TEN
Im Jahr 1994 entstand die Melodik-Rock Band TEN. Zu ihr gehören von Anfang an Gary Hughes (vocals), Vinny Burns (guitars), John Halliwell (guitars), Steve McKenna (bass guitar) and Greg Morgan (drums). Als Gastmusiker war Don Airey (keyboards) mit von der Partie. Mit dem Album „Babylon“ ist nun ihre fünfte Scheibe veröffentlicht worden. Gary erzählte mir einiges über den Schaffensprozess von „Babylon“.
Wie kamt ihr auf euren Bandnamen TEN?
– Die Zahl TEN ist eine spirituelle Zahl, eine wichtige spirituelle Zahl. Wir hatten eine Liste von Namen die in Frage hätten kommen können. Ich glaube, die Nummer TEN hat einen guten, starken Klang als Name. Und schließlich haben wir uns dann auch für diesen Namen entschieden. Ich finde TEN ist ein neutraler Name für eine Band. Er sagt nicht aus, das unsere Musikrichtung hart sein muss. Sie kann auch das genaue Gegenteil sein. TEN hat für mich außerdem sehr viel Power.
Wer ist zuständig für die Musik und wer ist verantwortlich für die Lyrik?
– Manchmal arbeiten Vinny und ich gemeinsam an den Texten, aber normalerweise schreibe ich die Lyrik. Wir alle Arbeiten zur gleichen Zeit an unseren Songs. Vinny zum Beispiel ist in erster Linie für seine Solos zuständig. Jeder von uns kreiert an den Stücken und bringt seine Ideen mit ein, damit wir unser Album auf den Weg bringen können. TEN ist das Wichtigste für uns.
Habt ihr „Babylon“ selber produziert?
– Das Album produziert: ja. Aber eine schwierige Sache war das Mischen. Wir wollten besondere Effekte haben und uns ganz auf unsere Musik konzentrieren. Deswegen hatten wir hierfür einen Toningenieur – Audu Obaje.
„Babylon“ ist ein sehr prägnanter Name für ein Album. Wie kamt ihr darauf?
– Unser neues Album ist ein Konzeptalbum. Diese Geschichte basiert auf eine futuristische Geschichte. Sie spielt vorwiegend in und um eine, mit Computer, kontrollierte Stadt im Jahre 3000. Für diese Stadt wollten wir einen Namen finden. Der älteste Stadtname kommt aus dem biblischen und ist „Babylon“. Und wir fanden es interessant unsere futuristische Zukunftsstadt „Babylon“ zu nennen. „Babylon“ als älteste, vergangene Stadt und in einer Zukunftsvision – ich finde es spannend.
Ihr habt für eure Geschichte einen Sprecher und eine Sprecherin eingesetzt – was war eure Intention?
– Als wir über unser Konzept sprachen, war es sehr wichtig für mich, dass die Geschichte eine universelle, für den Zuhörer zugängliche Thematik haben sollte. Und eine Liebesgeschichte ist solch ein Motiv. Jeder sollte die Problematik der Geschichte und die Emotionen der Personen verstehen bzw. ihre Lebensumstände begreifen können. Außerdem geschehen in unserer Story auch Dinge, die wir in unseren Songs nicht einfließen lassen konnten, wie z. B. die junge Sekretärin, die tot aufgefunden wurde, weil sie ermordet worden war. Ein wenig lehnt sich unsere Geschichte auch an die Marilyn Monroe Situation oder die der Kennedys. Ich empfand es als eine gute Idee, mit Hilfe von Zwischentexten die Geschehnisse zu dokumentieren. Deshalb die Zwischenstimmen. Es wurde einfach verständlicher. – Die Songs waren von den Gefühlen und der Dynamik her stark genug und könnten auch für sich allein stehen, sie ergeben generell einen Sinn. Auch das war für mich sehr wichtig. Aber mit den Zwischentexten ist die Story in ihrer Gesamtheit gut verständlich. Wir haben die Erzähler von den Texten her sehr reduziert, ähnlich wie die Texte der Nachrichtensprecher. Den Songs wird dadurch jedoch nichts weggenommen.
Hatten die Sprecher etwas mit eurer Band zu tun oder wurden sie für „Babylon“ engagiert?
– Ja, wir haben sie engagiert. Die Sprecherin – Georgina Rudden – arbeitet für die BBC und der Sprecher – Gavin Fernie – ist ein amerikanischer Freund von Vinny. Sie haben die Texte eingesprochen und wir haben sie später bearbeitet damit sie futuristischer klingen – entfremdeter. Die Stimme von Georgina wurde von uns so verändert, dass der Zuhörer das Gefühl hat, als wenn ein Computer spricht.
Die Sprecher kamen ja nun nicht aus dem Rock-Bereich. Wie war denn die Zusammenarbeit?
– Es war nicht leicht. Sie haben zuvor niemals etwas mit Melodikrock direkt oder indirekt zu tun gehabt. Es war natürlich nicht einfach und für uns und unsere Sprecher eine große Herausforderung. Aber das war ja gerade das Spannende daran – etwas zu tun, das man noch nie im Leben gemacht hat.
Wie lange habt ihr für die Produktion von „Babylon“ gebraucht?
– Wir haben mit unserem Album im Oktober 1999 begonnen. Die tatsächliche Studioarbeit begann dann im Februar diesen Jahres und dauerte ca. anderthalb Monate. Es war eigentlich keine sehr lange Produktionszeit, sie dauerte von Oktober bis April. Dazwischen gab es immer wieder Unterbrechungen, dann wurde wiederholt an den Songs gearbeitet. Wenn ich den Produktionsprozess in Tagen ausdrücken würde, dann dauerte es vielleicht 40 Tage.
Habt ihr schon einmal ein Konzeptalbum produziert?
– Nein, „Babylon“ ist unser erstes Konzeptalbum. Es war jetzt die richtige Zeit für uns, es zu produzieren.
Allerdings ist „Babylon“ für mich eigentlich schon fast eine Rockoper?
– Oh, richtig. – Das ist eine interessante Möglichkeit. Stimmt … könnte man so sehen. – Ja, ich denke das ist wahr, es ist auch ein Rockoper. Das ist ein interessanter Aspekt.
Was inspirierte euch dazu, diese Geschichte zu produzieren?
– Einmal die reale Historie und außerdem bin ich ein Fan von futuristischen Geschichten. Einer meiner Lieblingsfilme ist Bladerunner. Er enthält all das, was für mich wichtig ist, wie zum Beispiel die Gefühle in den verschiedenen Situationen, die Spannung, die mitunter düsteren Eindrücke in vielen Szenen und daneben die Härte. Ich denke, gerade für die Produktion unseres Albums „Babylon“ mit dieser Thematik, war es sehr wichtig sich auch am Kino zu orientieren – Kinoposter, die Darstellung der Charaktere. Der Background von Bladerunner zum Beispiel, vermittelt eine bestimmte Stimmung, ein bestimmtes Gefühl. Es ist sehr wichtig, dass das herüberkommt. Das war unsere Inspiration, die hinter unserem Album stand.
Das stimmt. Als ich euer Cover sah, hat es mich sofort an ein Kinoposter erinnert. Handgemalt, mit Szenenbildern.
– Ja, das war unsere Idee. Ein Cover zu machen, das einem Kinoposter ähnelt. Das Cover spiegelt die Stimmung und einige Inhalte unserer Geschichte wieder. Und genau das wollten wir damit erreichen.
Auf eurem Cover sieht man neben den Personen in Hintergrund Chinatown!
– Ja. Chinatown oder Japanesetown ist für uns ein Symbol. Es drückt für uns die Hektik und die Hast aus. Außerdem gibt es in den Schriftzügen viele Symbole und Zeichen. Diese Stadt hat mich auf die Idee gebracht, dass es eigentlich ein Platz vieler Nationalitäten ist.
Zurück zur Musik – eure Songs gehen ins Ohr und ich denke das wird durch die Kombination zwischen der melodischen Lyrik und den zum Teil harten, aggressiven Background hervorgerufen.
– Ja, natürlich. Ich freue mich, das du das so siehst.
Die Melodieführung liegt in den Texten. Wie wichtig ist das für dich?
– Das ist sehr wichtig. Wenn ich an den Songs arbeite, dann steht normalerweise zuerst die Melodie und erst am Schluss werden die Texte arrangiert. Es ist für mich daher notwendig, das die Melodieführung fertig ist. Meiner Meinung nach, ist ein Song dann gut, wenn er allein mit der Stimme und einer Akustikgitarre oder der Stimme und der Pianobegleitung stehen kann. Und dann kommt das Fundament dazu – die verschiedenen Instrumente. Bei „Babylon“ stand für uns die Geschichte fest. Insofern war unsere Arbeit etwas leichter als sonst. Was wir zu tun hatten: Die Lyrik schreiben und die Songs zu unserer Story kreieren. Es war einfacher, weil wir uns wirklich nur an unsere Geschichte und an die Gefühle der Personen halten mussten. Wenn du an einem Album arbeitest, das zehn verschiedene Songs enthält, die eigentlich alle nichts miteinander zu tun haben, dann heißt das meistens: Richtig viel Arbeit.
Neben der Promotion ihres Albums „Babylon“ planen TEN noch in diesem Jahr mit der Produktion eines neuen Albums zu beginnen. Außerdem haben sie vor, im letzten Quartal diesen Jahres ihre Europatour zu starten. Ich freue mich schon darauf.
Gabi Peiter
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