BLIND GUARDIAN
Lange hatten BLIND GUARDIAN ihre Fans ja auf ein neues Album warten lassen. So lag doch die letzte Veröffentlichung fast 4 Jahre zurück. Aber schon im November letzten Jahres gab es mit der Maxi-Single ´And Then There Was Silence´ einen kleinen Vorgeschmack auf das neue Album, mit dem Hintergrund, die Fans ein wenig zu beruhigen, denn die Zeit der Enthaltsamkeit war doch sehr lang. Nach einer Listening-Session zum neuen Album konnte ich Drummer Thomen Stauch auch einige Fragen zum Album und anderen Themen stellen. Let´s Go!
Zuerst interessierte mich natürlich die lange Zeit zwischen den beiden Alben, die ja doch ziemlich beträchtlich war. Warum hat es denn so lange gedauert mit dem neuen Album?
– Da spielten viele Faktoren eine Rolle. Zuerst haben wir ja fast 1 ½ Jahre mit dem letzten Album getourt. Hinzu kommt dann noch, dass wir sehr lange für das Songwriting benötigen, weil wir einfach unheimlich komplex arbeiten. Die ganzen orchestralen Parts, die auf dem neuen Album vertreten sind, müssen ja im Einklang mit den Gitarren und dem restlichen Sound gebracht werden. Dafür haben wir eine geraume Zeit benötigt. Zusätzlich sind im privaten Bereich auch noch einige Sachen passiert, die einem dann auch wieder zurück geworfen haben. Um ein Album nach unseren Wünschen zu machen, haben wir auch noch kurz vor der Produktion unser eigenes Studio fertig gestellt. Als wir dann endlich fertig waren, um das neue Album aufzunehmen, mussten wir feststellen, dass unser Songwriting so komplex und kompliziert war, das wir es noch einmal überarbeiten mussten. Darüber sind auch noch einmal gut 2 Monate vergangen.
Die Songs kommen sehr bombastisch rüber und die Chorgesänge sind sehr gänsehauterregend und dominanter eingesetzt. War dies von Anfang an geplant?
– Dieses Bombastische ist ja eigentlich ein Markenzeichen von uns. Das die Chöre bombastischer eingesetzt wurden und die Aussage, dass die Chöre bombastischer wären, diese Meinung haben eigentlich wenige. Wir haben von vielen Seiten schon gehört, dass die geilen eingängigen Refrains gar nicht mehr vorhanden wären und alles viel seichter geworden wäre. Ich gebe den anderen auch irgendwie recht, aber es hat im eigentlich eine ganz andere Begründung, dass man es so empfindet. Durch das Einbringen der Komplexität und der Progressivität, die hauptsächlich vom Schlagzeug ausgeht, muss man bestimmte Sachen ganz anders anlegen, denn man hat nicht mehr den nötigen Freiraum die Songs melodisch anzulegen. Man ist wesentlich eingeschränkter in der Arbeit. Ich finde es prima, dass du es so empfindest.
Ich denke auch, dass jeder seinen Teil mit einbringt und mir kam es wirklich so vor beim ersten Anhören des neuen Materials. Vielleicht muss man sich auch erst einmal in die neuen Songs einhören. Da die Songs ja richtig komplex sind, hattet ihr da nicht die Probleme, mit der Platzierung der einzelnen Songs auf dem Album?
– Das war wirklich schwierig, denn die Fans kennen uns als Band, die einem ein gewohntes Hörvergnügen bietet. Es war schwieriger als je zuvor eine gute Zusammenstellung der Songs zu finden, denn wenn man die falsche Anordnung wählt, kann dies schnell zum Nachteil werden. Dann passiert nämlich das, die Leute sind einfach überfordert mit dem komplexen Material.
Zu dieser Auflockerung zählt mit Sicherheit der Song ´The Soulforged´, der die nötigen Hooklines besitzt.
– Vollkommen richtig und mit diesem Song konnten wir das Ganze auch wieder ein wenig auflockern.
Es gibt aber doch noch einige Songs auf dem Album, welche die Komplexität auflockern. Ich persönlich finde die Anordnung der Songs sehr gut ausgewählt und es wird einem zu keiner Zeit langweilig. Kommen wir doch zum Titel des neuen Albums. ´A Night At The Opera´ ist ja sehr außergewöhnlich. In welchem Bezug steht er zum Album?
– Das hat eine ganz bestimmte Begründung. Wir sind eine Band, die sehr fortschrittlich arbeitet, denn wir haben schon seit jeher versucht neue Elemente mit in unsere Musik einzubringen. Wir verbinden uns da ein wenig mit der Band QUEEN, die ja auch denselben Titel benutzt haben. Das heißt jetzt nicht, dass wir den Titel geklaut oder gecovert haben. Viel mehr identifizieren wir uns mit der Musik dieser Band. Noch ein Grund ist das Cover des Albums, den ein großer Konzertgraben in einer Oper zeigt. Wir haben uns zusätzlich mit Fantasy-Instrumente mit in das Cover einbringen lassen. Zu solch einem Cover passt der Titel wiederum optimal. Es ist zwar sehr gewagt und wir sind sicher, dass uns so einige Leute dafür zerreißen werden, aber wir stehen voll dahinter.
Das wird aber mit Sicherheit nur von den Journalisten bemängelt werden.
– Das sagt auch unser Gitarrist André, denn er ist der Meinung, dass wir dies nicht für die Journalisten macht, sondern für die Fans von BLIND GUARDIAN. Mir persönlich ist es auch egal, wie das Album heißt, aber er muss passen.
Und wie er passt, denn das Albumcover sieht wirklich gigantisch aus. Jetzt aber zu einem anderen Themna. In der letzten Zeit hat sich in der Metalszene sehr viel getan. Wie seht ihr eigentlich die Entwicklung des Metals?
– Ich habe da so einige Schwierigkeiten mit der Beantwortung dieser Frage, denn ich kann es nicht einschätzen wohin es geht. Da gibt es die unterschiedlichsten Meinungen. Die einen sagen, dass der Metal tot ist. Andere wiederum behaupten, dass der Metal kurz davor ist auszusterben und wieder andere sehen den Metal auf dem aufsteigenden Ast. Wichtig ist für den Bestand des Metals, dass die Bands hingehen und nicht den Metal der 80iger Jahre aufzuwärmen. Die Musiker sollten sich weiterentwickeln und ihre Stilistiken dazu einsetzen, etwas Innovatives zu kreieren. Man muss sich nicht wundern, wenn man keine Leistung bringt und Sounds hört, die man schon des Öfteren gehört hat, dass viele Leute sagen, der Metal ist tot. Ich möchte jetzt ohne überheblich zu klingen, dass wir eigentlich immer darauf bedacht waren neue Akzente zu finden und sie auch zu setzen.
Dem kann ich nur zustimmen, denn jedes Album von BLIND GUARDIAN war eine Weiterentwicklung, in musikalischer Hinsicht und sie sind immer ihren eigenen Weg gegangen.
– Das war ja auch unsere Devise, denn wir wollten einfach nicht auf demselben Level stehen bleiben und den Fans zeigen, dass immer noch mehr machbar ist. Ich glaube auch, dass die Verkaufszahlen dies auch bestätigt haben. Das soll jetzt aber nicht überheblich klingen.
Das ist auf keinen Fall überheblich, denn BLIND GUARDIAN sind die Vorreiter schlechthin für den orchestralen Metal und sie hat es nicht geschert, ob es ankommt oder nicht. Sie haben diesbezüglich ihren Weg gefunden und die Fans haben es honoriert.
– Das Problem ist auch bei vielen Bands, dass sie auf irgendeinem Zug aufspringen, der gerade angesagt ist. Warum feilen sie nicht an ihren eigenen Songs und versuchen Akzente zu setzen.
Ich persönlich bin auch der Meinung, dass der Metal nicht tot ist, sondern, dass er mehr tot geredet wird, weil man als Metalband überhaupt kein Forum, wie z.B. im Fernsehen hat.
– Das ist natürlich auch ein großes Problem, dass man als Metalband keine Möglichkeit hat, im Fernsehen oder Radio mehr Airplay zu erlangen.
Euer Pluspunkt ist zusätzlich noch eine große Schar an treuen Fans.
– Die Betonung liegt wirklich auf treu. Zudem sind unsere Fans sehr verständnisvoll. Dies habe ich bei anderen Bands schon ganz anders erfahren. Wenn wir unseren Fans irgendetwas zu den Songs erklären, zeigen sie sofort Verständnis obwohl sie sehr darüber nachdenken. Danach sind sie denn wieder ganz beruhigt. Sie sind auch alle superlieb und keine Chaoten. Es macht richtig Spaß mit diesen Fans zusammen bei den Konzerten Partys zu feiern. Darauf sind wir auch sehr stolz.
Das eure Fans so verständnisvoll sind mag wohl auch daran liegen, dass sie nicht mit Scheuklappen herum laufen und ebenfalls sehr offen für Musik sind.
– Da kann ich dir nur voll zustimmen, weil sie unsere Schritte mitmachen. Ich glaube auch, dass dies der Grund dafür ist, dass sie so treu sind. Sie schätzen unsere Arbeitsweise und honorieren, dass wir keinen Ausverkauf in Sachen Musik machen.
Genau das wird jetzt wieder belohnt, denn schon im Mai sind BLIND GUARDIAN wieder auf Tour. Dann können ihre Fans beweisen, dass sie wirklich zu den Treuesten in der Szene gehören. Wer noch mehr Infos zur Band benötigt, soll sich doch einfach mal die Homepage anschauen. Erreichen könnt ihr sie unter:
Story: Gisela
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