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DIO

Mit seiner neuen Scheibe ´Magica´ ist Ronnie James Dio endlich wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Mystisch wie eh und je tönt die Scheibe aus den Boxen und die Stimme von Ronnie gibt sein übriges dazu. Hinzu kommt noch die Wiederkehr von Gitarrist Craig Goldie, der schon Alben wie z.B. ´Last In Line´ in andere Sphären hinauftrug. Etwas verspätet folgt nun endlich die Story zu dieser erstklassigen Scheibe. Mit einem total sympathischen und überaus relaxten Ronnie konnte ich dann das nachfolgende Interview, während seiner Deutschlandtour in Köln führen.

 

Ziemlich nervös war ich schon, als der Termin mit Ronnie James Dio näher rückte. Aber in seiner sympathischen Art nahm er sofort alle Nervosität von mir und somit konnten wir beginnen. Vier Jahre sind seit dem letzten Studioalbum ´Angry Machines´ vergangen. Eine ziemlich lange Zeit, wenn man von dem Live-Album einmal absieht.

– Nach dem Release von ´Angry Machines´ gingen wir erst einmal für ca. 1 1/2 Jahre auf Tour. Nach der Veröffentlichung vom Livealbum ´Last In Live´ gingen wir für dieselbe Zeit auf Tour. Nach den Touren gingen wir sofort wieder ans Werk, unser neues Album zu schreiben und aufzunehmen.

Nun ist Craig Goldie wieder zur Band gestoßen, was man dem Songmaterial anhört. Warum kam er wieder in die Band?

– Tracy G. ist ein einmaliger Gitarrist, aber es kam immer öfter vor, dass mich Leute nach den Konzerten ansprachen, ob ich nicht wieder mit Craig Goldie zusammenarbeiten möchte. Mit Tracy verbindet mich eine gute Freundschaft, aber irgendetwas musste ja an dem Wunsch der Fans sein. So fragte ich Craig, ob er nicht wieder bei mir spielen wollte und er sagte ja. Jetzt hatten wir aber eine Problem, dass wir zwei Gitarristen hatten. Das wäre auch nicht weiter schlimm gewesen, aber für Tracy war das nicht so optimal und so sagte er, dass es für ihn besser wäre, die Band zu verlassen. Im Nachhinein ist mir persönlich auch bewusst geworden, dass ich ein solches Album wie ´Magica´ mit Tracy nie zustande gebracht hätte.

Wenn ich die Alben ´Last In Line´, also das ältere Material, mit der Scheibe ´Magica´ vergleiche, fällt mir stark die Spielweise von Craig auf. Es hat sich nichts geändert, denn er spielt immer noch so punktgenau, nur mit einem Unterschied, er ist noch besser geworden.

– Das ist vollkommen richtig. Mein Wunsch war es dieses Mal auch, Songs zu schreiben, die wieder in Richtung ´Holy Diver´ oder ´Last In Line´ gingen. Die Fans wollten wieder mystische Storys von mir hören. Craig ist ein so individueller Gitarrist und für mich ist er einer der Größten ich würde fast sagen, genauso wie Richie Blackmoore.

Auf ´Angry Machines´ herrschten noch die aktuelleren Themen vor. Bei ´Magica´ ist Ronnie wieder zu den mystischen Texten (alles über Drachen, Hexen usw.) zurückgekehrt, die uns Ronnie James Dio haben lieben lassen. Fühlst du dich bei diesen Lyrics wohler?

– Ja, denn ich liebe es auf dieser Art meine Gefühle auszudrücken. Es ist aber auch für die Fans gut, ein wenig aus dem normalen Leben herauszukommen, denn es herrscht doch im reellen Leben sehr viel Elend. Man nehme zum Beispiel Kriege, eine Überbevölkerung in der dritten Welt, das zermürbende Leben im Alltag, die Krankheit Aids oder die Tatsache das junge Menschen es in der heutigen Zeit sehr schwer haben in einer Welt, die nur noch für das Geld lebt. Ich versuche mit meinen Texten diese jungen Menschen ein wenig aus dieser Welt herauszuholen und führe sie, mit meinen Texten und meinen Shows für einige Zeit in eine andere Welt.

Vor allem kann man ein wenig träumen.

– Richtig, denn Träume sind so wichtig. Der Grund dafür, dass ich Alben wie ´Angry Machines´, ´Strange Highways´ oder auch das Black Sabbath Album ´Dehuminizer´ veröffentlicht habe, ist der, das ich mich in der damaligen Zeit auf der Welt umgesehen habe und für Träume war zu dieser Zeit einfach kein Platz. Die Welt war zu dieser Zeit so krank, dass ich die Augen davor nicht verschließen konnte. Wichtig ist aber, dass die Leute Träume haben, die irgendwann zur Wahrheit werden. Diese Lyrics sind auch viel einfacher für mich zu schreiben, denn ich kann Storys mit den jeweiligen Songs erzählen und diese zu einem Konzept zusammenschließen. Ich brauche nicht darauf zu achten, ob die Texte zu einem schnellen oder langsamen Song passen. Der Sound ist im Grunde egal bei diesen Texten, sie müssen nur mystisch und emotional rübergebracht werden und das ist für mich wesentlich einfacher.

Als ich mir ´Magica´ die ersten Male anhörte, hatte ich das Gefühl einer mystischen Rockoper zu lauschen.

– Aus dieser Sicht habe ich das Album noch gar nicht gesehen. Das Album ist sehr episch, mit vielen langsameren Parts, ausgefallen. Für deine Beschreibung des Albums möchte ich mich bedanken, denn diese Art von Erklärung habe ich noch nicht gehört.

Wenn man sich das Cover-Artwork genauer anschaut ist auf der Vorderseite das Böse und auf der Rückseite das Gute abgebildet. Wenn man das Booklet aufklappt, sieht man in der Mitte eine Landschaft. Kannst du mir die Bedeutung erklären?

– Zu Beginn der Welt gab es nur Eis, welches mit dem Guten (auf der linken Seite des Covers) angefangen hat. Je weiter man zur rechten Seite hinüberschaut wird die Welt immer öder und mündet schließlich in die Hölle, also dem Schlechten. Die Fans können auch wählen, ob sie nun das Gute oder das Böse als Frontcover wählen. Das bleibt natürlich jedem selber überlassen, aber das Album tendiert mehr zum Bösen. Aber ich kann das vielleicht besser so erklären. Die Texte kommen aus dem Herzen eines Bösen, denn auch diese haben ein Herz. Alle Stücke sind sehr stark mit dem Bösen verknüpft und das Gute kommt nur sehr selten zum Vorschein. Das Böse ist am Ende der Story auch nicht zerstört, weil es auch überleben will.

Bei diesen Storys, die uns Ronnie in Form seiner Songs erzählt, wirft sich die Frage auf, woher er die Inspirationen nimmt.

– Ich lese sehr viele Bücher. Schon in jungen Jahren war ich fasziniert von diesen Büchern, die von King Arthur oder vom ´Round Table´ handelten. Auch mag ich Bücher, die sich mit Science Fiction beschäftigen. Ich bin so vernarrt in Büchern, dass ich manchmal an einem Tag ein ganzes Buch auslese. Was mir noch sehr gut gefällt sind Bücher über das Böse.

Wenn man die Geschichte am Ende der CD hört, fällt einem auf, dass man regelrecht fasziniert zuhören muss, wenn Ronnie die Geschichte von ´Magica´ erzählt. Hast du Kinder, denen du diese Geschichten auch erzählst?

– Ich habe einen Sohn, aber leider ist er schon erwachsen und zu alt, dass ich ihm diese Geschichten erzählen kann. Aber ich verstehe was du meinst. Ich habe ihm damals, als er selber noch Kind war, Fantasygeschichten erzählt und er war immer ganz begeistert und saß still auf seinem Stuhl.

Ich kam eigentlich auf diese Frage, weil ich selber wie gebannt der Story gefolgt bin, die so ruhig und mit eindringender Stimme erzählt wurde. Ich persönlich könnte solchen Erzählungen stundenlang zuhören.

– Sehr wichtig für mich ist die Tatsache, dass das Schreiben einer Story die eine Seite ist. Aber die andere Seite ist die, dass man viel besser die gesprochenen Worte versteht als die geschriebenen. Wenn ich eine solche Geschichte erzähle versuche ich dies auch nicht mit überemotionaler Stimme, nein ich erzähle ruhig und gelassen.

Gerade diese Ruhe verleiht der Story das gewisse Etwas. ´Magica´ ist ja nun ein Konzeptalbum geworden. Würdest du solch ein Album noch einmal machen

– Ich glaube, dass dies das erst und das letzte Mal war, ein solches Konzeptalbum gemacht zu haben. Es ist, ich würde nicht sagen einfacher, aber man kann sich bei einem ´normalen´ Album über alles seine Gedanken machen und seine Träume in Lyrics umsetzen.

Vor einiger Zeit ist ein Tribute-Album von dir erschienen. Hast du die Songs für dieses Album selber ausgewählt und wusstest du überhaupt davon?

– Ich wusste davon und war sehr überrascht, dass Bands meine Songs aufnehmen um daraus ein Tribute-Album zu machen. Ich denke auch nicht, das ich ein famoser Sänger bin (Dem muss ich aber ganz kräftig widersprechen, denn so eine Stimme, wie Ronnie James Dio sie besitzt, gibt es sehr selten. Anm. d. Verf.). Ich bin ein ganz normaler Mensch. Als ich dann das fertige Album hörte, war ich sehr stolz, denn alle Bands haben ihren Job mehr als gut erledigt und die Songs wurden exzellent ausgewählt und interpretiert.

Die besten Alben von Ronnie James Dio waren für mich ´Holy Diver´, ´Last In Line´ und ´Look Up The Wolfes´. Glaubst du, dass diese Zeit wieder zurückkehrt?

– Das glaube ich, ist schon passiert. Zur damaligen Zeit wurde unser Sound von Stilen wie Grunge oder Crossover überrollt. In der heutigen Zeit, so verspüre ich es, hat der klassische Heavy Metal doch wieder an Boden gut gemacht und ich sehe ziemlich positiv in die Zukunft. Ich merke auch, dass immer mehr jüngere Fans in unseren Reihen zu sehen sind und das kräftigt meinen Optimismus. Es gab zur damaligen Zeit Sänger, wie z.B. Robert Plant oder Gitarristen wie Tony Iommi oder Richie Blackmore, die in der heutigen Zeit von vielen als Idole genannt werden. Ich bin sicher, dass der Rock´n Roll niemals sterben wird, denn dafür gibt es zu viele junge Leute, die dieses Feeling in sich tragen.

Ich schätze dich als einen mystischen und romantischen Menschen ein.

– Das ist richtig ich bin von ganzem Herzen mystisch und romantisch veranlagt.

Aber ich glaube jetzt auch, dass du mit der Veröffentlichung ´Angry Machines´ nicht so recht glücklich warst.

– Nein, so richtig glücklich war ich nicht, mit diesem für mich doch recht ungewöhnlichen Album. Es war schwierig zu singen und vor allem ehrlich bei einem Konzert rüber zu bringen. Viele sagten zwar, das ´Angry Machines´ das beste Album war, das ich je gemacht habe, aber ich sehe das anders. Ich war sehr unglücklich damit. Dagegen ist ´Strange Highways´, welches ja auch mit moderneren Lyrics und auch Sound ausgestattet war, ein klasse Album gewesen. Aber für mich zählen ehrlich nur Scheiben wie ´Holy Diver´, ´Last In Line´ oder ´Look Up The Wolfes´, denn sie sind sehr wichtig für mich.

Du warst nun schon einige Zeit auf Tour. Wie war denn die Reaktion der Fans auf dein neues Werk?

– Die Tour in Amerika war sehr gut, schon fast unglaublich. Es ist auch wieder gut in Deutschland zu spielen, denn das Publikum hier ist sehr enthusiastisch. Die besten Shows waren aber in Spanien. Das spanische Publikum ist nur phantastisch. Das Album wurde von den Fans mehr als gut aufgenommen, denn ein solches hatten die Fans schon seit langer Zeit von mir erwartet.

Ich kann Ronnie James Dio, nach diesem wirklich angeregten Interview nur alles Gute für die nächste Zeit wünschen und hoffen ihn bald wieder in unserer Gegend bei einem Konzert zuzuschauen, denn wenn Ronnie auf die Bühne kommt, verliert man sich in eine andere Welt und genießt über anderthalb Stunden eine Welt von Drachen, Hexen, Wölfen und Dämonen. Hoffentlich bleibt uns dies noch lange erhalten.

Story: Gisela 

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