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SKUNK

SKUNK, die 1996 formierte Ska-Core-Band aus dem Ruhrgebiet, versuchte bislang immer ein bisschen anders zu sein, sich bloß nicht in eine bestimmte Schablone pressen zu lassen. Daher hat sie sich natürlich nicht nur dem reinen Ska verschrieben, sondern verbinden ihn mit Punk-, Reggae-, Pop und Dub-Elementen. Das Quintett, bestehend aus: Mike (vocals), Marvell (bass), Otti (guitar), Lotte (guitar) und Marx (drums), wollte ihr Musikgenre stets vielseitig gestalten, ohne dass der Spaßfaktor außen vor blieb – dass war ihre Devise. Es ist SKUNK bis dato nicht schlecht bekommen … denn immerhin hat sie nun mit „Only Lunatics“ ihr bereits drittes Album veröffentlicht. Die beinahe gesamte Band stand mir dann auch für ein Interview zur Verfügung.

Wer hat „Only Lunatics“ produziert?

Marvell: Wir waren so frei.

Mike: Bei unseren ersten beiden Alben wurden die Songs von den Musikern geschrieben, auf Anweisung von Frank – unserem damaligen Sänger, und bei „Only Lunatics“ ….

Marvell: Haben auch die Musiker geschrieben

Mike: Und der Sänger kam dann als Letzter dazu. Beim „Only Lunatics“ war es einfach so, dass wir alles selber machen wollten. Es sollten nicht irgendwelche Leutchen ihr Wörtchen da mitquasseln, das heißt: Wir haben die Songs geschrieben, und dann auch wirklich hier, im Wohnzimmer, alles aufgenommen und selbst produziert. Von fremder Hand wurde nur der Endmix gemacht.

Wie lange hat die Produktion eures Albums gedauert?

Marvell: So ungefähr 1 ½ Jahre, kann man sagen.

Marx: Aber man muss das hier relativieren – es lag nicht nur an uns. Es summierte sich so einiges: mal sind wir nicht weitergekommen, mal gab es Unterbrechungen durch das Studio. Weil derjenige, der abmischen sollte, keine Zeit hatte und dadurch hat sich alles so ziemlich hinausgezögert. Es hat uns aber nicht wirklich gestört, da wir so die Möglichkeit hatten, unsere Stücke reifen zu lassen. Wenn wir nach einiger Zeit wieder in einen Song rein hörten, war uns dann vielleicht aufgefallen, dass ein Part irgendwie ganz schön daneben war. Dadurch hatten wir dann die Möglichkeit, noch mal etwas dran zu ändern.

Weswegen habt ihr euch von Frank getrennt?

(alle – lachen): Eigentlich wegen persönlicher und musikalischer Differenzen. Frank hatte immer sehr viele Leute zu den Proben angeschleppt und versuchte sie zu integrieren. Man saß dann bei der Probe und wusste eigentlich nicht so genau, was los war. Die Jungs wurden reingeschleppt und dann irgendwie immer wieder rausgeschmissen. Es gab im Prinzip keine richtig feste Band. Es war ein zusammengewürfelter Haufen und auch musikalisch war das alles nicht so doll. Wir hatten dann irgendwann den Kaffee auf gehabt und wollten endlich eine feste Band mit einer festen Struktur haben. Und seitdem läuft das auch ganz gut, die Stücke gehen viel mehr von der Hand. Es macht deutlich mehr Spaß.

Ihr mixt verschiedene Musikrichtungen miteinander – wie Punk, Reggae, Ska, Beat und Pop. Was inspiriert euch dazu?

(alle): Wir wollten uns, bei unserem Album, an keine strenge Richtlinie halten. Wir haben sehr unterschiedliche Musikgeschmäcker, Marvell steht z.B. auf Reggae und Ska, Lotte und Marx sind „Ärzte“- Fans.

Marx: Wenn wir jetzt einen Song machen und ich habe den obligatorischen Mittelteil, dann bringen wir an Stelle eines 0815 Teils mit Hilfe einiger Akkorde einen komplett anderen Musikstil rein. Mir persönlich hat das echt Spaß gemacht. Uns war es wichtig, die einzelnen Parts auch richtig rüber zu bringen, d.h. jetzt nicht nach dem Motto, nun kommt ein Ska-Teil der irgendwie gemacht wird, sondern er sollte echt klingen, mit Percussion und so. Da haben wir viel Wert drauf gelegt, ob es gelungen ist oder nicht, das müssen die Fans entscheiden.

In dem Song „Teenage Fairytale“ wirken Dudelsäcke mit. Sind die echt oder habt ihr getrickst?

(alle): Wir setzen vieles ein um unsere Songs interessant zu machen, und das mit relativ großem Aufwand

Marvell: Aber die Kunst ist es aus wenig viel zu machen.

Marx: Die Dudelsäcke allerdings waren echt. Und da müssen wir eigentlich ein Geständnis machen. Ich wollte in diesem Song einen Dudelsack unterbringen und habe mir dafür einen ausgeliehen und versucht ihn zu spielen, aber das ging erst einmal voll in die Hose. Weil … du musst die Lunge dafür haben. Und dann habe ich in der Werkstatt herum probiert – mit Kompressor und so – habe ihn aufgeblasen, aber das hat alles nicht funktioniert. Jetzt kommt das Geständnis: Der Dudelsack war schon echt, aber wir haben die Tröten alle einzeln eingespielt.

Was inspiriert euch verschiedene Instrumente wie z.B. Blechbläser, Dudelsäcke oder das Akkordeon einzusetzen?

Marvell: Lass uns mal kurz auf das Akkordeon eingehen. Das war auch so eine Geschichte. Die Geschichte des Akkordeons.

Marx: Du hast eine Songidee und stellst dir die Stücke meistens im Kopf schon fertig vor. Und jetzt muss man nur versuchen die Idee aufs Band zu packen. Wir versuchen natürlich alles, was diesen Song beinhalten soll, selbst zu machen. Meine Idee war, dass dieser Song so ein bisschen russisches Flair haben sollte. Von uns kann keiner Akkordeon spielen, also habe ich versucht einen russischen Akkordeonspieler aufzutreiben. Und das hat dann auch geklappt. Ich hatte zwei Russen zu Hand, und das war ziemlich anstrengend … so mit Wodka trinken, da sie sonst nicht auf Betriebstemperatur kamen und dann haben die das Akkordeon eingespielt, das war sehr witzig. Für die Ska-Parts, damit der Sound stimmig war, mussten halt Bläser dabei sein. Keiner von uns kann ein Blasinstrument spielen, daher haben wir auch hier Gastmusiker eingesetzt.

Ihr arbeitet sehr häufig mit Brüchen innerhalb der Songs. Was für eine Idee steckt dahinter?

Alle: Brüche?

Marvell: Ja, ich finde schon, dass es Brüche sind, allerdings ganz bewusst eingesetzt. Früher nannte man es ‚Cross-over’, aber das ist heute abgelutscht. Man hat einen Rockpart, der ins die Ohr geht – der sozusagen zum mitsingen anregt – dann geht es wieder in den Ska-part – der tanzbar ist – das ist meistens die Strophe. Das baut sich halt so auf und diese Stilbrüche … ich finde schon, dass es Stilbrüche sind. Sie sind bewusst eingesetzt. Ich denke, es gibt kaum eine Band, die das so macht wie wir. Ich finde es einfach gut, dass wir uns trauen Ska zu machen und im nächsten Moment Punk.

Eure Songs sind sehr melodisch. Wie wichtig ist die Melodielinie für euch?

Mike: Melodielinie … kommt auf die Stimmung an. Normalerweise ist die Songmelodie für mich alles. Wenn ich Musik ohne Melodielinie höre, dann find ich das echt zum kotzen, auch wenn die abgefahrensten Sachen gemacht werden würden. Ich kann mir das dann nicht anhören. Deswegen legen wir großen Wert auf die Melodie. Wenn ich andererseits einen Cross-over Part vor mir habe, dann ist es mir wichtiger, wie geil er abgeht. (Lotte) Viele reagieren vorwiegend auf die Hauptmelodie, das ist meistens die Melodie vom Sänger.

Noch eine letzte Frage: Warum habt ihr den Clash Song „Rock Me Casbah“ mit eingespielt?

Marvell: Eigentlich spielen wir nur eigene Songs ein – aber jede Band covert irgendwann. Wir wollten an sich niemals covern, aber es gab dann einmal eine Anfrage an uns bzw. eine Anfrage an alle Bands, dass ein Clash Tribune Sampler gemacht werden sollte, ein sozusagenes Review – zur Erinnerung an den 2000 ‚etwas verstorbenen drummer’ – und wir sollten einen Song covern Wir haben uns den besten Song „Rock Me Casbah“ ausgesucht und ihn auf unsere Art und Weise interpretiert.

Sie haben mir so viel erzählt und ich hätte noch viel mehr schreiben können – beim nächsten Mal. Außerdem gibt es auf der Homepage von SKUNK die Möglichkeit für die Fans und denen die es werden wollen, Songteile von „Only Lunatics“ als MP3 Version herunter zu laden, natürlich nur zum Reinschnuppern. Richtig anständig!

Story: Gabi Peiter

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