MOONSPELL
In ein neues MOONSPELL-Album hinein zu hören ist immer mit Überraschungen verbunden. Seit ihrem ersten Album „Wolfsheart“ haben sich die Portugiesen stetig weiter entwickelt. Stillstand gibt es bei ihnen nicht. Das ist auch gut so, denn ich liebe alle ihre Alben. So auch das neueste Werk, welches wieder mit einigen Weiterentwicklungen aufwarten kann. Vor allem in Bezug auf das Drumming gab es einige Neuerungen. So kam es mir auch gelegen, dass ich mit Drummer Mike Gaspar das Interview führen konnte. Er war so redselig, dass es schon mit einigen Schwierigkeiten verbunden war, dass nachfolgende Interview so zu kürzen, dass ihr auch noch genügend Hintergrundwissen vermittelt bekommt. Also dann!
Zuallererst muss ich dir ein großes Lob für deine Drumarbeit geben, denn solch einen Drumsound habe ich schon lange nicht mehr gehört.
– Danke, das höre ich doch gerne.
War dies geplant gewesen, als ihr ins Studio gegangen seid?
– Eigentlich nicht, aber wir haben gemerkt, dass das komponieren eines Songs bei uns eine noch größere Rolle spielen soll. Wir haben dieses Mal auch ganz anders bei den Recordings gearbeitet. So haben auch die Keyboards wesentlich mehr an Klangfarbe gewonnen. Das bezieht sich auch auf die anderen Instrumente. Das ist auch sicher der Grund, dass man verstärkt auch meint, dass die Drumpassagen so sehr in den Vordergrund gestellt wurden, obwohl ich das nicht so sagen würde. Ich würde es eher so sehen, dass die Instrumente konzentrierter eingesetzt wurden. Dadurch wurde der Sound des Albums auch wesentlich dynamischer und vor allem natürlicher. Ich würde auch den Gesang als außergewöhnlich bezeichnen.
Das sehe ich auch so, Denn Fernado hat es auf diesem Album zu einer Perfektion gebracht, welche sich zwischen flüsternder Furcht über schwerer Melancholie bis zu krasser Härte reicht.. Ich möchte aber noch einmal auf die Drums zurückkommen, denn auf dem Song „From Lowering Skies“ hört man auch sehr unterschiedliche Passagen, wie ich sie noch nie von MOONSPELL gehört habe.
– Das ist richtig. Ich habe auch in der ganzen Zeit bei MOONSPELL immer mehr dazu gelernt. So auch die Sentimentalität. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ich immer mehr aus meinem Instrument heraushole. Das ist eine große Herausforderung für mich.
Für mich war es in der Vergangenheit immer so, wenn ich ein neues Album der Band erhielt, dies ist aber nun das Beste. Bei der nächsten musste ich meine Meinung aber wieder revidieren. So auch bei „The Antidote“. Ich bin immer überrascht, zu welchen Steigerungen MOONSPELL fähig sind. Seid ihr ebenfalls überrascht, wenn ein Album fertig ist?
– Bei uns ist es immer so, dass wir unheimlich nervös vor einer Produktion sind. Es ist genauso, als wenn wir Väter werden würden. Eigentlich kann man das auch ein wenig damit vergleichen, denn die Songs sind im Grunde wie Kinder für uns. Wir sind immer nervös und auch ängstlich, denn wir wissen ja nicht, werden die neuen Songs angenommen oder ist es die richtige Zeit für ein neues Album. Wir glauben aber an unsere Songs und auch an unserem Produzenten, dass alles gut verläuft. Wir haben aber alles für das Album gegeben und wir sind mehr als zufrieden mit dem Resultat. Jetzt hoffen wir nur, dass unsere Fans dies genauso sehen.
Da gehe ich aber von aus, denn man merkt dem Album das besagte Herzblut förmlich an. Hinzu kommt noch eine große Portion an Livefeeling.
– Das ist richtig und aus meiner Sicht gesehen, war es wirklich wie live spielen. An einem Tag habe ich 8 Songs fertig eingespielt und am nächsten Morgen kamen noch die restlichen drei dazu. Das war es. Das ist das erste Mal, dass ich so schnell die Songs eingespielt habe und man hört es dem Album auch an.
Ihr habt das Album ja zusammen mit Produzent Hilli Hillesma (u.a. Sentenced, HIM) aufgenommen. Für die Vorproduktion habt ihr aber wieder auf euren langjährigen Produzenten Waldemar Sorychta zurückgegriffen. Warum?
– Die Zeit war etwas knapp gewesen, weil Hilli für das HIM Album sehr stark eingespannt war. So sprachen wir Waldemar an. Er ist ein guter Freund der Band. Er versetzte in der Vorproduktion einigen Songs das gewisse Etwas, wie magische Momente oder andere spezielle Sachen. Er hat uns immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden, denn er kennt uns eben von Anfang an. Er hat auch großen Anteil an dem, was wir heute sind. Wir sind auf jeden Fall froh, dass wir vor den Recordings mit ihm noch zusammen gearbeitet haben.
Einen neuen Weg ist die Band mit den Texten gegangen. Ein junger portugiesischer Autor, namens José Luis Peixoto schrieb eine Reihe von Kurzgeschichten, welche zu einer Novelle geformt wurden. Wer hatte denn die Idee, einen solch doch sehr neuen Weg zu beschreiten?
– Wir haben von dem jungen Autor gehört und die Sache war sehr reizvoll gewesen. Die Geschichten, welche José Luis geschrieben hatte, passten sehr gut zu MOONSPELL. Wir sind jetzt auch noch so weit gegangen, dass wir eine englische Übersetzung, als Multi Media Feature auf jeder CD enthalten ist. Zusätzlich wird in limitierter Auflage ein Digibook zusammen mit der CD herausgegeben. Wir finden, dass durch die kurzen Storys das gesamte Album in ganz andere Dimensionen gehoben wurde. Ich finde es auch sehr interessant, dass die CD nun mit dem Feature veröffentlicht wird, denn hiermit betreten wir richtiges Neuland. Es ist für Portugal vollkommen neu, denn so etwas gab es noch nie. Für mich ist es auch ein wenig merkwürdig, denn nun sind wir mit MOONSPELL auch in den Bücherläden vertreten.
Ich kann mich jetzt auch nicht daran erinnern, dass es so etwas schon mal gegeben hat. Kommen wir aber noch einmal zu den Recordings zurück. Den Bass hat AMORPHIS-Bassist Niclas Etelävuori eingespielt. Hat Sergio die Band verlassen?
– Ja, denn wir hatten uns musikalisch doch auseinander gelebt. Er war auch schon nicht mehr im Songwriting involviert. Dadurch dass wir mit AMORPHIS einige Shows absolviert haben, entwickelte sich eine Freundschaft und Niclas war sofort einverstanden die Songs für uns einzuspielen. Er hat das komplette Material in nur einem Tag eingespielt und das ist doch wirklich fantastisch.
Was mir persönlich an den Alben von MOONSPELL gefällt, ist die Tatsache, dass sie nie mit einer Wiederholung des letzten Albums aufwarten, sondern sich stetig weiter entwickelt haben. Ist das sehr wichtig für euch?
– Das ist sehr wichtig, denn wir wollen uns einfach nicht wiederholen. Wir leben um zu lernen und das soll sich auch auf unseren Alben ausdrücken. Wir glauben auch an das, was wir machen und in der Band sind wir uns alle einig, dass wir uns immer weiter entwickeln werden. Gerade das ist doch überhaupt das Interessante an der Sache.
Das ist richtig, denn wenn man sich nicht entwickelt, wird irgendwann einmal alles langweilig und das sind die MOONSPELL Alben nun wirklich nicht. Kannst du mir denn den Stil von MOONSPELL beschreiben?
– Das ist schwer zu beschreiben. „The Antidote“ ist eine gelungene Mischung aus Gothik und Deathmetal, wo aber die Magie und das Schöne doch die Oberhand haben. Ich finde auch, dass unsere Musik einen regelrecht inspirieren kann.
Ich habe mir das Album einige Male angehört und dabei fiel mir auf, dass die ersten Songs aggressiver sind als die letzten Stücke auf dem Album. Eine wunderbare Reise durch das Land der Musik.
– Wir kreieren immer unsere eigene Welt bei einem Album. Mir kommt es manches Mal so vor, als wenn ich einen Film sähe. Von aggressiveren Tönen zu einem doch eher verträumten Sound. Das war auch von uns so geplant. Das Album sollte von den Kontrasten leben und das tut es auch.
Ihr geht in diesem Jahr noch auf Tour?
– Wir hoffen, dass wir im November oder Dezember noch eine Tour durch Europa starten können. Aber leider steht bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts Genaues fest. Wichtig ist uns aber, dass wir mit einem guten Package auf Tour kommen und den Fans wirklich alles geben können, denn das haben sie verdient.
Ich hoffe auch, dass MOONSPELL noch in diesem Jahr auf Tour kommen, denn die Konzerte von ihnen sind immer toll.
https://www.facebook.com/moonspellband
Story: Gisela
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