STORMWIND
Schon die Vorgängeralben der schwedischen Band STORMWIND strotzten vor Selbstvertrauen, welches in dem neuen Album ´Reflection´ seine Weiterführung findet. Auf eine kleine Reise durch die Welt entführen uns die Musiker, welches in einem fast 16-minütigem Opus über ´Ramses´ endet. Mit Mastermind und Gitarrist Thomas Wolf versuchte ich ein wenig mehr zu erfahren, von dieser Reise in andere Klangwelten, obwohl sie nie den Pfad des melodischen Powermetals aus den Augen verlieren.
Wenn man schon beim Intro ´Genesis´ beginnt, wird man sofort, durch den orientalisch angehauchten Sound, regelrecht mitgenommen auf eine kleine Weltreise in Sachen Musik geschickt.
– Das ist vollkommen richtig und ein Journalist sagte vor kurzem zu mir, dass wir zu einer epischen Metalband avanciert wären.
Da konnte Thomas das Lachen nicht lassen, denn mit solch einer Bezeichnung, hatte er nicht gerechnet, aber im Grunde kann ich diesem Journalisten nur zustimmen. Gänsehauterregend ist auch der Song ´Golden Tears´, der sehr effektvoll mit spanischen Gitarren unterlegt wurde. Beim Song ´Ramses´ wird man in die ägyptische Mythologie entführt und mit 16 Minuten ist er ja immens lang geworden.
– Das ist richtig, aber wir konnten ihn an keiner Stelle kürzen. Die Idee zu einem solchen Album kam mir schon kurz nach dem letzten Release ´Resurrection´, welches ja im letzten Jahr auf den Markt kam. Im Grunde steckt von der textlichen Seite ein kleines Konzept dahinter, aber es sind trotz allem Songs, die alle für sich alleine stehen und die ich im Laufe des Jahres zu einer Einheit zusammengefügt habe. Die Produktion ist auch sehr großzügig ausgefallen, denn alle Chöre, die auf dem Album beinhaltet sind, wurden alle von Thomas und mir eingesungen. Dadurch ist auch dieser teils melancholischere Sound herausgekommen. Wichtig war für uns auch, dass es sich um reale Storys handelt, denn alle sind geschichtlich nachweisbar.
Mein favorisierter Song ist das Stück ´The Man Behind The Iron Mask´ Dieser Song wurde mit solch wunderbaren Effekten versehen, wie ich sie selten gehört habe. Man bekommt regelrecht eine Gänsehaut bei diesem Lied.
– Es ist auch mein favorisierter Song, denn hinter ihn verbergen sich auch sehr viele progressive Elemente. Durch die Chöre hat dieser Song auch vergleichsweise AOR-Parts zum Inhalt. Das Lied hört sich fast so an, als wäre es in einer Kirche aufgenommen wurde. Dies kam durch die Keyboardeinsätze und den gewaltigen Chören wunderbar zustande. Durch all diese Feinheiten wurde eine tolle Atmosphäre in diesem Lied aufgebaut. Ich kann mir das mit der Gänsehaut sehr gut vorstellen, denn mir geht es genauso. Ich hätte sogar eine Idee für ein Video von diesem Lied. Man müsste es in einem kleinen Schloss drehen, denn davon hätten wir auch bei uns in Schweden genügend zur Auswahl.
Ich merke du hast eine Menge Ideen zum videotechnischen Umsetzung eurer Lieder. Kommen wir aber zurück zu den Songs. Mit ´War Of Troy´ habt ihr euer bisher schnellstes Stück aufgenommen.
– (Thomas lacht) Richtig, es hört sich teilweise an, als wenn es auf einem Plattenspieler in doppelter Schnelligkeit abgespielt würde.
Du hast ´Reflection ja auch wieder selber produziert. Ist es einfacher für dich, die Produktion selber in die Hand zu nehmen?
– Eigentlich nicht, aber dadurch, dass ich die Alben alle von uns produziert habe, ist meine Erfahrung auf diesem Gebiet doch schon um einiges gewachsen. Ich produziere jetzt auch nicht selbst um meine Gitarrenparts in den Vordergrund zu stellen. Ich denke, dass ich als Komponist dieser Songs einfach mehr Feingefühl für unsere Songs besitze und sie deswegen auch besser in Szene setzen kann. Bei dieser Produktion habe ich sehr darauf geachtet, dass die Keyboards und auch die Chöre sehr stark in den Vordergrund gestellt wurden, denn dies haben die Storys der einzelnen Songs einfach benötigt.
Ich denke auch, dass ´Reflections´ auch aus diesem Grund sehr viel ehrlicher ausgefallen ist, denn im Endeffekt kannst du das Album produzieren, wie du, oder die Band es gerne hätte.
– Das ist richtig, denn welcher Produzent hätte sich auf dieses Intro eingelassen, um dann mit dem schnellsten Song von STORMWIND weiter zu machen.
Die Songs zum letzten Album ´Resurrection´ hast du ja komplett alleine geschrieben. Wie sah es denn bei dem neuen Album aus?
– ´Reflections´ wurde in Zusammenarbeit mit Thomas Vikström (Sänger) und unserem Keyboarder Kaspar geschrieben. Die Zusammenarbeit klappte wirklich optimal, obwohl ich doch den größten Teil der Songs alleine gemacht habe. Bei den Texten half mir Thomas auch sehr stark.
Warum habt ihr denn jetzt das Album ´Reflections´ genannt.
– Wir waren der Meinung, dass dies der passende Titel für das Album ist, denn im Grunde reflektieren die Songs fast das komplette Leben, in Bezug auf die Geschichte. Dies ist zwar jetzt sehr philosophisch angehaucht, aber wir sind nun mal eine sehr philosophische Band.
Wenn du dir die Powermetalszene betrachtest, was denkst du über die Signings von so vielen Bands, in diesem Genres?
– Ich sehe dies als nicht so schlecht, denn die Konkurrenz belebt das Geschäft. In der Vergangeneheit gab es Bands wie QUEEN oder RAINBOW, die das Feld für andere Bands geebnet haben und wenn man sich das Material dieser Bands anhört, kann man Vergleiche zu den heutigen Powermetalbands ziehen. Das Problem aber ist, dass wenn es zu viele Bands in dieser Richtung gibt, wird der Sound immer gleich bleiben, denn viele Bands kopieren nur. Nur wenige sind innovativ. Man muss als Band immer auf der Suche nach der eigenen Identität sein, denn kann man auch auf Dauer bestehen. Es ist gut das es Bands wie DREAM THEATER oder SYMPHONY X gibt, denn durch solche Bands ist im Powermetal wieder ein anderer Sound geboren worden.
Aber ihr legt nicht so viel Wert auf den progressiven Part.
– Nein, denn dies ist einfach nicht unser Ding, wir lieben es mehr melodischer und mystischer.
Kommen wir aber zu STORMWIND zurück. Ist die Zusammenarbeit nicht schwierig für euch, denn ihr wohnt doch in unterschiedlichen Ecken von Schweden.
– Das ist schon ein großes Problem, aber da wir hier in Stockholm einen Proberaum besitzen, nehmen wir so viel wie möglich Songs auf Tapes auf und senden sie dann an Kaspar und unserem Drummer Patrik. Nachdem sie sich dann mit dem Material beschäftigt haben, kommen sie auch in den Proberaum und somit geht das eigentlich ziemlich gut mit der Zusammenarbeit. Es ist im Grunde nur eine reine Gewöhnungssache.
Jetzt zum Schluss noch etwas ganz anderes. Ich habe gelesen, dass du in der Vergangenheit schwedischer Meister im Karate warst. Warum hast du denn auf den Beruf des Musikers gewechselt?
– Als ich 1993 schwedischer Meister wurde, habe ich sechs Tage in der Woche trainiert. Das war manches Mal schon ziemlich stressig. Ich habe dann irgendwann die Gitarre von der Wand genommen und mich wieder mehr mit der Musik beschäftigt. Ich habe auch gemerkt, dass mir die Musik viel mehr brachte.
Wäre doch schade gewesen, wenn Thomas nicht die Gitarre von der Wand genommen hätte, denn uns wäre einiges vorenthalten worden. Wollen wir hoffen, dass wir sie bald bei einem Konzert auch mal live bewundern können.
Story: Gisela
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