LETZTE INSTANZ
Gespannt war ich schon, auf das neue Album von der LETZTE INSTANZ. Ihre letzten Alben waren alle mit Steigerungen versehen und die Vielfalt überwog bei den Veröffentlichungen. Als ich das erste Mal in „Götter Auf Abruf“ hinein hörte, war ich auf ein Neues überrascht, denn auch auf dem neuen Album hält die Weiterentwicklung an. Alle anderen Neuerungen konnte ich von Sänger Robin in Erfahrung bringen, also los geht´s.
Wenn man in das neue Album herein hört, fallen einem ein sofort einige Merkmale auf. Es ist wesentlich härter, kantiger aber doch auch melodischer ausgefallen. Ich hatte sogar einige Probleme beim ersten Anhören, aber nach einiger Zeit geht es immer besser.
– Ist das jetzt eine negative Meinung?
Nein, denn mir gefiel es von Mal zu Mal besser.
– Das ist auch ein wichtiger Punkt, denn man sollte sich eigentlich immer erst ein Album erschließen. Man sollte doch immer wieder neue Highlights ausmachen können. Ich finde es persönlich als wesentlich angenehmer ein Album zu entdecken, als dass mir eins langweilig wird auf Dauer.
Die LETZTE INSTANZ ist ja dafür bekannt, dass sie sich vor fast keiner Richtung verschließen. So kamen dieses Mal, beim Stück „Position Im Kosmos“ auch Hip Hop-Passagen zum Zuge. Kam dies jetzt auch dadurch, dass ihr neue Musiker in den Reihen habt?
– Das wollten wir eigentlich schon lange einmal versuchen. Bei der letzten Platte war dies schon angedacht, aber das ist uns nie so richtig gelungen. Dadurch, dass uns dieses Mal ein Gastsänger zur Verfügung stand, der auf diesem Gebiet super ist, konnten wir diesen Plan angehen. Wir waren gespannt auf das Experiment. Das ist aber eigentlich an vielen Stellen auf dem Album so, dass es oftmals ein Weitergehen ist, was man sich vor geraumer Zeit gar nicht zugetraut hat. Wir haben jetzt mit den neuen Leuten wesentlich konsequentere Schritte unternommen.
Das ist ja auch das Überraschende an den Liedern, denn bei manchen denkt man es ginge in die eine Richtung, aber beim Weiterhören geht es in eine ganz andere. Wie seid ihr denn an das Songwriting heran gegangen?
– Wir mussten erst einmal den Stand der Dinge festlegen, was wollen wir, was möchten wir erreichen und was können wir machen. So ist auch der Song „Jeder Morgen“ entstanden. Er sit eigentlich der Mittelpunkt des Albums. Er beinhaltet eine regelrechte Sinnsuche, ein Song aus dem Leben und für das Leben.
Also wie ein roter Faden, der sich durch das Album zieht. Beim letzten Album „Kalter Glanz“ bezog es sich ja auf die Menschen, welche immer kälter und gefühlloser werden. Trotz allem konnte man die Thematik auch auf andere Dinge beziehen. Euer neues Album habt ihr jetzt „Götter Auf Abruf“ betitelt. Wie kann ich diesen Titel denn deuten?
– Wenn man es systematisch sehen will, ist immer jemand für etwas verantwortlich, was um uns herum passiert und was wir auch hinzunehmen haben. Man sollte aber auch mal nein sagen, denn solche „Götter“ brauchen wir doch nicht zu fürchten. Wenn wir jemanden fürchten, sind es immer Menschen wie du und ich. Dann kommt es darauf an, wer sich vor wen fürchtet. In dem Sinn ist der Titel zu sehen Es ist einfach eine Herausforderung herauszufinden, sind wir jetzt die Götter die Musik machen, oder seid ihr es, die darüber bestimmen werden. Wer hat eigentlich das Sagen darüber, wer benimmt sich so, als hätte er das Recht dazu dies zu sagen. Es sind so viele Fragen die sich in dem Album stellen und im Grunde zieht sich dieser rote Faden durch das komplette Album. Die Lösung ist eigentlich, nie etwas zu glauben, sondern irgendetwas zu machen.
Wichtig ist aber, dass jeder seine eigene Meinung in eure Texte hinein interpretieren kann. Es sind ja doch im Großen und Ganzen sehr kritische Texte. Ist dies ein sehr wichtiger Punkt für dich, alles von der Seele zu schreiben?
– Es ist nicht nur von der Seele geschrieben, denn in gewisser Weise ist es schon eine Aufforderung zur Diskussion. Früher in der Antike war es schon so, dass z.B. Sokrates auf der Straße angefangen hat zu philosophieren. Das gibt es doch heutzutage überhaupt nicht mehr. Eine Konversation erstreckt sich doch heute nur noch um „Hallo, wie geht es“, oder „wie viel kostet das“. Dies finde ich so armselig, dass die Menschen einfach nicht mehr in der Lage sind tiefgründiger zu kommunizieren. Das entspricht auch nicht meine Sichtweise, welche ich als Sänger habe. Für mich ist es sehr wichtig, dass ich mich selber nicht langweile und deswegen versuche ich dieses Medium Musik auch einzusetzen. Selbst wenn ich über Liebe singe, kann dieses Thema auch andere angehen. Wenn ich nicht so denken würde, könnte ich es auch genauso gut für mich behalten.
Mit dem Verlorengehen der Kommunikation muss ich dir vollkommen recht geben. Es wird einem doch jeden Tag aufs Neue bewusst, denn man schreibt E-Mails, SMS oder was auch immer. Dadurch geht die Kommunikation doch immer mehr verloren. Eine neue Sache der Interviewführung ist das E-Mailinterview, welches für mich persönlich nicht so sehr in Frage kommt. Es ist in meinen Augen nicht mehr persönlich.
– Und es dauert unheimlich lange. Wenn ich dann eine Frage lese, weiß ich meistens nicht, wo ich überhaupt anfangen soll. Ein Interview am Telefon zu führen ist für mich schon unpersönlich, aber im Endeffekt kann man doch auch mit diesem Medium noch ein interessantes Gespräch führen.
Das stimmt, aber ein persönliches Gespräch ersetzt ein Telefonat bei weitem nicht. Kommen wir aber doch noch einmal zurück zum Album. Nach dem, mit Hip Hop-Passagen versehenen „Position Im Kosmos“ folgt mit „Am Fluss“ ein Stück, welches durch seine, mit Piano durchsetzten Passagen, wieder in sehr ruhige Gefilde entführt. Legt ihr auf die variantenreiche Abwechslung sehr viel wert?
– Das geht bei uns immer sehr nach Stimmungen. Systematisch versuchen wir natürlich immer den Bogen hinzubekommen. Es sollte aber immer musikalisch wie textlich sehr schlüssig sein. Aber genau kann ich deine Frage jetzt auch nicht beantworten, denn meistens passiert es sehr spontan und wie gesagt aus den jeweiligen Gefühlen heraus.
Habt ihr eigentlich schon Stücke der neuen Platte live präsentiert?
– Ja wir haben in den vergangenen Monaten schon 5 Songs live mit ins Programm genommen. Uns erreichten durchweg positive Resonanzen, was uns eigentlich ein wenig überrascht hat. Bei der letzten Platte „Kalter Glanz“ war es jedenfalls so, dass wir vor der Veröffentlichung einige Stück auch präsentiert haben und diese nicht so gut beim Publikum ankamen. Woran das liegt, kann ich nur vermuten. Entweder liegt es an den Fans, dass sie mit uns gewachsen sind, oder die Lieder kommen besser an. Aber genau das, wird sich ja jetzt zeigen.
Ich gehe aber sehr stark davon aus, dass si mit euch gewachsen sind. Hinzu kommt auch noch die Tatsache, dass ihr Fans aus den verschiedensten Ecken der Musik in eurem Fankreis habt. Eure Fans laufen jedenfalls nicht mit Scheuklappen herum
– Das sehe ich auch als positiv an. Ich bin auch der Überzeugung, dass unsere Fans sich auch sehr intensiv mit unseren Texten auseinander setzen. Das beweist uns auch, dass sie wirklich nicht dieses scheuklappendenken besitzen.
Was mich eigentlich noch interessieren würde, wie schreibt ihr eigentlich eure Songs. Kommt einer mit einer Idee, oder wie kann ich mir das vorstellen?
– Genau so läuft das. Einer kommt mit einer Grundidee und dann wird im Proberaum alles möglich ausprobiert. Das kann sich manches Mal ziemlich schwierig gestalten, denn die musikalischen Interessen sind doch sehr unterschiedlich. Wenn alle zufrieden sind, kommt mein Part, das Schreiben des Textes.
Was mir auch sehr stark aufgefallen ist, du hast dich wesentlich gesteigert beim interpretieren der Texte.
– Das freut mich zu hören und genau das hat mir heute schon jemand gesagt. Ich kann es zwar sehr schwer beurteilen, aber wenn es so ist, dann freut mich das natürlich riesig. Wir haben jetzt auch nicht vor den Recordings viel geprobt, denn wir hatten jetzt auch nicht so viel Zeit. Wenn ich heute einige Songs höre, denke ich bei einigen, dass ich es richtig gut gemacht habe bei anderen denke ich, dass ich besser noch eine Woche hätte üben sollen.
Das sehe ich nicht so, denn die Songs klingen alle toll. Überzeugen könnt ihr euch selber, denn die LETZTE INSTANZ wird im Oktober auf Tour sein. Dann könnt ihr das Album „Götter auf Abruf“ selber unter die Lupe nehmen.
Story: Gisela
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