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AYREON

Der Niederländer, Arjen Anthony Lucassen, hat seine Musikerlaufbahn um 1980 begonnen und bis etwa 1992 in verschiedenen Bands gespielt. Aber er wollte mehr … seine eigenen Musik-Ideen verwirklichen. Er begann als Projekt unter dem Namen AYREON, Klassik-Rock Opern bzw. Klassik-Rock Stories entstehen zu lassen. Jetzt ist sein neuestes Werk entstanden: Part I „The Dream Sequenzer“ und Part II „Flight Of The Migrator“. Ich hatte das Glück mit Arjen über seine Alben reden zu können.

 

AYREON, ist ein Projekt?

– Ja.

Wie viele Alben hast du schon unter AYREON veröffentlicht?

– Die neuesten Alben „The Dream Sequenzer“ und „Flight Of The Migrator“ sind in Wirklichkeit die Alben vier und fünf. Ich habe also schon drei Alben unter AYREON herausgebracht. Mit diesen Alben habe ich das verwirklicht, was ich schon immer machen wollte, wozu ich aber nie gekommen bin, da ich bis 1992 in verschiedenen Bands eingebunden war. In dieser Zeit musste ich Kompromisse mit den anderen Bandmitgliedern machen. Dann habe ich ein Soloalbum herausgebracht, was aber niemand gekauft hat. So in der Art von den Beatles, Pink Floyd … Ich denke es hat mich damals niemand verstanden. Und danach dachte ich mir: Jetzt produziere ich ein Album ganz allein. Ich höre auf niemanden und lasse mir auch nicht von irgendjemandem herein reden. In dieses Album wollte ich alles einfließen lassen was mich in meinen Musikerjahren beeinflusst hat, genauso wie die 60er, 70er und 80er Jahre. Und natürlich meinen eigenen Stil. 1994 habe ich meine erste AYREON Platte gemacht – eine richtige Rock-Oper. Sie spielt im Mittelalter, und dann habe ich versucht sie zu verkaufen. Und jeder sagte zu mir: Du bist echt verrückt, dass du eine Rock-Oper in den 90er Jahren machst. Außerdem war mein Album auch noch progressiv – für viele ist das ein ganz schlimmes Wort.

Was ist für dich progressive Musik?

– Für mich heißt progressiv so viel, wie: Ich will meine Grenzen verlegen. Ich will immer weiter, ohne Einschränkungen. Natürlich gibt es für mich Musikbereiche die ich nicht machen will, wie z.B. Reggae, Dance oder Techno…. Niemand wollte dieses Album und erst 1995 konnte ich eine sehr kleine Plattenfirma hier in Holland finden, die sich meines Albums annahm. Und diese Platte wurde ein großer Erfolg. Es wirkten viele bekannte Gast-Bands mit, u.a. Golden Earing… 1997 habe ich das zweite Album unter AYREON herausgebracht, das allerdings nicht so erfolgreich war. Es wirkten weniger bekannte Gast-Musiker mit. Meine dritte AYREON kam 1998 auf den Markt, eine Doppel-CD mit sehr vielen Gast-Musikern, die wieder sehr erfolgreich war. Als Gäste waren u.a. dabei Fish von Marillion. Das war eine gute Basis für meine neuen Alben.

Wann hattest du die Idee für die beiden Alben „The Dream Sequencer“ und „Flight Of The Migrator“?

– Die Idee für die Musik hatte ich eigentlich direkt nach der Fertigstellung meines letzten Albums 1998. Ich bin sofort wieder ins Studio gegangen um ein neues Projekt zu starten. Ich habe zwei Jahre dafür gebraucht. Mein Wunsch war es, zwei verschiedene Alben zu produzieren – eine softe und eine heavy CD. Erst zum Schluss habe ich mir Gedanken über die Geschichte gemacht. Ich lasse mich inspirieren durch die Musik und dann arbeite ich an den Texten.

Wie würdest du deine Alben einstufen: Als Rock-Oper oder als Konzept-Album?

– Meine erstes Album war eine Rock-Oper, mein zweites Album war ein Konzept-Album. Denn nur die einzelnen Songs erzählten eine Geschichte. Das dritte Album war eine richtige Rock-Oper. Acht Sänger/innen haben acht verschiedene feste Rollen gespielt. So gab es Songs, in denen sie miteinander gesungen haben. Die neuen Alben sind etwas in der Mitte. Sie sind keine richtige Rock-Oper, da die Songs von verschiedenen Sängern gesungen werden, aber es ist trotzdem von Anfang bis Ende eine zusammenhängende Geschichte.

Du machst alles selbst?

– Ja, ich mache die Musik, die Texte, ich produziere selbst. Ich habe ein eigenes Studio. Da mein erstes AYREON Album so gut lief, hatte ich die Möglichkeit mein eigenes Studio einrichten zu können.

Du hast sehr viele Gastsänger/innen auf deinen Alben. Wie seid ihr zusammen gekommen?

– Viele der Sänger habe ich in ihren Ländern aufgesucht und aufgenommen, z.B Lana Lane in USA und auch hier in Holland. Einige Sänger habe ich auch einfliegen lassen. Es ist sehr viel Arbeit an diese Musiker heranzukommen, denn die meisten von ihnen sind in Bands eingebunden. Besonders wenn sie nicht wissen wer AYREON ist. Ich versuche dann, sie zu überzeugen. Und es kann dann sehr lange dauern, bis sie sich dazu entschließen mitzumachen. An die Leute, mit denen ich schon einmal ein Projekt gemacht habe, komme ich leichter heran. Wenn ich die Musiker dann überzeugt habe und die Zusammenarbeit beginnt, das ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Es macht viel Spaß – es ist einfach unbeschreiblich.

Du hast ein Thema gewählt, das von Ferne, Entfernung, Universum und Sternen erzählt. Was hat dich inspiriert?

– Mein Interesse für das Universum war immer schon sehr groß gewesen. Wie ist es entstanden. Wo hört es auf oder gibt es kein Ende. Was ist das, wenn etwas nicht aufhört. Die Milchstraße mit den unzählig vielen Sternen, die da sind und irgendwann wieder verglühen. Die schwarzen Löcher … Es war immer schon mein Wunsch, einmal eine Rock-Oper über dieses Thema zu machen. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich eine Geschichte hatte, die im Universum spielt. Ich habe mich über dieses Thema kundig gemacht u.a. übers Fernsehen. Ich wollte keinen Blödsinn schreiben.

Nach deinem Epilog beginnt die Geschichte, aber du hast die Gefühle wie Trauer, Einsamkeit auch im Weltraum nicht vergessen.

– Das stimmt. Das erste Album beginnt auf dem Mars und es findet eine Rückerinnerung statt. Wie war es auf der Erde zu der Zeit, als die Menschheit noch nicht vernichtet war. Die Menschen auf dem Mars sterben, da es zu wenig Sauerstoff und nicht genug zu essen gibt. Es lebt nur noch einen Menschen, der sich mit Hilfe eines Dream Sequenzers hypnotisieren lassen kann. Das zweite Album spielt ausschließlich im Weltraum. Eigentlich sind „The Dream Sequenzer“ und „Flight Of The Migrator“ Nachfolgealben von meiner ersten CD. Denn die spielt in der Zeit vor der Vernichtung.

Wie siehst du die Menschen in Bezug auf die Erde?

– Es sieht sehr schlecht aus. Wenn ich Fernsehen sehe oder in die Zeitung schaue, dann bin ich oft sehr traurig. Ich verstehe es nicht, und ich kann es nicht ändern. Das macht mich oftmals sehr wütend. Ich kann nur versuchen die Menschen mit meinen Songs ein wenig aufzurütteln bzw. dass sie für eine kurze Zeit dem Alltag entfliehen können. Es ist kaum möglich den Menschen ihren Fortschritt wegzunehmen. Aber vielleicht ist Fortschritt nicht alles.

Du hast die Alben parallel produziert?

– Genau. In diesen zwei Jahren. Ich kann das schaffen, da ich nicht live spiele. Alle Musik- und Gesangparts werden in reiner Studioarbeit eingespielt. Nur das Schlagzeug kann ich nicht zu Hause aufnehmen. Dafür gehe ich in ein anderes Studio.

Deine Projekte mit dieser Vielzahl von Gastmusikern machen es dir ja unmöglich auf Tour zu gehen. Vermisst du es nicht manchmal: Die Nähe deiner Fans, die Atmosphäre auf Konzerten oder in einer Band zu spielen?

– In einer Band zu spielen: überhaupt nicht. Ich habe es beinahe fünfzehn Jahre gemacht, und wir haben uns so viel gestritten. Am Anfang war es schön, als ich zwanzig war, ich habe es genossen. Aber irgendwann habe ich gedacht: Jetzt nicht mehr. Es waren zu viele Kompromisse, die ich eingehen musste. Was ich vielleicht vermisse, das ist die Publikumsnähe. Das Mitmachen der Fans. Mir wurde gesagt: In Frankreich hast du 8000 Alben verkauft, und ich dachte dann: Oh, Mist, warum sind es nicht 10000. Dann war ich in Frankreich und sah die Menschen, und die Verkaufszahlen waren keine Statistiken mehr. Die Leute waren richtig aufgeregt als sie mich sahen. Ich hatte das so gar nicht erwartet. Und dann siehst du eigentlich erst, was du in der Musik gemacht hast, was die Menschen empfinden.

Eine letzte Frage an dich. Wenn heute jemand zu dir sagen würde: Hey, hast du Lust mit auf den Mars zu fliegen, was würdest du tun?

– Also, wenn bei mir im Garten ein UFO landen würde, dann würde ich einfach einsteigen und mitfliegen, egal wo hin.

Dann hoffen wir, dass in Arjen’s Garten niemals ein UFO landen wird und wir die Chance haben irgendwann eine neue Geschichte in Form eine CD hören zu können.

Gabi Peiter

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