THE MISSION
“Oooonce I thought I saw youuuuuu…”21 Jahre ist es nun schon her, seit Wayne Husseys Stimme, durch den düsteren, verrauchten Londoner Club hallte und ich zum ersten Mal auf der Nebelwabernden Tanzfläche The Mission hörte. 21 bewegte Jahre, in denen es Höhen gab und die Band in England locker die größten Hallen füllen konnte, aber auch Tiefen mit Drogenexzessen und häufig wechselnden Bandbesetzungen. Doch allen Selbstzerstörungsversuchen zum Trotz, hat Wayne, der musikalische Kopf von The Mission die wilden Jahre gut überstanden und klingt munter und gut gelaunt, als ich mit ihm in seiner Wahlheimat Brasilien telefoniere, wo er mit Frau Cinthya, 6 Katzen und 2 Hunden lebt, um ein wenig über Gott und die Welt und das neue Album zu plaudern.
Am 27. April erscheint „God is a Bullet“ und musikalisch gesehen, passt es sich nahtlos in die Reihe der Mission-Studioalben ein, gespickt mit „missionesken“ Gitarren (was kein Wunder ist, denn auch Ur-Gitarrist Simon Hinkler hat ein paar Gitarrenparts beigesteuert) und natürlich Wayne Husseys unverwechselbarer Stimme. Spannend wird es bei den Themen, die der gute Mann in seinen Texten verbraten hat. Er hat es ja über die Jahre immer wieder geschafft, die trivialsten Inhalte, in die schönsten Worte zu fassen, so dass man manchmal erst beim zweiten Anlauf mit bekommt, worum es eigentlich geht (meist liegt man mit der Vermutung, es geht um Sex ganz richtig…). Auch diesmal geht es häufig um Liebe und Sex in allen Variationen, aber auch um Themen wie Terrorismus, Psychotherapie, Gewalt gegen Tier und Mensch und den FC Liverpool. Das Stichwort „vorzeitiger Samenerguss“ aus dem Presseinfo ist natürlich der perfekte Auftakt für unseren kleinen Plausch.
Hallo Wayne, na, alles fit im Schritt? Sorry, ich konnte es mir nicht verkneifen, aber was ist die Geschichte hinter „Blush“?
– Ich hab nicht gesagt, dass ICH dieses Problem habe. Aber ernsthaft, hat nicht jeder schon mal Pannen im Bett erlebt, ist doch ganz normal und durchaus auch mal einen Song wert. Außerdem schreibe ich gerne über Themen, die ich kenne und Liebe und Sex gehören da halt dazu. Wir tun es doch alle. Ich spreche vielleicht manchmal etwas offener darüber als andere
Und was ist mit „Keep it in the family“ (der ersten Single-Auskopplung), nach „Amelia“ noch ein Song zum Thema Kindesmißbrauch? Der Song klingt ganz schön poppig und „happy“ dafür, dass er so ein ernstes Thema behandelt.
– Dieser Song ist aus einer etwas anderen Perspektive geschrieben. Ich hatte ein Gespräch mit jemandem der sexuell missbraucht wurde von einem Familienmitglied. So was passiert sehr häufig und wir bekommen es meist nicht mit, obwohl es gleich nebenan stattfindet. „Amelia“ klingt nach Wut und Krach, bei „Keep it in the Family“ gefällt mir genau dieser Gegensatz von düsterem Text und der fröhlichen Melodie. Das hab ich ganz bewusst so gemacht.
Dafür klingt dann aber „Hdshrinkerea“ etwas „sauer“. Bist Du auf Psychotherapie nicht gut zu sprechen?
– Ach, ich ärgere mich weniger über die Psychotherapie an sich, als über Leute, die hingehen und dann meinen, sie müssten an ihren Partnern rumanalysieren – so wie meine Ex.
OK, kommen wir zu angenehmeren Themen. „Draped in Red“ ist Deinem Lieblingsfußballverein, dem FC Liverpool gewidmet. Wolltest Du eine Fußball-Hymne á la „Three Lions“ (Lightning Seeds) schreiben? Und wie bleibst Du über die Spielerfolge der Jungs auf dem Laufenden, von Brasilien aus ist es ja doch ein bisschen weit bis ins Stadion.
– Eigentlich hat sich der Song so ergeben, ich hatte nicht unbedingt geplant einen Fußball-Hit zu schreiben. Er wir schon mal in Liverpool gespielt und das freut mich natürlich, klar. Dank Satelliten TV und Internet kann ich auch die Spiele von hier aus verfolgen.
Auf dem Album sind ein paar Mitstreiter/innen aus vergangenen Jahren versammelt. Wie hast Du Julianne Regan & Tim Bricheno(All About Eve) und Simon Hinkler unter einen Hut bzw. in ein Studio bekommen?
– „Gar nicht“, lacht Wayne. „das Internet war sehr hilfreich, dieses Album zusammenzustellen. Alle unsere Gäste haben ihren Beitrag über das Internet geschickt, manchmal waren wir nicht einmal auf demselben Kontinent. Aber es hat funktioniert, auch wenn es schöner gewesen wäre, wenn wir persönlich zusammengearbeitet hätten. Aber vielleicht war es für die Drei so einfacher, denn ich konnte ihnen auch nicht reinreden.“
Auf jeden Fall klingst Du ziemlich zufrieden mit Dir, dem Album und der Welt. Was ist Dein Geheimrezept?
– Mir geht es gut, ich hab viel Glück gehabt und kann das machen, was ich liebe: Musik. Klar, gibt es da auch Aspekte, die nerven können, aber Songs aufzunehmen und auf Tour zu gehen macht immer noch Spaß. Diesmal ist es auch mit 15 Songs ein sehr langes Album geworden- und ich hab noch mehr neue Songs, die auf die Singles mit drauf kommen. „God is a Bullet“ ist nicht nur ein gutes Mission-Album geworden, es ist ein gutes und vielseitiges Album geworden. Punkt.
Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. und wer sich die neuen Songs mal live anhören möchte, sollte die Tour im Mai nicht verpassen, denn gerade als Live-Band haben sich The Mission in den Jahren viele treue Fans erspielt, die sich auf die alten, sowie die neuen Hits freuen.
https://www.facebook.com/themissionuk
Barbara Stiller
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