DEMON DRIVE
Anfang der neunziger Jahre nannten sie sich Casanova. Aber es lief nicht alles so glatt, wie sich die Mannen von ehemals Casanova vorgestellt und gewünscht hatten. 1994 lagen sie irgendwie auf Eis, aber so schnell gaben sie nicht auf. Sie gründeten sich neu und nannten sich fortan DEMON DRIVE. Auch hier lief anfangs nicht alles so glatt, aber sie bissen sich durch. Die aktuelle Besetzung von DEMON DRIVE ist: Michael Voss (vocals und guitars), Angel G. Schleifer (lead guitars), Jochen Mayer (bass) und Frankie Kraus (drums). Jetzt haben sie ihr zweites Album fertiggestellt “ Heroes“. Mit Michael ergab sich die Möglichkeit über die neue Scheibe zu plaudern.
Euer erster Name war Casanova und euer jetziger Bandname ist DEMON DRIVE. Wie ist das zu verstehen?
– Eigentlich stimmt das nicht, denn es hat an sich mit Casanova nichts zu tun. Es ist zwar eine Fortsetzung, aber die Besetzung von DEMON DRIVE ist eigentlich die, die 1995 auch das erste Album eingespielt hat. Es ist ein wenig konfus gelaufen – mit dieser Konstellation Casanova, das hin und her – dieses ganze Thema mit Casanova wird jetzt als DEMON DRIVE weiterlaufen.
Inwiefern hat sich die Formation geändert?
– Casanova hat sich umorientiert, d.h. ich habe mit Jochen Meyer, der auch bei Casanova gespielt hat, Angel und Frankie die Band DEMON DRIVE ins Leben gerufen. Es hat mit Casanova im eigentlichen Sinne nichts zu tun, außer dass ich das Sprachrohr zu Casanova bin. Aufgrund der CD-Veröffentlichungen der Gruppe Casanova des letzten Jahres im Ausland wurde auch hierzulande der Wunsch geäußert, das Album auf den Markt zu bringen. Das allerdings wollte ein Teil der ehemaligen Band Casanova nicht. Daher habe ich nach einer Möglichkeit gesucht dieses Werk, wenn auch umgestaltet, hier in Deutschland zu veröffentlichen. Da dies nicht so einfach war und so einige Gesetze eingehalten werden mussten, haben wir alte Songs neu gestaltet und zusätzlich neue Songs mit eingespielt.
Der Name DEMON DRIVE – wie seid ihr darauf gekommen?
– Das war eigentlich einfach. Unser Gitarrist Angel ist ein leidenschaftlicher Autofahrer. Und er fährt wie eine „gesenkte Sau“. Früher hatte er mal einen ganz alten Ford Capri – mit um die 180 PS – und mit dem hat er damals halb Südbayern unsicher gemacht. Wir hatten die Vorstellung, dass die Musik die wir machen wollten etwas mit Geschwindigkeit zu tun haben sollte. Und die Intention von uns war: Wenn jemand wie eine „gesenkte Sau“ fährt, dann ist das eigentlich „Demon drive“. Und so hatten wir unseren Namen. Hast du das Logo auf dem Cover schon gesehen, das der Sebastian Kozak gemacht hat?
Das ist mir direkt aufgefallen. Es ist einprägsam.
– Das finde ich klasse. Hat er super gemacht, das allerfeinste. Bin ich ganz stolz drauf.
Das Cover hat seinen Reiz. Euer Thema ist gut zu erkennen.
– Ja, der Meinung bin ich auch. Vielleicht ist auf unserem nächsten Cover ein Rennwagen drauf …
Ich finde die Farben sehr stimmig.
– Das sehe ich auch so. Das haben mir auch schon viele gesagt. Die Farbkontraste fallen sehr positiv auf.
Wie seid ihr auf die Farbzusammenstellung gekommen?
– Sebastian, wohnt in Manchester und hat auch schon einige Preise bekommen. Wir haben ihm unseren Albumnamen „Heroes“ gegeben und sagten zu ihm er solle sich doch mal etwas dazu einfallen lassen. Dementsprechend hat er sich dieses Cover ausgedacht und auch das Logo kreiert. Gut, wir hatten einige Kleinigkeiten verändert, aber ansonsten war das eine tolle Arbeit. Über den kleinen Menschen neben der Säule haben wir kurz diskutiert aber er hat mich dann überzeugen können, dass der Mensch wichtig sei. Und deshalb ist er auch auf dem Cover geblieben.
Wer macht die Musik und wer ist zuständig für die Texte?
– Wenn ich mich jetzt nicht ganz täusche, dann sind die meisten Texte sind von mir. Bei uns ist es so, das für die Kompositionen hauptsächlich Angel und ich verantwortlich sind. Das ist erst einmal primär so. Bei der letzten DEMON DRIVE war es so, das alles Halbe-Halbe war, jeder zu 50%. Bei diesem Album ergab es sich, aufgrund der Querelen mit Casanova, dass ich für den Löwenanteil der Songs verantwortlich war. Das wird sich sicherlich bei der nächsten Scheibe ändern.
Ihr habt euer Album selbst produziert?
– Ja, wir haben eine sogenannte Produktionsschmiede – die modernste Technik – und haben zum Glück alles in unseren vier Wänden aufnehmen können. Es war eine spannende Sache.
Wie lange hat die Produktion eures Albums gedauert?
– Das war so: Wir hatten die Möglichkeit jetzt im September zu veröffentlichen. Allerdings hatten wir nur vier Wochen Zeit das Album fertig zu stellen. Du kannst dir also vorstellen, was das für uns hieß. Normalerweise brauche ich für einen Mix anderthalb Tage. In zweieinhalb Wochen hätten wir mit allen Einspielungen fertig sein müssen.
Aber ihr hattet schon Material mit dem ihr arbeiten konntet?
– Ja, natürlich. Auf unserem Album sind Songs, die wir neu umgesetzt haben. Ich habe die Jungs zusammen getrommelt. Wir hatten sozusagen nur unsere Hausaufgaben zu machen. Aber es hat uns viel Spaß gemacht. Es waren auch einige Nachtschichten dabei und zufällig ist auch ein Song mit Jean Beauvoir kreiert worden. „All That Matters“ ist aus dem Nichts entstanden und gleichzeitig ist dieses Stück auch mein Singlekandidat.
Außerdem war als Gastmusiker auch Ralph Heyne mit dabei.
– Ja … Ralph Heyne ist ein sogenannter Local Hero aus der Münsteraner Musikszene und hat früher auch bei Mad Max gespielt. Er war halt in dieser Zeit im Studio und hatte Lust zu spielen.
Wie arbeitet ihr an neuen Songs ?
– Wenn ich im Studio bin, dann habe ich auf alles Zugriff – ich habe einen Rhythmus, ich habe die Gitarren und gleichzeitig ein Playback und ich muss eine Melodie haben. Es fehlt dann für mich die Chorus Line und hier versuche ich dann die gewisse Stimmung zu erzeugen.
Geht ihr an eure Musik spontan ran oder habt ihr sie im Vorfeld festgelegt?
– Angel und ich gehen ins Studio und tüfteln die Idee aus. Dann nehmen wir eine Gitarre und spielen herum bis unsere Idee den gewissen Klang hat. Wir versuchen dabei auch eine Strophe und den Refrain festzulegen. Dann geht es eigentlich schon ans Aufnehmen.
Interessant sind auch die Reibungen, die zwischen der Musik und deiner Stimme auftreten. Dadurch wird eine gewisse Stimmung erzeugt. Wie siehst du das?
– Die Musik ist ja immer so eine Gradwanderung. Mir wird des Öfteren nachgesagt, dass die Songs schmalzig beginnen und dann im letzten Moment umkippen. Ich habe nun mal eine weichere, höhere Stimme und ich kann natürlich auch nicht alles singen. Ich muss versuchen die Stärken meiner Stimme hervorzuheben und deshalb ist das vielleicht auch so – die Melancholie oder dieses breite Legato in den Strophen. Das ruft dann vielleicht so eine gewisse Sehnsucht hervor.
Das Album „Heroes“ enthält auch einen Prolog und einen Epilog. Beides ist mit entfremdeter Stimme gesprochen. Warum?
– Jürgen Drewer hat die Texte dazu geschrieben, denn die ersten drei Songs unseres Albums waren eigentlich für ein Konzeptalbum bestimmt. Wir hatten damit angefangen aber dann fiel uns auf, dass die Stücke eigentlich so gut waren, dass sie mit auf die CD sollten. Wir haben sie in der Reihenfolge eingespielt wie wir sie geschrieben haben und sie als Chapter I; II; III bezeichnet. Wir wollten an sich eine Story über die Geschichte „Time Machine“ produzieren.
Und besteht der Wunsch noch, ein Konzeptalbum zu produzieren?
– Ich finde es interessant. Ob das für unsere Musik geeignet ist – obwohl ein kleines Konzeptalbum ist es ja schon. Aber es ist interessant eine Geschichte umzusetzen.
Was mich überrascht hat: Nach dem Epilog ist noch ein Song – fast dreieinhalb Minuten später. War das Zufall?
– Das war Absicht, ein sogenannter versteckter Song.
Hoffentlich ist dieser Song nicht „zu versteckt“!
– Ich denke nicht. Das Stück ist aus dem Jahr 1993 und ist wunderschön. Das hat der Songwriter Daniel O’Brian aus Los Angeles geschrieben. Wir haben das Lied damals angeboten bekommen und haben ihn aufgenommen, natürlich mit dem Hintergedanken, es auch irgendwann zu veröffentlichen.
DEMON DRIVE wird ein neues Album planen. Super wäre allerdings auch, wenn sie irgendwann in naher Zukunft auf Tour gehen würden.
Gabi Peiter
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