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DREAMS OF SANITY

Die österreichische Band DREAMS OF SANITY existiert eigentlich schon seit 1991, anfangs allerdings bestanden sie aus Michael und Christian. In den nächsten Jahren wechselte nicht nur die Besetzung, sondern auch die Musikrichtung. 1994 wurde der Wunsch wach, eine Sängerin in die Band aufzunehmen, da es sich als sehr schwierig erwies, einen geeigneten Sänger zu finden. Und so kam dann auch Sandra zu DREAMS OF SANITY. Wieder gab es einige Veränderungen innerhalb der Formation. Mit ihrem neuesten Album „The Game“ hat sich die wahrscheinlich endgültige Besetzung gefunden mit Christian (lead guitar), Andreas (guitar), Michael (bass), Florian (keyboard), Patrick (drums), Sandra (vocals) und Laura (background vocals). Mit Sandra – und Christian im Hintergrund – konnte ich über ihr neues Album plaudern.

 

„The Game“ ist euer erstes Konzeptalbum?

Sandra: Nein das ist es nicht…

Christian: … es ist unser drittes.

Sandra: Bis jetzt war jedes Album, dass auf den Markt gekommen ist, ein Konzeptalbum. Es ist einfach so, dass unser Texter gerne gute Geschichte erzählt und es ist einfacher es als Konzeptalbum zu produzieren.

Welche Alben habt ihr bisher herausgebracht?

Sandra: Das erste hieß „Komödia“ – eine Geschichte über die göttliche Komödie, von Dante Alighieri – und zwar über „das danach“. Michael, der unsere Texte schreibt, hat sich immer die Frage gestellt: Was geschieht mit dem der diese Art von Texten schreibt, danach. Das zweite Album war „Masquerade“. Die Grundidee war das „Phantom der Oper“. Hierbei haben wir unsere Geschichte herumgebaut. Wie muss ein Mensch sein, dem das alles widerfährt. Das dritte Album „The Game“ ist jetzt mein eigenes Konzept – es ist sehr komplex. Es handelt sich hierbei um einen Schauspieler, der sein Leben jeden Abend vor dem Publikum aufführen muss. Das Publikum ist der Zuhörer, der mit dem Einschieben der CD in den CD-Player den Akteur auf die Bühne winkt. Er zwingt ihn dazu, sein Leben immer wieder neu zu durchleiden.

Wer war bei dem Album „The Game“ für die Texte bzw. für die Musik verantwortlich?

Sandra: Die Texte schreibt immer der Michael. Christian schreibt die meisten Songs. Bei „The Game“ waren die Songs auch von Andreas und von Frederik, unserem damaligen Keyboarder.

Ist das Album „The Game“ eine Eigenproduktion?

Sandra: Kann man eigentlich so sagen. Also, wir hatten keinen Produzenten.

Euer Cover sprach mich direkt an. Die warmen Farben in gelb bis dunkelbraun und die vielen Kleinigkeiten, wie z.B. Spielkarten, eine Rose, eine Uhr …

Sandra: Ein spezieller Freund von uns macht die Cover – er ist einfach ein Künstler – er spielt sehr gerne mit Farben, Tiefen und geht sehr ins Detail. Wir überlassen es eigentlich ihm. Er kennt die Geschichte, das ist unsere einzige Vorgabe die wir ihm geben. Er hat bisher immer vollkommen unsere Wünsche erfüllt.

Wie kamt ihr auf das Thema „The Game“?

Sandra: Ich denke, in der jetzigen Zeit – die ganze Sache mit Reality TV,  immer noch aktueller und noch präsenter werden – ist es irgendwie eine logische Konsequenz, dass man sich Gedanken darüber macht, das man nicht nur ein passiver Zuschauer ist, sondern das man auch irgendwie selbst dafür verantwortlich ist, was die Menschen zu durchleiden haben. Man vergisst es auch sehr schnell, das es hier nicht um Schauspieler geht, sondern das es normale Menschen sind und es handelt sich hier um ihr richtiges Leben.

Welche Wichtigkeit hat dieses Thema für euch?

Sandra: Ja, ich denke, jeder spielt irgendwie sein Leben, zumindest zum Teil. Manchmal muss man das tun, denn niemand kann immer er selbst sein. Ich meine, in unserem Album findet jeder etwas von Seiten des Akteurs und des Zuschauers für sich selbst. Der Akteur durchlebt sein Leben: es beginnt mit der Geburt, er durchlebt die Liebe und spielt mit dem Gedanken des Freitods und endet schließlich mit dem Tod. Ich denke jeder findet Teile von sich in dieser Geschichte, anderseits geht es auch um die voyeuristische Komponente.

Christian: Meistens bringt man Emotionen und eigene Gedanken mit ein, wie es auch in den Vorgänger-Alben  war, und überträgt zumindest Teile davon in die Geschichte. Bei „The Game“ ist es im Prinzip so, dass derjenige der auf der Bühne steht und voyeuristisch betrachtet wird auch jemand von uns sein könnte, wie derjenige der im Publikum sitzt und sich den Akteur einfach anschaut und sich unterhalten lassen will. Im Prinzip kommen hier beide Seiten zu Wort, und zwar von dem Standpunkt aus, das wir diejenigen sind die auf der Bühne stehen.

Sandra: Ich meine, es geht auch nicht, dass man sich da selbst heraus hält. Musik ist eine sehr persönliche Sache, die man nicht einfach eiskalt machen kann, sondern man muss sich hier auch selbst wiederfinden. Wenn man sich mit dem Konzept auseinander setzt, dann denke ich schon, dass man sich zum Teil wiederfindet.

Wie war die Arbeit für euch an diesem Album?

Sandra: Es ist immer so, dass zuerst die Texte geschrieben werden und dann wird an der Musik gearbeitet. Unserer Meinung nach ist es viel einfacher an der Musik zu arbeiten, wenn der Text bereits feststeht. Gefühle entstehen aus Worten, und es sicherlich deutlich schwieriger, zuerst ein Instrumentalstück zu haben und dann einen Text dazu zu schreiben. Also, wir finden die Worte sehr wichtig und daher stehen die Worte auch zuerst und die Musik passt sich einfach den Stimmungen optimal an.

Die prägnante Gesangsstimme hat immer auch die Melodieführung und die Musik bettet den Gesang.

Sandra: So sollte es auch sein.

Christian: Zuerst war der Text da, die Linie. Will sagen, die Musik hat sich dem Text unterzuordnen. Es war immer unser Konzept, das der Gesang im Mittelpunkt steht. Die Linie ist der Gesang, unser wichtigster Teil, und das Drumherum wird dann gebildet.

Wie war das mit der Musik. Ist sie entstanden durch Improvisation?

Sandra: Genau, denn festlegen kann man so etwas nicht. Wir wollen die Musik so machen wie sie uns gefällt. Das, was in dem Moment hochkommt wenn man den Text liest, das sollte den Song ausmachen. Das Gefühl das du hast, wenn du bestimmte Worte liest, das solltest du auch vertonen.

Zwischen der Stimme und der Musik findet ein Dialog statt; eine mitunter weiche Stimme zu harten, aggressiven Klängen. Wie war eure Inspiration dazu?

Christian: Grundsätzlich ist es so: Michael der Texter und ich kennen uns schon seit 20 Jahren und sind sehr gute Freunde. Wenn er Texte schreibt, dann weiß ich, was er damit ausdrücken will. Und ich kann sie dann musikalisch umsetzen. Mike ist literarisch sehr, sehr talentiert und ich musikalisch und umgekehrt leider nicht. Wir ergänzen uns sehr gut und vor allen: Es entsteht ein Wechselspiel. Im Prinzip kommt der grobe Text und man schreibt dazu Lieder, die Musik verlangt dann Änderungen des Textes und umgekehrt.

Habt ihr im musikalischen Bereich klassische Vorkenntnisse gehabt?

Christian: Ich schon.

Sandra: Der Rest eher weniger.

Klassische Vorkenntnisse inwiefern?

Christian: Ich habe klassische Gitarre gelernt – 6 Jahre – habe auch versucht Klavier zu lernen aber mangels Zeit habe ich das wieder aufgegeben. Ich bin auch privat ein starker Klassik-Fan.

Das Spiel der Farben und die Verspieltheit des Covers findet sich auch in euren Songs wieder. Diese Effekte mit der Stimme. Wie ist das entstanden?

Sandra: Ich denke, da sind wir einfach zusammen gewachsen. DREAMS OF SANITY war schon immer eine Band mit sehr verspielten Gitarren und mit schöner, melodiöser Musik. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht so geprägt in Bezug auf das Singen. Ich denke, ich bin mit der Band gewachsen. Es fügt sich alles irgendwie zusammen.

Wie kamt ihr den auf den Bandnamen „DREAMS OF SANITY“?

Christian: Im Jahr 1990 – ich besuchte gerade einen Tanzkurs und hatte eigentlich keine Lust mehr – bin ich während der Performance in ein Cafe gegangen und habe diniert und dabei kam mir die Idee für den Bandnamen. Als wir angefangen haben, gab es in Innsbruck immer eine dunkle Szene auch Black-Metal-Dressed-Szene, und wir wollten uns von dem Ganzen abheben. Was wir machten, sollte einen gewissen intellektuellen Anspruch haben. Damals waren wir allerdings von unserem jetzigen Stil sehr weit entfernt.

Wie lange hat die Produktion eures Albums „The Game“ gedauert?

Sandra: Aufgenommen und abgemischt haben wir „The Game“ in fünfundzwanzig Tagen, letztes Jahr im August. Wir hatten ein paar vertriebstechnische Probleme. Es hat einfach nicht sollen sein … das unser Album früher auf den Markt kommen konnte.

Christian: Mit Texten rechnen wir pro Album ein halbes Jahr.

Mit „The Game“ ist es DREAMS OF SANITY gelungen, ein Album zu produzieren, dass sich von der Allgemeinheit abhebt, und das ist gut so. Ich denke, dass wir in Zukunft noch einiges von ihnen hören werden.

Story: Gabi Peiter

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