DESTRUCTION
In ihr 25jähriges Jubiläum feiern DESTRUCTION mit einer neuen Scheibe, welche ihre Anhängerschaft einen gehörigen Tritt in den Allerwertesten beschert. Das 10. Studioalbum „D.E.V.O.L.U.T.I.O.N.“ bietet den Fans die charakteristischen Merkmale, welche DESTRUCTION zu dem machte, was sie heute sind, eine Institution in Sachen Teutonen-Thrash-Metal. Anlässlich dieses Jubiläums und einer überragenden Scheibe unterhielt ich mich mit Schmier, um vielleicht noch einiges mehr zu erfahren.
Wenn man sich das Album genau anhört, fällt einem eine gewisse Düsternis auf. Ist dies ein wenig auf die Thematik der Texte zurückzuführen?
– Es ist schon so, dass wir versucht haben das Konzept der Platte musikalisch umzusetzen. Der Sound auf dem neuen Album ist wirklich grooviger und episch orientiert angelegt. Das war auch wichtig, denn wenn man die Texte und vor allem auch die Illustrationen, die im Booklet sind, sieht müssen die schon mit dem Sound übereinstimmen.
Ich denke aber auch, dass ihr euch in der ganzen Zeit auch weiter entwickelt habt.
– Natürlich, wir wollen uns einfach nicht wiederholen, aber wir bleiben trotz allem unserem Stil treu. Dies ist nun auch unser Markenzeichen und genau das bewirkt demzufolge auch, dass man uns immer wieder als DESTRUCTION erkennt, obwohl es so viele Bands in diesem Genre gibt.
Trotz der Trademarks kann man trotzdem an seinem Sound feilen. Heute geht es mehr um technische Fähigkeiten und genau das war in euren Anfangszeiten ja nicht so.
– Früher ging es nicht so sehr um das Können sondern man musste crazy und wild sein. Je älter man wird, versucht man seine Aggressionen zu kanalisieren und so kommt die Musikalität wesentlich mehr zum Vorschein. Das ist genauso ein 17jähriger säuft sich ins Koma und ein älterer geht sich einfach gepflegt einen Trinken. Das ist der Unterschied, denn man kann besser mit allem umgehen. So ist bei DESTRUCTION eigentlich alles beim alten, aber das was uns ausmacht ist immer noch vorhanden. So können wir eben über die Welt Songs machen, die mir immer suspekter wird.
Das Leben wird immer härter, aber die Probleme werden ja von oben schon vorprogrammiert.
– Absolut das Problem ist, dass die Leute in den oberen Etagen das Leben der Menschheit diktiert. Das geschah in jedem Zeitalter, Dynastien und Jahrgängen. Das wird auch heute passieren, denn man kann nicht viel daran ändern.
Eine ganz interessante Sache ist der Titel des Album „D.E.V.O.L.U.T.I.O.N.“, der sich ja aus den Anfangsbuchstaben der Songs ableitet. Wie kamt ihr auf diese Idee?
– Das ist ein Wortspiel und nennt sich Akrostik und kommt aus dem griechischen. So wurden früher Bücher und Gedichte geschrieben. Ich fand das dies ein Konzept ist, das sich umzusetzen lohnt. Ich habe so etwas im Metalbereich noch nie gesehen und ist zudem auch noch literarisch wertvoll. Das war natürlich nicht so einfach, denn uns war klar, dass wir für dieses Album nur 10 Songs schreiben konnten und die mussten auch noch genau in diesem Titel passen. Da der Titelsong sofort an erster Stelle kommt, musste er demzufolge auch der stärkste des Albums werden. Dadurch hatten wir uns natürlich ein wenig Druck auferlegt, aber wir haben es doch gut hinbekommen.
Für den Titel „D.E.V.O.L.U.T.I.O.N.“ habe ich einige Übersetzungen wie Rückentwicklung oder Dezentralisierung. Was bedeutet er bei euch?
– Es ist klar die Rückentwicklung, aber nicht im technischen Sinne. Bei uns bezieht sich dieses Wort auf die ganze Art und Weise wie wir miteinander umgehen und das wir uns langsam aber sicher zum Höhlenmenschen zurückentwickeln. Wir haben uns ja im Laufe der Zeit vom Affen zum Menschen entwickelt, aber jetzt entwickeln wir uns ganz langsam wieder zurück. Das bezieht sich vor allem darauf, wie wir mit der Natur umgehen. Irgendwann ist alles zerstört und es kann kein Leben mehr auf diesem Planeten bestehen. Man sieht es vor allem immer mehr an den ganzen Wetterkapriolen die ja die ganze Welt betreffen. Die ganzen Regenfälle und Tornados werden in den nächsten Jahren noch furchtbarer ausfallen, wenn man sich nicht langsam auf das Wesentliche bezieht. Was bringt einem das ganze Geld, wenn alles um einen herum zerstört ist.
Das ist ja auch ganz gut im Cover abgebildet worden.
– Ja da steht ein Mensch und um ihn herum ist alles zerstört. Das wird genau passieren, wenn wir nicht alle umdenken werden. Um diese ganzen Themen dreht es sich auch in den Texten.
Man kann doch auch mit wenig glücklich sein und es muss nicht der Überfluss sein.
– Da kommt ja der Ursprung her und wenn ich denn Schauspieler oder Rapper mit ihren Häusern sehe, die 50 oder mehr Zimmer haben und vielleicht nur 3 Zimmer bewohnen, dann sage ich mir, wohin soll das alles führen. In manchen Regionen sterben jeden Tag Menschen und andere wissen nicht, was sie mit ihrem Reichtum machen sollen. Das ist doch nicht normal und vor allem nicht gerecht, denn jeder hat ein Recht auf ein zufriedenes Leben.
Jetzt aber zu etwas anderem. Du warst vor kurzem Gast in der Talkshow „Nacht-Cafe“. Da konnte man wirklich die verschrobenen Meinungen von machen hören das alle Metaler böse sind und unsere Gesellschaft verderben würden.
– Der Moderator der Sendung hat richtig typisch sich zu Metaler geäußert. Die Teilnehmer dieser Tafelrunde waren am Anfang der gleichen Meinung, aber im Laufe der Zeit wendete sich dann das Blatt. Durch Comedian Bernd Hoeckers Kunst und Gabe wurde dann doch das Bild ein wenig gerade gerückt, vor allem als er sich als Metal-Fan outete.
Seine Kommentare fand ich sowieso super und ich war schon richtig erstaunt, dass er auch solche Musik hört.
– Als der Moderator dies hörte wechselte er auch ein wenig die Gesichtsfarbe.
Man merkte am Anfang dass alle gegen dich waren.
– Am Anfang voll, aber nachdem sich Bernd Hoecker zum Thema geäußert hatte meinten auch einige anderen der Runde, dass Metal mittlerweile zur Kultur gehöre und dies nicht verwerflich ist. Die Stimmung ist im Laufe der Sendung ziemlich stark gekippt und wir lassen uns auch nicht auf ein solches Klischee reduzieren.
Ich möchte noch kurz auf 25 Jahre DESTRUCTION eingehen. Hat sich in den Jahren viel geändert?
– Es ist leicht gesagt dass früher alles besser war und man die besten Plattenverträge bekommen hat. Was richtig schlecht ist, dass es einfach zu viele Festivals gibt, zu viele Veröffentlichungen und zu viele Touren. Somit kann sich ein Fan manchmal nicht entscheiden, wo gehe ich hin. Trotzdem haben wir tolle Festivals in Europa, welche die Szene am Leben erhält. Dafür dass der Metal in diversen Metal-Magazinen schon für tot erklärt wurde, lebt er immer noch fröhlich weiter.
Gut für DESTRUCTION, denn sonst könnten wir im November und Dezember nicht in den Genuss kommen sie live in unseren Clubs zu sehen. Mehr Informationen gibt es unter:
Story: Gisela
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