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THANATEROS

Vor gut einem Jahr horchte die Metalwelt ziemlich stark auf, denn THANATEROS veröffentlichten ihr Debutalbum. Auf ´The Last Rite´ demonstrierten die Berliner sehr gekonnt, was so an Potential in ihr versteckt war. Moderner Metal, gepaart mit Folksprenkel und dies alles verpackt in einem mehr oder minder hartem Soundgewand, stieß nicht nur bei mir auf offene Ohren. Vor einiger Zeit bekam ich dann das neue Album ´Circle Of Life´ und ich dachte nur, ist das Debut noch zu toppen? Es ist, denn schon nach dem ersten Song wurde ich in den Bann von ´Circle Of Life´ gezogen. Etwas ruhiger, aber mit dem gewissen Etwas versehen, verbergen sich hinter dem Album 12 wunderbare Songs, welche sehr komplex erscheinen. Mehr zu allem konnte ich von Sänger Ben Richter erfahren, der mir auf meine Fragen sehr aufschlussreiche Antworten gab.

Wenn man sich die beiden Alben im direkten Vergleich anhört, stellt man fest, dass diese vollkommen verschieden sind. Seht ihr das genau so?

– Uns ist schon bei den Konzerten, wo wir das neue Material teilweise vorgestellt haben, aufgefallen, dass ein großer Unterschied vorhanden ist. Wir merkten schon, dass die Songs von den Texten her und von der Darbietung mit der Fiddel schon ganz anders klangen. Wir hatten auch schon von Anfang an die Absicht dieses Album stilprägend für uns zu gestalten.

Im Grunde war ja bei ´The First Rite´ nur das Intro sehr stark Irish Folk-lastig und sonst stand diese Richtung mehr im Hintergrund. Jetzt war es ja so, dass die Songs auf eurem Debut ja doch schon etwas älter waren. War es denn dieses Mal so, dass ihr bei ´Circle Of Life´ mit mehr Einflüssen gearbeitet habt?

– Es war dieses Mal auch so gewesen, dass ich die kompletten Songs alleine geschrieben habe. Trotz allem haben wir diese Songs noch einmal mit allen durchgesprochen und an vielen Stellen noch einiges geändert haben. Wir haben von Anfang an gewusst, dass wir diese irisch-keltischen Elemente ganz bewusst nach vorne treiben wollten. Dies war dann auch der Grund dafür, dass ich von vorneherein Platzt gelassen habe, für die Gitarren und andere Instrumente. Ich glaube auch, dass es nicht funktioniert, wenn man erst einen Rocksong schreibt und danach erst diese folkloristischen Elemente einbaut. Dies würde in meinen Augen sehr aufgesetzt klingen und genau das wollten wir nicht. Ich denke auch, dass wir die richtige Symbiose geschaffen haben zwischen diesen beiden Elemente und das geht nur, wenn man beim Songwriting ein wenig darauf schaut, wie ein Song am Ende klingen muss.

Ist dies Arbeitsweise, dass du die Songgerüste alleine fertig stellst einfacher für euch?

– Das hat sich im Laufe der Zeit eigentlich ergeben. Beim ersten Album hatte ich ja schon alle Songs fast fertig. Beim neuen Album war es einfach so, dass ich die Songs einfach geschrieben und anschließend dann bei mir zu Hause aufgenommen habe. Es hat sich gezeigt, dass diese Arbeitsweise einfach optimal für uns ist und warum sollte man jetzt andere Wege einschlagen. Mir ist es nämlich am Wichtigsten, dass jeder seine Einflüsse mit einbringt, denn sonst wäre es ja ein Soloalbum und das will ich auf keinen Fall. So kann es auch dazu kommen, dass manche Songs eine ziemlich drastische Wandlung erfahren, weil den anderen Bandmitgliedern so viel dazu einfällt.

Dass sich die anderen Bandmitglieder voll mit den Songs identifizieren merkt man vor allem bei den Live-Shows.

– Es geht ja auch gar nicht anders, denn wenn man eine solche Thematik hat, die man auch noch glaubhaft nach draußen bringen will, dann muss eben jeder dahinter stehen. Es würde dann, wie du schon gesagt hast, einfach nicht rüberkommen.

Das THANATEROS sehr gut beim Publikum ankamen, stellten sie eindeutig bei der Tour im Vorprogramm von IN EXTREMO unter Beweis.

– Wir wussten am Anfang der Tour überhaupt nicht, wie wir ankommen würden. Uns kannte ja fast keiner und vor einem solchen Publikum zu spielen, war schon eine Herausforderung. Bekannt war uns aber, dass das IN EXTREMO-Publikum sehr breit gefächert ist, weil die Leute aus den verschiedensten musikalischen Richtungen anwesend sind. Wir waren auf jeden Fall mehr als positiv überrascht, denn auch die Resonanzen, auch nach der Tour, waren doch sehr beträchtlich. Es war einfach umwerfend, was wir an Fanpost, E-Mails und sonstiges bekommen haben, dass wir mit einer solchen Resonanz im Vorfeld gar nicht gerechnet hatten. Es war also im Nachhinein ein richtig schönes Erlebnis.

Zurück zu eurem neuen Album. Wenn ich mir ´Circle Of Life´ anhöre, kommt es mir teilweise wie ein kleines Konzeptalbum vor.

– Es ist vielleicht ein wenig übertrieben es als Konzeptalbum zu bezeichnen, aber es war von Anfang an so geplant, dass es von den Inhalten und Texten in sich geschlossen ist. Wichtig ist uns aber, dass die Texte, die Musik und das Cover eine Einheit bilden.

Ich finde auch, dass man nach 55 Minuten sagt: Ist sie schon zu Ende?

– Das ist aber schön zu hören. Hoffen wir, dass die Leute dies auch so sehen.

Eine Tatsache ist mir auch sehr stark aufgefallen, ihr habt nicht mehr so ein düsteres Flair auf eurer neuen CD.

– Wir wollten uns auch ein wenig aus der Gothik-Ecke lösen, denn wir wollten uns einfach musikalisch weiter entwickeln. Die meisten von uns kommen aus der Gothik-Szene wie DREADFUL SHADOWS oder VERMILLION FIELDS, aber von diesem Genre wollen wir uns lösen. Wichtig ist für uns, dass die Musik aus der Seele kommt und vor allem muss sie uns Spaß machen. Somit kommt es auch dazu, dass sie sehr vielseitig ist.

Das habe ich auch als sehr positiv empfunden, denn die Songs sind sehr spontan.

– Das liegt zum großen Teil an die Einflüsse des Irish Folk, denn dies ist eine sehr lebendige und spontane Musik. Die ist uns auch im Studio sehr stark aufgefallen, denn es hat uns völlig neue Wege eröffnet. Man konnte einfach drauf losspielen und somit waren den Ideen keine Grenzen gesetzt.

Es kamen dieses Mal wieder einige Gastmusiker zum Einsatz. Viele Bands lassen solche Parts vom Band mit einfließen. Aber ich denke euch ist dies sehr wichtig, dass dies sehr authentisch passiert.

– Ich kann mir persönlich nicht gut vorstellen, dass dies sehr gut wird, wenn man Samples verwendet. Es ist einfach eine lebendige Musik, die teilweise nicht perfekt gespielt wurde, aber genau durch diese Tatsache wird der Sound wieder lebendig. Es ist eben handgemachte Musik, welche spür- und erlebbar ist. Samples haften eine gewisse Kälte an und mit so etwas wollen wir erst gar nicht arbeiten. Stolz sind wir darauf, dass wir mit richtigen Profis wie Fiddler Bernd Lüdtke von der Irish-Folk Band MIDNIGHT COURT und Christian Tschirch, einer der führenden Uilleann Pipes und Whistle-Spieler, zusammen arbeiten konnten. Für sie war es auch etwas ganz neues und es hat ihnen sehr viel Spaß gemacht.

Ist die nicht eine ziemlich zeitaufwendige Sache, mit Gastmusikern zu arbeiten?

– Wir haben im Vorfeld sehr viel Zeit benötigt mit Bernd an der Fiddel. Er hat auch eine Menge Zeit investiert, denn es waren sehr viele Proben notwendig. Aber er hat zu Hause sehr viel daran gearbeitet. Durch diese Vorarbeit haben wir dann im Studio alles sehr zügig aufnehmen können.

Das war aber eine gute Planung.

– Das muss man auch, denn das war auch der Punkt. Eigentlich sollte das Album schon im November veröffentlicht werden, aber wir merkten in der Aufnahme-Session, dass dieser Termin nicht zu halten war. Wir haben denn mit dem Label Rücksprache gehalten, denn wir wollten nur ein Album abliefern, hinter dem wir auch voll und ganz stehen.

Auf eurem Debut ´The First Rite´ gab es sehr viele geschichtliche Themen zu hören. Ist dies auf ´Circle Of Life´ auch der Fall?

– Stark ist auf diesem Album die keltische Mythologie vertreten. ´Tir Na n´Og´ handelt von der keltischen Anderswelt und das Stück ´Kernunnos´ beschreibt eine keltische Gottheit. Obwohl sehr viel keltische und irische Mythologie zu Grunde liegt, ist dies aber nur als Mantel, unter dem die Texte stecken.

Also auch mehr frei interpretierte Texte.

– So kann man es auch ausdrücken.

Habt ihr denn jetzt schon irgendetwas an Liveaktivitäten geplant?

– Wir würden gerne eine Support-Tour starten, aber daran wird noch gearbeitet. Wir werden aber im Frühjahr einige Dates als Headliner spielen. Alles andere wird sich in der nächsten Zeit konkretisieren.

Bis dahin werden wir uns in Geduld fassen müssen. Auch ich bin gespannt, wie THANATEROS bei den Zuschauern ankommen wir. Ich denke aber, dass sie, durch ihre Tour mit IN EXTREMO schon einige Fans dazu gewonnen hat.

Story: Gisela

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