JEFF SCOTT SOTO
JEFF SCOTT SOTO hat in seiner Karriere als Melodikrock Musiker schon in vielen Bands gespielt, u.a. in Eyes, Takara, Talisman, Axel Rudi Pell. Aber das ist ihm nicht genug – er arbeitet auch an Solowerken. Sein neues Album „Prism“ ist im November veröffentlicht worden.
Wann hast du mit der Musik begonnen?
– Ich glaube ich habe mit der professionellen Musik angefangen nachdem ich achtzehn Jahre alt war. Zu dieser Zeit nahm ich zwei Songs auf, „Rising Force“ und etwas später „Marching Out“.
Du hast in diversen Bands gespielt, bevor du anfingst an deiner Solokarriere zu arbeiten?
– Ja, ich habe in etlichen Bands in der 80er und 90er Jahren mitgemacht. Die meiste Zeit habe ich mit der Band Talisman gearbeitet, aber auch mit der deutschen Formation Axel Rudi Pell habe ich 4 oder 5 Alben gemacht. Außerdem habe ich bei Eyes und Takara mitgemacht … und …
Es ist recht schwierig sich zu erinnern?
– Ja, ja … es ist gar nicht einfach diverse Bands nachzuhalten.
Warum hast du dein neues Album „Prism“ genannt?
– Nun, ein Prisma hat viele Flächen, Kanten und Ecken. Das kann ich von mir und meiner Karriere auch sagen. Mein Leben und meine Karriere als Musiker weist Ähnlichkeiten mit einem Prisma auf. Die Jahre hindurch habe ich Musik auf Basis Melodik und Hard Rock gemacht oder Balladen … mein Weg ist nicht immer so einheitlich und gerade verlaufen. Viele verschiedene Ideen sind in meine Musik in den Jahren eingeflossen. Die naheliegende Beschreibung meines Weges war das Prisma.
Die Musik und die Texte hast du geschrieben?
– Ja, bei „Prism“ habe ich zum ersten Mal sämtliche Songs geschrieben. Normalerweise arbeite ich mit anderen Musikern zusammen an den Stücken. Außerdem habe ich mein Album selbst produziert.
Wann hast du mit „Prism“ begonnen?
– Ich glaube ich habe im Januar 2002 mit „Prism“ angefangen. Den Recording-Process habe ich allein gemacht, also die meisten Instrumente habe ich selbst eingespielt. Ich habe natürlich auch mit anderen Musikern für „Prism“ zusammengearbeitet. Gewöhnlich, wenn du in einer festen Formation spielst, arbeiten alle Musiker zusammen an der Musik und meistens auch an den Texten.
Deine Songs sind sehr poetisch geworden. Was hat dich dazu inspiriert?
– Ich denke, ich habe etwas mehr Gewicht auf die Texte gelegt. In der Vergangenheit habe ich Texte gesungen, die ich heute wahrscheinlich nicht mehr akzeptieren würde. Heute denke ich dann nur : `Um Himmels Willen, wie konntest du nur so etwas schreiben.´ Es fällt mir manchmal sehr schwer, mir diese Stücke heute anzuhören. Jetzt nach vielen Jahren im Musikbusiness versuche ich daher einfach mehr Wichtigkeit in die Lyrik zu legen.
Mir ist aufgefallen, dass du viele Passagen mit chorischen Einlagen belegst.
– Stimmt. Ich glaube, das kommt ganz auf die momentane Einstellung an … wie ich meinen Song darstellen möchte. Wahrscheinlich entsteht es aus einem Impuls heraus. Ich denke, dass chorische Elemente einfach zum Melodikrock dazu gehören. Inspiriert worden bin ich in früheren Jahren wohl auch durch die Band Queen. Ich liebe Experimente mit Harmonien und Backgrounds.
Interessant sind die Reibungen, der durch die melodische, harmonische Gesangslinie und dem aggressiven mitunter harte Gitarrensound entsteht. Was war deine Inspiration?
– Ich denke, es entsteht im Prozess. Ich kann es nicht so einfach festlegen. Es geschieht einfach. Es ist das intuitive Spiel mit den Musikern, mit den Texten und den momentanen Gefühlen.
Du hast einen Song auf deinem Album „I Want To Take You Higher“ ein Duett mit Glenn Hughes. Wie kam das zustande?
– Nun, Glenn und ich seit vielen Jahren sind gute Freunde. Immer wieder kam uns der Gedanke einmal etwas zusammen zu machen. Wir haben des Öfteren miteinander an Songs gearbeitet oder musikalisch etwas zusammen gestaltet. Dieses Jahr allerdings habe ich mich entschlossen, für uns zusammen ein Duett zu inszenieren. Und als ich den Song „I Want To Take You Higher“ fertig gestellt und Glenn vorgestellt hatte … haben wir es einfach getan.
Wie findest du die Ideen für deine Texte?
– Viele Songs entstehen durch Improvisationen mit den Gitarren oder den Keyboards. Die Basis für die Lyriken kommen zustande, wenn ich den Sound höre. Ich versuche die Gefühle, die durch die Musik in mir entstehen, in Textformat zu bringen. Natürlich finde ich viele Ideen auch in meinem Umfeld, durch die Medien. Empfindungen die dann in mir entstehen, oder Emotionen die ich bei anderen beobachte. Es ist nicht immer ganz einfach, die Informationen und Ideen zu formulieren. Manchmal bereitet es mir wirklich Kopfzerbrechen. Meine fertigen Songtexte gebe ich meistens Freunden zum Lesen, allein um zu erfahren, inwieweit die Prosa sie erreicht … welche Gefühle bei ihnen entstehen.
Viele deiner Songs sind eher traurig. Warum?
– Ja, das ist richtig. Viele meiner Songs sind kurz nach dem 11 September entstanden. Meine Emotionen waren zu dieser Zeit für mich kaum kontrollierbar. Und das hat meine Stücke inhaltsmäßig natürlich nicht verschont. Ich habe diese Bilder in der Entstehungsphase der Lyriken nicht verdrängen können. Ständig stellte ich mir die Frage, wie so etwas geschehen konnte, warum es geschah … meine Blicke gingen oftmals zum Himmel, vielleicht aus Angst, es könnte wieder passieren. Die Eindrücke in dieser Zeit haben sich sicherlich genauso in meinen Texten und Musiken nieder geschlagen.
Deine Songs sind recht melodisch.
– Stimmt. Die Stücke sind sehr melodisch, denn auch das Material ist deutlich softer als der traditionelle Hardrock. Natürlich schlägt sich das auf die Songs nieder – in jeder Hinsicht. Ich mag den melodischen Stil im Rockbereich. Ich bin ein sehr melodieorientierter Sänger und Songwriter.
Du setzt in deinen Songs eine Menge verspielter Gitarrenelemente ein, z.B. bei dem Stücken „By Your Side“ oder Don’t Walk Away“. Warum?
– Auch das ist etwas, was beim Entstehungsprozess entsteht. Es gibt keine spezielle Struktur. Ich mache es einfach. Mitunter ist es ein langer Weg auf genau diese Etüden zu kommen, manchmal ist es ganz einfach und entsteht so plötzlich und so klar. Verspielte Elemente geben eine gewisse Art von Emotionen wieder, oder können diese noch verstärken.
Viele deiner Songs sind voller Emotionen. Weißt du vorher in welche Richtung ein Stück gehen soll oder entsteht es während des Arbeitsprozesses?
– Ja und nein. Bei diesem Album „Prism“ kann ich es gar nicht genau sagen. Ich habe mich sehr stark darauf konzentriert. Es geschah während des Entstehungsprozesses einfach sehr viel und ich habe mich auf deutlich mehr konzentrieren müssen als nur auf die Melodie und die Lyriken. Ich war der Produzent, der Songwriter, ich habe viele Instrumente eingespielt, und, und, und … das alles zusammen war eine Menge Arbeit. Mein Fokus lag einfach auf vielen Rollen. In dieser Zeit entstand viel Hektik. Zum Glück war die Arbeit mit den anderen Musikern sehr einfach und zügig. Es war einfach für die anderen und eigentlich recht schmerzhaft für mich. Auf diese Weise habe ich noch niemals zuvor an einem Album gearbeitet.
JEFF SCOTT SOTO wird hinsichtlich der letzten beiden Soloalben Anfang nächsten Jahres auf Solotour zu gehen. Außerdem wird er wieder mit der Band Talisman an einem neuen Album arbeiten und natürlich weiterhin an seiner Solokarriere.
Gabi Peiter
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