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DE/VISION

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Interview mit Steffen vom 23.01.2003

Ihr habt eine schöne neue CD herausgebracht, die mir beim ersten Hören direkt sehr vertraut vorgekommen ist.

– Danke, das ist halt immer schwierig, wenn man eine CD produziert, wie die Leute dann darauf reagieren werden. Das ist erst einmal auch nicht unbedingt unser Ziel, denn unser Ziel ist es erst einmal eine CD zu machen die uns gefällt und in zweiter Linie dann den Hörer begeistern soll. Die Meinungen gehen, eigentlich wie bei jeder Produktion, stark auseinander. Durch die lange Zeit, die wir schon Musik machen haben wir auch eine Fanbase, und die haben natürlich eine sehr hohe Erwartungshaltung. Bei den einen wird diese Erwartungshaltung halt nicht erfüllt, andere finden es dann wieder sehr gut, aber das hält sich immer so die Waage, zwischen Kritik und Lob.

Fällt euch heute das Songwriting leichter als früher?

– Was heißt leichter, es ist anders geworden. Also früher hast Du Dir da eigentlich gar nicht so viele Gedanken gemacht, dass Du Dich z. B. wiederholst. Es sind ja jetzt schon einige CD’s, die wir gemacht haben. Man versucht halt sich nicht so zu wiederholen, und das wird natürlich nicht einfacher mit den Jahren, und dann versuche mal bei Dir persönlich keine Langeweile aufkommen zu lassen. Das ist halt das größte Problem was ich am Anfang halt habe, denn ich schreibe die Songs. Du sitzt vor den Instrumenten und hast eine Melodie im Kopf, dann spielst Du die irgendwie eine, und dann denkst Du na ja ist irgendwie ganz nett, aber klingt wie früher. Ich habe halt irgendwie den Anspruch zu sagen, ich will da irgendwie weiterkommen, für mich persönlich. Und deshalb werden dann auch wieder viele Melodien über Board geworfen. Da ist der Entstehungsprozess dann auch irgendwie schwieriger, weil Du eine andere Erwartungshaltung an dich selbst hast.

Also schreibst Du dann die kompletten Songs?

– Ja, ich schreibe alle Songs, aber nicht so wie sie dann im Endeffekt klingen, sondern ich mache eine Vorproduktion. Dann wird mit dem Produzenten weitergearbeitet und Thomas ist für die Texte zuständig. Wir tauschen uns natürlich auch aus, weil ich singe auch die Sachen und da müssen wir uns natürlich auch austauschen, so wie der Text da hineinpasst und umgekehrt mit den Melodien, ob das Thomas so gefällt, oder ob wir da etwas andere Wege gehen müssen.

Ich habe euch letztes Jahr bei der Unplugged-Show in Köln das erste Mal Live gesehen, was mir schon sehr gut gefallen hat, und dann im Sommer noch mal in der Live Music Hall ebenfalls in Köln, wo Ihr dann mit einem Schlagzeuger und einem Gitarristen gespielt habt, was für mich eure ganze Musik perfekt abgerundet hat!

– Das ist auch das was wir einerseits erreichen wollen. Wir werden nie unsere Wurzeln leugnen, wir sind halt von Grund auf eine elektronische Band, versuchen aber ab und zu auch andere Wege zu gehen. Diese Unplugged-Show zum Beispiel war eine Sache, die wir schon länger geplant hatten, die wir auch dann mit Drakkar umsetzen konnten. Die haben das auch unterstützt und fanden das auch gut. Ich bin auch der Meinung mit solchen Sachen erhöhst Du auch dein eigenes Standing so in der Außenwelt – so guck mal, das sind so Jungs, die machen zwar überwiegend elektronische Musik, aber die trauen sich auch an andere Sachen heran. Das wollen wir den Leuten auch zeigen, dass unsere Musik auch auf anderen Ebenen funktionieren kann. Und dann natürlich auch unsere Live-Konzerte, die sich gegenüber den Platten auch anders zeigen. Ssie sind halt ein bisschen rauer und rockiger mehr Live. Es kommt immer noch einiges vom Band, aber wir wollen halt mit Schlagzeug und Gitarre andere Akzente setzten. Es gibt natürlich auch Stimmen die sagen: „Ihr schrammelt da ja nur mit den Gitarren rüber“ , „… das mit dem Schlagzeug ist auch Schei…..“, aber ich denke wir haben uns damit mittlerweile ein Namen erspielt und versuchen den auch weiterhin auszubauen. Wir werden davon auch nicht mehr zurückgehen, und keine reine elektronische Band mehr Live werden.

Das freut mich sehr….

– Ja, die nächsten Konzerte werden auch so werden. Wir wollen den Leuten auch wirklich was bieten Live. Ich kann nicht nachvollziehen, wenn andere Bands mit Teilplayback auftreten, das die Leute dann noch so viel Geld dafür bezahlen Wir versuchen dann immer noch das irgendwie im Lot zu halten. Wir wollen Live spielen, wollen aber auch einen guten Preis den Leuten bieten. Unsere Konzerte sind jetzt nicht übermäßig teuer. Das soll uns auch ausmachen, das die Leute dann mit einem guten Gefühl nach hause gehen.

Über eure Webseite, auf der Ihr ja wohl auch sehr aktiv seid, wie man sehen kann, habt Ihr ja einen sehr direkten Kontakt zu den Fans. Beeinflussen euch auch deren Meinungen und Mitteilungen bei Entscheidungen eurer Arbeit?

– Nein, wir machen auf jeden Fall unsere Musik, so wie wir es wollen! Da können auch Reaktionen von Fans, die dann kommen nicht so viel bewirken. Es ist interessant das so mitzubekommen, und Du kannst Dich natürlich auch darüber erklären, wenn Fragen gestellt werden. Wir haben da ja so ein Tool eingebaut, wo man speziell Fragen an uns stellen kann. Ich beantworte die dann natürlich auch im deutschen, und Thomas macht das im englischem, so haben wir uns das aufgeteilt. Das Internet ist natürlich immer sehr anonym. Da weißt Du natürlich auch gar nicht was für Leute da dahinter stecken, die jetzt Kritik oder sonstiges da äußern. Da musst Du dann schon ein bisschen aufpassen und deshalb kannst Du das gar nicht so persönlich nehmen. Du musst da einfach drüber stehen. Man liest es sich dann durch, und natürlich freut einen dann ein positiver Eintrag mehr als ein negativer. Es gibt ein paar Dinge, da gehen wir auch auf die Fans zu. Das ist auf alle Fälle so eine Live-Sache, wo Fans sagen, sie wollen auf jeden Fall auch alte Songs hören, und die bekommen sie auch geboten. Aber wenn uns jetzt Fans diktieren wollen wie unsere Platte zu klingen hat, würde ich jetzt sagen das geht zu weit. Dafür sind wir zu sehr Musiker und eigen, das wir uns dafür verbiegen lassen würden. Das schafft noch nicht einmal eine Plattenfirma oder ein Management.

Probierst Du viel Equipment aus, neue Geräte testen, die auf den Markt kommen? Oder benutzt Du Dein Standardequipment, welches wahrscheinlich schon sehr groß ist?

– Mein Equipment ist gar nicht mal so groß. Ich sage immer viele Köche verderben den Brei. Also mein Lieblingssampler ist immer noch EMU Systems. Den Sampler habe ich jetzt seit 1998, den kenne ich halt und es macht Spaß damit zu arbeiten. Ich habe uns jetzt einen neuen Mac geholt, den muss ich aber jetzt erst einmal kennen lernen, weil ich vorher immer mit einem PC gearbeitet habe. Da bin ich gerade dabei mir das anzueignen, weil ich zukünftig mehr damit machen werde. Ich habe gerade bei der letzten Produktion gesehen, dass wir sehr viel im Rechner gemacht haben, und das hat mir gezeigt, das ich dort unbedingt weiterkommen muss. Gar nicht mehr viel mit Synthies als Hardware, sondern überwiegend auf Softwarebasis. Ich habe auch so noch einige Geräte herumstehen, die kennt man, und dann greift man auch immer wieder auf die Geräte zurück, weil man weiß was man damit machen kann.

Im April startet eure Tour. Habt Ihr zusätzlich auch Festivals geplant?

– Da kann ich jetzt noch gar nichts zu sagen. Es gibt wohl ein paar Anfragen, aber das Ganze ist derzeit noch nicht spruchreif, weil wir jetzt erst einmal unsere Tournee spielen wollen. Danach müssen wir dann sehen, ob sich das rentiert für uns.

Wie steht Ihr generell zu Festivals?

– Also ich persönlich bin nicht so sehr der Festivaltyp. Es ist aber trotzdem jedes Mal wieder eine Herausforderung für mich. Ich mag es schon lieber, wenn die Leute nur zur Band DE/VISION kommen. Dann weiß ich, die wollen heute Abend mit uns ein gutes Konzert erleben. Beim Festival kommt nur ein Bruchteil, und da ist es natürlich die Herausforderung die anderen davon zu überzeugen, dass wir gut sind. Das klappt manchmal, manchmal aber auch nicht. Wir sind jetzt nicht die beste Festivalband muss ich dazusagen, auch da haben wir dazugelernt.

Es ist ja immer eine schöne Gelegenheit dort auch andere Bands zu treffen oder kennen zulernen…

– … oder zu sehen wie dort andere Bands funktionieren. Manche funktionieren eben nicht auf Festivals, obwohl man etwas anderes erwartet hat.

Habt Ihr von eurer neuen CD eine Single herausgebracht?

– Nein noch nicht. Wir haben jetzt eine Promo-Single am Start gehabt. „Miss you more“ von Devolution, die wir speziell für die Radios gemacht haben – läuft aber nicht ganz so wie wir uns das vorgestellt haben- Also die Radios ignorieren uns immer ein bisschen so. Wir werden aber noch mal mit dem vierten Song „Drifting sideways“ an den Start gehen. Es steht aber noch nicht ganz fest, das wir dazu dann noch den Release machen. Wenn dann wird der Song wohl kurz nach der Tournee released werden.

Macht Ihr auch ein Video?

– Videos haben wir uns erst einmal abgeschminkt, weil die Sender einfach kaum noch Musik spielen, die so funktioniert wie unsere. Da wird es immer schwieriger. Nachdem Viva 2 so von uns gegangen ist, wird es für die Bands immer schwieriger so im Alternativ- oder Independentbereich Ihre Videos zu platzieren. Deswegen haben wir von vorneherein gesagt, das ganze kostet eine Menge Geld und rentiert sich für uns nicht. Wir müssen halt versuchen auf anderen Wegen Leute zu erreichen, sei es halt durch Interviews, was ich heute Abend führe, oder halt durch Clubs, wo wir laufen, oder gute Berichte. Live wird natürlich für uns besonders wichtig werden. Da müssen wir die Leute überzeugen, das muss sich dann wieder herumsprechen. Im Grunde sind Videos so für unser Genre gestorben. Die Musikkanäle sind eigentlich nur noch reine Werbekanäle für irgendwelche Labels oder Plattenfirmen. Die platzieren dort ihre Videos und die „kleinen“ haben da nicht mehr so die Chance dort hinein zukommen. Ich bin der Meinung, jeder sollte die Chance haben sich präsentieren zu können. Wir waren ja jetzt auch nicht gerade eine Band, die jetzt nicht unbedingt wenig CD’s verkauft, wir charten regelmäßig, wir haben eine große Fanbase und zu unseren Konzerten kommen eine Menge Leute. Das sind so Dinge, wo ich denke ihr ignoriert uns irgendwie, aber da darf man da im Endeffekt nicht jammern, sondern muss versuchen andere Wege zu finden, um sich Gehör zu verschaffen.

Deswegen kann man froh sein, das es immer noch so Zeitschriften wie Zillo, Orkus etc. gibt.

– Ja klar, die muss es auch weiterhin geben. Das sind halt Hefte die Präsentieren einen wenigstens. Du musst natürlich versuchen einerseits bei diesen Heften präsent zu sein, andererseits wenn Du CD’s verkaufen willst, dann reicht jedoch ein Orkus oder so nicht aus. Dann musst Du versuchen auch in andere Hefte hineinzukommen. Das ist halt der Weg, den wir versuchen zu gehen. Wir wollen halt so viele Leute wir möglich zu erreichen.

Danke und ich wünsche euch für eure Tournee viel Spaß und viel Erfolg auch für eure CD.

https://www.facebook.com/DEVISION-24741337633

Story: Bernd Dahmen

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