheidung klar, wir machen es.
Hattet ihr denn viele Songs zur Auswahl?
– Dadurch dass Helge bei DREAMTIDE und ich bei SOUL DOCTOR in den vergangenen Jahren sehr viel Songs geschrieben haben und auch Ule ein sehr guter Songwriter ist, gab es diesbezüglich keine Probleme. Wir mussten auch viele Songs schreiben um wirklich die besten Stücke auswählen zu können. Wir hatten an die 30 Stücke aus denen wir auswählen konnten.
Es ist ja auch, wenn man sich die Laufzeit des Album anschaut ein richtig fettes Album geworden.
– Wir haben aber trotzdem darauf geachtet dass es nicht zu lang wird, denn wenn man sich das Album „Rainmaker“ anschaut, da waren 16 Stücke drauf. So lang sollte es in jedem Fall nicht werden. Ich persönlich finde, dass 16 Songs einfach zu viel sind, denn Songs sind einfach nicht zum berieseln da und bei einer solchen Anzahl an Songs läuft man diesbezüglich die Gefahr, dass man sich die einzelnen Stücke nicht mehr genau anhört. 10 bis 12 Songs sind für mich optimal. Jetzt sind es 13 Songs, wobei dieser 13. ein Bonussong für Europa ist.
Obwohl ja früher immer auf den japanischen Veröffentlichungen die Bonustracks genommen wurden.
– Ich finde das auch ein wenig dumm, denn die Japaner geben sich in Bezug auf Veröffentlichungen wesentlich mehr Mühe. Bei der jetzigen Veröffentlichung gibt es zusätzlich noch eine DVD dabei. Dies ist auch ein Dank, denn die japanischen Fans haben uns über die ganzen Jahre supportet und das muss einfach belohnt werden. Wir sollten erst einen Video-Clip machen, aber das wäre unserer Meinung und vor allem unserer Erfahrung nach nicht gut angelegtes Geld gewesen. Deswegen haben wir eine DVD als „Rockumentary“ über FAIR WARNING gemacht. Somit haben auch die Leute Gelegenheit die uns noch nicht kennen uns besser kennen zu lernen.
Was aber jetzt exklusiv für Japan gedacht ist.
– Genau, denn in Japan sind die Importe billiger als die CD´s aus Japan. Man kann das fast gar nicht glauben, aber die CD`s sind richtig teuer dort. Das war auch mit ein Grund gewesen den Fans mehr zu bieten, um ihnen einfach mehr für ihr Geld zu geben. Der hohe Preis in Japan kommt so zustande, dass ein Booklet komplett neu gemacht werden muss. So müssen die kompletten Texte übersetzt werden, weil die meisten kein englisch sprechen. Zusätzlich sind die Kosten für das Pressen einer CD sehr hoch dort und somit sind die Kosten wesentlich höher als hier in Europa. Viele europäischen Labels sehen darin ihrer Chance und exportieren ihre europäischen Veröffentlichungen einfach nach Japan. Deswegen ist es auch mehr als Nachvollziehbar, dass die Japaner immer etwas mehr bekommen sollen, entweder Bonustracks oder wie in unserem Fall eine DVD.
Das kann ich gut verstehen, denn wenn eine CD hier in Deutschland noch mehr kosten würde, wären die Verkaufszahlen noch geringer. Den Dank habt ihr ja schon bekommen, denn ihr seid ja auch in die Charts eingestiegen.
– Das ist schon toll, denn in der internationalen Liste, wo alle Künstler weltweit vertreten sind stehen wir auf Platz 11. Wenn man nun die nationalen japanischen Bands, wo es sehr viele von gibt, wegnimmt dann belegen wir den 2. Platz. Das ist natürlich super und vor allem nach all den Jahren, wo wir überhaupt nichts rausgebracht haben. Man hat uns schon im Vorfeld gesagt, dass wir nicht zu viel erwarten sollten. Das haben wir auch gar nicht gemacht, denn wir sind so realistisch, dass wir mit einer solchen Platzierung im Traum nicht gerechnet hätten. Ich bin aber selber zu dem Entschluss gekommen, dass wenn man ein gutes Album abliefert, alles machbar ist.
Das sehe ich genauso. Jetzt nach deinen Erklärungen hat sich auch die Frage nach der vorgezogenen Veröffentlichung in Japan erklärt.
– Das liegt eben am Preis, denn wenn das Album auch in Europa zur gleichen Zeit auf den Markt gekommen wäre, hätten sich viele Japaner eben auf dem Importweg das Album besorgt. Viele Plattenfirmen nutzen eine solche Situation regelrecht aus und deswegen haben wir dem japanischen Label es auch ermöglicht ihr Geld zu verdienen. Deswegen auch das Special auf dem Album.
Diese Mühen bekommt ihr ja auch in Form von Verkäufen wieder zurück.
– Das ist richtig. In Japan wussten wir ja das es genug Fans gibt, aber in Europa war uns das nie so richtig klar gewesen. Wir sind auch von der Presse immer ziemlich runtergemacht worden. Wenn man sich anschaut, was die manchmal über uns geschrieben haben war schon hart und einer deutschen Band haben die damals nie was zugetraut.
Das sind aber die Vorurteile deutschen Bands gegenüber, obwohl wir hier in Deutschland sehr viele gute Bands haben, die es mit jeder amerikanischen Band aufnehmen könnten.
– Das in jedem Fall und uns haben die 6 Jahre mehr als gut getan.
Das merkt man dem Album auch an, denn man fühlt sofort, dass sie viel Spaß beim Songwriting und den Recordings hatten. Jetzt fehlt uns nur noch eine Live-Performance und wir sind alle glücklich.
https://www.facebook.com/FairWarningMelodicRock
Story: Gisela
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