HEAVENLY
Die französische Band HEAVENLY hat zum zweiten Schlag ausgeholt. Mit ihrem neuen Album ´Sign Of The Winner´ befinden sie sich ganz klar auf der Gewinnerstraße, denn ihr Konzert in der Bochumer Zeche wurde so gut aufgenommen, dass selbst ich mich gewundert habe. Die Zugabe-Rufe wollten einfach nicht verstummen. Nach dem Gig konnte ich mit Gitarrist Fred ein wenig die Geschichte von HEAVENLY aufarbeiten. Lest doch einfach weiter, was er mir so alles zu erzählen hatte.
Ich stutzte ja schon ein wenig, als ich las, dass HEAVENLY sehr stark von den DOORS beeinflusst wurde. Bevor sie HEAVENLY ins Leben gerufen haben, fungierten sie nämlich, unter dem Namen SATAN´S LAWYER, als Coverband, mit den Songs der DOORS. In diesem Alter (das Durchschnittsalter lag um die 16 Jahre) ist dies aber ziemlich ungewöhnlich.
– Ich kann da nicht allzu viel zu sagen, denn ich bin auch noch nicht so lange in der Band. Einiges weiß ich aber auch von der Zeit. So waren die damaligen Musiker sehr stark beeindruckt von der Musik der DOORS, aber das hat sich ziemlich schnell geändert, denn sie entdeckten sehr schnell, dass es nicht so ihre Richtung ist.
In den darauffolgenden sechs Jahren drehte sich ja auch immens das Besetzungskarussell. Warum eigentlich?
– Das lag zum größten Teil daran, dass die meisten Bandmitglieder die Band als Zeitvertreib ansahen und die Musik nicht professionell machen wollten. Es hat auch eine lange Zeit gedauert, bis wir nun endlich das richtige Line-up zusammen hatten. Es ist immer schlecht mit Musikern zu arbeiten, die dies nur als Hobby sehen, denn man kann keine Tour anvisieren, geschweige denn an eine Produktion denken. Man kann doch in der heutigen Zeit nur als gut funktionierende Band in diesem Rock-Zirkus bestehen.
Das ist keine gute Grundlage für eine Band, aber glücklicherweise haben HEAVENLY ja mittlerweile solche Musiker, die diese Band professionell weiterbringen. Ich finde, dass man dies dem neuen Material auch anmerkt, obwohl man die Einflüsse von HELLOWEEN, STRATOVARIUS oder IRON MAIDEN nicht von der Hand weisen kann. Das soll jetzt aber kein Nachteil sein, denn das Debutalbum von HEAVENLY wurde zum bestverkauftesten Album eines Newcomers, ihres Labels Noise Records, gekürt. Wie habt ihr euch gefühlt, nachdem ihr dies erfahren habt?
– Wir waren natürlich sehr überrascht von diesem Ergebnis. Zuvor hatte es bei Noise Records ja diesen Kontest im Internet gegeben, wobei sich die Fans eindeutig für uns entschieden haben. Man konnte von ´unsigned´ Bands auswählen, welche man gerne auf CD hören wollte. Die Wahl ist auf uns gefallen. Trotz allem haben wir mit diesem Ergebnis nicht gerechnet und es hat uns schon sehr verblüfft. Wir sind heute sehr glücklich darüber, dass die Wahl auf uns gefallen ist, denn es hat einiges für uns viel einfacher gemacht.
Mir ist auch bei dem Konzert vorher sehr stark aufgefallen, dass die Zuschauer den Auftritt von HEAVENLY sehr positiv aufgenommen haben. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Band, trotz eines mehr oder minder kompliziertem Sound es doch immer wieder schafft den melodiösen Fluss nicht abbrechen zu lassen. Die Spontaneität ist in der heutigen Zeit sehr wichtig für eine Newcomerband.
– Das ist richtig, denn einige Zuschauer mögen wirklich diese technische Spielweise. Uns ist das auch sehr wichtig, aber viel wichtiger ist uns, dass die Leute Freude beim Konzert haben. Ich glaube, das ist uns auch gelungen.
Dem kann ich nur zustimmen. Jetzt aber kurz zum neuen Album ´Sign Of The Winner´. Als ich den ersten Song ´Break The Silence´ hörte, fiel mir auf, dass der Song als Intro sehr lang ausgefallen ist. Ist dies bewusst geschehen?
– Wir fanden es als sehr passend als Intro, obwohl wir dieses nicht bei den Live-Shows verwenden.
Ihr seid ja aus Frankreich. Wie sieht es mit der Metalszene in eurem Land aus?
– Es gibt eigentlich überhaupt keine Metalszene in Frankreich. Zwar gibt es einige mehr oder weniger bekannte Bands, aber den großen Sprung nach oben hat in Frankreich noch niemand geschafft. Das größte Problem für die Bands ist es, gescheite Musiker zu finden. Es gibt nicht, wie hier in Deutschland, einen großen Pool, wo man einfach nur zugreifen muss. Deswegen ist auch die Akzeptanz in Frankreich für unsere Musik nur sehr gering, obwohl man schon aufmerksam auf uns wurde. Das hatte auch nun zur Folge, dass die Szene ein wenig lebhafter wurde. Es wurde aber auch langsam Zeit.
Warum singt ihr denn in Englisch und nicht in eurer Muttersprache?
– Wir finden, dass die französische Sprache für Metal nicht besonders gut geeignet ist. Englisch ist doch die dominierende Sprache in der Metal-Welt. Das trifft für mich persönlich auch auf die deutsche Sprache und die spanische zu.
Euer neues Album wurde in Dänemark aufgenommen und von Tommy Hansen produziert. Warum fiel die Wahl auf ihn?
– Tommy hat uns Wege gezeigt, auf die wir von selbst nie gekommen wären. So ist der Gesang viel abwechslungsreicher und natürlicher ausgefallen. Im Grunde reflektiert ´Sign Of The Winner´ uns als Band viel besser, als das Debutalbum. Es spiegelt genau das wider, was die Band im Grunde auch ist, eine vielseitige, aber dennoch bodenständige Gruppe. Es klingt genau so, wie HEAVENLY klingen soll.
Das muss man zugeben, denn in Puncto Recordings gefällt mir das neue Album auch wesentlich besser, aber ´Coming From The Sky´ war ja auch nicht von schlechten Eltern. Wenn man jetzt auf die Recordings blickt, war die Aufnahmesession einfacher für euch, als die für das Debut?
– Das würde ich sagen, denn wir waren bei Tommy in den besten Händen und die Vorschläge, die er uns unterbreitete, waren wirklich klasse. Wir wussten im Vorfeld auch schon genau, wie unser Album klingen sollte. Das war vielleicht noch ein Vorteil für uns. Beim ersten Album ist immer alles viel schwieriger, denn man hat eben keine Erfahrung auf dem professionellen Gebiet.
Dem kann ich nun nichts mehr hinzufügen, außer dass man in Zukunft verstärkt mit HEAVENLY rechnen muss, denn auch mich haben sie vollkommen überzeugt. Ich freue mich schon jetzt, wenn ich sie bald mal wieder auf einem Konzert sehen kann.
Story: Gisela
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