DEMON DRIVE
DEMON DRIVE eine Institution im deutschen Rock-Bereich hat sich aufgelöst. Diese Nachricht löste bei mir Bestürzung aus, denn ich konnte nicht verstehen, wie sich eine solch gute Band einfach auflösen kann. Diesen Grund wollte ich herausfinden und sprach mit Bassist Jochen Maier über die Auflösung von DEMON DRIVE.
Das war wirklich eine schlechte Nachricht, denn eigentlich habe ich gedacht, dass DEMON DRIVE doch noch auf Tour kommen würden. Warum habt ihr euch denn zu diesem Schritt entschieden?
– Man kann schlichtweg sagen, Frustration. Du weißt ja, dass ich nach der „Rock´n Roll Star“ gesagt habe, dass DEMON DRIVE ein Aufbauthema ist. Aufbauthema heißt jetzt aber nicht nur, dass die Arbeit mehr wird, sondern es sollte auch mehr herauskommen. „Four Play“ ist wirklich ein tolles Album und wenn ich dir jetzt sage, dass wir bis Mitte Juli sagen und schreibe nur 900 Stück verkauft haben, kann man dies wohl sehr gut nachvollziehen. Man muss auch bedenken, dass wir für die Platten „Heros“ und „Rock´n Roll Star“ auch schon kein Geld bekommen haben, dachten wir eigentlich, dass wir es mit der neuen Scheibe vielleicht wieder ein wenig herausholen könnten. Das war aber nicht der Fall. Wir haben sogar bewusst die Plattenfirma gewechselt und sind uns eigentlich keiner Fehler bewusst, denn die Promotion lief wirklich ausgezeichnet. Es gab Songs auf Magazin-CD´s, es gab viele Anzeigen, Verlosungsanzeigen und noch einiges mehr. Wenn man dann die Verkaufszahlen sieht, geht es einfach nicht mehr und man muss handeln.
Die Motivation geht ja auch immer mehr den Bach herunter.
– Motivation hätte man sich vielleicht wieder holen können, aber wenn man sieht, was alles gemacht wurde, bekommt man irgendwie dieses „Perlen vor die Säue“-Gefühl. Es ist schon ärgerlich, wenn man so viel Arbeit in die Songs steckt und immer darauf bedacht ist, auch wirklich nur gute Stücke abzuliefern und am Ende interessiert es wirklich keinem. Es ist nicht so, dass man viel verkauft hätte und die Leute gesagt haben, dass es eine schlechte Platte ist, nein sie haben sie einfach ignoriert.
Denkst du vielleicht, dass es zu viele Veröffentlichungen gibt, denn wenn ich sehe, was jede Woche so auf die Menschheit losgelassen wird, wird mir richtig angst und bange.
– Auf jeden Fall. Nimm nur Z-Rock und Frontiers, die veröffentlichen wöchentlich so viele Platten, dass einem richtig schlecht wird. Aber auch die Bands auf diesen Labels verkaufen nicht wirklich viel. Es ist nur schade, dass wir mit den Faktoren Band, Kontinuität, Qualität und Mainstream-Rocksongs kein breites Publikum mehr erreichen.
Das ist ja genau das, was ich nicht so ganz verstehe, denn es gibt doch genügend Leute, die sich für solche Musik interessieren.
– Ich kann wirklich nicht sagen, woran es genau liegt. Ich denke schon manches Mal daran, ob vielleicht der Name negativ behaftet ist und wir haben uns mit der „Rock´n Roll Star“ mehr kaputt gemacht, aber das ist jetzt müßig darüber weiter zu reden. Deswegen haben wir auch beschlossen, einfach aufzuhören. Wir sind alle treue Seelen und alle Bandmitglieder haben während der Zeit keine andere Band nebenher gehabt, wie du es in der heutigen Zeit ja öfter findest. Das war einfach nicht unser Ding, denn für uns hatte DEMON DRIVE Vorrang und keiner wollte etwas anderes machen.
Aber es ist ja ganz stark in Mode gekommen, dass Musiker auf mehreren Hochzeiten tanzen. Ich finde es auch nicht gut, wenn so viele Side-Projects am Start sind, denn in der heutigen Zeit, wo das Geld auch nicht mehr so locker in der Tasche sitz, kommt es mir schon wie ein Ausverkauf vor.
– Das ist vollkommen richtig, wie z.B. IRON MAIDEn, die ihren damaligen Gitarristen wieder zur Band geholt haben. Damit fängt man wieder die Leute ein, die zurzeit von „Number Of The Beast“ Fan der Band waren. Mir tut es jetzt nur unendlich leid um die ganze Arbeit, die wir in die Band investiert haben. Der Schritt zum Split ist mir persönlich jetzt aber nicht so schwer gefallen, denn wir haben uns gesagt, dass es sowieso keinen mehr interessiert. Im Nachhinein gibt es auch noch eine Sache, welche ich jetzt im Laufe der nächsten Zeit noch richtig stellen werde. Es wurde uns nachgesagt, dass der Split mit einer eventuellen CASANOVA-Reunion zusammenhängt. Wir haben uns zwar in Köln getroffen, aber nur um einiges zu bereinigen und nicht irgendwelche Zukunftspläne zu schmieden. Diesbezüglich habe ich sehr viele Mails bekommen, weil die Leute einfach denken, dass wir jetzt DEMON DRIVE auflösen mussten, um mit CASANOVA weiter zu machen.
Der Schuss würde ja auch wieder nach hinten losgehen.
– Richtig, denn es wäre genau das gleiche, denn CASANOVA würde dieselbe Musik machen wie DEMON DRIVE. Aus diesem Grunde lassen wir diese Legende ruhen und die Sache ist gegessen.
Was denkst du eigentlich woran das eigentlich liegt, dass die Szene so langsam ausstirbt. Vielleicht an der Industrie?
– Ja, denn ich denke es gibt wie gesagt zu viele unnötige Veröffentlichungen. Es gibt zu viele alte Aufnahmen, welche irgendjemand im Keller ausgegraben hat. Zudem gibt es auch noch Re-Releases und zu viele mehr oder weniger durchschnittliche Platten, welche aber alle Review-Platz in den Zeitungen beanspruchen. Das hat wieder zur Folge, dass jeder Konsument glaubt, er verpasse das nächste große Ding. Wenn man den Reviews glauben sollte, müsste man sich alleine auf dem Melodic-Sektor jede Woche 5 oder 6 neue CD´s kaufen.
Und das bei dem heutigen CD-Preiskurs ist das ja nicht mehr tragbar. Die Leute sind ja froh, wenn sie sich ein oder zwei neue CD´s im Monat kaufen können.
– Es gibt ja auch noch eine andere Sache, denn viele professionell angelegte Webmagazine bekommen ja richtig Ärger, wenn sie eine Platte verreißen. Irgendwie müssen sie ja auch leben, aber sie machen mit ihren Reviews richtig Meinung und die Leute kaufen sich dann auch die Platten. Das ist für mich nicht gerecht, denn sie machen kreativen Bands das Leben so schwer, dass sie sich im Endeffekt auflösen müssen. Es gibt aber auch Webmagazine wie das griechische Magazin www.metalabyss.com, wo wirklich noch viel Liebe hinter steckt und wo sich der Herausgeber auch noch viele Platten selber kauft und sie über Import erhält. Solche Seiten mag ich persönlich sehr gerne, weil sie ehrlich sind und nicht von der Industrie beeinflusst werden.
Deswegen bin ich auch froh darüber, dass ich unabhängig bin. Bei mir kommt auch keine Werbung auf der Seite. Ich möchte das machen, wozu ich Lust habe.
– Das ist auch gut so. Es gibt aber auch Magazine, wie das Rock Hard, was ja eigentlich ein Selbstläufer ist. Aber in einem solchen Magazin bekommst du nur ein Interview, wenn du im Soundcheck gut abgeschnitten hast.
Ihr habt euch ja in Freundschaft getrennt. Wie sehen denn die weiteren Wege von euch aus?
– Wir haben uns nicht getrennt, sondern die Band einfach aufgelöst. Ich telefoniere auch noch täglich mit Michael Voss und er wird jetzt erst einmal auf die neue Scheibe von BISS konzentrieren und ich werde mein Augenmerk auf BOYSVOICE legen. Ich habe auf diese Sache ein riesengroßes Feedback bekommen und werde jetzt auf der Homepage eine 7-minütige Demo-Version von „Lost Dealer“ gefunden, welche jetzt auf die Homepage gestellt wird. Manni und ich sind uns aber in einem Punkt einig, dass wir das neue Material von BOYSVOICE nur veröffentlichen, wenn jemand den Preis bezahlt, was sie auch gekostet hat, oder sie erscheint nicht. Wir haben uns die Arbeit gemacht und so viele Songs, die zu BOYSVOICE passen, wir haben dieselbe Band wieder zusammen wie vor 10 Jahren und es soll der gleiche Sound sein, der zur Band passt.
Es ist eben die schnelle Mark oder Euro, den die Firmen machen wollen.
– Richtig, aber sie legen sich richtig ins Zeug, wenn die Produktion etwas koste, denn sie wollen es ja auch zurückbekommen. Es ist ja nicht viel was wir dafür haben wollen, aber die Produktion sollte wirklich wieder hereinkommen.
Dann kann ich Stefan, Michael und den anderen nur noch alles Gute auf ihren weiteren Weg wünschen. Es bleibt aber zu hoffen, dass solche guten Musiker niemals aufstecken und uns immer wieder mit ihren guten Alben erfreuen. Vielleicht merkt es dann auch mal der letzte Zweifler. Ich bin jedenfalls sicher, dass wir in naher Zukunft wieder von den Musikern hören werden.
Story: Gisela
Kommentar hinterlassen