GUANO APES
Mit Spannung wurde das neue Album der GUANO APES erwartet. Viele Skeptiker bezeichneten diese Band als ´Eintagsfliege´, aber das neue Album ´Don´t Give Me Names´ straft diese Zweifler Lügen. Mit diesem Album ist der Göttinger Band gelungen noch eins draufzusetzen. Bestach ´Proud Like A God´ durch Facettenreichtum, so wurde bei dem neuesten Output dies noch verstärkt ausgebaut. Zusammen mit Gitarrist Henning Rümenapp versuchte ich das Phänomen GUANO APES ein wenig zu durchleuchten.
Nach fast zwei Jahren des stetigen Tourens waren die GUANO APES doch ziemlich ausgebrannt, was wohl mehr als verständlich ist. Dieser Druck musste erst einmal verkraftet werden. Wie habt ihr es denn geschafft ein solches Album wieder auf die Beine zu stellen?
– Nach den ganzen Touren haben wir wirklich gedacht, dass wir überhaupt nichts mehr hinbekommen. Wenn wir beim Proben irgendwelche Ideen hatten, wurden sofort gesagt ´Ach das klingt ja wie der Song und man kann dieses höchstens als eine B-Seite für eine Single nehmen.´ Das waren alles Sachen, worüber wir uns früher keine Gedanken gemacht haben. Wir kamen dann zum Entschluss in völliger Abgeschiedenheit, und zwar in Dänemark, ohne Telefon und sämtlichen Kontakt zur Außenwelt, wieder zu uns zu finden. Nach gut zehn Tagen des jammens fiel uns auf, dass wir in der ganzen Zeit auch schon neue Sounds mit ins Spiel gebracht haben. Somit wurde letztendlich der Grundstein für das neue Material gelegt.
Welches ja wesentlich vielseitiger ausgefallen ist als die Songs auf ´Proud Like A God´.
– Das ist selbst für uns erstaunlich, denn für ´Proud Like A God´ hatten wir viel mehr Zeit, nämlich anderthalb Jahre. Wir waren nach den Recordings alle ziemlich erstaunt, was wir in der kurzen Zeit fertiggestellt haben. Wenn man bedenkt wie zerrissen das alles war, waren wir nach dem abmischen so überrascht, wie kompakt die Songs ausgefallen sind. Man ist ja doch immer sein schärfster Kritiker und wenn man dann ein wenig Anstand von allem nimmt, kann man doch richtig konzentriert ans Werk gehen.
Also abgeschirmt von allem herkömmlichen und von der gewohnten Umgebung.
– Ich würde sogar noch weitergehen. Wenn man immer im selben Sud schwimmt, das heißt immer dieselben Toningenieure die einem auf Tour begleiten, dann wird man immer gehemmter. Als wir das neue Material, welches wirklich in totaler Abgeschiedenheit entstand, Freunden vorspielten, die uns im Studio besuchten, waren wir richtig aufgeregt was diese wohl dazu sagen würden. Man verliert irgendwann die Relation und muss sich regelrecht positionieren.
Man verliert, schätze ich den Bezug zu allem.
– Ja und genau das ist uns passiert.
Mit dem neuen Material lassen sich die GUANO APES in keine, so wie es viele gerne machen, Schublade mehr packen. Habt ihr deshalb dem Werk den Namen ´Don´t Give Me Names´ gegeben?
– Den Albumtitel kann man auf mehrere Arten interpretieren. Das grundsätzliche Problem bei uns ist, dass wir uns auf keinen Albumtitel entscheiden können. Unser Produktmanager hatte die Idee eine Textzeile von einem Song zu nehmen. So kam dann dazu, dass wir diese Textzeile vom Song ´Living In A Lie´ als Titel wählten. Zuerst kam uns dieser Titel etwas komisch vor, aber je länger wir darüber nachdachten, fanden wir es immer passender. Einerseits zeugt es davon, dass wir uns auf nichts einig werden konnten und andererseits mahnt es ein wenig davor, dass sich die Leute das Album erst einmal anhören sollten, bevor sie urteilen. Es geht ja auch nicht darum, dass man auf dem Album schreibt, dies ist, was weiß ich, ein Crossoveralbum. Ich glaube durch das Material merkt man sehr genau, dass wir uns mittlerweile freigeschwommen haben und vor allem an Eigenständigkeit gewonnen haben. Die Band hat so viele Facetten und ich hoffe dass jeder für sich etwas aus den Songs heraus holen kann.
Was mir persönlich an dem Album gefällt ist, dass die Gitarrensolos, die Drumparts, die Bassläufe und vor allem der Gesang eine Einheit bilden. Wichtig sind doch im Endeffekt gute Songs.
– Das sehe ich auch so, aber es fällt einem sehr schwer sich davon zu trennen alles analysieren zu wollen. Ich finde, dass Musik fast ausschließlich nur mit Emotionalität zu tun hat. Deswegen sollte man von den Meinungen das sollte so und das andere anders sein, ein wenig ablassen.
Musik sollte doch wirklich nur gefallen. Sie sollte Spaß machen um den harten Alltag für eine Weile zu entfliehen. Das ist auch für mich genauso wie für viele andere auch der Grund, dass sie Musik so lieben. Jetzt aber zu etwas anderem. Ihr habt euch ja wieder für ein Tier auf dem Cover entschieden. Das riesige Insekt ist wirklich toll ausgefallen. Hattet ihr die Idee zu diesem Cover?
– Diese Ideen kommen alle von unserem Art-Worker, der auch Sachen wie das Internet, Poster, Eintrittskarten usw. für uns macht. Wir haben damals zur ersten Platte schon gesagt, genau das ist es was wir haben wollen. Bei uns läuft auch sehr viel ohne Kontrolle. Viele meinen vielleicht dass dies alles Berechnung ist, aber das ist nicht der Fall. Wir möchten auch nicht ein künstlerisches Werk haben, es muss einfach nur gut aussehen und sollte originell sein. Das Cover sollte im Grunde dem Album ein Gesicht geben.
Was mir persönlich sehr gut gefällt ist der Einsatz von Flamencogitarren bei ´Mine All Mine´ und die Cellos bei ´Anne Claire´. Diese waren auf eurem Debut ja nicht so stark vertreten.
– Wir haben uns bei ´Proud Like A God´ ziemlich langsam an diese Instrumente herangetastet. Wir wollten damals nicht so verstärkt den Einsatz von fremden Instrumenten. Erst als wir den Song für einen Soundtrack aufgenommen haben. Dieser wurde ja mit Streichern aufgenommen. Wir waren bei den Recordings ziemlich aufgeregt, denn das Orchester spielte nach Noten und das hat uns schon ziemlich beeindruckt. Durch diese Sache wurden wir auch offener für den Einsatz von anderen Instrumenten. Heute sehen wir diesen Einbau als Einbau von Farben in unsere Musik. Dieser Einsatz der Flamencogitarren oder auch der orientalische Einfluss hat dem Sound ein farbiges Gewand verliehen. Das Ganze hat uns auch gezeigt, was man aus Musik alles machen kann, nur beim Debutalbum waren wir damals noch nicht offen genug für solche Experimente.
Kommen wir jetzt zum Thema Amerika. Es ist ja für deutsche Verhältnisse nicht alltäglich, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Fuß zu fassen. Die GUANO APES haben dies mittlerweile geschafft, denn die Verkaufszahlen in den Staaten sprechen für sich. Wie war es denn für euch dort aufzutreten?
– Es hat eigentlich langsam angefangen. Zuerst spielten wir in Austin und Boston kleinere Shows und im November folgte dann eine komplette Tour. Jetzt im Mai haben wir dann eine Support-Tour für CREED absolviert. Das Gefühl war schon toll. Es ist als deutsche Band eigentlich nicht so schwer, denn die Nationalität spielt im Grunde keine so große Rolle. Die Amerikaner sind im Grunde sehr offen für Musik und sparen nicht mit Lob, wenn es ihnen gefallen hat.
Ich habe auch gehört, dass bei euren letzten Auftritten 3000 Leute, von über 8000 bei den Konzerten eure Lieder komplett mitgesungen haben.
– Das war schon ein Erlebnis. Aber dieses Gefühl haben wir auch in Länder wie z.B. Portugal, denn wir wissen nicht wie die Zuschauer es finden und sind im Endeffekt überrascht wie enthusiastisch wir empfangen werden. Wir sind jetzt auch nicht sicher, wie uns das Publikum auf unserer Deutschlandtournee empfangen wird. Verkaufszahlen ist die eine Sache die auch unser Überleben sichert, viel wichtiger ist uns aber, wie viele Leute zum Konzert kommen und wie diese es finden.
Die GUANO APES stiegen innerhalb von zwei Jahren auf, von der ´No Name´-Band zu einer Band, die schon fast Kultstatus erreicht hat. Welche Gefühle begleiten euch nach diesem Erfolg?
– Es ist das größte Kompliment, was man sich überhaupt wünschen kann. Es ist ein tolles Gefühl, dass es Leute gibt die unsere Musik, die wir persönlich gut finden, auch gefällt. Es ist auch ein großes Privileg für uns dies alles ausleben zu können und aus unserem Hobby den Beruf zu machen, wovon wir leben können. Wir hoffen jetzt auch, dass wir dies noch lange machen können und auch lange noch kreativ sein können.
Daran zweifle ich nicht, denn nach der Steigerung von ´Proud Like A God´ zu ihrem neuen Album ´Don´t Give Me Names´ dürfte dies wohl die kleinste Sorge sein.
Story: Gisela
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