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OOMPH!

Nach den großen Erfolgen der letzten Jahre war es wohl sehr schwer mit einem neuen Album noch einen drauf zu setzen. Zu groß waren die Erwartungen. OOMPH! Haben sich aber nicht beirren lassen und mit „Monster“ wieder ein Album fertig zu stellen, das alle Erwartungen erfüllt. Einige Überraschungen gibt es auch auf dem Album zu hören, aber davon später mehr, denn Sänger Dero hatte einiges zu erzählen.

Zwei Jahre ist es nun her, dass euer letztes Album „Glaube Liebe Tod“ veröffentlicht wurde. Habt ihr bewusst so lange gewartet, oder wolltet ihr einfach mal eine Auszeit nehmen.

– Das letztere ist eher der Fall, denn wir schneller ein Album veröffentlicht hätten, wäre das zu Lasten der Qualität gegangen und das wollen wir einfach nicht. Wir legen großen Wert auf Qualität.

Das kann ich sehr gut nachvollziehen, denn man soll ja auch echt und natürlich klingen, was mir immer bei euch so gut gefällt.

– Ja es gibt nun mal Unterschiede, denn es gibt gemachte oder gecastete Bands oder von sich aus gemachte Bands und dazu zählen wir uns eben. Uns ist es wichtig, dass wir uns selber gerecht werden und das kann man nicht mit Alben die in kurzen Zeitabständen veröffentlicht werden.

Wenn ich mir die Songs anhöre fällt mir auf, dass ihr obwohl ihr ein wenig „Back to the Roots“ („Revolution“) gegangen seid, doch in einigen Songs eine Weiterentwicklung zu verzeichnen ist.

– Das ist richtig. Es ist nun mal ein Baum wenn ich das so in Metaphern erklären kann, der in den letzten 20 Jahren stetig gewachsen ist. Auf diesem Album haben wir nun aufgezeigt, dass wir die Wurzeln dieses Baumes auf unserem 10. Album nicht verleugnen. Wir zeigen aber auch mit Stolz die Triebe und Blätter die neu hinzugekommen sind. Das hast du sehr gut mitbekommen dass der Song „Revolution“ aufzeigt wo wir herkommen, aber in einem modernen Gewand.

Die Weiterentwicklung bei OOMPH! kann man sehr gut beim Stück „In deinen Hüften“ ausmachen. Dieser Rocktango klingt sehr interessant.

– Das Lied ist wirklich sehr reizvoll, obwohl mich ein sehr ernster Hintergrund dazu veranlasst hat diesen Text zu schreiben. Es geht in diesem Lied um die Neuansteckungsrate mit AIDS in der westlichen Welt. Gerade unter heterosexuellen Teenager explodiert dieses Virus regelrecht wieder, weil es einfach zu sehr ins Hintertreffen geraten ist, weil man einfach keine Warnzeichen mehr sieht. Umfragen unter Jugendlichen hat bewiesen, dass sie dieses Virus als eine Art Schnupfen ansieht das man ja mit der heutigen Medizin wieder auskurieren kann. Dem ist aber nicht so und genau dieses Bewusstsein sollte bei den Heranwachsenden wieder aktiviert werden. Da man in diesem Alter in der Sturm und Drangphase ist und nebenbei auch noch vernebelt von den Hormonen ist, sollte man diesbezüglich die jungen Leute auch wieder mit Kampagnen warnen. Deswegen fand ich es jetzt auch sehr sinnvoll diese Thematik mal wieder ins Bewusstsein zu rufen. Das in einer drastischen Weise und es bot sich dafür natürlich sehr gut an dieses Thema mit dem Paarungstanz schlechthin zu vertonen.

Die jungen Leute wissen doch in unserer aufgeklärten Zeit sehr gut darüber Bescheid, aber irgendwie interessiert es keinem mehr.

– Das glaube ich auch, aber in den Hinterköpfen der Jugendlichen steckt einfach der Glaube, dass man diesen Virus mit der heutigen Medizin bekämpfen kann. Dem ist leider aber nicht so. Man kann zwar mit den modernen Medikamentencocktails das Leben verlängern, aber sterben muss man doch früher.

Neue Akzente setzt ihr auch mit dem Stück „Auf Kurs“ welches mit Pianos und Streichern unterlegt wurde. Habt ihr diese live aufgenommen?

– Wir haben sie nur komponiert, aber es gibt heutzutage so genannte Sound-Librarys, welche den originalen Streichern und Pianisten sehr nahe kommen, aber komponiert und eingespielt wurde alles von uns selbst.

Ich möchte noch mal kurz auf eure Texte zurückkommen. Ein ebenso heißes Eisen ist der Schönheitswahn, den ihr in „Wer schön sein will muss leiden“ beschreibt. Das finde ich in der heutigen Zeit auch sehr schwerwiegend.

– Das finde ich auch, denn mittlerweile sind wir hier in Deutschland auf dem besten Weg uns zu amerikanisieren. In fortschreitendem Alter wollen wir auch schon aussehen wie bespannte Tennisschläger oder Lampenschirme. Da ist kein Platz mehr für Individualität oder besser gesagt für eigenständige Gesichtszüge die ein ganz persönliches Leben widerspiegelt, sondern wir wollen im Alter alle gleich aussehen. Das finde ich schon bedenklich.

Aber es wird ja genug Geld dafür ausgegeben.

– Das ist ja das Schlimme das die Hülle immer wichtiger wird und das wahre ich immer mehr in die Unwichtigkeit abgedrängt wird. Der Wahn sein äußeres Ich zweifelhaft in Schuss zu halten lenkt ja auch ganz gut davon ab sich mit sich selber zu beschäftigen. Viele ziehen es vor lieber bei der Hülle zu bleiben als sich selber mal richtig zu erforschen und dann vielleicht glücklicher leben zu können. Das ist aber ein Symptom was hier in Deutschland immer größer wird, man bewegt sich nur noch an der Oberfläche.

Das ist ja ein großes Problem, die Oberflächlichkeit. Ich bin jedenfalls stolz auf die Falten die man schon hat.

– Richtig und vor allem sprechen Gesichter, die schon länger leben durften eine Sprache und diese glatt gezogenen, aber in gewisser Weise sehr skurril wirkenden Gesichter, sind regelrecht stumm und eine Karikatur in sich. Es ist eine Flucht vor sich selbst.

Die Flucht vor sich selbst ist ein guter Stichpunkt. In eurem neuen Video „Beim ersten Mal tut´s noch weh“, welches ja sehr kontrovers diskutiert wird, setzt sich ja ein Opfer mit seinem Täter auseinander. Dieses Video gibt es ja zensiert und unzensiert. Warum war es euch wichtig dieses Video auch unzensiert ins Netz zu stellen?

– Uns war von vorneherein klar das dieses Video sowieso nie gesendet würde. Dafür ist das Internet aber eine gute Plattform und es gewinnt immer mehr an Relevanz. Wir wollten mit diesem Song einfach mal die Guerilla-Aktion machen und voll in die Kerbe Täter-Opfer-Perspektive reinhauen. Dieses Thema ist so schlimm und man sollte doch auch mal Rachegelüste befriedigen. Häufig werden in den Boulevard-Medien mehr die Täterphantasien befriedigt und die Opfer müssen darunter leiden. Deshalb haben wir aufgezeigt wenn ein Opfer mal zurückschlägt und das richtig drastisch. Deswegen gibt es auch drastische Bilder zu sehen, aber uns war von Anfang an klar, dass wir zwei Versionen dieses Videos machen mussten, weil es sonst niemand gespielt hätte. Auf unserer Homepage kann man es dann im Labyrinth in der unzensierten Fassung anschauen.

Warum gerade der Titel „Monster“?

Ein Albumtitel sollte sehr prägnant sein. Bei „Monster“ ist es so, dass ich erstens meine eigenen Monster, die ich in mir habe reflektiere und meine eigenen Leichen im Keller ausgrabe, aber ich gehe auch raus und halte jedem den Spiegel vor, wie monströs die Gesellschaft sein kann. Nimm doch nur die Finanzmärkte oder unseren Umgang mit unserer Natur. Auch medial gesehen wie der Fall der Natascha Kampusch zeigt ja auch, dass die Massenmedien auf perverser Weise wie man als Menschen Monster macht. Nichtsdestotrotz befinden sich auf dem Album auch „Monster“-Titel.

Dem kann ich eigentlich nichts mehr Hinzufügen, denn ich muss Dero recht geben, es ist ein Monsteralbum und ich freue mich schon jetzt diese Songs auch live sehen zu können.

http://www.oomph.de

Story: Gisela

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