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SCREAM SILENCE

Vor 1999 gab es sie eigentlich auch schon – SCREAM SILENCE, allerdings in völlig anderer Besetzung, wie Hardy mir erklärte. Er muss es wissen, denn zu jener Zeit arbeitete er als Tontechniker. Doch seit 1999, neu formiert,  tummeln sie sich wieder in der Gothic Szene. Nach ihrem zweiten Album stieg der Gitarrist aus privaten Gründen aus und Robert stieg ein. SCREAM SILENCE bestehend aus Hardy Fieting (vocals & keyboards), Cornel Otto (bass = Neuzugang anstelle von René), Robert Klausch (guitars) und Kaiko Wolf (drums) haben jetzt mit ihrem neuesten Album “Seven Tears …” ihre dritte Scheibe veröffentlicht. Nach vielen Anläufen hatte ich endlich das Glück mit Hardy über „Seven Tears …“ reden zu könnnen.

Wie seid ihr auf den Bandnamen SCREAM SILENCE gekommen?

– Wie ich schon sagte, SCREAM SILENCE gab es ja vorher schon. Und dadurch habe ich mit dem Bandnamen nicht allzu viel zu tun gehabt. Den haben wir einfach übernommen, weil es Blödsinn war einen neuen Namen zu suchen. Die Hälfte der alten Bandmitglieder war beim Neubeginn dabei, und so haben wir den alten Bandnamen einfach behalten. Und SCREAM SILENCE passt ja auch zu unserer Musik. Jetzt eigentlich besser als vorher.

Inwiefern?

– Wie soll ich mich ausdrücken … vorher spielten sie Rockmusik!

Ein nicht kleiner Unterschied!

– Nicht unbedingt. Wir machen jetzt Gothic Rock. Die alte SCREAM SILENCE Formation habt den Anfang gemacht … mit ein bisschen Keyboardspielerei. Nicht wie wir jetzt. Doch ihre Musik lief damals nicht so, auch ein Label war nicht in Sicht. Das war der Auflösungsgrund. Übrig ist eigentlich von der ganz alten Mannschaft nur René, der aus zeitlichen Gründen nicht mehr mitspielt, aber das Management macht. Und nach einem Jahr Ruhe traf ich René wieder und wir kamen auf die Idee: Jetzt wird alles besser. Und es hat geklappt.

Wo habt ihr euer Album produziert?

– Bei mir selbst. Ich habe ein eigenes Studio und produziere auch für viele andere Bands. Wäre ja auch Blödsinn, wenn ich mit meiner eigenen Band in ein anderes Studio gehen würde. Von mir, bei mir produziert – das ist alles Selfmaking.

Wie war die Arbeit zu „Seven Tears …“?

– Naja, das war so ein kleines Problem. Da ich so viele andere Bands mache, liegt unsere Arbeit manchmal so einen Monat brach. Es ist nicht wie bei anderen Formationen, die zu mir ins Studio kommen und ich produziere ihr komplettes Album innerhalb von vier Wochen. Bei uns geht das so ein bisschen Stückchenweise.

Das kann dann auch schon mal ein Jährchen dauern!

– Eigentlich dauert es so ungefähr ein Jahr. Andere Bands brauchen ja auch praktisch ein Jahr um neue Songs zu schreiben … und so, und dann kommen sie zu mir ins Studio und nehmen es dann in vier Wochen auf. Bei uns ist das ähnlich, nur das ich dann zwischendurch wenn ich Zeit habe an unseren Songs arbeite und wenn die fertig sind auch gleich aufnehme. Dann ist immer so ein Monat Pause dazwischen, und so läppert sich das über ein Jahr hin. Und irgendwann bin ich dann fertig damit.

Fertig mit dem Album und fertig mit den Nerven!

– (lacht) Das auch.

Wer ist verantwortlich für die Musik und wer für die Texte?

– Eigentlich ich. Wobei das für die Musik nur im groben Schema gültig ist. Die Songs sind zwar an sich schon fertig, wenn unsere Band ins Studio kommt, aber ich bin ja zum Beispiel für die Gitarren nicht zuständig. Letztendlich bringt jeder seine eigene Ideen mit rein … ansonsten brauchst du eigentlich keine Band, das wäre ja Blödsinn.

Seid ihr generell zu viert oder setzt ihr auch Gastmusiker ein?

– Haben wir bisher noch nie gemacht, bis auf Ausnahmen bei Tourneen oder Konzerten, wo sich schon einmal die Bands musikalisch vermischen können. Allerdings … wir haben in ca. vier Wochen bei den Herbstnächten ein Konzert, und da wollen wir das Ganze mal ein wenig anders gestalten. Da haben wir vor, wirklich mal ein paar Streicher dazu holen. So richtige Live-Streicher. Ob es dann wirklich so realisierbar ist, das bleibt abzuwarten. Momentan baue ich gerade die Songs etwas um, so dass sie auf die Streicher zugeschnitten sind … schreibe mir die Noten auf, damit die Musiker auch mal proben können, um ein paar unserer Songs mit ihren Instrumenten zu begleiten. Es ist natürlich auch ein Kostenfaktor … Streicher live einzusetzen.

Eure Texte sind in ihrer Gesamtheit schön – traurig. Inspiration?

– Das ist von Song zu Song sehr unterschiedlich. Diese melancholische Grundstimmung ist in jedem unserer Songs zu spüren … jeder aus einer anderen Motivation heraus. Wobei sich die melancholische Grundstimmung natürlich wie ein roter Faden durch die gesamte Platte zieht bzw. Platten zieht. Mal wird ein Trennungsschmerz verarbeitet, mal der allgemeinen Scheiß, es ist breit gefächert. Allerdings kann man es auch heraushören, wenn man sich Mühe gibt(lacht).

Bei „Seven Tears …” stellt ihr eine Menge Fragen und stellt sie in den Raum. Idee?

– (lacht) Gute Frage! Ich muss zugeben: Es ist ja schon ein Weile her, seit ich die Texte geschrieben habe … also … für mich ist es uninteressant, wenn mir in Form von Songtexten normale Situationen beschrieben werden. Das interessiert mich als Hörer eigentlich gar nicht, wenn ich ganz ehrlich bin. Denn ich will mir über die Songs selbst Gedanken machen. Aus diesem Grund finde ich es besser, wenn mir nicht alles direkt wie ein Brett vor den Kopf gehauen wird. Nur so kann ich für mich selbst die Musik interpretieren.

Euer Album ist sehr melodisch. Wie wichtig ist für euch die Melodielinie?

– Die ist eigentlich der Hauptbestandteil, finde ich. Die Melodie ist das Grundthema. Ich beginne einfach mal mit dem Refrain. Wenn er wunderschön ist, das man in zwar mitsingen kann, aber dennoch nicht so einfach ist, das es einem Kinderlied ähnelt, dann ist die Grundlage für einen Song geschaffen.

Ihr setzt häufig verspielte Elemente nur mit Hilfe von Gitarrenriffs ein. (Song „Timid Try“ und „Asylum“. Idee?

– Das ist eine gute Frage. Der Song hat es einfach verlang, eine Verspieltheit mit reinzubringen. Dieser Klimpersound am Anfang … ich kann es ja auch nicht so richtig definieren … Wenn man da eine Weile herumschraubt, dann hast du eine Vorstellung, was in diesen Song hinein gehört. Die Noten sind dann meistens schon da. Ich suche mir dann ein Instrument aus, was den „Inhalt“ des Songs ausdrücken soll.

Auf den Punkt gebracht: Du bist sozusagen der Koch!

– Genau (lacht). Das ist mir so noch nie eingefallen. Ich koche da so ein Süppchen und wenn es nicht schmeckt, dann muss nachgewürzt werden.

Wie wichtig ist für euch eine präzise Ausarbeitung des Sounds?

– Sehr wichtig. Wenn ich im Studio an unseren Songs sitze, habe ich nicht die Lust etwas Halbfertiges heraus zu bringen. Wenn mir an einem Stück etwas nicht gefällt, dann wird so lange daran herumgebastelt, bis ich zufrieden bin. Wenn ich im Studio bin und mir die Kopfhörer aufsetzte, dann wissen die anderen sofort, dass sie erst einmal eine Stunde heraus gehen können. Dann ist meistens Hopfen und Malz verloren. Keiner versteht, wie ich mir stundenlang bestimmte Sequenzen in einem Stück anhören kann, daran herumschraube … und die meisten hören nicht einmal heraus was ich verändert habe. Und irgendwann sage ich: So, jetzt ist es schön.

SCREAM SILENCE arbeitet an ihren Songs schon sehr perfektionistisch und professionell, aber der Erfolg gibt ihnen ja dann auch recht. Momentan stylen sie ihre Songs für ein Live Programm um und sind irgendwie im Wandel – laut Hardy. Ich lasse mich überraschen.

https://www.facebook.com/ScreamSilenceMusic

Story: Gabi Peiter

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