News Ticker

BRING ME THE HORIZON – München Tonhalle

BRING ME THE HORIZON – zelebrieren Tourauftakt in der ausverkauften Münchner Tonhalle!

Welche Band kann schon von sich behaupten, dass nahezu alle Termine ihrer aktuellen Tour binnen kürzester Zeit ausverkauft waren. Über diese Tatsache dürfen sich BRING ME THE HORIZON aus Großbritannien freuen, die derzeit auf ausgedehnte Welttournee ihr neues Album „That’s The Spirit“ promoten, dass in Deutschland Platz #5 der Albumcharts belegte. Der Auftakt zu den Konzerten hierzulande fand am 2. November in der Münchner Tonhalle statt, die dementsprechend ebenso ausverkauft war. Rund eine Stunde vor Einlass erreichte ich die Location, deren Vorplatz sich bereits gut gefüllt mit sehnsüchtig wartenden Fans zeigte. Um 18.50 Uhr wurde einem dann Einlass gewährt, höchste Zeit, um den Platz vor der Venue nicht komplett mit Fans zu fluten, die nun immer mehr nachströmten.

 

Nach und nach fanden sich alle in der Halle ein, viele gaben noch ihre Jacke ab und positionierten sich dann für das Konzert. Ein wenig erschreckend fand ich den arg jungen Altersdurchschnitt. Sicherlich waren sehr viele Jugendlich noch weit unter 18 Jahren und schlichtweg Fan von dem neuesten BMTH-Werk, welches sich einer anderen Musikrichtung zuwendet, als die vorhergegangenen Werke. Dass die Band allerdings früher einem ganz anderen Stil angehörte, sollten die jungen Fans bereits bei der ersten Vorband erfahren.

 

Um Punkt 20 Uhr gingen die Lichter aus und die Musiker von BEARTOOTH betraten die Bühne. Die US-Hardcore Band, die noch eine recht kurze Historie vorweisen hat, wurde mit ihrem 2014er Album „Disgusting“ bereits über die Szenegrenzen hinaus bekannt und legte hier mit dem Opener „The Lines“ gleich mächtig los. Ein Gitarrengewitter, ein wunderbares Inferno aus Hardcore und Metalcore ergoss sich über die Zuschauer. Zugegeben, ich hatte mich persönlich fast mehr auf BEARTOOTH als auf BRING ME THE HORIZON gefreut und das zu Recht, denn die Durchstarter wussten genau, wie sie das Publikum in ihren Bann ziehen können. Während der Moshpit fröhlich tobte, in den auch ich nach einiger Zeit geriet, zeigten sich die jüngsten Fans doch etwas entsetzt über die harte Musik.

Beartooth-by-Peter-Seidel-Metalspotter-09

Dabei hatten sie ordentlich zu kämpfen, um ihre Position in der Halle nicht zu verlieren. Sänger und Frontmann Caleb Shomo motivierte das Publikum immer wieder zum Mitklatschen, Headbangen, Moshen oder auch zum Mitsingen, wie beim wohl größten Hit der Band „In Between“. Die Musiker, die im Oktober Slipknot auf ihrer „The Last Stand“-Tour begleiten durften, spielten mit größter Freude ihre Hits und versprühten massive Energie, die vom Publikum aufgesogen wurde. Neben dem bekannten „I Have A Problem“ verabschiedeten sich die Herren nach rund 30 Minuten mit dem Song „Body Bag“, der noch einmal massiv zum Abgehen einlud. Was für eine Wahnsinns-Performance! Die Stimmung kochte und die Menge war mehr als vorgeheizt, doch leider sollte sich das schnell ändern.

Setlist: 

The Lines

Relapsing

Dead

In Between

Beaten in Lips

Body Bag

 

Nach einer Umbaupause wurde es um 20:50 Uhr erneut dunkel in der Halle und die Newcomer von PVRIS, ebenfalls aus den Vereinigten Staaten, betraten die Bühne mit dem Song „White Noise“, aus ihrem gleichnamigen Debütalbum. Als sich die ersten Töne jedoch durch die Boxen drückten, war bereits klar, dass dies was nun folgen sollte eigentlich so überhaupt nicht in das Rahmenprogramm des Abends passen würde. Ein wilder Mix aus Elektro-Pop mit leichten Psychedelic-Einschlägen und gelegentlichen Rock-Elementen, die aber definitiv zu kurz kamen. Einzig und allein der zweite Song „Fire“ konnte die Menge etwas zum Brodeln bringen, ansonsten blieb es beim Mitklatschen und Mitschunkeln.

Pvris-by-Peter-Seidel-Metalspotter-07

Ohne Frage – die musikalische Performance von PVRIS war gut und vom Sound her absolut mit der CD gleichzusetzen. Einige Hardcore-Fans der Band waren auch mehr als glücklich, ihre Idole endlich live zu sehen. Im gesamten waren sie aber als Support einfach unpassend für den Abend gewählt und vor allem hier an zweiter Stelle. Da hätte man definitiv mit BEARTOOTH tauschen sollen. So blieb der Auftritt letztendlich eher von der guten Performance, als von der ziemlich uninteressanten Musik in Erinnerung. Mit „My House“ wurde es dann abschließend noch mal ein wenig rockiger, bevor die Musiker, die sich den ganzen Auftritt recht wortkarg zeigten verschwanden, dies ohne richtige Verabschiedung.

Setlist: 

White Noise

Fire

Mirrors

Let Them In

Holy

St. Patrick

My House

 

Die nachfolgende Umbaupause sollte sich etwas langwieriger gestalten. Riesige Lichteffekte, die sich später als eindrucksvolle LED-Lightshow zeigten, mussten montiert und die ganze Bühne umgebaut werden. Um exakt 21:52 Uhr wurde es aber dann schlagartig und ohne Vorwarnung dunkel und das Gekreische begann – und das ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen, auch wenn anfangs noch etwas verhaltener. Als die Mitglieder von BRING ME THE HORIZON dann aber die Bühne betraten, gab es kein Halten mehr. Spätestens mit dem Erscheinen von Frontmann Oliver Sykes, der meist einfach nur Oli genannt wird, eskalierte die Lautstärke und vor allem die jüngeren Fans kamen überschwänglich zu Wort. Der Opener „Doomed“, vom neuesten Album „That’s The Spirit“, war meiner Meinung nach etwas falsch gewählt. Das Lied besitzt für einen Eröffnungssong zu wenig Kraft, um sofort für Stimmung zu sorgen. Dennoch, dem laut mitsingenden Publikum gefiel es augenscheinlich sehr. Bedauerlicherweise hat Sänger Oli bei diesem und beim nachfolgenden „Happy Song“, das sich als geheimer richtiger Opener herausstellen sollte, sehr stark mit Playback-Spuren gearbeitet, so dass teilweise ganze Hooks und Verse im Hintergrund vom Band liefen, während der Sänger in das Mikrofon begrüßende oder zum Mitmachen animierende Worte sprach. Ein ganz großer Kritikpunkt des Abends, denn Playback vor allem im Metal-Bereich ist eine absolute Schande für Live-Musik.

BMTH-by-Peter-Seidel-Metalspotter-11

Trotz allem wirkte das Bühnenbild mit dem großen Leuchtpanel im Hintergrund, der restlichen Lichtshow und den CO2-Fontänen die mehrfach zum Einsatz kamen, sehr eindrucksvoll. Das Hauptaugenmerk der Setlist lag im Wesentlichen auf dem 2013er Werk „Sempiternal“ und natürlich ihrem neuesten Manifest. So gab es von den älteren Songs nur zwei Stücke, wie das 2008 entstandene „Chelsea Smile“, das nicht wie bei der Aufnahme variiert guttural dargeboten sondern fast rein clean gesungen wurde, was mich anfangs tatsächlich stark schockiert hat. Rein instrumental ist aber alles gleich geblieben und es rummste immer noch ordentlich. Man merkte durch eben solche Aktionen aber auch, dass die Band die alten Songs einfach an ihren neuen Stil angepasst hat. Das ist konsequent und hat dem Konzert auch einen schöneren Rahmen gegeben, auch wenn es sicherlich einige ältere Fans schockiert hat.

BMTH-by-Peter-Seidel-Metalspotter-14

Neben den größten Hits wie „Shadow Moses“, „Sleepwalking“ und „Can You Feel My Heart“ gab es natürlich auch vom neuen Album ein paar Nummern mehr, so wie die erste offizielle Single „Throne“, die von einem überragend lautstarken Chor mitgesungen wurde, ebenso wie auch das umjubelte „True Friends“. Das Publikum gab sich von Anfang bis zum Ende durchgehend textsicher und vor allem bewegungsfreudig. Viele Leute (vor allem Jugendliche) kamen aus dem Innenbereich aufgrund der Moshpits heraus – München bleibt eben tanzfreudig und man sah das Konzert hier weiterhin als Metalcore-Event an. Nach dem vorerst letzten Song „Antivist“ kam die Band nach langen „One More Song“-Rufen wieder herein und bot mit „Blessed With A Curse“ und „Drown“, welche von viel Nebel und noch mehr schwarzen Papierschnipseln umgarnt wurden, den finalen Abschluss ihrer Show. So endete das Set nach gerade mal etwas über 60 Minuten, was einfach immens kurz für eine Headliner-Show ist und zusammen mit den Playback-Einspielungen nicht den erhobenen Ticketpreis rechtfertigt. Hier hätte man wohl nicht zu Unrecht wesentlich mehr erwarten dürfen.

Setlist: 

Doomed

Happy Song

Go To Hell For Heavens Sake

The House Of Wolves

Chelsea Smile

Can You Feel My Heart

Shadow Moses

Throne

Sleepwalking

True Friends

Antivist – Encore: Blessed With A Curse

Drown

 

Fazit: BRING ME THE HORIZON haben sich verändert und passen ihre Konzerte dem neuen Stil an – was zu gespalteten Meinungen bei den Fans führt. Während die Vorband BEARTOOTH mit ihrem überragenden Auftritt das Publikum ins Schwitzen brachte, hinterließen PVRIS meist nur verdutzte Gesichter. Sie lieferten zwar einen soliden, aber musikalisch dermaßen unpassenden Auftritt ab, dass die Stimmung sich schnell wieder senkte. Bei BRING ME THE HORIZON feierte dann aber die ganze Menge die Mitsing-Hymnen ab und ebenso überzeugten das Bühnenbild und die Lichtshow, auch wenn gerade das LED-Panel im Hintergrund für die Fotografen der reinste Horror war. Leider ist mit dem Einsatz von Gesangsplayback und der verdammt kurzen Headliner-Spielzeit einfach das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht fair gewesen, da der Auftritt nur minimal länger als bei einem Festival-Gig war. So bleibt ein schöner Konzertabend, der sicherlich in Erinnerung bleiben wird, aber doch auch einen faden Beigeschmack hinterlässt.

Story by: Ludwig Stadler
Pictures by: Peter Seidel

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*