QUEENSRYCHE
„American Soldier“ von QUEENSRYCHE knüpft nahtlos an die älteren Alben an. Es ist ein großartiges Konzeptalbum geworden, welches sich mit dem Thema Krieg und die daran beteiligten Soldaten auseinandersetzt. Das führte natürlich dazu, dass viele Interviews an diesem Tag vor dem Konzert von QUEENSRYCHE im Düsseldorfer Stahlwerk anstanden. Mit Sänger Geoff Tate, der nicht nur auf der Bühne mit viel Charisma ausgestattet ist, konnte ich mich dann auch kurz vor Öffnung der Türen noch über einige Themen unterhalten.
Mir geht es so wie vielen Fans von QUEENSRYCHE, denn mit „American Soldier“ haben sie sich wieder auf ihre Roots besonnen. Siehst du das genauso?
– Das kann schon sein, aber bewusst geworden ist es uns in der ganzen Zeit des Songwritings nie. Wir hatten immer nur die ganzen Statements von den Soldaten und auch die Bildaufnahmen haben uns sehr mitgenommen. Die Songs sind also sehr emotional zu den geführten Interviews entstanden.
Wie lange hat dieser ganze Prozess gedauert?
– Das war eine sehr lange und intensive Zeit für uns alle gewesen. Begonnen haben wir schon mit den Vorbereitungen im Jahre 2006. Bis zu den abgeschlossenen Recordings hat es dann über 2 ½ Jahre gedauert. Dieses Album hat uns emotional sehr gefordert.
Das kann man sehr gut nachvollziehen, denn einige der Statements von den Soldaten sind auf der CD zu hören und die gehen ganz gewaltig unter die Haut. Wie hast du dich bei diesen Interviews gefühlt?
– Das war schon eine eigenartige Situation, denn nun musste ich zuhören und die richtigen Fragen stellen. Du erfährst von den Menschen was sie im tiefsten Innern bewegt und das bewegt dich dann selber auch. Es war nicht ganz einfach diese Interviews zu führen und ich erkenne heute, wie schwer es für Journalisten sein muss die richtigen Fragen zu stellen. Es kam dann auch schon mal vor, dass viele nur mit ja oder nein geantwortet haben und dann musste nachhaken und genau das ist schwierig.
Dann hast du sicher jetzt ein ganz anderes Bild von Journalisten.
– In jedem Fall, denn durch die ganzen Interviews habe ich gemerkt, dass man sich richtig und konkret auf alles vorbereiten muss. Ich habe in meiner ganzen Karriere schon so viele Interviews gegeben, aber erst heute weiß ich dies richtig zu schätzen.
Mit deinen Vater, der ja auch in Korea und Vietnam war, hast du ja auch gesprochen. War es das erste Mal dass ihr über ein solches Thema gesprochen habt?
Ja, denn früher hat er nie etwas darüber erzählt. Es waren einfach Dinge die nicht mehr erwähnt werden sollen. Deswegen hat es mich auch sehr glücklich gemacht, dass er sich in Bezug auf unser Konzeptalbum sich mir gegenüber geöffnet hat. Ich habe in den ganzen Gesprächen die ich mit ihm geführt habe, wieder sehr viel dazugelernt und unsere Beziehung, die immer schon sehr intensiv war, wurde durch diese Gespräche noch intensiviert.
Wie bist du eigentlich auf die Idee zu einem solchen Konzept gekommen?
– Die Gespräche die ich mit meinem Vater geführt habe brachten mich auf eine solche Idee. Meine Familie bekräftigte mich doch diese Geschichte in einem Konzeptalbum zu verarbeiten, aber dazu brauchte ich eben noch viel mehr Details. Schwierig war nur die Auswahl der Personen mit denen ich mich über dieses Thema unterhalten konnte. So sammelte ich alle Geschichten auf Band und konnte dann im Anschluss daran alle Interviews anhören und somit die Geschichten schreiben.
Wie hast du sie gefunden?
– Ich habe nicht konkret nach Leuten gesucht, sondern immer wenn ich einen Soldaten traf habe ich ihn gefragt ob er mir einige Fragen beantworten könnte. Es waren natürlich auch sehr viele nicht bereit mir Auskunft zu erteilen. Dann habe ich aber auch durch Telefonnummern und Mailadressen, die ich von den interviewten Soldaten bekam, wieder Kontakt zu neuen Leuten bekommen. Trotzdem war alles sehr langwierig. Zu dieser Zeit hatte ich auch die Idee mit den originalen Kommentaren einzelner Soldaten.
Auf „Home Again“ singst du zusammen mit deiner Tochter Emily. Wer hatte die Idee dazu?
– Es war meine Idee, aber ich wollte sie nicht dazu drängen denn sie sollte es selber entscheiden. Sie liebt die Musik und als sie eines Tages aus der Schule kam besuchte sie mich im Studio. Ich fragte sie also und sie wollte es ausprobieren. Sie hat uns sogar auf der Amerika-Tour begleitet und hat uns wirklich die Show gestohlen. Sie war so stolz und sie hat dadurch mit ihren 12 Jahren schon sehr viel Erfahrung sammeln können.
Du hattest ja vor 2 oder 3 Jahren den Plan eine Solo-CD zu veröffentlichen. Was ist daraus geworden, denn ich habe seitdem nichts mehr davon gehört?
– Die wird definitiv demnächst veröffentlicht. Leider hat sich alles ein wenig durch meine ganzen Recherchen verzögert, aber ich habe es nie aus den Augen verloren.
Was sind denn die nächsten Pläne
– Da liegt einiges an. Zuerst einmal arbeite ich an drei Filmen und in einem habe ich sogar eine Schauspielrolle. Eine ganz neue Erfahrung für mich. Es handelt sich um einen psychologischen Horrorfilm. Für die anderen beiden Filme schreibe ich Musik. Dann arbeiten wir auch schon an einem neuen Album und nach dem wir seit ein paar Jahren eine Weinmarke ins Leben gerufen habe betätige ich mich noch als Winzer. Die erste Lese ist bereits ausverkauft und nun geht es an die Produktion der zweiten. Es gibt also viel zu tun.
Welche Wein stellt ihr denn her?
– Es ist eine Art Bordeaux und Washington, wo wir unseren Wein anbauen ist das zweitgrößte Anbaugebiet in Amerika.
Dann hat sich Geoff Tate ja viel vorgenommen und wir warten auf die Dinge die in der nächsten Zeit noch folgen werden. Hoffentlich müssen wir nicht so lange auf eine neue Live-Präsenz warten, denn das Konzert ging wieder unter die Haut. Geoff ist nun mal mit einer göttlichen Stimme ausgestattet, die einem die kalten Schauern über den Rücken jagen.
http://www.queensrycheofficial.com
Story: Gisela
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