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CORVUS CORAX

Mit der Vertonung der „Carmina Burana“ ist der Band CORVUS CORAX ein wahres Meisterwerk gelungen. Die schwierige Umsetzung einer Live-Aufführung bestanden sie im letzten Jahr auf der Berliner Museumsinsel mit Bravour. Zu den beiden Aufführungen konnten sie Besucher der unterschiedlichsten musikalischen Geschmäcker als Gast begrüßen. Die Besucher sahen eine imposante Inszenierung durch Orchester, zwei Chören und  CORVUS CORAX. Insgesamt wurde die „Cantus Buranus“ von 180 Musikern gekonnt in Szene gesetzt und als Dank ernteten sie „Standing Ovations“. Dieses Spektakel gibt es nun endlich auch auf DVD. Um ein wenig mehr Information zu bekommen, unterhielt ich mich mit Harmann der Drescher.

Die Aufführung auf der Museumsinsel im letzten Jahr war schon gigantisch. Wie kam es dazu, dass ihr gerade dort die Aufführung durchgeführt habt?

– Es fängt damit an, dass wir alle dem Größenwahn verfallen sind, der uns wohl schon in die Wiege gelegt worden ist. Da wir ja selber die Veranstalter waren, haben wir uns in Berlin mal umgeschaut, wo wir denn einen solchen Event veranstalten könnten. Wir wollten es auch unbedingt hier in Berlin aufführen. Die Museumsinsel mit der Nationalgalerie fiel uns sofort auf. Wir bekamen dann auch ziemlich schnell mit „German Arts“ Kontakt und nachdem wir es den Leuten der Museumsinsel vorgespielt hatten, waren die total begeistert von der Idee. So war der Platz schon mal für uns reserviert.

Aber es war doch ein großes Wagnis.

– Das allerdings und obwohl August in Berlin immer ein schöner Monat ist, kann es doch dazu kommen, dass es Regen gibt und die Sache ziemlich schnell ins Wasser fällt. Das war ja auch kurz vor der Aufführung so gewesen und am Abend der zweiten Aufführung fing es nach Beendigung auch an zu regnen. Wir hatten also riesiges Glück gehabt. Wir hatten sicher gute Freunde oben, die sich darum gekümmert haben, dass es nicht regnet.

Wenn man sich das Konzert anschaut wird einem bewusst, dass nicht nur Fans um die 20 auf dem Konzert waren, sondern auch Besucher von 50 aufwärts, eben die richtigen Klassikfans.

– Bei unseren Konzerten, die wir im Sommer in den Schlössern spielen, sind auch die unterschiedlichsten Leute vertreten. Da kommen komplette Familien von den Großeltern bis zu den Enkeln zu den Konzerten. Auf diesen Mittelalter-Spektakeln kommen ja auch Besucher, die jetzt nicht gerade auf ein Konzert kommen würden. Sie interessiert eben nur das Event.

Jetzt aber wieder zurück zur DVD. 180 Musiker auf der Bühne verursachte bei mir eine pure Gänsehaut. War dies bei euch auch der Fall?

– Auf jeden Fall, denn es war schon ein großes Erlebnis. Ein noch verrückteres Erlebnis hatten wir aber beim Wacken Open Air, denn soweit man schauen konnte, sah man nur Menschen. Das war ja auch die Ur-Aufführung der „Cantus Buranus“ und da waren wir total aufgeregt. Dann in Berlin, wo wir alles in Eigenregie geregelt haben, standen wir dann auf der Bühne und es hat alles funktioniert. Das war schon ein Erlebnis der besonderen Art.

Auf der DVD ist auch sehr gut erklärt, wie ihr dies alles so geschafft habt. Unter anderem habt ihr die Aufgaben sehr gut verteilt. Ging durch diese Arbeitsteilung alles leichter von der Hand?

– Da stellt sich sofort die Frage, wie viel Zeit hat man im Leben. Wir haben zuerst einmal angefangen die Songs zu schreiben und danach haben wir die weiteren Arbeiten aufgeteilt. Wenn jeder alles macht, dann kann man sich nicht richtig auf die Sache konzentrieren. Besser ist es dann, wenn jeder das macht, was er am besten kann. Meistens benötigt man für die einzelnen Gebiete einen fundierten Sachverstand und dadurch liegt es natürlich auf der Hand so vorzugehen. Man spart mit dieser Arbeitsweise sehr viel Zeit und die ist uns sehr kostbar.

Normalerweise sind die Orchester nicht so sehr für neue Wege in der Musik offen. Dies war aber beim Philharmonischen Orchester der Stadt Cottbus nicht der Fall. Dirigent Jörg Iwer war ja richtig von der Sache angetan.

– Jörg Iwer ist in der Klassikbranche jemand, der sehr für neue Sachen zu begeistern ist. Er schaut immer nach neuen Sachen. Es gibt natürlich auch solche, die für neue Richtungen nicht offen sind. Ich war vor kurzem noch in der Philharmonie und habe mir ein Konzert angehört, aber es hört sich immer alles gleich an. Es muss einfach mal was Neues ausgetestet werden und vielleicht die ausgetretenen Pfade ein wenig verlassen. Es gibt aber in diesem Bereich schon die Bereitschaft für Veränderung, aber man muss offen sein. Das dauert mir aber alles viel zu lang, denn in anderen Ländern ist man auf diesem Gebiet schon viel weiter. Das ist auch vielleicht ein rein deutsches Problem, denn hier läuft die Klassik immer noch unter ernster Unterhaltungsmusik und genau das gibt es in anderen Ländern nicht mehr, denn dort ist Musik eben Musik und der Graben entsteht erst gar nicht.

Das ist bei uns eben das Denken in Schubladen, denn jede Richtung benötigt eine neue Bezeichnung.

– Genau und das sollte man sich abgewöhnen, denn durch Offenheit würde man sehr viel mehr Menschen für die Musik begeistern können. Wir sind es ja zum Glück und deswegen haben wir auch die unterschiedlichsten Fans.

Neben dem 84-minütigem Konzert gibt es auch noch eine 25-minütige Dokumentation über die Vorbereitungen zum Konzert. Dort wird auch sehr intensiv auf die Instrumente eingegangen. War es euch wichtig, dass die Leute einen Einblick in diesen beeich bekommen?

– Wir sind keine Geheimniskrämer, denn wir wollen den Leuten schon erklären, wie man früher Musik gemacht hat. Dazu muss man schon auch die Instrumente erklären und deswegen vermitteln wir unser Wissen. Die meisten Leute haben ja ihr Wissen nur aus Filmen und da was dort vermittelt wird ist totaler Unsinn. Das versuchen wir auf unsere Weise rüber zu bringen.

Worum geht es eigentlich genau in der „Carmina Burana“?

– Es ist kein Buch, wo eine Geschichte erzählt wir, denn es gibt keinen Zusammenhang. Es ist mehr eine Compilation aus dem Mittelalter. Man weiß noch nicht einmal genau, wo die Texte gefunden wurden. Man sagt zwar, dass sie in Benediktbeuren gefunden wurde, aber sie sind nicht dort geschrieben worden, sondern sie sind über Umwege dort gelandet. Es war sehr wahrscheinlich so, dass Mönche sich die fahrenden Spielleute geschnappt haben und die Texte der Spielleute wurden dann nieder geschrieben. So ergab es sich, dass Hinz und Kunz bei den Mönchen vorbeikamen und die Mönche haben dies dann alles niedergeschrieben. Sie haben zwar auch ihren Part, den Geistlichen zugefügt, aber der Großteil ist eben von diesen Spielleuten beigetragen worden. Es gibt natürlich auch Texte, wie sie heute noch in den Kneipen erzählt werden, die sich um das Verspotten der Obrigkeit, der Liebe und Sex drehen. Im Grunde ist es keine Musik, die gefunden wurde, sondern nur die Texte.

Habt ihr noch einige Aufführungen für dieses Jahr geplant?

– Es sind noch einige Aufführungen geplant, aber nicht mehr so viele. Es ist immer ein großer Aufwand ein solches Konzert auf die Beine zu stellen. Trotzdem wird es im nächsten Jahr wieder neue Konzerte geben.

Darauf freuen wir uns schon jetzt, denn diese Konzerte sind wirklich etwas Einzigartiges, was man sich nicht entgehen lassen sollte. Dafür gibt es ja auch diese DVD, auf der man sich das Gänsehautfeeling nach Hause holen kann.

www.corvuscorax.de

www.cantus-buranus.de

Story: Gisela

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